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Review: Okami HD – immer noch das beste Zelda, das kein Zelda ist

Review: Okami HD – immer noch das beste Zelda, das kein Zelda ist
Bereits 2007 schwang die japanische Gottheit Amaterasu als weiße Wölfin Shiranui im Spiel Okami den göttlichen Pinsel. Mit Okami HD kam im Dezember letzten Jahres nun ein Remaster auf die PS4, die Xbox One und den PC. Lohnt es sich, erneut aufzubrechen, um Nippon vor finsteren Mächten zu retten? Wir haben den Test gemacht.
Okami HD ist ein von Capcom veröffentlichtes Action-Adventure-Spiel, das in seiner ursprünglichen Form nur für die PS2 erscheinen sollte. Doch schnell sammelte sich eine große Fangemeinde um das Stück Videospielkunst, und so dauerte es nicht allzu lange (dreieinhalb Jahre), bis eine Portierung des Spiels ihren Weg auf Nintendos Wii-Konsole fand. Später, abermals über drei Jahre, bekam dann die PS3 eine Remaster-Fassung, und nun auch die PS4. Außerdem wurden die Abenteuer von Shiranui, Issun und Co nun auch den Microsoft-Anhängern via Xbox One sowie PC erlebbar gemacht. Doch hält die Nostalgie der Realität stand? Kann Amaterasu mich auch heute noch verzaubern? Ist der Remaster gelungen? Und braucht man als Besitzer des Originals die HD-Variante? Das wollte ich mir einmal genauer anschauen.
Die Story und Welt
100 Jahre vor Spielbeginn rettete die weiße Wölfin Shiranui (eine Inkarnation der japanischen Sonnengöttin Amaterasu) zusammen mit dem Helden Nagi das Dorf Kamiki vor dem bösen, achtköpfigen Dämon Orochi. Zu Ehren Shiranuis bauten die Dorfbewohner ihr eine Statue und verehrten sie. Doch nun, nach 100 Jahren, ist Orochi durch eine unbedachte Tat befreit worden und versprüht Bösartigkeit und Dämonen über das Land. Mit ihrer letzten Kraft bittet der Baumgeist Sakuya die Göttin Amaterasu zu Hilfe, und tatsächlich wird die Wolfsstatue von Shiranui zum Leben erweckt. Der Spieler übernimmt nun die Kontrolle von Amaterasu, um das Land von den Dämonen zu säubern. Begleitet wird sie hierbei von dem insektengroßen Möchtegern-Künstler Issun. Dieser macht sowohl seine Größe als auch Ammys (wie er Amaterasu nennt) Stummheit mit einer mehr als großen Klappe wieder wett. Außerdem erhält sie nach und nach durch das Finden von ihr abgespaltener Gottheiten göttliche Pinseltechniken, die ihr nicht nur im Kampf, sondern auch bei anderen Aufgaben auf ihren Reisen behilflich sein werden. Die Geschichte um Orochi und die Dämonen hört beim Sieg über ihn allerdings nicht auf, sie fängt damit gerade erst an. Eine Geschichte, die Ammy und Issun ganz Nippon erkunden und retten und den Spieler sich in ihr verlieren lassen wird. Gute 25-30 Stunden kann man alleine mit der Story verbringen, wer allerdings alles in dieser Welt erkunden will, der wird gut und gerne noch einmal so viel Zeit aufbringen.
So weit, so klassisch. Und tatsächlich ist das Wort „klassisch“ eines der Wörter, die Okami HD’s Welt am besten beschreiben. Klassisch, aber ausgesprochen gut umgesetzt. Angesiedelt in einer phantastischen Version des alten Japans (hier noch Nippon – Land der aufgehenden Sonne – genannt), trifft man auf jede Menge wunderbar skurrile, aber liebenswerte Charaktere. Hierbei wird dem japanophilen vieles bekannt vorkommen, sind doch die Mythologie und die Geschichte Japans sehr offensichtliche Quellen für die Geschichte und Charaktere von Okami HD gewesen. Seien es jetzt die Dämonen, die eins zu eins aus der japanischen Mythologie übernommen wurden, sei es der Nachfahre des Helden Nagi, der nicht zufällig Susanoo heißt, gerne ein Held sein möchte, aber tatsächlich eher ein fauler Trinker ist. Oder der mysteriöse Wakka, bei dem man sich eine lange Zeit nicht sicher sein kann, ob er Freund oder Feind ist. Oder der vorlaute, kleine Issun, der ein gutes Herz hat, aber immer nach schönen Frauen lüstet. Oder … ach, es gibt so viele. Und egal, ob sie große oder kleine Rollen haben, möchte man sich mit den meisten von ihnen einfach anfreunden. So liebevoll sind sie ausgearbeitet.
