Archiv der Kategorie: Science-Fiction

Warhammer 40K: Wrath & Glory Rollenspiel – Vorbestellung der deutschen Version ab sofort möglich

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Die deutsche Ausgabe des von Ulisses Nordamerika entwickelten Rollenspiels Wrath & Glory, das im finsteren 41. Jahrtausend des Warhammer Universums spielt, ist ab sofort in Ulisses Spieles hauseigenem F-Shop vorbestellbar. Erscheinen wird das Regelwerk im Februar 2019, so dass die Vorbestelleraktion nur bis Ende Januar laufen wird

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Angeschaut: „Your Name“ – ein gutes Rezept gegen das Winterwetter

Angeschaut: „Your Name“ – ein gutes Rezept gegen das Winterwetter
Einer der erfolgreichsten Anime-Filme aller Zeiten, der bereits Ghiblis „Chihiro“ entthronte, ist seit Kurzem in deutschen Kinos zu sehen. Fans wie Kritiker sind begeistert, die Umsätze an den Kassen und Preisnominierungen sprengen alle Rekorde. Was macht Your Name so besonders?
Man könnte einen Artikel zu Your Name mit vielen Superlativen beginnen. Etwa mit einer ausführlichen Vorstellung des Regisseurs Makoto Shinkai, der sich bereits vor Your Name mit mehreren gefeierten Produktionen wie Five Centimeters Per Second oder Voices of a Distant Star einen Namen (Wortspiel beabsichtigt!) in der Animationsszene machte. Ein meisterhafter Erzähler, der immer wieder menschliche Beziehungen mit phantastischen Elementen in seinen Handlungen verwebt und bereits als neuer Hayao Miyazaki gefeiert wird (was er bescheiden abstreitet).
Oder man könnte den kommerziellen Erfolg hervorheben: Seit der Premiere im Juli 2016 hat der Film weltweit 355 Millionen Dollar eingespielt und ist damit der erfolgreichste Anime überhaupt. Zahlreiche Preisverleihungen gingen mit dem Erfolg einher, unter anderem der Filmkritikerpreis Los Angeles 2016 und zwei Nominierungen für Hollywoods „Animations-Oscar“ Annie 2017. Man könnte aber auch alle Bombastik ignorieren und Your Name auf seinen Kern reduzieren: Eine wunderschön erzählte, berührende Sci-Fantasy-Coming of Age-Mystik-Action-Romanzen-Katastrophen-Komödie. Moment, was?!
Story
Die Teenagerin Mitsuha lebt in der Kleinstadt Itomori in der japanischen Provinz. Ihr Leben ist beschaulich bis langweilig: Sie geht zur Schule, lernt Weben mit ihrer Großmutter und ihr Vater, der örtliche Bürgermeister, wird regelmäßig wiedergewählt. Für eine Jugendliche wie sie ein todlangweiliges Dasein. Lieber möchte sie in einer aufregenden Großstadt wie Tokio wohnen. Eines Tages sprechen ihre Mitmenschen sie auf ein höchst seltsames Verhalten an: Vor einigen Tagen habe sie sich merkwürdig burschikos verhalten, ihre Haare nicht gekämmt, ihren Schulweg vergessen und Ähnliches. Doch Mitsuha kann sich an nichts davon erinnern, bis sie in ihrem Notizbuch in einer anderen Handschrift den Eintrag „Wer bist du?“ findet.
In der japanischen Hauptstadt Tokio lebt der jugendliche Taki ein hektisches Leben. Seinen Vater sieht er nur zum Frühstück, nach der Schule geht er meist einem Nebenjob als Kellner nach. Seine Hobbys beschränken sich auf das Kaffeetrinken mit seinen Kumpels Tsukasa und Shinta und das Verliebtsein in seine Kollegin Miki Okudera. Doch als er sich eines Tages ungewöhnlich feminin verhält, weibliche Redeformen benutzt und sogar einen Schnitt in Okuderas Rock flickt, kommt etwas Abwechslung in Takis Alltag.
Schnell finden die beiden Teenager heraus, dass sie gelegentlich die Körper tauschen. Dabei haben sie sich nie gesehen, die Kommunikation zwischen den beiden erfolgt über Einträge im Tagebuch des jeweils anderen. Als der Körpertausch irgendwann abrupt aufhört, sorgen sich die beiden allerdings um ihren erzwungenen Partner. Während Mitsuha das örtliche Herbstfest besucht, hat Taki ein (wenig erfolgreiches) Date mit Okudera. Beide Protagonisten beobachten an diesem Abend ein einzigartiges Naturschauspiel. Als kurz darauf immer noch kein Körpertausch stattfindet, begibt sich Taki zusammen mit Tsukasa und Okudera auf die Suche nach Mitsuhas Heimatort, dessen Namen er nicht einmal kennt. Nur anhand von Skizzen aus Erinnerungen fragt er sich in der Provinz durch, bis er einen Koch aus Itomori trifft, der Takis Landschaftsbilder wiedererkennt…
Ab hier Spoiler – Achtung, großer Plottwist!
…doch beim Namen Itomori ahnen Tsukasa, Okudera und der Koch Schreckliches. Sie begeben sich an den Ort, der vollständig abgeriegelt ist und erkennen lediglich zwei riesige Krater. Vor drei Jahren war der Komet Tiamat beim Vorbeiflug an der Erde auseinandergebrochen, dabei traf ein Splitter die Stadt Itomori, die größtenteils vernichtet und vom nahe gelegenen See überflutet wurde. Ein Drittel der Bewohner starben, unter anderem auch Mitsuha. Alle Aufzeichnungen, die Taki über Mitsuha gemacht hatte, verschwinden, ebenso wie seine Erinnerungen an sie, nach und nach. War alles nur Einbildung?
Taki ist erschüttert über diese Möglichkeit, begibt sich jedoch alleine weiter auf die Suche nach einem Weg, Mitsuha in der Vergangenheit zu kontaktieren. Tatsächlich findet er außerhalb der Stadt einen Schrein, in dem Mitsuha, ihre kleine Schwester sowie ihre Großmutter vor drei Jahren selbstgemachten Sake (Reisschnaps) als Opfergabe für die Götter hinterließen. Taki trinkt den Sake, erwacht in Mitsuhas Körper und startet eine tollkühne Aktion mit Mitsuhas Freunden, um die Bewohner von Itomori zu retten. Doch als der Plan kurz vor dem Einschlag zu scheitern droht, begegnen sich Mitsuha und Taki endlich…
…doch beim Namen Itomori ahnen Tsukasa, Okudera und der Koch Schreckliches. Sie begeben sich an den Ort, der vollständig abgeriegelt ist und erkennen lediglich zwei riesige Krater. Vor drei Jahren war der Komet Tiamat beim Vorbeiflug an der Erde auseinandergebrochen, dabei traf ein Splitter die Stadt Itomori, die größtenteils vernichtet und vom nahe gelegenen See überflutet wurde. Ein Drittel der Bewohner starben, unter anderem auch Mitsuha. Alle Aufzeichnungen, die Taki über Mitsuha gemacht hatte, verschwinden, ebenso wie seine Erinnerungen an sie, nach und nach. War alles nur Einbildung?
Taki ist erschüttert über diese Möglichkeit, begibt sich jedoch alleine weiter auf die Suche nach einem Weg, Mitsuha in der Vergangenheit zu kontaktieren. Tatsächlich findet er außerhalb der Stadt einen Schrein, in dem Mitsuha, ihre kleine Schwester sowie ihre Großmutter vor drei Jahren selbstgemachten Sake (Reisschnaps) als Opfergabe für die Götter hinterließen. Taki trinkt den Sake, erwacht in Mitsuhas Körper und startet eine tollkühne Aktion mit Mitsuhas Freunden, um die Bewohner von Itomori zu retten. Doch als der Plan kurz vor dem Einschlag zu scheitern droht, begegnen sich Mitsuha und Taki endlich…

Spiritualität und Slapstick
Drei japanische Begriffe, die sich dem westlichen Publikum nicht sofort erschließen, sind essentiell für den spirituell angehauchten Plot Twist von Your Name. Kuchikamizake, „Göttermund-Sake“, ist ein Reisschnaps, der in diesem Fall aus zerkautem und mit Speichel vermischtem Reis hergestellt wird. Die Enzyme aus dem menschlichen Speichel spalten die Kohlenhydrate im Reis, der flüssige Brei fermentiert zu Alkohol. Ein Vorgang, den Mitsuhas Mitschüler abstoßend finden, der aber für eine noch engere, körperliche Bindung zwischen Taki und Mitsuha steht. Indem er den Sake trinkt, hat Taki streng genommen den ersten körperlichen Kontakt zu Mitsuha.
Makoto Shinkhai, Foto von Ilya Voyager, CC BY-SA 3.0
Ein sehr intimer Moment, doch Regisseur Shinkai betont in dieser Szene eher die spirituelle statt der sexuellen Intimität. Kataware, ein regionaler Dialektbegriff für das Zwielicht, wird von Mitsuhas Lehrerin erklärt. In dem kurzen Moment, in dem sich Tag und Nacht treffen, verschwimmen der Legende nach die Grenzen zwischen den Welten. Erst durch diese Erkenntnis versteht man den Schlüsselmoment zum Höhepunkt des Films. Und als vermutlich wichtigstes Element des Films wird das Konzept des Musubi präsentiert. Mitsuhas Großmutter Hitoha erklärt diese vielschichtige Idee auf dem Weg zum Schrein. Ein Wort mit vielen Bedeutungen, das man aber mit dem vagen Begriff „Verbundenheit“ zusammenfassen kann. Dazu passt sehr gut Hitohas Rolle als Weberin. Das in Itomori seit Jahrhunderten ausgeübte Handwerk, das Mitsuha von ihrer Oma erlernt und das ebenfalls einen religiösen Bezug hat, steht als Metapher sowohl für die Beziehungen von Menschen untereinander (wie Taki und Mitsuha) als auch für die Verbundenheit der menschlichen und der göttlichen Welt.
Das alles klingt erst einmal sehr bedeutungsschwer, doch Your Name hält sich nicht mit pseudointellektueller Tiefgründigkeit auf. Der Film reißt mit durch seine gefühlvolle, heitere Leichtigkeit, die man von einer Coming-of-Age-Komödie erwarten würde. Dabei verfällt Your Name aber zu keinem Zeitpunkt in bloße Comedy. Stattdessen spielen die Slapstick-Einlagen zu Beginn clever mit Geschlechterklischees, als Mitsuha!Taki versehentlich das feminine „watashi“ anstatt des maskulinen „ore“ (beides Wörter für „ich“) benutzt oder ein niedliches Tiermotiv auf Okuderas Rock näht. Taki!Mitsuha indes zeigt ihre burschikose Seite, als sie ihren Freunden Tesshi und Sayaka ein Cafemobiliar zimmert und im Sportunterricht zu Höchstleistungen aufläuft, was darin gipfelt, dass eine Mitschülerin ihr einen Liebesbrief überreicht. Höchst amüsant ist auch der Running Gag, dass Taki!Mitsuha regelmäßig von ihrer jüngeren Schwester dabei ertappt wird, wie sie ihre „eigenen“ Brüste begrapscht.
Wie wirkt es sich eigentlich auf die Identität eines Teenagers aus, wenn man gelegentlich eine Frau im Männerkörper oder Mann im Frauenkörper ist? Your Name verfolgt diese Frage nicht weiter zugunsten des im zweiten Akt wichtigeren phantastischen Elements.

Neben Mann und Frau, Yin und Yang, wiegt die Handlung noch weitere Gegensätze auf: Der Handlungsort etwa, Großstadt gegen Provinz, Menschengedränge gegen ländliche Freiräume. Das turbulente Leben in Tokio, das Mitsuha so fasziniert, lässt Taki hinter sich, um sprichwörtlich auf dem Land verlorenzugehen. Dass die Natur eine Form von Spiritualität bietet, die im durchgetakteten und maschinengesteuerten Großstadtalltag nicht zu finden ist, ist eines der großen Leitmotive des Films und, wenn man sich Animes wie Arjuna oder Prinzessin Mononoke anschaut, auch oft ein Sehnsuchtsort japanischer Fiktion.
Es ist kein Zufall, dass der 43-jährige Makoto Shinkai bewusst auf jugendliche Protagonisten gesetzt hat. Das durch die Handlung hinweg auf Mitsuha und Taki fokussierte Charakterspiel um Vergessen, Erinnern und Suchen deutet auf die große Frage der Pubertät hin: Ich suche etwas, aber was ist es? Diese Phase, die jeder von uns einmal durchgemacht hat, kommt in Your Name besonders schön durch die Beziehungen der beiden Hauptfiguren zu den erwachsenen Charakteren zur Geltung. Takis Vater hat weniger als zehn Sekunden Spielzeit, nicht einmal einen Namen, sorgt sich nicht um seinen Sohn, der äußerst eigenständig zur Schule geht, arbeitet und mal eben mehrere Tage aufs Land verschwindet. Mitsuhas Vater dient vor allem als Widersacher, der dem jugendlichen Idealismus erwachsene Nüchternheit entgegensetzt. Seine tragische Vergangenheit als desillusionierter Ex-Priester, der sein Trauma in der bürokratischen Welt der Lokalpolitik zu heilen versucht, zeigt den jugendlichen Helden (und dem Publikum!), dass manche Lebensziele brutal scheitern. Dass er sich dennoch dem jugendlichen Optimismus beugt, unterstreicht natürlich die Grundhaltung des Films: Träume sind gut, und es lohnt sich zu kämpfen!