Gameplay
Bevor ich über das eigentliche Gameplay von Okami HD rede, muss ich das Spielelement des göttlichen Pinsels kurz erläutern. Im Laufe des Spiels kann man bis zu 13 Pinseltechniken finden, indem man Sternenkonstellationen entdeckt, die zu den jeweiligen Pinselgottheiten gehören. Diese gewähren dann die jeweilige Technik, mit der man göttliches Wirken in der Spielwelt geschehen lassen kann. Hierbei geht es von dem Herbeirufen der Sonne oder des Mondes und starken Angriffstechniken, über das Beschwören von Wasser und die Reparatur von kaputten Gegenständen bis zum Wiederauflebenlassen von Bäumen. Der Einsatz des Pinsels geht dabei leicht von der Hand. Mittels eines Tastendruckes stoppt die Zeit und ein großer Pinsel erscheint auf dem Bildschirm. Mittels des linken Sticks wird dieser über den Bildschirm bewegt und, je nach Technik, ein bestimmtes Symbol gemalt. Bereits bei der Wii-Version konnte man dieses Zeichnen mittels der Bewegungssteuerung vollführen.
Ein guter Gedanke, der jedoch an der Hakeligkeit der Positionsabfrage besonders bei Sonnenlicht scheiterte. Ab der PS3-Version steht ebenfalls Playstation-Move hierfür zur Verfügung, dies konnte ich jedoch leider nicht testen. Auf dem PS4-Controller hat man zusätzlich noch die Möglichkeit, dies mittels des integrierten Touchpads zu tun, und ich muss sagen, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit möchte ich es gar nicht mehr anders machen, so immersiv ist es. Es fühlt sich einfach natürlich an, mit der Fingerspitze wie mit einem Pinsel zu malen. Sobald man das Muster gemalt hat, lässt man die eingangs gedrückte Taste wieder los, die Zeit läuft weiter und der gewünschte Effekt wird, wenn das Symbol richtig gemalt wurde, ausgeführt, die Brücke repariert, die Bombe gelegt, das Tor zerschnitten etc. Hierfür hat man nur eine begrenzte Menge an Tinte zur Verfügung, wobei sich der Vorrat von selbst wieder auffüllt und die maximale Höhe des Vorrats im Laufe des Spiels noch erhöht werden kann.
Nun aber zum restlichen Gameplay. Okami HD’s Gameplay gliedert sich in zwei Hauptbereiche; die Oberwelt und den Kampf. In der Oberwelt läuft man als Ammy entweder über Land oder durch Städte und Dörfer, entdeckt Geheimnisse, befreit Gebiete von dämonischem Einfluss und löst Aufgaben für die Bewohner Nippons. Diese Aufgaben sind meist nicht sonderlich komplex, beinhalten aber meist als Aufhänger schöne kleine Geschichten, die die Welt vertiefen, in der wir uns befinden. So soll man direkt am Anfang beispielsweise einem Jungen beweisen, dass man besser darin ist, die Rüben seiner Mutter zu klauen ohne entdeckt zu werden, als sein Hund. Immer wieder muss man aber auch hierfür die verschiedenen Pinseltechniken einsetzen. Hierbei ist der Einsatz dieser Fähigkeiten nicht immer gleich offensichtlich, und man muss schon um die Ecke denken können.

Bei Bedarf (weitaus weniger nervig als Navi aus The Legend of Zelda – Ocarina of Time) hält aber auch Issun Tipps für uns bereit, was es als nächstes zu tun gibt. Ein Marker zeigt uns außerdem jederzeit an, wo wir uns für das nächste Missionsziel hinbegeben müssen. Für die Erfüllung dieser Aufgaben gibt es neben Geld (Yen) und Items außerdem Glauben. Diesen benötigt man, um Ammy und ihre Werte aufzuleveln. Das Ganze ist nicht sonderlich komplex, aber ausreichend, liegt der Fokus des Spiels doch nicht auf der Charakterentwicklung.
Niedlicher Bonus: Man bekommt auch Glauben, wenn man Tieren Futter gibt. Hierbei muss man jedoch aufpassen, für die jeweiligen Tiere jeweils das passende Futter dabei zu haben.
Auch muss man in der Oberwelt außerhalb der Städte die Pflanzen wieder zum Blühen bringen, um die dämonische Korruption hinfortzufegen. Hat man alle Bäume in einem Bereich wieder mittels Pinseltechnik zum Leben erweckt, so darf man auch den dort befindlichen Keimling eines Kirschbaumes (ein Sprössling von Sakuya aus dem Dorf Kamiki) wieder zum Leben erwecken. Ist dies geschehen, darf man sich in einer wunderschönen Zwischensequenz ansehen, wie in diesem Gebiet die Korruption vom neuen Leben hinfortgefegt wird. Immer wieder schön und kraftvoll, diese Szene zu sehen.

Allein hierfür lohnt sich das Spiel schon. Aber auch sonst hat die Welt von Okami HD viel zu bieten. Versteckte Gebiete, Sammelgegenstände, Tiere füttern, Nebenquests und und und. Allein mit der Story ist man gute 25-30 Stunden beschäftigt, doch die Nebenquests sind kurzweilige Aufgaben, die nicht so überladen wirken wie in manchen Assassins-Creed-Teilen oder die 900 Korok-Samen im neuen Legend of Zelda: Breath of the Wild.
Sollte es zum Kampf kommen (entweder durch in der Story vorgeschriebene Kämpfe oder durch Begegnungen auf der Oberwelt, die man teilweise auch umgehen kann), wird ein Areal abgegrenzt, in dem der Kampf stattfindet. Man hat normale Attacken und später, je nach ausgewählter Waffe, noch andere Attackenarten. Außerdem kann man auch im Kampfmodus den göttlichen Pinsel zum Einsatz kommen lassen, um seinen Gegnern damit ordentlich einzuheizen. Die Dämonen selbst sind dabei teilweise ganz schön knackig und vielfältig, was dazu führt, dass man sich für jeden Typ von Dämon eine eigene Strategie zurechtlegen muss. Simples Button-mashen hilft nur gegen die ersten Gegner, danach ist man sehr schnell aufgeschmissen. Dabei bleibt das Spiel allerdings immer fair, und einen Schwierigkeitsgrad wie Dark Souls muss auch niemand befürchten.

Am Ende eines Kampfes wird dieser mit einer kurzen Statistik ausgewertet. Hier wird gezeigt, wie lange man gebraucht hat und wie viel Schaden man ausgeteilt hat. Dies hat Auswirkungen auf die Belohnungen, die man in Form von Items, Geld und, wer hätte das gedacht, Glauben erhält. So wird man immer angespornt, sich zu verbessern und gegen die nächsten Gegner zu kämpfen. Wenn man nach zwei bis drei Stunden Spiel dann irgendwann einmal einen eigenen Stil beim Kampf gefunden hat, wird das Ganze damit vom Kampf ums Überleben fast zu einem wunderbaren Tanz der Vernichtung mit eigenem Takt.
Allerdings kommen wir damit auch zu meinem Hauptkritikpunkt. Das Spieldesign ist mittlerweile über 10 Jahre alt, und das merkt man dem Spiel teilweise an. Alleine eine 20minütige Intro-Sequenz ohne Sprachausgabe und viel Text zum Lesen ohne die Möglichkeit, dies zu überspringen, ist aus heutiger Sicht ein Unding. Dazu noch nicht allzu komplexe einzelne Gameplay-Elemente und eine Welt, die zwar wunderschön und stimmig ist, aber auch nicht riesengroß und komplex – das alles können heutige Spitzentitel in dieser Kategorie weitaus besser und umfangreicher. Und dennoch, wer sich durch die 20 Minuten Intro quält und keine allzu vielschichtige Charakterindividualisierung braucht, bekommt mit Okami HD eines der besten Action-Adventures aller Zeiten.