Spoiler: Teenager-Idealismus und Schicksal
Interessant ist, dass sowohl Mitsuha als auch Taki keine Mutter haben. Taki sucht einen Ersatz in Okudera, was letztlich nicht ganz aufgeht, während Mitsuha vor allem von ihrer Großmutter geleitet wird. Und es hat nicht nur einen rein sentimentalen Wert, dass Hitoha ihre beiden Enkelinnen nach dem Tod ihrer Tochter aufnahm. Die Frauen der Miyamizu-Familie hüten nicht nur seit Generationen den örtlichen Schrein. Scheinbar hat auch jede einzelne von ihnen (laut Hitoha) Körpertausch-Erfahrungen gemacht, was Mitsuha zu einer auserkorenen Heldin erhöht (sie vermutet ja sogar selbst, dass ihr diese Fähigkeit vererbt wurde, damit sie die Bürger von Itomori retten kann).
Und jeder Held braucht einen Widersacher. Hier ist es der Komet Tiamat, der im spirituellen Gewebe des Musubi die Rolle des willkürlichen und grausamen Gottes spielt. Vor 1200 Jahren, bei seinem letzten Besuch, schuf Tiamat den Krater, in dem Itomori heute liegt. Jetzt, bei seiner erneuten Rückkehr, löscht der Himmelskörper seine Schöpfung aus. Diese Dualität als Schöpfer- und Zerstörergottheit ist bereits am Namen abzulesen. Regisseur Shinkai verweist hier clever auf den babylonischen Schöpfungsmythos Enuma Elish: Dort ist Tiamat eine Urgöttin der Schöpfung, die nach dem Tod ihres Gemahls Abzu mörderische Rache schwört. Dass die Bedrohung durch eine Naturgewalt kommt, statt durch einen Schurken, den man bekämpfen könnte, ist natürlich auch ein sehr japanisches Motiv. Das Land ist seit Jahrtausenden den Elementen ausgesetzt: Wirbelstürme, Tsunamis und Erdbeben kosteten in der japanischen Geschichte immer wieder unzählige Menschenleben. Ab dem 20. Jahrhundert kam noch die nukleare Bedrohung hinzu: die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sowie in jüngster Geschichte der Reaktorunfall von Fukushima. Das Leben mit diesen ständigen Bedrohungen hat sich tief in die japanische Psyche eingegraben und finden sich dementsprechend oft in kulturellen Erzeugnissen wieder. Zu behaupten, dass Makoto Shinkai eine Allegorie auf Fukushima präsentieren wollte, wäre aber zu weit gegriffen. Your Name ist ein Film über die Beziehung zweier Menschen zueinander, kein reiner Katastrophenfilm. Dennoch schwingt in der emotional bedrückenden Szene, in der der Kometeneinschlag abrupt hunderte Menschenleben vernichtet, auch ein Stück japanischer Geschichte mit.
Insofern ist die Zerstörung Itomoris unvermeidlich, Zeitsprünge hin oder her. Nur die Menschen können gerettet werden, wodurch Mitsuha ihre Bestimmung erfüllt. Es mag zwar so wirken, als ob Taki ab der zweiten Filmhälfte die handelnde Figur sei, während Mitsuha gefangen in einem furchtbaren Schicksal der Rettung harrt. Dieses Klischee vermeidet Your Name aber bewusst. Betrachtet man die Rückblenden, so erkennt man deutlich, dass Mitsuha – ob gezielt oder unbeabsichtigt – schon viel früher als Taki aktiv wird: Indem sie ihn etwa in ihrer eigenen Zeitebene besucht und dem fremden Jungen ihr Haarband schenkt. Aus einer scheinbaren Laune heraus beschließt er, es zukünftig am Handgelenk zu tragen. Später bereitet sie den geweihten Sake zu, welcher einer schamanischen Droge gleich, Taki einen letzten Körpersprung ermöglicht. Die Hinweise auf Itomori, das Taki durch die Amnesie der Zeitverschiebung nur aus Skizzen kennt, all diese durch den Zeitfluss verstreuten Spuren, ermöglichen am Ende das Zusammenspiel von Taki und Mitsuha. Selbst der Verlust ihrer Erinnerung an den geliebten Menschen kann sie am Ende nicht mehr aufhalten. Die Verhinderung einer großen Katastrophe durch Teamwork – kann es ein schöneres Ende für eine Fantasy-Geschichte geben?

Interessant ist, dass sowohl Mitsuha als auch Taki keine Mutter haben. Taki sucht einen Ersatz in Okudera, was letztlich nicht ganz aufgeht, während Mitsuha vor allem von ihrer Großmutter geleitet wird. Und es hat nicht nur einen rein sentimentalen Wert, dass Hitoha ihre beiden Enkelinnen nach dem Tod ihrer Tochter aufnahm. Die Frauen der Miyamizu-Familie hüten nicht nur seit Generationen den örtlichen Schrein. Scheinbar hat auch jede einzelne von ihnen (laut Hitoha) Körpertausch-Erfahrungen gemacht, was Mitsuha zu einer auserkorenen Heldin erhöht (sie vermutet ja sogar selbst, dass ihr diese Fähigkeit vererbt wurde, damit sie die Bürger von Itomori retten kann).
Und jeder Held braucht einen Widersacher. Hier ist es der Komet Tiamat, der im spirituellen Gewebe des Musubi die Rolle des willkürlichen und grausamen Gottes spielt. Vor 1200 Jahren, bei seinem letzten Besuch, schuf Tiamat den Krater, in dem Itomori heute liegt. Jetzt, bei seiner erneuten Rückkehr, löscht der Himmelskörper seine Schöpfung aus. Diese Dualität als Schöpfer- und Zerstörergottheit ist bereits am Namen abzulesen. Regisseur Shinkai verweist hier clever auf den babylonischen Schöpfungsmythos Enuma Elish: Dort ist Tiamat eine Urgöttin der Schöpfung, die nach dem Tod ihres Gemahls Abzu mörderische Rache schwört. Dass die Bedrohung durch eine Naturgewalt kommt, statt durch einen Schurken, den man bekämpfen könnte, ist natürlich auch ein sehr japanisches Motiv. Das Land ist seit Jahrtausenden den Elementen ausgesetzt: Wirbelstürme, Tsunamis und Erdbeben kosteten in der japanischen Geschichte immer wieder unzählige Menschenleben. Ab dem 20. Jahrhundert kam noch die nukleare Bedrohung hinzu: die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sowie in jüngster Geschichte der Reaktorunfall von Fukushima. Das Leben mit diesen ständigen Bedrohungen hat sich tief in die japanische Psyche eingegraben und finden sich dementsprechend oft in kulturellen Erzeugnissen wieder. Zu behaupten, dass Makoto Shinkai eine Allegorie auf Fukushima präsentieren wollte, wäre aber zu weit gegriffen. Your Name ist ein Film über die Beziehung zweier Menschen zueinander, kein reiner Katastrophenfilm. Dennoch schwingt in der emotional bedrückenden Szene, in der der Kometeneinschlag abrupt hunderte Menschenleben vernichtet, auch ein Stück japanischer Geschichte mit.
Insofern ist die Zerstörung Itomoris unvermeidlich, Zeitsprünge hin oder her. Nur die Menschen können gerettet werden, wodurch Mitsuha ihre Bestimmung erfüllt. Es mag zwar so wirken, als ob Taki ab der zweiten Filmhälfte die handelnde Figur sei, während Mitsuha gefangen in einem furchtbaren Schicksal der Rettung harrt. Dieses Klischee vermeidet Your Name aber bewusst. Betrachtet man die Rückblenden, so erkennt man deutlich, dass Mitsuha – ob gezielt oder unbeabsichtigt – schon viel früher als Taki aktiv wird: Indem sie ihn etwa in ihrer eigenen Zeitebene besucht und dem fremden Jungen ihr Haarband schenkt. Aus einer scheinbaren Laune heraus beschließt er, es zukünftig am Handgelenk zu tragen. Später bereitet sie den geweihten Sake zu, welcher einer schamanischen Droge gleich, Taki einen letzten Körpersprung ermöglicht. Die Hinweise auf Itomori, das Taki durch die Amnesie der Zeitverschiebung nur aus Skizzen kennt, all diese durch den Zeitfluss verstreuten Spuren, ermöglichen am Ende das Zusammenspiel von Taki und Mitsuha. Selbst der Verlust ihrer Erinnerung an den geliebten Menschen kann sie am Ende nicht mehr aufhalten. Die Verhinderung einer großen Katastrophe durch Teamwork – kann es ein schöneres Ende für eine Fantasy-Geschichte geben?

Shinkais Erfolgsrezept
Makoto Shinkai hat schon in früheren Werken bewiesen, dass er ein Händchen für die Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen hat. Das allein erklärt nicht den phänomenalen Erfolg von Your Name, aber es ist sicher einer der wichtigsten Gründe dafür, warum der Film ein Millionenpublikum weltweit begeistert. Der Film funktioniert auf mehreren Ebenen, spricht sowohl Freunde von Phantastik und Anime als auch genreuninteressierte Gelegenheitszuschauer an. Wer mit Comedy nichts anfangen kann, findet später spirituellen Tiefgang, wem die übernatürlichen Elemente zu abgedreht sind, kann sich an den vielschichtigen und liebenswerten Charakteren erfreuen und wer sich von typischen Anime-Storyklischees abgestumpft fühlt, den erwartet hier eine etwas bodenständigere, erwachsenere Handlung. Apropos erwachsen, Your Name spricht auch deshalb so viele Zuschauer über 18 an, weil sich diese noch gut an die Irrungen und Wirrungen der Pubertät erinnern können.
Trotzdem ist der Film für die ganze Familie geeignet. Shinkai vermeidet platte Schockeffekte, Gewalt- oder Sexdarstellungen, die in einem derart gefühlvollen Film sowieso fehl am Platz wären. Dementsprechend gab die FSK Your Name ab 6 Jahren frei. Den Film richtig genießen kann man aber erst dann, wenn man zumindest Mitsuhas und Takis Alter erreicht hat.
Die harten Fakten:

Titel: Kimi no na wa / 君の名は。(Original), Your Name (Englisch), Your Name. – Gestern, heute und für immer (Deutsch)
Regie: Makoto Shinkai
Sprecher: Mitsuha – Mone Kamishiraishi (J)/Stephanie Sheh (E)/Laura Jenni (D), Taki – Ryunosuke Kamiki (J)/Michael Sinterniklaas (E)/Maximilian Belle (D), Okudera – Masami Nagasawa (J)/Laura Post (E)/Laura Maire (D), Hitoha – Etsuko Ichihara (J)/Glynis Ellis (E)/Eva-Maria Lahl (D) et al.
Erscheinungsjahr: 2016
Sprache: Japanisch (rezensierte Version), Englisch, Deutsch
Format: Kinofilm, ab Mai 2018 erhältlich auf DVD
Preis: Ticketpreise variieren, DVD ca. 17 Euro

 
Fazit
Anime ist nicht für jeden westlichen Zuschauer ein leicht zugängliches Genre. Die Zeichnungen, die so fernab von Disney- oder Marvel/DC-Optik scheinen, japanischer Humor oder gänzlich abgedrehte Charaktere schrecken viele Neulinge ab. Your Name ist hingegen ein hervorragender Einstieg für jeden, der mal in japanische Animation hineinschnuppern will. Wer gänzlich uninteressiert an animierten Filmen ist, kommt auch auf seine Kosten, und der Hardcore-Otaku, der scheinbar schon alles kennt, was japanische Studios in den letzten Jahrzehnten produzierten, wird hier vielleicht eine angenehme Überraschung erleben. Diese Erfolgsgeschichte ging nicht spurlos an Hollywood vorbei, wo man bereits J.J. Abrams verpflichtet hat, um mit einem Remake ein Stück vom Kuchen abzukriegen.
Ob dem Star Trek– und Star Wars-Regisseur es gelingt, diesen doch sehr japanischen Stoff in westliches Realfilmformat zu übertragen oder ob daraus eine Klamotte a la Freaky Friday wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist Makoto Shinkais jüngstes Werk ein bunter, optimistischer und gefühlvoller Film, also genau das, was man im trüben Winterwetter braucht. Anschauen!

Artikelbilder: Universum Film, Toho Ltd. , Bearbeitung: Verena Bach
Der Eintritt zu diesem Film wurde durch die Einnahmen des Patreon-Projektes finanziert.
 

Einer der erfolgreichsten Anime-Filme aller Zeiten, der bereits Ghiblis „Chihiro“ entthronte, ist seit Kurzem in deutschen Kinos zu sehen. Fans wie Kritiker sind begeistert, die Umsätze an den Kassen und Preisnominierungen sprengen alle Rekorde. Was macht Your Name so besonders?
Man könnte einen Artikel zu Your Name mit vielen Superlativen beginnen. Etwa mit einer ausführlichen Vorstellung des Regisseurs Makoto Shinkai, der sich bereits vor Your Name mit mehreren gefeierten Produktionen wie Five Centimeters Per Second oder Voices of a Distant Star einen Namen (Wortspiel beabsichtigt!) in der Animationsszene machte. Ein meisterhafter Erzähler, der immer wieder menschliche Beziehungen mit phantastischen Elementen in seinen Handlungen verwebt und bereits als neuer Hayao Miyazaki gefeiert wird (was er bescheiden abstreitet).
Oder man könnte den kommerziellen Erfolg hervorheben: Seit der Premiere im Juli 2016 hat der Film weltweit 355 Millionen Dollar eingespielt und ist damit der erfolgreichste Anime überhaupt. Zahlreiche Preisverleihungen gingen mit dem Erfolg einher, unter anderem der Filmkritikerpreis Los Angeles 2016 und zwei Nominierungen für Hollywoods „Animations-Oscar“ Annie 2017. Man könnte aber auch alle Bombastik ignorieren und Your Name auf seinen Kern reduzieren: Eine wunderschön erzählte, berührende Sci-Fantasy-Coming of Age-Mystik-Action-Romanzen-Katastrophen-Komödie. Moment, was?!
Story
Die Teenagerin Mitsuha lebt in der Kleinstadt Itomori in der japanischen Provinz. Ihr Leben ist beschaulich bis langweilig: Sie geht zur Schule, lernt Weben mit ihrer Großmutter und ihr Vater, der örtliche Bürgermeister, wird regelmäßig wiedergewählt. Für eine Jugendliche wie sie ein todlangweiliges Dasein. Lieber möchte sie in einer aufregenden Großstadt wie Tokio wohnen. Eines Tages sprechen ihre Mitmenschen sie auf ein höchst seltsames Verhalten an: Vor einigen Tagen habe sie sich merkwürdig burschikos verhalten, ihre Haare nicht gekämmt, ihren Schulweg vergessen und Ähnliches. Doch Mitsuha kann sich an nichts davon erinnern, bis sie in ihrem Notizbuch in einer anderen Handschrift den Eintrag „Wer bist du?“ findet.
In der japanischen Hauptstadt Tokio lebt der jugendliche Taki ein hektisches Leben. Seinen Vater sieht er nur zum Frühstück, nach der Schule geht er meist einem Nebenjob als Kellner nach. Seine Hobbys beschränken sich auf das Kaffeetrinken mit seinen Kumpels Tsukasa und Shinta und das Verliebtsein in seine Kollegin Miki Okudera. Doch als er sich eines Tages ungewöhnlich feminin verhält, weibliche Redeformen benutzt und sogar einen Schnitt in Okuderas Rock flickt, kommt etwas Abwechslung in Takis Alltag.
Schnell finden die beiden Teenager heraus, dass sie gelegentlich die Körper tauschen. Dabei haben sie sich nie gesehen, die Kommunikation zwischen den beiden erfolgt über Einträge im Tagebuch des jeweils anderen. Als der Körpertausch irgendwann abrupt aufhört, sorgen sich die beiden allerdings um ihren erzwungenen Partner. Während Mitsuha das örtliche Herbstfest besucht, hat Taki ein (wenig erfolgreiches) Date mit Okudera. Beide Protagonisten beobachten an diesem Abend ein einzigartiges Naturschauspiel. Als kurz darauf immer noch kein Körpertausch stattfindet, begibt sich Taki zusammen mit Tsukasa und Okudera auf die Suche nach Mitsuhas Heimatort, dessen Namen er nicht einmal kennt. Nur anhand von Skizzen aus Erinnerungen fragt er sich in der Provinz durch, bis er einen Koch aus Itomori trifft, der Takis Landschaftsbilder wiedererkennt…
Ab hier Spoiler – Achtung, großer Plottwist!
…doch beim Namen Itomori ahnen Tsukasa, Okudera und der Koch Schreckliches. Sie begeben sich an den Ort, der vollständig abgeriegelt ist und erkennen lediglich zwei riesige Krater. Vor drei Jahren war der Komet Tiamat beim Vorbeiflug an der Erde auseinandergebrochen, dabei traf ein Splitter die Stadt Itomori, die größtenteils vernichtet und vom nahe gelegenen See überflutet wurde. Ein Drittel der Bewohner starben, unter anderem auch Mitsuha. Alle Aufzeichnungen, die Taki über Mitsuha gemacht hatte, verschwinden, ebenso wie seine Erinnerungen an sie, nach und nach. War alles nur Einbildung?
Taki ist erschüttert über diese Möglichkeit, begibt sich jedoch alleine weiter auf die Suche nach einem Weg, Mitsuha in der Vergangenheit zu kontaktieren. Tatsächlich findet er außerhalb der Stadt einen Schrein, in dem Mitsuha, ihre kleine Schwester sowie ihre Großmutter vor drei Jahren selbstgemachten Sake (Reisschnaps) als Opfergabe für die Götter hinterließen. Taki trinkt den Sake, erwacht in Mitsuhas Körper und startet eine tollkühne Aktion mit Mitsuhas Freunden, um die Bewohner von Itomori zu retten. Doch als der Plan kurz vor dem Einschlag zu scheitern droht, begegnen sich Mitsuha und Taki endlich…
…doch beim Namen Itomori ahnen Tsukasa, Okudera und der Koch Schreckliches. Sie begeben sich an den Ort, der vollständig abgeriegelt ist und erkennen lediglich zwei riesige Krater. Vor drei Jahren war der Komet Tiamat beim Vorbeiflug an der Erde auseinandergebrochen, dabei traf ein Splitter die Stadt Itomori, die größtenteils vernichtet und vom nahe gelegenen See überflutet wurde. Ein Drittel der Bewohner starben, unter anderem auch Mitsuha. Alle Aufzeichnungen, die Taki über Mitsuha gemacht hatte, verschwinden, ebenso wie seine Erinnerungen an sie, nach und nach. War alles nur Einbildung?
Taki ist erschüttert über diese Möglichkeit, begibt sich jedoch alleine weiter auf die Suche nach einem Weg, Mitsuha in der Vergangenheit zu kontaktieren. Tatsächlich findet er außerhalb der Stadt einen Schrein, in dem Mitsuha, ihre kleine Schwester sowie ihre Großmutter vor drei Jahren selbstgemachten Sake (Reisschnaps) als Opfergabe für die Götter hinterließen. Taki trinkt den Sake, erwacht in Mitsuhas Körper und startet eine tollkühne Aktion mit Mitsuhas Freunden, um die Bewohner von Itomori zu retten. Doch als der Plan kurz vor dem Einschlag zu scheitern droht, begegnen sich Mitsuha und Taki endlich…

Spiritualität und Slapstick
Drei japanische Begriffe, die sich dem westlichen Publikum nicht sofort erschließen, sind essentiell für den spirituell angehauchten Plot Twist von Your Name. Kuchikamizake, „Göttermund-Sake“, ist ein Reisschnaps, der in diesem Fall aus zerkautem und mit Speichel vermischtem Reis hergestellt wird. Die Enzyme aus dem menschlichen Speichel spalten die Kohlenhydrate im Reis, der flüssige Brei fermentiert zu Alkohol. Ein Vorgang, den Mitsuhas Mitschüler abstoßend finden, der aber für eine noch engere, körperliche Bindung zwischen Taki und Mitsuha steht. Indem er den Sake trinkt, hat Taki streng genommen den ersten körperlichen Kontakt zu Mitsuha.
Makoto Shinkhai, Foto von Ilya Voyager, CC BY-SA 3.0
Ein sehr intimer Moment, doch Regisseur Shinkai betont in dieser Szene eher die spirituelle statt der sexuellen Intimität. Kataware, ein regionaler Dialektbegriff für das Zwielicht, wird von Mitsuhas Lehrerin erklärt. In dem kurzen Moment, in dem sich Tag und Nacht treffen, verschwimmen der Legende nach die Grenzen zwischen den Welten. Erst durch diese Erkenntnis versteht man den Schlüsselmoment zum Höhepunkt des Films. Und als vermutlich wichtigstes Element des Films wird das Konzept des Musubi präsentiert. Mitsuhas Großmutter Hitoha erklärt diese vielschichtige Idee auf dem Weg zum Schrein. Ein Wort mit vielen Bedeutungen, das man aber mit dem vagen Begriff „Verbundenheit“ zusammenfassen kann. Dazu passt sehr gut Hitohas Rolle als Weberin. Das in Itomori seit Jahrhunderten ausgeübte Handwerk, das Mitsuha von ihrer Oma erlernt und das ebenfalls einen religiösen Bezug hat, steht als Metapher sowohl für die Beziehungen von Menschen untereinander (wie Taki und Mitsuha) als auch für die Verbundenheit der menschlichen und der göttlichen Welt.
Das alles klingt erst einmal sehr bedeutungsschwer, doch Your Name hält sich nicht mit pseudointellektueller Tiefgründigkeit auf. Der Film reißt mit durch seine gefühlvolle, heitere Leichtigkeit, die man von einer Coming-of-Age-Komödie erwarten würde. Dabei verfällt Your Name aber zu keinem Zeitpunkt in bloße Comedy. Stattdessen spielen die Slapstick-Einlagen zu Beginn clever mit Geschlechterklischees, als Mitsuha!Taki versehentlich das feminine „watashi“ anstatt des maskulinen „ore“ (beides Wörter für „ich“) benutzt oder ein niedliches Tiermotiv auf Okuderas Rock näht. Taki!Mitsuha indes zeigt ihre burschikose Seite, als sie ihren Freunden Tesshi und Sayaka ein Cafemobiliar zimmert und im Sportunterricht zu Höchstleistungen aufläuft, was darin gipfelt, dass eine Mitschülerin ihr einen Liebesbrief überreicht. Höchst amüsant ist auch der Running Gag, dass Taki!Mitsuha regelmäßig von ihrer jüngeren Schwester dabei ertappt wird, wie sie ihre „eigenen“ Brüste begrapscht.
Wie wirkt es sich eigentlich auf die Identität eines Teenagers aus, wenn man gelegentlich eine Frau im Männerkörper oder Mann im Frauenkörper ist? Your Name verfolgt diese Frage nicht weiter zugunsten des im zweiten Akt wichtigeren phantastischen Elements.

Neben Mann und Frau, Yin und Yang, wiegt die Handlung noch weitere Gegensätze auf: Der Handlungsort etwa, Großstadt gegen Provinz, Menschengedränge gegen ländliche Freiräume. Das turbulente Leben in Tokio, das Mitsuha so fasziniert, lässt Taki hinter sich, um sprichwörtlich auf dem Land verlorenzugehen. Dass die Natur eine Form von Spiritualität bietet, die im durchgetakteten und maschinengesteuerten Großstadtalltag nicht zu finden ist, ist eines der großen Leitmotive des Films und, wenn man sich Animes wie Arjuna oder Prinzessin Mononoke anschaut, auch oft ein Sehnsuchtsort japanischer Fiktion.
Es ist kein Zufall, dass der 43-jährige Makoto Shinkai bewusst auf jugendliche Protagonisten gesetzt hat. Das durch die Handlung hinweg auf Mitsuha und Taki fokussierte Charakterspiel um Vergessen, Erinnern und Suchen deutet auf die große Frage der Pubertät hin: Ich suche etwas, aber was ist es? Diese Phase, die jeder von uns einmal durchgemacht hat, kommt in Your Name besonders schön durch die Beziehungen der beiden Hauptfiguren zu den erwachsenen Charakteren zur Geltung. Takis Vater hat weniger als zehn Sekunden Spielzeit, nicht einmal einen Namen, sorgt sich nicht um seinen Sohn, der äußerst eigenständig zur Schule geht, arbeitet und mal eben mehrere Tage aufs Land verschwindet. Mitsuhas Vater dient vor allem als Widersacher, der dem jugendlichen Idealismus erwachsene Nüchternheit entgegensetzt. Seine tragische Vergangenheit als desillusionierter Ex-Priester, der sein Trauma in der bürokratischen Welt der Lokalpolitik zu heilen versucht, zeigt den jugendlichen Helden (und dem Publikum!), dass manche Lebensziele brutal scheitern. Dass er sich dennoch dem jugendlichen Optimismus beugt, unterstreicht natürlich die Grundhaltung des Films: Träume sind gut, und es lohnt sich zu kämpfen!

Spoiler: Teenager-Idealismus und Schicksal
Interessant ist, dass sowohl Mitsuha als auch Taki keine Mutter haben. Taki sucht einen Ersatz in Okudera, was letztlich nicht ganz aufgeht, während Mitsuha vor allem von ihrer Großmutter geleitet wird. Und es hat nicht nur einen rein sentimentalen Wert, dass Hitoha ihre beiden Enkelinnen nach dem Tod ihrer Tochter aufnahm. Die Frauen der Miyamizu-Familie hüten nicht nur seit Generationen den örtlichen Schrein. Scheinbar hat auch jede einzelne von ihnen (laut Hitoha) Körpertausch-Erfahrungen gemacht, was Mitsuha zu einer auserkorenen Heldin erhöht (sie vermutet ja sogar selbst, dass ihr diese Fähigkeit vererbt wurde, damit sie die Bürger von Itomori retten kann).
Und jeder Held braucht einen Widersacher. Hier ist es der Komet Tiamat, der im spirituellen Gewebe des Musubi die Rolle des willkürlichen und grausamen Gottes spielt. Vor 1200 Jahren, bei seinem letzten Besuch, schuf Tiamat den Krater, in dem Itomori heute liegt. Jetzt, bei seiner erneuten Rückkehr, löscht der Himmelskörper seine Schöpfung aus. Diese Dualität als Schöpfer- und Zerstörergottheit ist bereits am Namen abzulesen. Regisseur Shinkai verweist hier clever auf den babylonischen Schöpfungsmythos Enuma Elish: Dort ist Tiamat eine Urgöttin der Schöpfung, die nach dem Tod ihres Gemahls Abzu mörderische Rache schwört. Dass die Bedrohung durch eine Naturgewalt kommt, statt durch einen Schurken, den man bekämpfen könnte, ist natürlich auch ein sehr japanisches Motiv. Das Land ist seit Jahrtausenden den Elementen ausgesetzt: Wirbelstürme, Tsunamis und Erdbeben kosteten in der japanischen Geschichte immer wieder unzählige Menschenleben. Ab dem 20. Jahrhundert kam noch die nukleare Bedrohung hinzu: die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sowie in jüngster Geschichte der Reaktorunfall von Fukushima. Das Leben mit diesen ständigen Bedrohungen hat sich tief in die japanische Psyche eingegraben und finden sich dementsprechend oft in kulturellen Erzeugnissen wieder. Zu behaupten, dass Makoto Shinkai eine Allegorie auf Fukushima präsentieren wollte, wäre aber zu weit gegriffen. Your Name ist ein Film über die Beziehung zweier Menschen zueinander, kein reiner Katastrophenfilm. Dennoch schwingt in der emotional bedrückenden Szene, in der der Kometeneinschlag abrupt hunderte Menschenleben vernichtet, auch ein Stück japanischer Geschichte mit.
Insofern ist die Zerstörung Itomoris unvermeidlich, Zeitsprünge hin oder her. Nur die Menschen können gerettet werden, wodurch Mitsuha ihre Bestimmung erfüllt. Es mag zwar so wirken, als ob Taki ab der zweiten Filmhälfte die handelnde Figur sei, während Mitsuha gefangen in einem furchtbaren Schicksal der Rettung harrt. Dieses Klischee vermeidet Your Name aber bewusst. Betrachtet man die Rückblenden, so erkennt man deutlich, dass Mitsuha – ob gezielt oder unbeabsichtigt – schon viel früher als Taki aktiv wird: Indem sie ihn etwa in ihrer eigenen Zeitebene besucht und dem fremden Jungen ihr Haarband schenkt. Aus einer scheinbaren Laune heraus beschließt er, es zukünftig am Handgelenk zu tragen. Später bereitet sie den geweihten Sake zu, welcher einer schamanischen Droge gleich, Taki einen letzten Körpersprung ermöglicht. Die Hinweise auf Itomori, das Taki durch die Amnesie der Zeitverschiebung nur aus Skizzen kennt, all diese durch den Zeitfluss verstreuten Spuren, ermöglichen am Ende das Zusammenspiel von Taki und Mitsuha. Selbst der Verlust ihrer Erinnerung an den geliebten Menschen kann sie am Ende nicht mehr aufhalten. Die Verhinderung einer großen Katastrophe durch Teamwork – kann es ein schöneres Ende für eine Fantasy-Geschichte geben?