Grafik
Und hier komme ich endlich, neben dem göttlichen Pinsel, zum Highlight des Spiels. Okami HD ist in einer Cel-Shading-Grafik gehalten, die an japanische Wassertusche-Malereien im Stil Sumi-e erinnern. Hierdurch (sowie durch den zuschaltbaren Schriftrollen-Filter) hat man tatsächlich oftmals den Eindruck, sich mitten in einem japanischen Kunstwerk zu befinden. Das Ganze wird natürlich noch dadurch verstärkt, dass man mittels des göttlichen Pinsels selbst in dieser Landschaft herummalen kann. Der Sprung von SD-Grafik zur HD-Grafik der PS4 hat dabei dem Grafikstil sehr gutgetan. Ursprünglich wollte man Okami in fotorealistischer Grafik gestalten, doch das hätte weder dem Spielgefühl entsprochen, noch hätte es das Potenzial gehabt, durch ein Remaster so viel besser aussehen zu können. So sehen nun aber die Linien gestochen scharf aus, die Kanten sind glatt wie nie und das Spiel ist eine Augenweide.
Die vielen kleinen Details, die das Spiel auch auf grafischer Ebene ausmachen, wie dem Gras und den Blumen, die aus Ammys Pfotenspuren sprießen (und die größer werden, je schneller sie rennt), oder den gezeichneten Wassertropfen, wenn man einmal ins Wasser fallen sollte, sowie der perfekten Abstimmung selbst der Menüs und des HUDs auf den Grafikstil, machen Okami HD zu einem sehr gelungenen Remaster. Natürlich sieht man auch hier das Jahrzehnt, den das Spiel mittlerweile auf dem Buckel hat, und auch die Tatsache, dass es ursprünglich für die PS2 entwickelt wurde. Charaktermodelle sind nicht besonders ausgefeilt und ziemlich eckig, Details wie einzelne Grashalme sucht man vergebens. Aber das braucht es auch gar nicht, denn durch den Cell-Shading-Stil fügt sich alles zu einem wunderbar künstlerisch-comicartigen Gesamtwerk zusammen.
Die harten Fakten:

Publisher: Capcom
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Deutsch/Englisch
Format: Disc (PC/PS4/Xbox One) und Digital (PSN/Steam)
Preis: 19,99 EUR –24,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon

 
Fazit
Okami HD ist ein sehr gutes Spiel und ein gutes Remaster. Im Action-Adventure-Genre immer noch mit Recht einer der Top-Titel, ist es mit einer wunderschönen Cel-Shading-Grafik ausgestattet, die von dem HD-Upgrade nur profitiert. Eine liebevoll ausgearbeitete Story und ebensolche Charaktere laden den Spieler ein, mehr Zeit in die Abenteuer von Amaterasu zu investieren, als es die Story verlangt. Das Spieledesign hat sich in dem Jahrzehnt seit dem Original-Okami zwar durchaus weiterentwickelt, was man an einigen Stellen ganz klar bemerkt.
Wer über diese kleinen Schwächen allerdings hinwegsehen kann, bekommt ein atemberaubend schönes Spiel mit einem ausgeklügelten und fordernden Kampfsystem und mit dem göttlichen Pinsel ein Spielelement, das es so nirgendwo anders zu finden gibt. Ein Pflichtkauf für Fans der Zelda-Reihe, die neues Futter brauchen und für die BotW vielleicht nicht ganz das Richtige ist, für Nintendo-Hasser, die dennoch immer mal ein Action-Adventure im Stil von Zelda spielen wollen, und generell für jeden, der ein gutes Action-Adventure der alten Schule sucht und dabei keine Komplexität wie bei Witcher 3 oder Horizon: Zero Dawn erwartet.
Eine Kaufempfehlung spreche ich bei diesem Preis an jeden aus, der das Spiel bisher noch nicht gespielt hat. Fans haben „nur“ durch das HD-Upgrade leider nicht genügend neue Argumente, um das Spiel noch einmal zu kaufen (aber wer sich Skyrim dreimal kaufen kann, kann sich auch Okami zweimal kaufen) – es sei denn, um die Sammlung zu vervollständigen oder um mit neuem, frischen (HD-)Gefühl in die Welt von Nippon einzutauchen.