Interessant ist, dass sowohl Mitsuha als auch Taki keine Mutter haben. Taki sucht einen Ersatz in Okudera, was letztlich nicht ganz aufgeht, während Mitsuha vor allem von ihrer Großmutter geleitet wird. Und es hat nicht nur einen rein sentimentalen Wert, dass Hitoha ihre beiden Enkelinnen nach dem Tod ihrer Tochter aufnahm. Die Frauen der Miyamizu-Familie hüten nicht nur seit Generationen den örtlichen Schrein. Scheinbar hat auch jede einzelne von ihnen (laut Hitoha) Körpertausch-Erfahrungen gemacht, was Mitsuha zu einer auserkorenen Heldin erhöht (sie vermutet ja sogar selbst, dass ihr diese Fähigkeit vererbt wurde, damit sie die Bürger von Itomori retten kann).
Und jeder Held braucht einen Widersacher. Hier ist es der Komet Tiamat, der im spirituellen Gewebe des Musubi die Rolle des willkürlichen und grausamen Gottes spielt. Vor 1200 Jahren, bei seinem letzten Besuch, schuf Tiamat den Krater, in dem Itomori heute liegt. Jetzt, bei seiner erneuten Rückkehr, löscht der Himmelskörper seine Schöpfung aus. Diese Dualität als Schöpfer- und Zerstörergottheit ist bereits am Namen abzulesen. Regisseur Shinkai verweist hier clever auf den babylonischen Schöpfungsmythos Enuma Elish: Dort ist Tiamat eine Urgöttin der Schöpfung, die nach dem Tod ihres Gemahls Abzu mörderische Rache schwört. Dass die Bedrohung durch eine Naturgewalt kommt, statt durch einen Schurken, den man bekämpfen könnte, ist natürlich auch ein sehr japanisches Motiv. Das Land ist seit Jahrtausenden den Elementen ausgesetzt: Wirbelstürme, Tsunamis und Erdbeben kosteten in der japanischen Geschichte immer wieder unzählige Menschenleben. Ab dem 20. Jahrhundert kam noch die nukleare Bedrohung hinzu: die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sowie in jüngster Geschichte der Reaktorunfall von Fukushima. Das Leben mit diesen ständigen Bedrohungen hat sich tief in die japanische Psyche eingegraben und finden sich dementsprechend oft in kulturellen Erzeugnissen wieder. Zu behaupten, dass Makoto Shinkai eine Allegorie auf Fukushima präsentieren wollte, wäre aber zu weit gegriffen. Your Name ist ein Film über die Beziehung zweier Menschen zueinander, kein reiner Katastrophenfilm. Dennoch schwingt in der emotional bedrückenden Szene, in der der Kometeneinschlag abrupt hunderte Menschenleben vernichtet, auch ein Stück japanischer Geschichte mit.
Insofern ist die Zerstörung Itomoris unvermeidlich, Zeitsprünge hin oder her. Nur die Menschen können gerettet werden, wodurch Mitsuha ihre Bestimmung erfüllt. Es mag zwar so wirken, als ob Taki ab der zweiten Filmhälfte die handelnde Figur sei, während Mitsuha gefangen in einem furchtbaren Schicksal der Rettung harrt. Dieses Klischee vermeidet Your Name aber bewusst. Betrachtet man die Rückblenden, so erkennt man deutlich, dass Mitsuha – ob gezielt oder unbeabsichtigt – schon viel früher als Taki aktiv wird: Indem sie ihn etwa in ihrer eigenen Zeitebene besucht und dem fremden Jungen ihr Haarband schenkt. Aus einer scheinbaren Laune heraus beschließt er, es zukünftig am Handgelenk zu tragen. Später bereitet sie den geweihten Sake zu, welcher einer schamanischen Droge gleich, Taki einen letzten Körpersprung ermöglicht. Die Hinweise auf Itomori, das Taki durch die Amnesie der Zeitverschiebung nur aus Skizzen kennt, all diese durch den Zeitfluss verstreuten Spuren, ermöglichen am Ende das Zusammenspiel von Taki und Mitsuha. Selbst der Verlust ihrer Erinnerung an den geliebten Menschen kann sie am Ende nicht mehr aufhalten. Die Verhinderung einer großen Katastrophe durch Teamwork – kann es ein schöneres Ende für eine Fantasy-Geschichte geben?

Shinkais Erfolgsrezept
Makoto Shinkai hat schon in früheren Werken bewiesen, dass er ein Händchen für die Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen hat. Das allein erklärt nicht den phänomenalen Erfolg von Your Name, aber es ist sicher einer der wichtigsten Gründe dafür, warum der Film ein Millionenpublikum weltweit begeistert. Der Film funktioniert auf mehreren Ebenen, spricht sowohl Freunde von Phantastik und Anime als auch genreuninteressierte Gelegenheitszuschauer an. Wer mit Comedy nichts anfangen kann, findet später spirituellen Tiefgang, wem die übernatürlichen Elemente zu abgedreht sind, kann sich an den vielschichtigen und liebenswerten Charakteren erfreuen und wer sich von typischen Anime-Storyklischees abgestumpft fühlt, den erwartet hier eine etwas bodenständigere, erwachsenere Handlung. Apropos erwachsen, Your Name spricht auch deshalb so viele Zuschauer über 18 an, weil sich diese noch gut an die Irrungen und Wirrungen der Pubertät erinnern können.
Trotzdem ist der Film für die ganze Familie geeignet. Shinkai vermeidet platte Schockeffekte, Gewalt- oder Sexdarstellungen, die in einem derart gefühlvollen Film sowieso fehl am Platz wären. Dementsprechend gab die FSK Your Name ab 6 Jahren frei. Den Film richtig genießen kann man aber erst dann, wenn man zumindest Mitsuhas und Takis Alter erreicht hat.
Die harten Fakten:

Titel: Kimi no na wa / 君の名は。(Original), Your Name (Englisch), Your Name. – Gestern, heute und für immer (Deutsch)
Regie: Makoto Shinkai
Sprecher: Mitsuha – Mone Kamishiraishi (J)/Stephanie Sheh (E)/Laura Jenni (D), Taki – Ryunosuke Kamiki (J)/Michael Sinterniklaas (E)/Maximilian Belle (D), Okudera – Masami Nagasawa (J)/Laura Post (E)/Laura Maire (D), Hitoha – Etsuko Ichihara (J)/Glynis Ellis (E)/Eva-Maria Lahl (D) et al.
Erscheinungsjahr: 2016
Sprache: Japanisch (rezensierte Version), Englisch, Deutsch
Format: Kinofilm, ab Mai 2018 erhältlich auf DVD
Preis: Ticketpreise variieren, DVD ca. 17 Euro

 
Fazit
Anime ist nicht für jeden westlichen Zuschauer ein leicht zugängliches Genre. Die Zeichnungen, die so fernab von Disney- oder Marvel/DC-Optik scheinen, japanischer Humor oder gänzlich abgedrehte Charaktere schrecken viele Neulinge ab. Your Name ist hingegen ein hervorragender Einstieg für jeden, der mal in japanische Animation hineinschnuppern will. Wer gänzlich uninteressiert an animierten Filmen ist, kommt auch auf seine Kosten, und der Hardcore-Otaku, der scheinbar schon alles kennt, was japanische Studios in den letzten Jahrzehnten produzierten, wird hier vielleicht eine angenehme Überraschung erleben. Diese Erfolgsgeschichte ging nicht spurlos an Hollywood vorbei, wo man bereits J.J. Abrams verpflichtet hat, um mit einem Remake ein Stück vom Kuchen abzukriegen.
Ob dem Star Trek– und Star Wars-Regisseur es gelingt, diesen doch sehr japanischen Stoff in westliches Realfilmformat zu übertragen oder ob daraus eine Klamotte a la Freaky Friday wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist Makoto Shinkais jüngstes Werk ein bunter, optimistischer und gefühlvoller Film, also genau das, was man im trüben Winterwetter braucht. Anschauen!

Artikelbilder: Universum Film, Toho Ltd. , Bearbeitung: Verena Bach
Der Eintritt zu diesem Film wurde durch die Einnahmen des Patreon-Projektes finanziert.
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Angeschaut: „Your Name“ – ein gutes Rezept gegen das Winterwetter

Durchgeblättert 01/2018 – Unser Graphic Novel Check | Belzagor, Gilgamesch und Orion

Durchgeblättert 01/2018 – Unser Graphic Novel Check | Belzagor, Gilgamesch und Orion
In Durchgeblättert werfen wir regelmäßig einen kritischen Blick auf Neuerscheinungen, Geheimtipps oder Klassiker aus der vielfältigen Welt der Graphic Novels. Diesen Monat schmökern wir in einer Adaption des ältesten Mythos und Buchs der Welt – Gilgamesch – und bereisen außerdem in zwei Werken des Splitter Verlags die Welten von Orion und Belzagor. 
Ein neues Jahr hat begonnen und vielleicht bei dem einen oder anderen auch eine Menge guter Vorsätze gebracht. Sollte einer davon lauten, in Zukunft mehr Graphic Novels zu lesen, so können wir euch mit dieser Ausgabe von Durchgeblättert hoffentlich dabei behilflich sein. Zum einen werfen wir einen Blick auf zwei im Dezember erschienene Bände aus dem Hause Splitter, welche uns auf fremde Planeten und zu ungewöhnlichen Zivilisationen führen. Zum anderen nehmen wir das neueste Werk des deutschen Comicautors Jens Harder unter die Lupe, der mit der grafischen Aufarbeitung des Gilgamesch-Epos ein wahres Mammut-Projekt gestemmt hat.
Wir hoffen, ihr habt beim Lesen dieser Kritiken ebenso viel Spaß wie wir beim Lesen der rezensierten Werke. Über Fragen oder Diskussionen in den Kommentaren freuen wir uns ebenso wie über generelles Feedback zu unserem Format Durchgeblättert!
Rückkehr nach Belzagor Episode 1/2
In einer nicht näher definierten Zeit hat es die Menschheit geschafft zu den Sternen aufzubrechen und fremde Welten zu kolonialisieren. Eine von diesen wird als Terra Holman bezeichnet, wobei ihr ursprünglicher Name anders lautet – Belzagor. Und diesen sollte der Planet auch wieder annehmen, als die Kolonialisierung scheitert und die zwei eingeborenen Rassen der Nildoror und Sulidoror wieder die alleinige Kontrolle erhalten.
Dennoch weckt Belzagor nach wie vor Begierde bei den Menschen, unter anderem dem Wissenschaftlerpaar Wingate. Sie sind auf der Suche nach dem Ritual der Wiedergeburt der Eingeborenen, um das sich unzählige Gerüchte ranken. Mit Edmund Gundersen haben sie hierbei einen Begleiter engagiert, der eine lange Geschichte mit dem Planeten aufweist, auf dem er seine Karriere als Soldat begann. Doch Geheimnisse von allen Seiten begleiten die Expedition, als Gundersen auf alte Bekannte trifft und die Vergangenheit ihn einzuholen scheint…
In Anlehnung an die 1973 in Deutschland veröffentlichten Mysterien von Belzagor von Robert Silverberg erzählt dieser erste Band eine Geschichte voller Andeutungen von Verrat und Unrecht. Der Leser erlebt immer wieder Rückblenden zur Zeit der Kolonialisierung von Belzagor, welche einen tieferen Einblick in die Historie des Planeten geben und sich mit dem Haupt-Erzählstrang allmählich zu einem großen Gesamtbild verbinden. Dabei werden sehr geschickt doppelsinnige Anspielungen eingebunden, welche die Neugier wecken und zum weiteren Lesen motivieren.
Ein Schwachpunkt des Werkes sind seine Charaktere, welche ihren Reiz lediglich durch Mysterien erhalten. Dies trifft zu einem Großteil jedoch nur auf Gundersen und seinen Gegenspieler Kurtz zu, die eine alte Rivalität verbindet. Im Falle des Wissenschaftlerpaares der Wingates ist dieser Hintergrund leider nicht gegeben, wodurch diese in den meisten Szenen zu irrelevanten Statisten verkommen.
Darüber hinaus entwickelt sich im Laufe des Bandes eine Dreiecksbeziehung, die leider zu erzwungen erscheint. Hier hat man den Eindruck, dass ein weiterer Krisenherd eröffnet wurde, nur um der Krise willen. Dabei verspricht die Prämisse von Rückkehr nach Belzagor genug Spannung, sodass dies eigentlich unnötig ist.
Zusätzlich trägt die visuelle Gestaltung von Laura Zuccheri (Zeichnungen) und Silvia Fabris (Farben) erheblich dazu bei, sich in der gezeigten Welt zu verlieren. Die wilde Schönheit von Belzagor und seinen Bewohnern wird eindrucksvoll dargestellt und vermittelt den Eindruck eines Planeten, auf dem Technologie ein Störfaktor ist. Denn auch futuristische Technologien kommen zum Einsatz, wobei diese eher dezent in den Hintergrund gerückt werden. Die Bildkomposition erlaubt aber eine glaubhafte Kombination beider Elemente zu einem harmonischen Ganzen.

Ein weiterer lobenswerter Faktor ist außerdem die Gestaltung der Bewohner des Planeten, welche zum einen seltsam vertraut und dennoch fremdartig wirken. So lässt sich beispielsweise die Ähnlichkeit der Nildoror zu unseren irdischen Elefanten nicht leugnen – was auch die Charaktere des Bandes mehrfach erwähnen!
Zusammengefasst ist Rückkehr nach Belzagor Episode 1/2 damit ein gelungener Auftakt zu einer Geschichte, welche besonders durch ihre Mysterien und fremdartige Welt überzeugen kann. Ein paar Schwächen hinsichtlich der Charaktergestaltung liegen vor, hemmen den Spaß an der Lektüre aber nicht wirklich. Zu groß ist die Neugier nach der Enthüllung des Geheimnisses der Wiedergeburt sowie das Interesse an den vergangenen Geschichten rund um Protagonist Gundersen. Gestützt von einem gleichzeitig vertraut und fremd wirkenden visuellen Stil ergibt sich damit eine unterhaltsamer Sci-Fi Graphic Novel.
Die harten Fakten

Verlag: Splitter Verlag
Autor(en): Robert Silverberg, Philippe Thirault
Zeichner(in): Laura Zuccheri, Silvia Fabris
Seitenanzahl: 56
Preis: 14,80 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Splitter Shop

 
Gilgamesch
Das Gilgamesch-Epos ist eines der ältesten bekannten Werke der Menschheit und wesentlicher Bestandteil der Kultur der Akkadier und Sumerer. Auf 12 Tafeln wird die Geschichte des despotischen Herrschers von Uruk – dem titelgebenden Gilgamesch – beschrieben und welche Aufgaben und Prüfungen er zu bestehen hat. Gemeinsam mit seinem einstigen Rivalen und nun zum Freund gewordenen Begleiter Enkidu macht sich Gilgamesch im Laufe des Epos auf eine Reise voller Abenteuer, Heldentaten und Rückschläge, welche ihn schlussendlich sogar auf die Suche nach dem Geheimnis der Unsterblichkeit führt.
Eben jenen Meilenstein der menschlichen Geschichte hat Autor und Zeichner Jens Harder nun als Graphic Novel verarbeitet. Dabei kann das Werk streng genommen nicht als zusammenhängende Geschichte gesehen werden, sondern vielmehr als Bildwerdung der Inhalte der ursprünglichen Tafeln des Epos. Harder vollzieht eine strikte Trennung innerhalb seines Werkes. Zu Beginn jeder neuen Tafel erfolgt zunächst eine kurze Zusammenfassung aller, auf dieser beschriebenen, Inhalte, wonach anschließend die Visualisierung derer erfolgt. Auch die Chronologie wird eingehalten – so ist die zuletzt beschriebene zwölfte Tafel (welche von der beschriebenen Handlung her zwischen die anderen Tafeln gehört und wahrscheinlich den ersten elf Tafeln angehängt wurde) auch die letzte Tafel im Graphic Novel, obwohl ihre Ereignisse wahrscheinlich eher in der Mitte der Geschichte gespielt haben.
Man merkt schnell, dass Harder in Gilgamesch einen großen Fokus auf den Erhalt des ursprünglichen Gefühls des Epos gelegt hat. Unter anderem, weil er dies am Ende der Graphic Novel in einer Dokumentation des Entstehungsprozesses so beschreibt. Doch auch, weil sich Gilgamesch tatsächlich sehr schwer liest. Die verwendete Sprache in den Panelen ist sehr altertümlich, was der Autor damit begründet, dass er hauptsächlich ältere Übersetzungen als Vorlage genommen hat. Zum genaueren Verständnis ein Vergleich, welcher sich auch im Anhang der Graphic Novel findet.
Während modernere Übersetzungen einen Abschnitt mit den Worten beschreiben „Dort bewachen zwei skorpionmenshen ihre pforte, ihr anblick versetzt in schrecken, ihr blick ist tödliches gift, ihr glanz fürchterlich, er überstrahlt das ganze gebirge (…)“ (Gilgamesch Seite 129, nach der Übersetzung von Raoul Schrott von 2001), orientiert sich Harder an der Übersetzung von Albert Schott von 1934. Und dort klingt der gleiche Absatz so: „Skorpionmenschen halten am Bergtor Wacht, Deren Furchtbarkeit ungeheuer ist, Deren Anblick Tod ist, Deren großer Schreckensglanz Berge überhüllt (…)„ (Gilgamesch Seite 129).
Dieser Stil ist zugegeben sehr gewöhnungsbedürftig und zu Beginn empfand ich ihn tatsächlich als störend, weil für mich der Lesefluss dadurch gestört wurde. Es war anstrengend, den Sinn einiger Passagen zu begreifen, selbst mit visueller Unterstützung. Doch nach einer Weile gewöhnt man sich an die hochgestochene Sprache und lernt sie irgendwie sogar zu schätzen. Denn gerade dadurch werden das Alter und auch die mythologische Wirkung des Epos nochmals hervorgehoben.
Zugegeben ist dies nichts für jedermann. Ich habe auch lange überlegt deswegen eine niedrigere Wertung zu vergeben, doch im Gesamtbild des Werkes erscheint dies nicht angemessen. Denn die Intention von Harder lag eindeutig auf der Bewahrung des „ursprünglichen“ Gefühls dieses Mythos.

Dies zeigt sich auch in dem gewählten visuellen Stil, denn dieser ist ungewöhnlich. Die gesamte Geschichte um den Herrscher von Uruk ist via Reliefs dargestellt, das heißt als wäre das Epos in tönerne Tafeln gemeißelt. Eine interessante Idee, welche auch aufgeht, da dadurch eine Einzigartigkeit gewährleistet ist. Dennoch gelingt auch die Darstellung von Details oder Emotionen unerwartet gut in diesem Stil.
Zusammengefasst ist Gilgamesch eine imposante Adaption des titelgebenden Epos, welche aber gewisse Herausforderungen für den Leser bereithält. Der gewählte Sprachstil ist sehr altertümlich, weshalb der Lesefluss und das Verständnis erschwert sein können. Zwar gewöhnt man sich daran mit der Zeit und lernt es sogar zu schätzen, doch zu Beginn kann dies abschreckend wirken. Auch der Zeichenstil in Reliefform ist zunächst sehr ungewöhnlich, erzeugt aber eine einzigartige Atmosphäre für diesen mythologischen Graphic Novel.
Die harten Fakten

Verlag: Carlsen
Autor(en): Jens Harder
Zeichner(in): Jens Harder
Seitenanzahl: 144
Preis: 24,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Carlsen Shop

 
Die Ausgestoßenen von Orion – Erstes Buch
Ähnlich wie Rückkehr nach Belzagor basiert das erste Buch über Die Ausgestoßenen von Orion auf einem Roman aus den Siebzigern. La Croix des décastés (zu Deutsch etwa „Das Kreuz der Ausgestoßenen“) von Julia Verlanger erschien im Jahre 1977 und bildet die Grundlage dieser Mischung aus Science- und Pulp-Fiction im Stile von Conan.
Auch hier haben die Menschen das Weltall besiedelt, doch teilweise ihre eigene Abstammung vergessen. Während einige Zivilisationen eine stetige technische Entwicklung aufweisen konnten, entwickelten sich andere in eine gegensätzliche Richtung.
So ist es auch auf dem Planeten geschehen, auf dem die Handlung von Die Ausgestoßenen von Orion stattfindet. Die dort herrschende Zivilisation wird durch ein strenges Kastensystem geprägt, in welchem Machtkämpfe an der Tagesordnung sind. In einen solchen gerät der Krieger Kolhen, der von den Priestern in eine Falle gelockt wird. Als Resultat wird er gebrandmarkt und mit dem Exil bestraft, in welchem er die ebenfalls verstoßene Tryana kennenlernt. Im Laufe der Geschichte müssen beide um ihr Überleben kämpfen und gleichzeitig den Machenschaften von Wesen entkommen, die scheinbar aus den Weiten des Himmels stammen…
Auch wenn der Einstieg eher ein Science-Fiction Werk vermuten lässt, wird man als Leser schnell eines Besseren belehrt und in die archaische Kultur von Kolhens und Tryanas Volk geworfen. Futuristische Elemente spielen nach wie vor eine Bedeutung, treten jedoch im weiteren Verlauf der Handlung etwas in den Hintergrund. Vielmehr begleitet man die beiden Exilanten auf ihrem Weg durch immer neue Gefahren und lernt von einer Verschwörung im Hintergrund, welche die Balance des Planeten zu gefährden droht.
Die Prämisse ist somit durchaus spannend – dennoch hat Die Ausgestoßenen von Orion mit einigen Problemen zu kämpfen. So hat man das Gefühl, dass die Handlung etwas gehetzt wirkt. Es erfolgen an einigen Stellen plötzliche Sprünge in der Geschichte, wo man sich mehr Hintergrund oder einfach Zeit für die Entwicklung einer Situation gewünscht hätte. Darüber hinaus werden immer wieder Charaktere eingeführt, die ein oder zwei Seiten später wieder irrelevant werden. Möglicherweise wird man hier in der Fortsetzung eines besseren belehrt, doch aktuell macht das vehement den Eindruck von vergebenem Potential.
Denn auch wenn die Geschichte bekannte Motive nutzt, regt sie zum Weiterlesen an. Nicht weil man viel mit den Charakteren verbindet, denn diese bleiben allesamt leider sehr blass. Doch das vermittelte große Ganze erzeugt eine Spannungssituation, deren Auflösung man durchaus gerne erfahren möchte. Meine Hoffnungen liegen deswegen sehr stark auf dem zweiten Teil.
Die grafische Aufarbeitung fällt besonders durch die limitierte Farbpalette auf, welche nochmals den Eindruck von klassischen Pulp-Werken vermittelt. Öde Landschaften und Umgebungen werden von Brauntönen dominiert, während für nächtliche Szenen besonders Dunkelblau häufig zum Einsatz kommt. Die dargestellten Welten und Charaktere sind schön gezeichnet, jedoch nicht ganz so markant und einzigartig wie beispielsweise bei Rückkehr nach Belzagor.
Das erste Buch von Die Ausgestoßenen von Orion hinterlässt einen gemischten Eindruck. Während grafischer Stil und der Metaplot das Interesse aufrechterhalten, steht sich das Storytelling selbst im Weg. An zu vielen Stellen hat man den Eindruck, dass relevante Details ausgelassen wurden. Darüber hinaus werden zu viele Charaktere direkt nach ihrer Einführung irrelevant. Dies hinterlässt den Anschein eines Einstiegsbandes, dessen Nachfolger einer Menge Aufarbeitung bedarf. Dennoch schimmert das Potential der Geschichte durch, weswegen man auch wissen möchte, wie es final weitergeht.
Die harten Fakten

Verlag: Splitter Verlag
Autor(en): Julia Verlanger, Éric Corbeyran
Zeichner(in): Jorge Miguel
Seitenanzahl: 48
Preis: 14,80 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Splitter Shop

 
Fazit des Monats
Von alten Mythen bis hin zu Reisen zu den Sternen: Auch diesen Monat bedanken wir uns wieder bei den unterstützenden Verlagen zur Verfügungstellung der rezensierten Graphic Novels. Gerade im Hinblick auf die beiden Werke von Splitter ist es erfreulich zu sehen, wie literarische Werke aus den letzten Jahrzehnten immer wieder ihren Weg in das Medium der Graphic Novels finden. Angesichts der Vielzahl an kreativen Geschichten aus dieser Zeit kann man gespannt sein, was uns hier noch erwarten wird.
Doch dass sogar noch viel ältere Geschichten (wenn man die paar Jahrtausende des zugrunde liegenden Epos betrachtet) ihren Reiz ausüben können, zeigt eindrucksvoll Gilgamesch aus dem Hause Carlsen. Was sagt uns das? Im Endeffekt kommt es gar nicht so sehr auf das Alter der Geschichte an, Hauptsache sie vermag es unsere Gier nach guten Erzählungen zu befriedigen.
 
Artikelbilder: Splitter, Carlsen
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

In Durchgeblättert werfen wir regelmäßig einen kritischen Blick auf Neuerscheinungen, Geheimtipps oder Klassiker aus der vielfältigen Welt der Graphic Novels. Diesen Monat schmökern wir in einer Adaption des ältesten Mythos und Buchs der Welt – Gilgamesch – und bereisen außerdem in zwei Werken des Splitter Verlags die Welten von Orion und Belzagor. 
Ein neues Jahr hat begonnen und vielleicht bei dem einen oder anderen auch eine Menge guter Vorsätze gebracht. Sollte einer davon lauten, in Zukunft mehr Graphic Novels zu lesen, so können wir euch mit dieser Ausgabe von Durchgeblättert hoffentlich dabei behilflich sein. Zum einen werfen wir einen Blick auf zwei im Dezember erschienene Bände aus dem Hause Splitter, welche uns auf fremde Planeten und zu ungewöhnlichen Zivilisationen führen. Zum anderen nehmen wir das neueste Werk des deutschen Comicautors Jens Harder unter die Lupe, der mit der grafischen Aufarbeitung des Gilgamesch-Epos ein wahres Mammut-Projekt gestemmt hat.
Wir hoffen, ihr habt beim Lesen dieser Kritiken ebenso viel Spaß wie wir beim Lesen der rezensierten Werke. Über Fragen oder Diskussionen in den Kommentaren freuen wir uns ebenso wie über generelles Feedback zu unserem Format Durchgeblättert!
Rückkehr nach Belzagor Episode 1/2
In einer nicht näher definierten Zeit hat es die Menschheit geschafft zu den Sternen aufzubrechen und fremde Welten zu kolonialisieren. Eine von diesen wird als Terra Holman bezeichnet, wobei ihr ursprünglicher Name anders lautet – Belzagor. Und diesen sollte der Planet auch wieder annehmen, als die Kolonialisierung scheitert und die zwei eingeborenen Rassen der Nildoror und Sulidoror wieder die alleinige Kontrolle erhalten.
Dennoch weckt Belzagor nach wie vor Begierde bei den Menschen, unter anderem dem Wissenschaftlerpaar Wingate. Sie sind auf der Suche nach dem Ritual der Wiedergeburt der Eingeborenen, um das sich unzählige Gerüchte ranken. Mit Edmund Gundersen haben sie hierbei einen Begleiter engagiert, der eine lange Geschichte mit dem Planeten aufweist, auf dem er seine Karriere als Soldat begann. Doch Geheimnisse von allen Seiten begleiten die Expedition, als Gundersen auf alte Bekannte trifft und die Vergangenheit ihn einzuholen scheint…
In Anlehnung an die 1973 in Deutschland veröffentlichten Mysterien von Belzagor von Robert Silverberg erzählt dieser erste Band eine Geschichte voller Andeutungen von Verrat und Unrecht. Der Leser erlebt immer wieder Rückblenden zur Zeit der Kolonialisierung von Belzagor, welche einen tieferen Einblick in die Historie des Planeten geben und sich mit dem Haupt-Erzählstrang allmählich zu einem großen Gesamtbild verbinden. Dabei werden sehr geschickt doppelsinnige Anspielungen eingebunden, welche die Neugier wecken und zum weiteren Lesen motivieren.
Ein Schwachpunkt des Werkes sind seine Charaktere, welche ihren Reiz lediglich durch Mysterien erhalten. Dies trifft zu einem Großteil jedoch nur auf Gundersen und seinen Gegenspieler Kurtz zu, die eine alte Rivalität verbindet. Im Falle des Wissenschaftlerpaares der Wingates ist dieser Hintergrund leider nicht gegeben, wodurch diese in den meisten Szenen zu irrelevanten Statisten verkommen.
Darüber hinaus entwickelt sich im Laufe des Bandes eine Dreiecksbeziehung, die leider zu erzwungen erscheint. Hier hat man den Eindruck, dass ein weiterer Krisenherd eröffnet wurde, nur um der Krise willen. Dabei verspricht die Prämisse von Rückkehr nach Belzagor genug Spannung, sodass dies eigentlich unnötig ist.
Zusätzlich trägt die visuelle Gestaltung von Laura Zuccheri (Zeichnungen) und Silvia Fabris (Farben) erheblich dazu bei, sich in der gezeigten Welt zu verlieren. Die wilde Schönheit von Belzagor und seinen Bewohnern wird eindrucksvoll dargestellt und vermittelt den Eindruck eines Planeten, auf dem Technologie ein Störfaktor ist. Denn auch futuristische Technologien kommen zum Einsatz, wobei diese eher dezent in den Hintergrund gerückt werden. Die Bildkomposition erlaubt aber eine glaubhafte Kombination beider Elemente zu einem harmonischen Ganzen.