Artikelbild: Capcom
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
Der Test erfolgte mit der Playstation-4-Version
 

Bereits 2007 schwang die japanische Gottheit Amaterasu als weiße Wölfin Shiranui im Spiel Okami den göttlichen Pinsel. Mit Okami HD kam im Dezember letzten Jahres nun ein Remaster auf die PS4, die Xbox One und den PC. Lohnt es sich, erneut aufzubrechen, um Nippon vor finsteren Mächten zu retten? Wir haben den Test gemacht.
Okami HD ist ein von Capcom veröffentlichtes Action-Adventure-Spiel, das in seiner ursprünglichen Form nur für die PS2 erscheinen sollte. Doch schnell sammelte sich eine große Fangemeinde um das Stück Videospielkunst, und so dauerte es nicht allzu lange (dreieinhalb Jahre), bis eine Portierung des Spiels ihren Weg auf Nintendos Wii-Konsole fand. Später, abermals über drei Jahre, bekam dann die PS3 eine Remaster-Fassung, und nun auch die PS4. Außerdem wurden die Abenteuer von Shiranui, Issun und Co nun auch den Microsoft-Anhängern via Xbox One sowie PC erlebbar gemacht. Doch hält die Nostalgie der Realität stand? Kann Amaterasu mich auch heute noch verzaubern? Ist der Remaster gelungen? Und braucht man als Besitzer des Originals die HD-Variante? Das wollte ich mir einmal genauer anschauen.
Die Story und Welt
100 Jahre vor Spielbeginn rettete die weiße Wölfin Shiranui (eine Inkarnation der japanischen Sonnengöttin Amaterasu) zusammen mit dem Helden Nagi das Dorf Kamiki vor dem bösen, achtköpfigen Dämon Orochi. Zu Ehren Shiranuis bauten die Dorfbewohner ihr eine Statue und verehrten sie. Doch nun, nach 100 Jahren, ist Orochi durch eine unbedachte Tat befreit worden und versprüht Bösartigkeit und Dämonen über das Land. Mit ihrer letzten Kraft bittet der Baumgeist Sakuya die Göttin Amaterasu zu Hilfe, und tatsächlich wird die Wolfsstatue von Shiranui zum Leben erweckt. Der Spieler übernimmt nun die Kontrolle von Amaterasu, um das Land von den Dämonen zu säubern. Begleitet wird sie hierbei von dem insektengroßen Möchtegern-Künstler Issun. Dieser macht sowohl seine Größe als auch Ammys (wie er Amaterasu nennt) Stummheit mit einer mehr als großen Klappe wieder wett. Außerdem erhält sie nach und nach durch das Finden von ihr abgespaltener Gottheiten göttliche Pinseltechniken, die ihr nicht nur im Kampf, sondern auch bei anderen Aufgaben auf ihren Reisen behilflich sein werden. Die Geschichte um Orochi und die Dämonen hört beim Sieg über ihn allerdings nicht auf, sie fängt damit gerade erst an. Eine Geschichte, die Ammy und Issun ganz Nippon erkunden und retten und den Spieler sich in ihr verlieren lassen wird. Gute 25-30 Stunden kann man alleine mit der Story verbringen, wer allerdings alles in dieser Welt erkunden will, der wird gut und gerne noch einmal so viel Zeit aufbringen.
So weit, so klassisch. Und tatsächlich ist das Wort „klassisch“ eines der Wörter, die Okami HD’s Welt am besten beschreiben. Klassisch, aber ausgesprochen gut umgesetzt. Angesiedelt in einer phantastischen Version des alten Japans (hier noch Nippon – Land der aufgehenden Sonne – genannt), trifft man auf jede Menge wunderbar skurrile, aber liebenswerte Charaktere. Hierbei wird dem japanophilen vieles bekannt vorkommen, sind doch die Mythologie und die Geschichte Japans sehr offensichtliche Quellen für die Geschichte und Charaktere von Okami HD gewesen. Seien es jetzt die Dämonen, die eins zu eins aus der japanischen Mythologie übernommen wurden, sei es der Nachfahre des Helden Nagi, der nicht zufällig Susanoo heißt, gerne ein Held sein möchte, aber tatsächlich eher ein fauler Trinker ist. Oder der mysteriöse Wakka, bei dem man sich eine lange Zeit nicht sicher sein kann, ob er Freund oder Feind ist. Oder der vorlaute, kleine Issun, der ein gutes Herz hat, aber immer nach schönen Frauen lüstet. Oder … ach, es gibt so viele. Und egal, ob sie große oder kleine Rollen haben, möchte man sich mit den meisten von ihnen einfach anfreunden. So liebevoll sind sie ausgearbeitet.