Ein weiterer lobenswerter Faktor ist außerdem die Gestaltung der Bewohner des Planeten, welche zum einen seltsam vertraut und dennoch fremdartig wirken. So lässt sich beispielsweise die Ähnlichkeit der Nildoror zu unseren irdischen Elefanten nicht leugnen – was auch die Charaktere des Bandes mehrfach erwähnen!
Zusammengefasst ist Rückkehr nach Belzagor Episode 1/2 damit ein gelungener Auftakt zu einer Geschichte, welche besonders durch ihre Mysterien und fremdartige Welt überzeugen kann. Ein paar Schwächen hinsichtlich der Charaktergestaltung liegen vor, hemmen den Spaß an der Lektüre aber nicht wirklich. Zu groß ist die Neugier nach der Enthüllung des Geheimnisses der Wiedergeburt sowie das Interesse an den vergangenen Geschichten rund um Protagonist Gundersen. Gestützt von einem gleichzeitig vertraut und fremd wirkenden visuellen Stil ergibt sich damit eine unterhaltsamer Sci-Fi Graphic Novel.
Die harten Fakten

Verlag: Splitter Verlag
Autor(en): Robert Silverberg, Philippe Thirault
Zeichner(in): Laura Zuccheri, Silvia Fabris
Seitenanzahl: 56
Preis: 14,80 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Splitter Shop

 
Gilgamesch
Das Gilgamesch-Epos ist eines der ältesten bekannten Werke der Menschheit und wesentlicher Bestandteil der Kultur der Akkadier und Sumerer. Auf 12 Tafeln wird die Geschichte des despotischen Herrschers von Uruk – dem titelgebenden Gilgamesch – beschrieben und welche Aufgaben und Prüfungen er zu bestehen hat. Gemeinsam mit seinem einstigen Rivalen und nun zum Freund gewordenen Begleiter Enkidu macht sich Gilgamesch im Laufe des Epos auf eine Reise voller Abenteuer, Heldentaten und Rückschläge, welche ihn schlussendlich sogar auf die Suche nach dem Geheimnis der Unsterblichkeit führt.
Eben jenen Meilenstein der menschlichen Geschichte hat Autor und Zeichner Jens Harder nun als Graphic Novel verarbeitet. Dabei kann das Werk streng genommen nicht als zusammenhängende Geschichte gesehen werden, sondern vielmehr als Bildwerdung der Inhalte der ursprünglichen Tafeln des Epos. Harder vollzieht eine strikte Trennung innerhalb seines Werkes. Zu Beginn jeder neuen Tafel erfolgt zunächst eine kurze Zusammenfassung aller, auf dieser beschriebenen, Inhalte, wonach anschließend die Visualisierung derer erfolgt. Auch die Chronologie wird eingehalten – so ist die zuletzt beschriebene zwölfte Tafel (welche von der beschriebenen Handlung her zwischen die anderen Tafeln gehört und wahrscheinlich den ersten elf Tafeln angehängt wurde) auch die letzte Tafel im Graphic Novel, obwohl ihre Ereignisse wahrscheinlich eher in der Mitte der Geschichte gespielt haben.
Man merkt schnell, dass Harder in Gilgamesch einen großen Fokus auf den Erhalt des ursprünglichen Gefühls des Epos gelegt hat. Unter anderem, weil er dies am Ende der Graphic Novel in einer Dokumentation des Entstehungsprozesses so beschreibt. Doch auch, weil sich Gilgamesch tatsächlich sehr schwer liest. Die verwendete Sprache in den Panelen ist sehr altertümlich, was der Autor damit begründet, dass er hauptsächlich ältere Übersetzungen als Vorlage genommen hat. Zum genaueren Verständnis ein Vergleich, welcher sich auch im Anhang der Graphic Novel findet.
Während modernere Übersetzungen einen Abschnitt mit den Worten beschreiben „Dort bewachen zwei skorpionmenshen ihre pforte, ihr anblick versetzt in schrecken, ihr blick ist tödliches gift, ihr glanz fürchterlich, er überstrahlt das ganze gebirge (…)“ (Gilgamesch Seite 129, nach der Übersetzung von Raoul Schrott von 2001), orientiert sich Harder an der Übersetzung von Albert Schott von 1934. Und dort klingt der gleiche Absatz so: „Skorpionmenschen halten am Bergtor Wacht, Deren Furchtbarkeit ungeheuer ist, Deren Anblick Tod ist, Deren großer Schreckensglanz Berge überhüllt (…)„ (Gilgamesch Seite 129).
Dieser Stil ist zugegeben sehr gewöhnungsbedürftig und zu Beginn empfand ich ihn tatsächlich als störend, weil für mich der Lesefluss dadurch gestört wurde. Es war anstrengend, den Sinn einiger Passagen zu begreifen, selbst mit visueller Unterstützung. Doch nach einer Weile gewöhnt man sich an die hochgestochene Sprache und lernt sie irgendwie sogar zu schätzen. Denn gerade dadurch werden das Alter und auch die mythologische Wirkung des Epos nochmals hervorgehoben.
Zugegeben ist dies nichts für jedermann. Ich habe auch lange überlegt deswegen eine niedrigere Wertung zu vergeben, doch im Gesamtbild des Werkes erscheint dies nicht angemessen. Denn die Intention von Harder lag eindeutig auf der Bewahrung des „ursprünglichen“ Gefühls dieses Mythos.

Dies zeigt sich auch in dem gewählten visuellen Stil, denn dieser ist ungewöhnlich. Die gesamte Geschichte um den Herrscher von Uruk ist via Reliefs dargestellt, das heißt als wäre das Epos in tönerne Tafeln gemeißelt. Eine interessante Idee, welche auch aufgeht, da dadurch eine Einzigartigkeit gewährleistet ist. Dennoch gelingt auch die Darstellung von Details oder Emotionen unerwartet gut in diesem Stil.
Zusammengefasst ist Gilgamesch eine imposante Adaption des titelgebenden Epos, welche aber gewisse Herausforderungen für den Leser bereithält. Der gewählte Sprachstil ist sehr altertümlich, weshalb der Lesefluss und das Verständnis erschwert sein können. Zwar gewöhnt man sich daran mit der Zeit und lernt es sogar zu schätzen, doch zu Beginn kann dies abschreckend wirken. Auch der Zeichenstil in Reliefform ist zunächst sehr ungewöhnlich, erzeugt aber eine einzigartige Atmosphäre für diesen mythologischen Graphic Novel.
Die harten Fakten

Verlag: Carlsen
Autor(en): Jens Harder
Zeichner(in): Jens Harder
Seitenanzahl: 144
Preis: 24,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Carlsen Shop

 
Die Ausgestoßenen von Orion – Erstes Buch
Ähnlich wie Rückkehr nach Belzagor basiert das erste Buch über Die Ausgestoßenen von Orion auf einem Roman aus den Siebzigern. La Croix des décastés (zu Deutsch etwa „Das Kreuz der Ausgestoßenen“) von Julia Verlanger erschien im Jahre 1977 und bildet die Grundlage dieser Mischung aus Science- und Pulp-Fiction im Stile von Conan.
Auch hier haben die Menschen das Weltall besiedelt, doch teilweise ihre eigene Abstammung vergessen. Während einige Zivilisationen eine stetige technische Entwicklung aufweisen konnten, entwickelten sich andere in eine gegensätzliche Richtung.
So ist es auch auf dem Planeten geschehen, auf dem die Handlung von Die Ausgestoßenen von Orion stattfindet. Die dort herrschende Zivilisation wird durch ein strenges Kastensystem geprägt, in welchem Machtkämpfe an der Tagesordnung sind. In einen solchen gerät der Krieger Kolhen, der von den Priestern in eine Falle gelockt wird. Als Resultat wird er gebrandmarkt und mit dem Exil bestraft, in welchem er die ebenfalls verstoßene Tryana kennenlernt. Im Laufe der Geschichte müssen beide um ihr Überleben kämpfen und gleichzeitig den Machenschaften von Wesen entkommen, die scheinbar aus den Weiten des Himmels stammen…
Auch wenn der Einstieg eher ein Science-Fiction Werk vermuten lässt, wird man als Leser schnell eines Besseren belehrt und in die archaische Kultur von Kolhens und Tryanas Volk geworfen. Futuristische Elemente spielen nach wie vor eine Bedeutung, treten jedoch im weiteren Verlauf der Handlung etwas in den Hintergrund. Vielmehr begleitet man die beiden Exilanten auf ihrem Weg durch immer neue Gefahren und lernt von einer Verschwörung im Hintergrund, welche die Balance des Planeten zu gefährden droht.
Die Prämisse ist somit durchaus spannend – dennoch hat Die Ausgestoßenen von Orion mit einigen Problemen zu kämpfen. So hat man das Gefühl, dass die Handlung etwas gehetzt wirkt. Es erfolgen an einigen Stellen plötzliche Sprünge in der Geschichte, wo man sich mehr Hintergrund oder einfach Zeit für die Entwicklung einer Situation gewünscht hätte. Darüber hinaus werden immer wieder Charaktere eingeführt, die ein oder zwei Seiten später wieder irrelevant werden. Möglicherweise wird man hier in der Fortsetzung eines besseren belehrt, doch aktuell macht das vehement den Eindruck von vergebenem Potential.
Denn auch wenn die Geschichte bekannte Motive nutzt, regt sie zum Weiterlesen an. Nicht weil man viel mit den Charakteren verbindet, denn diese bleiben allesamt leider sehr blass. Doch das vermittelte große Ganze erzeugt eine Spannungssituation, deren Auflösung man durchaus gerne erfahren möchte. Meine Hoffnungen liegen deswegen sehr stark auf dem zweiten Teil.
Die grafische Aufarbeitung fällt besonders durch die limitierte Farbpalette auf, welche nochmals den Eindruck von klassischen Pulp-Werken vermittelt. Öde Landschaften und Umgebungen werden von Brauntönen dominiert, während für nächtliche Szenen besonders Dunkelblau häufig zum Einsatz kommt. Die dargestellten Welten und Charaktere sind schön gezeichnet, jedoch nicht ganz so markant und einzigartig wie beispielsweise bei Rückkehr nach Belzagor.
Das erste Buch von Die Ausgestoßenen von Orion hinterlässt einen gemischten Eindruck. Während grafischer Stil und der Metaplot das Interesse aufrechterhalten, steht sich das Storytelling selbst im Weg. An zu vielen Stellen hat man den Eindruck, dass relevante Details ausgelassen wurden. Darüber hinaus werden zu viele Charaktere direkt nach ihrer Einführung irrelevant. Dies hinterlässt den Anschein eines Einstiegsbandes, dessen Nachfolger einer Menge Aufarbeitung bedarf. Dennoch schimmert das Potential der Geschichte durch, weswegen man auch wissen möchte, wie es final weitergeht.
Die harten Fakten

Verlag: Splitter Verlag
Autor(en): Julia Verlanger, Éric Corbeyran
Zeichner(in): Jorge Miguel
Seitenanzahl: 48
Preis: 14,80 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Splitter Shop

 
Fazit des Monats
Von alten Mythen bis hin zu Reisen zu den Sternen: Auch diesen Monat bedanken wir uns wieder bei den unterstützenden Verlagen zur Verfügungstellung der rezensierten Graphic Novels. Gerade im Hinblick auf die beiden Werke von Splitter ist es erfreulich zu sehen, wie literarische Werke aus den letzten Jahrzehnten immer wieder ihren Weg in das Medium der Graphic Novels finden. Angesichts der Vielzahl an kreativen Geschichten aus dieser Zeit kann man gespannt sein, was uns hier noch erwarten wird.
Doch dass sogar noch viel ältere Geschichten (wenn man die paar Jahrtausende des zugrunde liegenden Epos betrachtet) ihren Reiz ausüben können, zeigt eindrucksvoll Gilgamesch aus dem Hause Carlsen. Was sagt uns das? Im Endeffekt kommt es gar nicht so sehr auf das Alter der Geschichte an, Hauptsache sie vermag es unsere Gier nach guten Erzählungen zu befriedigen.
 
Artikelbilder: Splitter, Carlsen
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Durchgeblättert 01/2018 – Unser Graphic Novel Check | Belzagor, Gilgamesch und Orion

Rezension: Coriolis – The Dying Ship – Die erste Mission!