Gameplay
Bevor ich über das eigentliche Gameplay von Okami HD rede, muss ich das Spielelement des göttlichen Pinsels kurz erläutern. Im Laufe des Spiels kann man bis zu 13 Pinseltechniken finden, indem man Sternenkonstellationen entdeckt, die zu den jeweiligen Pinselgottheiten gehören. Diese gewähren dann die jeweilige Technik, mit der man göttliches Wirken in der Spielwelt geschehen lassen kann. Hierbei geht es von dem Herbeirufen der Sonne oder des Mondes und starken Angriffstechniken, über das Beschwören von Wasser und die Reparatur von kaputten Gegenständen bis zum Wiederauflebenlassen von Bäumen. Der Einsatz des Pinsels geht dabei leicht von der Hand. Mittels eines Tastendruckes stoppt die Zeit und ein großer Pinsel erscheint auf dem Bildschirm. Mittels des linken Sticks wird dieser über den Bildschirm bewegt und, je nach Technik, ein bestimmtes Symbol gemalt. Bereits bei der Wii-Version konnte man dieses Zeichnen mittels der Bewegungssteuerung vollführen.
Ein guter Gedanke, der jedoch an der Hakeligkeit der Positionsabfrage besonders bei Sonnenlicht scheiterte. Ab der PS3-Version steht ebenfalls Playstation-Move hierfür zur Verfügung, dies konnte ich jedoch leider nicht testen. Auf dem PS4-Controller hat man zusätzlich noch die Möglichkeit, dies mittels des integrierten Touchpads zu tun, und ich muss sagen, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit möchte ich es gar nicht mehr anders machen, so immersiv ist es. Es fühlt sich einfach natürlich an, mit der Fingerspitze wie mit einem Pinsel zu malen. Sobald man das Muster gemalt hat, lässt man die eingangs gedrückte Taste wieder los, die Zeit läuft weiter und der gewünschte Effekt wird, wenn das Symbol richtig gemalt wurde, ausgeführt, die Brücke repariert, die Bombe gelegt, das Tor zerschnitten etc. Hierfür hat man nur eine begrenzte Menge an Tinte zur Verfügung, wobei sich der Vorrat von selbst wieder auffüllt und die maximale Höhe des Vorrats im Laufe des Spiels noch erhöht werden kann.
Nun aber zum restlichen Gameplay. Okami HD’s Gameplay gliedert sich in zwei Hauptbereiche; die Oberwelt und den Kampf. In der Oberwelt läuft man als Ammy entweder über Land oder durch Städte und Dörfer, entdeckt Geheimnisse, befreit Gebiete von dämonischem Einfluss und löst Aufgaben für die Bewohner Nippons. Diese Aufgaben sind meist nicht sonderlich komplex, beinhalten aber meist als Aufhänger schöne kleine Geschichten, die die Welt vertiefen, in der wir uns befinden. So soll man direkt am Anfang beispielsweise einem Jungen beweisen, dass man besser darin ist, die Rüben seiner Mutter zu klauen ohne entdeckt zu werden, als sein Hund. Immer wieder muss man aber auch hierfür die verschiedenen Pinseltechniken einsetzen. Hierbei ist der Einsatz dieser Fähigkeiten nicht immer gleich offensichtlich, und man muss schon um die Ecke denken können.

Bei Bedarf (weitaus weniger nervig als Navi aus The Legend of Zelda – Ocarina of Time) hält aber auch Issun Tipps für uns bereit, was es als nächstes zu tun gibt. Ein Marker zeigt uns außerdem jederzeit an, wo wir uns für das nächste Missionsziel hinbegeben müssen. Für die Erfüllung dieser Aufgaben gibt es neben Geld (Yen) und Items außerdem Glauben. Diesen benötigt man, um Ammy und ihre Werte aufzuleveln. Das Ganze ist nicht sonderlich komplex, aber ausreichend, liegt der Fokus des Spiels doch nicht auf der Charakterentwicklung.
Niedlicher Bonus: Man bekommt auch Glauben, wenn man Tieren Futter gibt. Hierbei muss man jedoch aufpassen, für die jeweiligen Tiere jeweils das passende Futter dabei zu haben.
Auch muss man in der Oberwelt außerhalb der Städte die Pflanzen wieder zum Blühen bringen, um die dämonische Korruption hinfortzufegen. Hat man alle Bäume in einem Bereich wieder mittels Pinseltechnik zum Leben erweckt, so darf man auch den dort befindlichen Keimling eines Kirschbaumes (ein Sprössling von Sakuya aus dem Dorf Kamiki) wieder zum Leben erwecken. Ist dies geschehen, darf man sich in einer wunderschönen Zwischensequenz ansehen, wie in diesem Gebiet die Korruption vom neuen Leben hinfortgefegt wird. Immer wieder schön und kraftvoll, diese Szene zu sehen.

Allein hierfür lohnt sich das Spiel schon. Aber auch sonst hat die Welt von Okami HD viel zu bieten. Versteckte Gebiete, Sammelgegenstände, Tiere füttern, Nebenquests und und und. Allein mit der Story ist man gute 25-30 Stunden beschäftigt, doch die Nebenquests sind kurzweilige Aufgaben, die nicht so überladen wirken wie in manchen Assassins-Creed-Teilen oder die 900 Korok-Samen im neuen Legend of Zelda: Breath of the Wild.
Sollte es zum Kampf kommen (entweder durch in der Story vorgeschriebene Kämpfe oder durch Begegnungen auf der Oberwelt, die man teilweise auch umgehen kann), wird ein Areal abgegrenzt, in dem der Kampf stattfindet. Man hat normale Attacken und später, je nach ausgewählter Waffe, noch andere Attackenarten. Außerdem kann man auch im Kampfmodus den göttlichen Pinsel zum Einsatz kommen lassen, um seinen Gegnern damit ordentlich einzuheizen. Die Dämonen selbst sind dabei teilweise ganz schön knackig und vielfältig, was dazu führt, dass man sich für jeden Typ von Dämon eine eigene Strategie zurechtlegen muss. Simples Button-mashen hilft nur gegen die ersten Gegner, danach ist man sehr schnell aufgeschmissen. Dabei bleibt das Spiel allerdings immer fair, und einen Schwierigkeitsgrad wie Dark Souls muss auch niemand befürchten.

Am Ende eines Kampfes wird dieser mit einer kurzen Statistik ausgewertet. Hier wird gezeigt, wie lange man gebraucht hat und wie viel Schaden man ausgeteilt hat. Dies hat Auswirkungen auf die Belohnungen, die man in Form von Items, Geld und, wer hätte das gedacht, Glauben erhält. So wird man immer angespornt, sich zu verbessern und gegen die nächsten Gegner zu kämpfen. Wenn man nach zwei bis drei Stunden Spiel dann irgendwann einmal einen eigenen Stil beim Kampf gefunden hat, wird das Ganze damit vom Kampf ums Überleben fast zu einem wunderbaren Tanz der Vernichtung mit eigenem Takt.
Allerdings kommen wir damit auch zu meinem Hauptkritikpunkt. Das Spieldesign ist mittlerweile über 10 Jahre alt, und das merkt man dem Spiel teilweise an. Alleine eine 20minütige Intro-Sequenz ohne Sprachausgabe und viel Text zum Lesen ohne die Möglichkeit, dies zu überspringen, ist aus heutiger Sicht ein Unding. Dazu noch nicht allzu komplexe einzelne Gameplay-Elemente und eine Welt, die zwar wunderschön und stimmig ist, aber auch nicht riesengroß und komplex – das alles können heutige Spitzentitel in dieser Kategorie weitaus besser und umfangreicher. Und dennoch, wer sich durch die 20 Minuten Intro quält und keine allzu vielschichtige Charakterindividualisierung braucht, bekommt mit Okami HD eines der besten Action-Adventures aller Zeiten.