Rezension: Coriolis – The Dying Ship – Die erste Mission!
Vor gut einem Jahr erschien Coriolis auf dem Rollenspielmarkt und machte mit seinem orientalisch angehauchten SciFi-Setting sowie seinem schlanken Regelwerk einen sehr guten Eindruck. Mit The Dying Ship ist inzwischen das erste Abenteuer erschienen. Taugt es zum Einstieg? Erfahrt es im Artikel und kommt mit in den Dritten Horizont!
Coriolis wagt den Spagat zwischen mystischer Vergangenheit und ferner Zukunft. Das Hintergrundsetting ist der Dritte Horizont, eine durch Sprungportale verbundene Ansammlung von Sternensystemen, die vor Jahrhunderten von mutigen Menschen besiedelt wurde. Eine eigene Kultur entwickelte sich, die an den irdischen Orient erinnern soll und mit Referenzen an Tausendundeine Nacht gespickt ist. Nach einem verheerenden Krieg mit den Reichen des Zweiten Horizonts und dem Imperium des Ersten Horizonts, in dem sich Al-Ardha, die sagenumwobene Wiege der Menschheit, befinden soll, versank der Dritte Horizont in friedvoller, aber auch trostloser Dunkelheit.
Die Menschen erzählten sich mit gedämpfter Stimme, dass Dschinne zwischen den Sternen auf arglose Reisende lauern und nur fromme Gebete in Richtung der Neun Ikonen vor dem drohenden Chaos schützen würden. Dann tauchte die Zenith auf, vor Jahrhunderten von Al-Ardha aus aufgebrochen, um ohne die damals unbekannten Sprungportale das All zu besiedeln. Die Tatkraft der Zenithianer brachte Bewegung in den Dritten Horizont: Sie bauten ihr gigantisches Schiff in eine Raumstation um und machten sie zum gesellschaftlichen Zentrum aller Fraktionen. The Dying Ship ist nach einigen Einstiegsabenteuern im Grundregelwerk und den Schnellstartregeln die erste Möglichkeit, den Dritten Horizont – oder zumindest einen Ausschnitt davon – als Spieler kennenzulernen.
Inhalt
Das Abenteuer beginnt stilgerecht auf der namensgebenden Raumstation Coriolis. Da in dem Regelwerk vorausgesetzt wird, dass die Spielercharaktere die Crew eines Raumschiffs bilden, ist dies auch im Abenteuer die Ausgangslage. Die Raumfahrer suchen Arbeit und bekommen einen lukrativen Bergungsauftrag versprochen. Details gibt es im Spielerkasten:
SpoilerDie Raumfahrer sollen einen verschollenen Eistransporter ausfindig machen. Direkt zum Einstieg gibt es eine charmante Szene zu überstehen: Beim Auftraggeber nämlich, der in einer Bar wartet, hockt bereits eine andere Gruppe, die sich als die Spielercharaktere ausgibt, um ihnen den Job wegzuschnappen. Das Warum bleibt zunächst unklar, aber dem erfahrenen Abenteurer sollte da bereits dämmern, dass mehr hinter dem Auftrag steckt, als es zunächst den Anschein hat.
Und tatsächlich: Der Eistransporter wurde von einigen Crew-Mitgliedern zum Schmuggeln missbraucht und die Söldner, die sich anfangs den Job hatten erschleichen wollen, arbeiten für das Verbrechersyndikat, das diese geheime Ladung gerne wieder zurück hätte. Auch der Auftraggeber ist nicht der einfache Konzernangestellte, der er zu sein vorgibt: Bei ihm handelt es sich um einen Exorzisten. Kurz bevor der Eistransporter verloren ging, konnte er noch in einem Notruf mitteilen, dass sich ein Dschinn aus dem Eis befreit hatte, welches das Schiff transportierte. Der Exorzist soll deswegen eine Crew anheuern und den Dschinn diskret beseitigen.
Ja, Dschinne gibt es wirklich und einer davon hat vor Jahrhunderten die Kontrolle über eine raumfahrende Prinzessin (ja, auch die gibt es wirklich in Coriolis!) und ihr Gefolge übernommen. Inzwischen ist auch ein Teil der Schiffscrew unter die Kontrolle des Dschinns geraten, während andere noch um ihr Überleben kämpfen. Kurzum: Die Charaktere gelangen ins Innere des Schiffs und geraten zwischen den Dschinn und seine Diener, schießwütige, aber unter Umständen hilfreiche Überlebende und schließlich die Söldner, die immer noch hinter der Schmuggelware her sind.Die Raumfahrer sollen einen verschollenen Eistransporter ausfindig machen. Direkt zum Einstieg gibt es eine charmante Szene zu überstehen: Beim Auftraggeber nämlich, der in einer Bar wartet, hockt bereits eine andere Gruppe, die sich als die Spielercharaktere ausgibt, um ihnen den Job wegzuschnappen. Das Warum bleibt zunächst unklar, aber dem erfahrenen Abenteurer sollte da bereits dämmern, dass mehr hinter dem Auftrag steckt, als es zunächst den Anschein hat.
Und tatsächlich: Der Eistransporter wurde von einigen Crew-Mitgliedern zum Schmuggeln missbraucht und die Söldner, die sich anfangs den Job hatten erschleichen wollen, arbeiten für das Verbrechersyndikat, das diese geheime Ladung gerne wieder zurück hätte. Auch der Auftraggeber ist nicht der einfache Konzernangestellte, der er zu sein vorgibt: Bei ihm handelt es sich um einen Exorzisten. Kurz bevor der Eistransporter verloren ging, konnte er noch in einem Notruf mitteilen, dass sich ein Dschinn aus dem Eis befreit hatte, welches das Schiff transportierte. Der Exorzist soll deswegen eine Crew anheuern und den Dschinn diskret beseitigen.
Ja, Dschinne gibt es wirklich und einer davon hat vor Jahrhunderten die Kontrolle über eine raumfahrende Prinzessin (ja, auch die gibt es wirklich in Coriolis!) und ihr Gefolge übernommen. Inzwischen ist auch ein Teil der Schiffscrew unter die Kontrolle des Dschinns geraten, während andere noch um ihr Überleben kämpfen. Kurzum: Die Charaktere gelangen ins Innere des Schiffs und geraten zwischen den Dschinn und seine Diener, schießwütige, aber unter Umständen hilfreiche Überlebende und schließlich die Söldner, die immer noch hinter der Schmuggelware her sind.
Der Ausgang des Abenteuers ist sehr offen gestaltet. Nach einem Kapitel zur Einführung werden im zweiten Kapitel die Örtlichkeiten und die dort möglichen Ereignisse vorgestellt. Kapitel Drei ist schließlich eine Zusammenfassung verschiedener möglicher Enden.
Ohne zu viel vorwegzunehmen möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass das Abenteuer vom Aufbau und Inhalt her sehr stark an das Abenteuer aus den Schnellstartregeln erinnert. Die Unterschiede sind eher kosmetischer Natur und das Abenteuer kann sich in ähnliche Richtungen entwickeln. Wem also das Abenteuer aus den Schnellstartregeln von seinem Aufbau und seiner Machart her nicht zusagt, der sollte besser auch die Finger von The Dying Ship lassen. 
Es sind übrigens auch fünf Archetypen enthalten, die mit denen aus den Schnellstartregeln identisch sind.
Erscheinungsbild
Coriolis, das muss man sagen, hat insgesamt qualitativ hochwertige Illustrationen. Man muss aber auch anmerken, dass diese Illustrationen austauschbar wirken. Das Titelbild ist da ein gutes Beispiel, so ein richtig spezielles Coriolis-Feeling hat sich bei mir bisher nicht eingestellt. Das kann aber auch daran liegen, dass es bei mir persönlich noch nicht geklickt hat. Immerhin, in The Dying Ship sind endlich mal richtig viele Bilder zu Nichtspielercharakteren abgebildet, durch die man einen guten Eindruck bekommt, was einen im Dritten Horizont so erwartet.
Was Layout und Struktur angeht, gibt es hier fast nichts zu meckern. Auch der schlichte Plan zum titelgebenden Schiff weiß zu gefallen.
Die harten Fakten:

Verlag: Free League / Modiphius
Autoren: Nils Karlén, Kosta Kostulas
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Englisch
Format: Softcover/PDF
Seitenanzahl: 42
ISBN: 978-91-87222-58-0
Preis: 19,95 EUR (Softcover) / ca. 10 EUR (PDF)
Bezugsquelle: DriveThruRPG. Sphärenmeister

 
Fazit
Das Abenteuer beinhaltet einige nette Momente und kann bequem an einem Abend durchgespielt werden. Es ist übersichtlich und bietet zugleich einiges an Handlungsfreiheit. Der Spielleiter muss dementsprechend etwas mehr vorbereiten als bei anderen Kaufabenteuern üblich, beziehungsweise muss er spontan auf die Handlungen der Spieler reagieren können. Etwas unglücklich ist, dass das Abenteuer aus den Schnellstartregeln beinahe identisch aufgebaut ist.
Zwar bietet The Dying Ship mehr Details und natürlich eine andere Hintergrundgeschichte, aber gerade bei einer Einsteigergruppe, die nach dem Abenteuer aus den Schnellstartregeln direkt weiterspielen möchte und dann The Dying Ship beginnt, dürfte sich Ernüchterung breitmachen, wenn sie auf einen ähnlichen Plot stoßen. Ansonsten macht das Abenteuer einen durchaus guten Eindruck und besticht durch seinen relativ offenen Plot.

Artikelbilder: Modiphius
Dieses Produkt wurde kostenlos als digitale Kopie zur Verfügung gestellt.
 

Vor gut einem Jahr erschien Coriolis auf dem Rollenspielmarkt und machte mit seinem orientalisch angehauchten SciFi-Setting sowie seinem schlanken Regelwerk einen sehr guten Eindruck. Mit The Dying Ship ist inzwischen das erste Abenteuer erschienen. Taugt es zum Einstieg? Erfahrt es im Artikel und kommt mit in den Dritten Horizont!
Coriolis wagt den Spagat zwischen mystischer Vergangenheit und ferner Zukunft. Das Hintergrundsetting ist der Dritte Horizont, eine durch Sprungportale verbundene Ansammlung von Sternensystemen, die vor Jahrhunderten von mutigen Menschen besiedelt wurde. Eine eigene Kultur entwickelte sich, die an den irdischen Orient erinnern soll und mit Referenzen an Tausendundeine Nacht gespickt ist. Nach einem verheerenden Krieg mit den Reichen des Zweiten Horizonts und dem Imperium des Ersten Horizonts, in dem sich Al-Ardha, die sagenumwobene Wiege der Menschheit, befinden soll, versank der Dritte Horizont in friedvoller, aber auch trostloser Dunkelheit.
Die Menschen erzählten sich mit gedämpfter Stimme, dass Dschinne zwischen den Sternen auf arglose Reisende lauern und nur fromme Gebete in Richtung der Neun Ikonen vor dem drohenden Chaos schützen würden. Dann tauchte die Zenith auf, vor Jahrhunderten von Al-Ardha aus aufgebrochen, um ohne die damals unbekannten Sprungportale das All zu besiedeln. Die Tatkraft der Zenithianer brachte Bewegung in den Dritten Horizont: Sie bauten ihr gigantisches Schiff in eine Raumstation um und machten sie zum gesellschaftlichen Zentrum aller Fraktionen. The Dying Ship ist nach einigen Einstiegsabenteuern im Grundregelwerk und den Schnellstartregeln die erste Möglichkeit, den Dritten Horizont – oder zumindest einen Ausschnitt davon – als Spieler kennenzulernen.
Inhalt
Das Abenteuer beginnt stilgerecht auf der namensgebenden Raumstation Coriolis. Da in dem Regelwerk vorausgesetzt wird, dass die Spielercharaktere die Crew eines Raumschiffs bilden, ist dies auch im Abenteuer die Ausgangslage. Die Raumfahrer suchen Arbeit und bekommen einen lukrativen Bergungsauftrag versprochen. Details gibt es im Spielerkasten:
SpoilerDie Raumfahrer sollen einen verschollenen Eistransporter ausfindig machen. Direkt zum Einstieg gibt es eine charmante Szene zu überstehen: Beim Auftraggeber nämlich, der in einer Bar wartet, hockt bereits eine andere Gruppe, die sich als die Spielercharaktere ausgibt, um ihnen den Job wegzuschnappen. Das Warum bleibt zunächst unklar, aber dem erfahrenen Abenteurer sollte da bereits dämmern, dass mehr hinter dem Auftrag steckt, als es zunächst den Anschein hat.
Und tatsächlich: Der Eistransporter wurde von einigen Crew-Mitgliedern zum Schmuggeln missbraucht und die Söldner, die sich anfangs den Job hatten erschleichen wollen, arbeiten für das Verbrechersyndikat, das diese geheime Ladung gerne wieder zurück hätte. Auch der Auftraggeber ist nicht der einfache Konzernangestellte, der er zu sein vorgibt: Bei ihm handelt es sich um einen Exorzisten. Kurz bevor der Eistransporter verloren ging, konnte er noch in einem Notruf mitteilen, dass sich ein Dschinn aus dem Eis befreit hatte, welches das Schiff transportierte. Der Exorzist soll deswegen eine Crew anheuern und den Dschinn diskret beseitigen.
Ja, Dschinne gibt es wirklich und einer davon hat vor Jahrhunderten die Kontrolle über eine raumfahrende Prinzessin (ja, auch die gibt es wirklich in Coriolis!) und ihr Gefolge übernommen. Inzwischen ist auch ein Teil der Schiffscrew unter die Kontrolle des Dschinns geraten, während andere noch um ihr Überleben kämpfen. Kurzum: Die Charaktere gelangen ins Innere des Schiffs und geraten zwischen den Dschinn und seine Diener, schießwütige, aber unter Umständen hilfreiche Überlebende und schließlich die Söldner, die immer noch hinter der Schmuggelware her sind.Die Raumfahrer sollen einen verschollenen Eistransporter ausfindig machen. Direkt zum Einstieg gibt es eine charmante Szene zu überstehen: Beim Auftraggeber nämlich, der in einer Bar wartet, hockt bereits eine andere Gruppe, die sich als die Spielercharaktere ausgibt, um ihnen den Job wegzuschnappen. Das Warum bleibt zunächst unklar, aber dem erfahrenen Abenteurer sollte da bereits dämmern, dass mehr hinter dem Auftrag steckt, als es zunächst den Anschein hat.
Und tatsächlich: Der Eistransporter wurde von einigen Crew-Mitgliedern zum Schmuggeln missbraucht und die Söldner, die sich anfangs den Job hatten erschleichen wollen, arbeiten für das Verbrechersyndikat, das diese geheime Ladung gerne wieder zurück hätte. Auch der Auftraggeber ist nicht der einfache Konzernangestellte, der er zu sein vorgibt: Bei ihm handelt es sich um einen Exorzisten. Kurz bevor der Eistransporter verloren ging, konnte er noch in einem Notruf mitteilen, dass sich ein Dschinn aus dem Eis befreit hatte, welches das Schiff transportierte. Der Exorzist soll deswegen eine Crew anheuern und den Dschinn diskret beseitigen.
Ja, Dschinne gibt es wirklich und einer davon hat vor Jahrhunderten die Kontrolle über eine raumfahrende Prinzessin (ja, auch die gibt es wirklich in Coriolis!) und ihr Gefolge übernommen. Inzwischen ist auch ein Teil der Schiffscrew unter die Kontrolle des Dschinns geraten, während andere noch um ihr Überleben kämpfen. Kurzum: Die Charaktere gelangen ins Innere des Schiffs und geraten zwischen den Dschinn und seine Diener, schießwütige, aber unter Umständen hilfreiche Überlebende und schließlich die Söldner, die immer noch hinter der Schmuggelware her sind.
Der Ausgang des Abenteuers ist sehr offen gestaltet. Nach einem Kapitel zur Einführung werden im zweiten Kapitel die Örtlichkeiten und die dort möglichen Ereignisse vorgestellt. Kapitel Drei ist schließlich eine Zusammenfassung verschiedener möglicher Enden.
Ohne zu viel vorwegzunehmen möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass das Abenteuer vom Aufbau und Inhalt her sehr stark an das Abenteuer aus den Schnellstartregeln erinnert. Die Unterschiede sind eher kosmetischer Natur und das Abenteuer kann sich in ähnliche Richtungen entwickeln. Wem also das Abenteuer aus den Schnellstartregeln von seinem Aufbau und seiner Machart her nicht zusagt, der sollte besser auch die Finger von The Dying Ship lassen. 
Es sind übrigens auch fünf Archetypen enthalten, die mit denen aus den Schnellstartregeln identisch sind.
Erscheinungsbild
Coriolis, das muss man sagen, hat insgesamt qualitativ hochwertige Illustrationen. Man muss aber auch anmerken, dass diese Illustrationen austauschbar wirken. Das Titelbild ist da ein gutes Beispiel, so ein richtig spezielles Coriolis-Feeling hat sich bei mir bisher nicht eingestellt. Das kann aber auch daran liegen, dass es bei mir persönlich noch nicht geklickt hat. Immerhin, in The Dying Ship sind endlich mal richtig viele Bilder zu Nichtspielercharakteren abgebildet, durch die man einen guten Eindruck bekommt, was einen im Dritten Horizont so erwartet.
Was Layout und Struktur angeht, gibt es hier fast nichts zu meckern. Auch der schlichte Plan zum titelgebenden Schiff weiß zu gefallen.
Die harten Fakten:

Verlag: Free League / Modiphius
Autoren: Nils Karlén, Kosta Kostulas
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Englisch
Format: Softcover/PDF
Seitenanzahl: 42
ISBN: 978-91-87222-58-0
Preis: 19,95 EUR (Softcover) / ca. 10 EUR (PDF)
Bezugsquelle: DriveThruRPG. Sphärenmeister

 
Fazit
Das Abenteuer beinhaltet einige nette Momente und kann bequem an einem Abend durchgespielt werden. Es ist übersichtlich und bietet zugleich einiges an Handlungsfreiheit. Der Spielleiter muss dementsprechend etwas mehr vorbereiten als bei anderen Kaufabenteuern üblich, beziehungsweise muss er spontan auf die Handlungen der Spieler reagieren können. Etwas unglücklich ist, dass das Abenteuer aus den Schnellstartregeln beinahe identisch aufgebaut ist.
Zwar bietet The Dying Ship mehr Details und natürlich eine andere Hintergrundgeschichte, aber gerade bei einer Einsteigergruppe, die nach dem Abenteuer aus den Schnellstartregeln direkt weiterspielen möchte und dann The Dying Ship beginnt, dürfte sich Ernüchterung breitmachen, wenn sie auf einen ähnlichen Plot stoßen. Ansonsten macht das Abenteuer einen durchaus guten Eindruck und besticht durch seinen relativ offenen Plot.

Artikelbilder: Modiphius
Dieses Produkt wurde kostenlos als digitale Kopie zur Verfügung gestellt.
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Rezension: Coriolis – The Dying Ship – Die erste Mission!

Kurzcheck: Galaxy Trucker – Rocky Road (Jason A. Holt) – Trucker-Abenteuer im Weltraum

Kurzcheck: Galaxy Trucker – Rocky Road (Jason A. Holt) – Trucker-Abenteuer im Weltraum
Ein Science-Fiction-Roman, der auf einem Brettspiel basiert, klingt zunächst einmal gewöhnungsbedürftig. Galaxy Trucker ist ein unterhaltsames Spiel, und der Roman möchte diesen Humor aufgreifen. Ob dieses Konzept aufgegangen und ein gelungenes Buch dabei herausgekommen ist, wird die folgende Rezension zeigen.
Die schräge Idee von Galaxy Trucker besteht darin, dass sich die Spieler aus Modulen, welche im Wesentlichen aus Kanalrohren bestehen, ein Raumschiff zusammenstellen. Mit diesem Raumschiff müssen sie dann auf vorgegebenen Routen Kolonien erreichen, wobei Meteoriten und Piraten den Truckern das Leben schwer machen. Die Handelsware am Zielort sind die noch vorhandenen Kanalrohre, die während der Reise nicht zerstört wurden oder verloren gingen. Genau diesen Hintergrund greift der vorliegende Roman Galaxy Trucker – Rocky Road auf.
Story
Francesca Flores, die Protagonistin der Geschichte, ist eine Truckerin und versucht auf der Route 135 ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Route 135 ist die titelgebende Rocky Road und Meteoriten machen den Truckern auf dieser Strecke das Leben schwer. So manches Raumschiff schafft es nur als Wrack und ohne Ladung an den Zielort. Nicht selten bleibt auch einem Trucker nur die Möglichkeit, sich in eine Fluchtkapsel zu retten, um dann in einem neuen Raumschiff einen erneuten Versuch zu unternehmen, die Route zu meistern.
Francescas Trucks wurden in der Vergangenheit häufiger in Stücke geschlagen, weswegen sie inzwischen einige Schulden angesammelt hat. Die Protagonistin will sich jedoch nicht geschlagen geben. Sie muss sich entscheiden, ob sie eine andere Karriere einschlagen oder ob sie auf einer neuen Route ihr Glück versuchen möchte. Der Wechsel zu einer neuen Route scheint jedoch kein leichtes Unterfangen zu sein. Zu allem Überfluss für die eher einzelgängerische Frau drängt sich ihr auch noch ein Alien auf.
Schreibstil
Schon nach wenigen Sätzen ist der Leser inmitten der Geschehnisse an der Seite der Protagonistin. Die Tour der Truckerin auf der Rocky Road hat einen höchst unerfreulichen Verlauf genommen und schon nach kurzer Zeit fiebert man mit Francesca Flores mit. Dem Autor gelingt mühelos ein rasanter Einstieg in die Geschichte, welcher aus der Sicht der Protagonistin in der personalen Erzählperspektive geschrieben ist.
Der Roman ist bisher nicht auf Deutsch erhältlich und das vorliegende Exemplar wurde in englischer Sprache gelesen. Der Roman liest sich leichtgängig, fortgeschrittene Englischkenntnisse sind nicht erforderlich. Personen, die bereits Kontakt zum Brettspiel Galaxy Trucker hatten, werden sich leicht in die Welt des Romans einfinden können. Denn der Roman greift das skurril anmutende Setting des Spiels humorvoll auf und verpackt es in einer unterhaltsamen Abenteuergeschichte. Für das Verständnis des Romans ist es jedoch nicht zwingend erforderlich das Brettspiel zu kennen.
Der Autor bedient sich einer einfachen, allerdings nicht zu schlichten Sprache. Jason A. Holt gelingt es an verschiedenen Stellen, Bezüge zum Brettspiel herzustellen, die nicht gekünstelt wirken und die für Spieler von Galaxy Trucker einen charmanten Wiedererkennungswert haben. Durch den gesamten Roman zieht sich der zwar überspitzte, aber durchaus unterhaltsame skurrile Humor des Brettspiels. Auch die Gedankengänge von Francesca Flores, z.B. wie Bäume überhaupt ohne Pflanzkübel existieren können, oder kleinere humorvolle Hinweise im Text über fiktionale Sachverhalte oder historische Gegebenheiten tragen hierzu bei.
Der Autor
Jason A. Holt lebt in Montana und hat einen Dr. (Ph.D.) in Mathematik. Für das tschechische Unternehmen Czech Games Edition hat er an jedem ihrer Brettspiel mitgearbeitet. Neben dem Schreiben von Spielinhalten und Übersetzungen hat Jason A. Holt mehrere eigene Science-Fiction und Fantasy-Romane geschrieben. Zu den von ihm veröffentlichten Werken gehören unter anderem The Dragonslayer of Edgewhen, The Klindrel Invasion oder The Bladesmen of Darcliff.
Die harten Fakten:

Verlag: Czech Games Edition
Autor: Jason A. Holt
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Englisch
Format: Taschenbuch
Seitenanzahl: 199
ISBN: 978-80-88235-00-2
Preis: Taschenbuch nicht verfügbar (Kindle Edition 4,16 EUR)
Bezugsquelle: Amazon englisch (Kindle Edition)

 
Fazit
Galaxy Trucker – Rocky Road ist humorvolle Science-Fiction, die mit einem Augenzwinkern verstanden werden sollte. Wer eine glaubwürdige, technische Welt voraussetzt und sich nicht auf eine eher skurrile Welt einlassen kann, wird mit diesem Roman nicht glücklich werden. Rocky Road basiert auf einem unterhaltsamen Brettspiel mitsamt dessen lustigem Hintergrund, der in diesem Roman aufgegriffen wird. Kenntnisse des Brettspiels sind für das Verständnis des Romans nicht erforderlich. Beispielsweise werden die Trucks weitestgehend aus Kanalrohren zusammengebaut, es gibt Scheibenwischer und trotz Überlichtgeschwindigkeit kann man im Rückspiegel ein verfolgendes Raumschiff ausmachen.
Technisch macht dies überhaupt keinen Sinn – aber dennoch ist der Roman lesenswert. Die überspitzte und lustig unsinnige Welt gibt den Rahmen für eine durchaus rasante und niedliche Abenteuergeschichte vor.

Artikelbilder: Czech Games Edition
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Ein Science-Fiction-Roman, der auf einem Brettspiel basiert, klingt zunächst einmal gewöhnungsbedürftig. Galaxy Trucker ist ein unterhaltsames Spiel, und der Roman möchte diesen Humor aufgreifen. Ob dieses Konzept aufgegangen und ein gelungenes Buch dabei herausgekommen ist, wird die folgende Rezension zeigen.
Die schräge Idee von Galaxy Trucker besteht darin, dass sich die Spieler aus Modulen, welche im Wesentlichen aus Kanalrohren bestehen, ein Raumschiff zusammenstellen. Mit diesem Raumschiff müssen sie dann auf vorgegebenen Routen Kolonien erreichen, wobei Meteoriten und Piraten den Truckern das Leben schwer machen. Die Handelsware am Zielort sind die noch vorhandenen Kanalrohre, die während der Reise nicht zerstört wurden oder verloren gingen. Genau diesen Hintergrund greift der vorliegende Roman Galaxy Trucker – Rocky Road auf.
Story
Francesca Flores, die Protagonistin der Geschichte, ist eine Truckerin und versucht auf der Route 135 ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Route 135 ist die titelgebende Rocky Road und Meteoriten machen den Truckern auf dieser Strecke das Leben schwer. So manches Raumschiff schafft es nur als Wrack und ohne Ladung an den Zielort. Nicht selten bleibt auch einem Trucker nur die Möglichkeit, sich in eine Fluchtkapsel zu retten, um dann in einem neuen Raumschiff einen erneuten Versuch zu unternehmen, die Route zu meistern.
Francescas Trucks wurden in der Vergangenheit häufiger in Stücke geschlagen, weswegen sie inzwischen einige Schulden angesammelt hat. Die Protagonistin will sich jedoch nicht geschlagen geben. Sie muss sich entscheiden, ob sie eine andere Karriere einschlagen oder ob sie auf einer neuen Route ihr Glück versuchen möchte. Der Wechsel zu einer neuen Route scheint jedoch kein leichtes Unterfangen zu sein. Zu allem Überfluss für die eher einzelgängerische Frau drängt sich ihr auch noch ein Alien auf.
Schreibstil
Schon nach wenigen Sätzen ist der Leser inmitten der Geschehnisse an der Seite der Protagonistin. Die Tour der Truckerin auf der Rocky Road hat einen höchst unerfreulichen Verlauf genommen und schon nach kurzer Zeit fiebert man mit Francesca Flores mit. Dem Autor gelingt mühelos ein rasanter Einstieg in die Geschichte, welcher aus der Sicht der Protagonistin in der personalen Erzählperspektive geschrieben ist.
Der Roman ist bisher nicht auf Deutsch erhältlich und das vorliegende Exemplar wurde in englischer Sprache gelesen. Der Roman liest sich leichtgängig, fortgeschrittene Englischkenntnisse sind nicht erforderlich. Personen, die bereits Kontakt zum Brettspiel Galaxy Trucker hatten, werden sich leicht in die Welt des Romans einfinden können. Denn der Roman greift das skurril anmutende Setting des Spiels humorvoll auf und verpackt es in einer unterhaltsamen Abenteuergeschichte. Für das Verständnis des Romans ist es jedoch nicht zwingend erforderlich das Brettspiel zu kennen.
Der Autor bedient sich einer einfachen, allerdings nicht zu schlichten Sprache. Jason A. Holt gelingt es an verschiedenen Stellen, Bezüge zum Brettspiel herzustellen, die nicht gekünstelt wirken und die für Spieler von Galaxy Trucker einen charmanten Wiedererkennungswert haben. Durch den gesamten Roman zieht sich der zwar überspitzte, aber durchaus unterhaltsame skurrile Humor des Brettspiels. Auch die Gedankengänge von Francesca Flores, z.B. wie Bäume überhaupt ohne Pflanzkübel existieren können, oder kleinere humorvolle Hinweise im Text über fiktionale Sachverhalte oder historische Gegebenheiten tragen hierzu bei.
Der Autor
Jason A. Holt lebt in Montana und hat einen Dr. (Ph.D.) in Mathematik. Für das tschechische Unternehmen Czech Games Edition hat er an jedem ihrer Brettspiel mitgearbeitet. Neben dem Schreiben von Spielinhalten und Übersetzungen hat Jason A. Holt mehrere eigene Science-Fiction und Fantasy-Romane geschrieben. Zu den von ihm veröffentlichten Werken gehören unter anderem The Dragonslayer of Edgewhen, The Klindrel Invasion oder The Bladesmen of Darcliff.
Die harten Fakten:

Verlag: Czech Games Edition
Autor: Jason A. Holt
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Englisch
Format: Taschenbuch
Seitenanzahl: 199
ISBN: 978-80-88235-00-2
Preis: Taschenbuch nicht verfügbar (Kindle Edition 4,16 EUR)
Bezugsquelle: Amazon englisch (Kindle Edition)

 
Fazit
Galaxy Trucker – Rocky Road ist humorvolle Science-Fiction, die mit einem Augenzwinkern verstanden werden sollte. Wer eine glaubwürdige, technische Welt voraussetzt und sich nicht auf eine eher skurrile Welt einlassen kann, wird mit diesem Roman nicht glücklich werden. Rocky Road basiert auf einem unterhaltsamen Brettspiel mitsamt dessen lustigem Hintergrund, der in diesem Roman aufgegriffen wird. Kenntnisse des Brettspiels sind für das Verständnis des Romans nicht erforderlich. Beispielsweise werden die Trucks weitestgehend aus Kanalrohren zusammengebaut, es gibt Scheibenwischer und trotz Überlichtgeschwindigkeit kann man im Rückspiegel ein verfolgendes Raumschiff ausmachen.
Technisch macht dies überhaupt keinen Sinn – aber dennoch ist der Roman lesenswert. Die überspitzte und lustig unsinnige Welt gibt den Rahmen für eine durchaus rasante und niedliche Abenteuergeschichte vor.

Artikelbilder: Czech Games Edition
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Quelle: www.teilzeithelden.de Kurzcheck: Galaxy Trucker – Rocky Road (Jason A. Holt) – Trucker-Abenteuer im Weltraum

Untold Stories of a Galaxy – Band 1 & 2 (Michael E. Campbell) – Aller Anfang ist schwer

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Quelle: www.teilzeithelden.de Untold Stories of a Galaxy – Band 1 & 2 (Michael E. Campbell) – Aller Anfang ist schwer

Rezension: Hammer of the North – Herrscher und Eroberer (Harry Harrison, John Holm) – Ein letzter Kampf

Rezension: Hammer of the North – Herrscher und Eroberer (Harry Harrison, John Holm) – Ein letzter Kampf




Quelle: www.teilzeithelden.de Rezension: Hammer of the North – Herrscher und Eroberer (Harry Harrison, John Holm) – Ein letzter Kampf