Grafik
Und hier komme ich endlich, neben dem göttlichen Pinsel, zum Highlight des Spiels. Okami HD ist in einer Cel-Shading-Grafik gehalten, die an japanische Wassertusche-Malereien im Stil Sumi-e erinnern. Hierdurch (sowie durch den zuschaltbaren Schriftrollen-Filter) hat man tatsächlich oftmals den Eindruck, sich mitten in einem japanischen Kunstwerk zu befinden. Das Ganze wird natürlich noch dadurch verstärkt, dass man mittels des göttlichen Pinsels selbst in dieser Landschaft herummalen kann. Der Sprung von SD-Grafik zur HD-Grafik der PS4 hat dabei dem Grafikstil sehr gutgetan. Ursprünglich wollte man Okami in fotorealistischer Grafik gestalten, doch das hätte weder dem Spielgefühl entsprochen, noch hätte es das Potenzial gehabt, durch ein Remaster so viel besser aussehen zu können. So sehen nun aber die Linien gestochen scharf aus, die Kanten sind glatt wie nie und das Spiel ist eine Augenweide.
Die vielen kleinen Details, die das Spiel auch auf grafischer Ebene ausmachen, wie dem Gras und den Blumen, die aus Ammys Pfotenspuren sprießen (und die größer werden, je schneller sie rennt), oder den gezeichneten Wassertropfen, wenn man einmal ins Wasser fallen sollte, sowie der perfekten Abstimmung selbst der Menüs und des HUDs auf den Grafikstil, machen Okami HD zu einem sehr gelungenen Remaster. Natürlich sieht man auch hier das Jahrzehnt, den das Spiel mittlerweile auf dem Buckel hat, und auch die Tatsache, dass es ursprünglich für die PS2 entwickelt wurde. Charaktermodelle sind nicht besonders ausgefeilt und ziemlich eckig, Details wie einzelne Grashalme sucht man vergebens. Aber das braucht es auch gar nicht, denn durch den Cell-Shading-Stil fügt sich alles zu einem wunderbar künstlerisch-comicartigen Gesamtwerk zusammen.
Die harten Fakten:

Publisher: Capcom
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Deutsch/Englisch
Format: Disc (PC/PS4/Xbox One) und Digital (PSN/Steam)
Preis: 19,99 EUR –24,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon

 
Fazit
Okami HD ist ein sehr gutes Spiel und ein gutes Remaster. Im Action-Adventure-Genre immer noch mit Recht einer der Top-Titel, ist es mit einer wunderschönen Cel-Shading-Grafik ausgestattet, die von dem HD-Upgrade nur profitiert. Eine liebevoll ausgearbeitete Story und ebensolche Charaktere laden den Spieler ein, mehr Zeit in die Abenteuer von Amaterasu zu investieren, als es die Story verlangt. Das Spieledesign hat sich in dem Jahrzehnt seit dem Original-Okami zwar durchaus weiterentwickelt, was man an einigen Stellen ganz klar bemerkt.
Wer über diese kleinen Schwächen allerdings hinwegsehen kann, bekommt ein atemberaubend schönes Spiel mit einem ausgeklügelten und fordernden Kampfsystem und mit dem göttlichen Pinsel ein Spielelement, das es so nirgendwo anders zu finden gibt. Ein Pflichtkauf für Fans der Zelda-Reihe, die neues Futter brauchen und für die BotW vielleicht nicht ganz das Richtige ist, für Nintendo-Hasser, die dennoch immer mal ein Action-Adventure im Stil von Zelda spielen wollen, und generell für jeden, der ein gutes Action-Adventure der alten Schule sucht und dabei keine Komplexität wie bei Witcher 3 oder Horizon: Zero Dawn erwartet.
Eine Kaufempfehlung spreche ich bei diesem Preis an jeden aus, der das Spiel bisher noch nicht gespielt hat. Fans haben „nur“ durch das HD-Upgrade leider nicht genügend neue Argumente, um das Spiel noch einmal zu kaufen (aber wer sich Skyrim dreimal kaufen kann, kann sich auch Okami zweimal kaufen) – es sei denn, um die Sammlung zu vervollständigen oder um mit neuem, frischen (HD-)Gefühl in die Welt von Nippon einzutauchen.

Artikelbild: Capcom
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
Der Test erfolgte mit der Playstation-4-Version
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Review: Okami HD – immer noch das beste Zelda, das kein Zelda ist