Archiv der Kategorie: Graphic Novel

Kurzcheck: Critical Role 1: Vox Machina Origins (Cross Cult) – Der Anfang einer weltweiten Erfolgsgeschichte

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Eine seit 2015 erfolgreiche Webshow, Live-Events, Comics und eine animierte Serie sind Zeugen des Siegeszugs von Critical Role, des weltweit erfolgreichsten Pen & Paper-Streams. Doch jede Erfolgsgeschichte benötigt einen Anfang. Begleitet uns in Vox Machina Origins auf eine Reise zu den Ursprüngen der Heldengruppe der ersten Kampagne von Critical Role.

Dieser Beitrag wurde von Ralf Rotheimer geschrieben

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Durchgeblättert 01/2018 – Unser Graphic Novel Check | Belzagor, Gilgamesch und Orion

Durchgeblättert 01/2018 – Unser Graphic Novel Check | Belzagor, Gilgamesch und Orion
In Durchgeblättert werfen wir regelmäßig einen kritischen Blick auf Neuerscheinungen, Geheimtipps oder Klassiker aus der vielfältigen Welt der Graphic Novels. Diesen Monat schmökern wir in einer Adaption des ältesten Mythos und Buchs der Welt – Gilgamesch – und bereisen außerdem in zwei Werken des Splitter Verlags die Welten von Orion und Belzagor. 
Ein neues Jahr hat begonnen und vielleicht bei dem einen oder anderen auch eine Menge guter Vorsätze gebracht. Sollte einer davon lauten, in Zukunft mehr Graphic Novels zu lesen, so können wir euch mit dieser Ausgabe von Durchgeblättert hoffentlich dabei behilflich sein. Zum einen werfen wir einen Blick auf zwei im Dezember erschienene Bände aus dem Hause Splitter, welche uns auf fremde Planeten und zu ungewöhnlichen Zivilisationen führen. Zum anderen nehmen wir das neueste Werk des deutschen Comicautors Jens Harder unter die Lupe, der mit der grafischen Aufarbeitung des Gilgamesch-Epos ein wahres Mammut-Projekt gestemmt hat.
Wir hoffen, ihr habt beim Lesen dieser Kritiken ebenso viel Spaß wie wir beim Lesen der rezensierten Werke. Über Fragen oder Diskussionen in den Kommentaren freuen wir uns ebenso wie über generelles Feedback zu unserem Format Durchgeblättert!
Rückkehr nach Belzagor Episode 1/2
In einer nicht näher definierten Zeit hat es die Menschheit geschafft zu den Sternen aufzubrechen und fremde Welten zu kolonialisieren. Eine von diesen wird als Terra Holman bezeichnet, wobei ihr ursprünglicher Name anders lautet – Belzagor. Und diesen sollte der Planet auch wieder annehmen, als die Kolonialisierung scheitert und die zwei eingeborenen Rassen der Nildoror und Sulidoror wieder die alleinige Kontrolle erhalten.
Dennoch weckt Belzagor nach wie vor Begierde bei den Menschen, unter anderem dem Wissenschaftlerpaar Wingate. Sie sind auf der Suche nach dem Ritual der Wiedergeburt der Eingeborenen, um das sich unzählige Gerüchte ranken. Mit Edmund Gundersen haben sie hierbei einen Begleiter engagiert, der eine lange Geschichte mit dem Planeten aufweist, auf dem er seine Karriere als Soldat begann. Doch Geheimnisse von allen Seiten begleiten die Expedition, als Gundersen auf alte Bekannte trifft und die Vergangenheit ihn einzuholen scheint…
In Anlehnung an die 1973 in Deutschland veröffentlichten Mysterien von Belzagor von Robert Silverberg erzählt dieser erste Band eine Geschichte voller Andeutungen von Verrat und Unrecht. Der Leser erlebt immer wieder Rückblenden zur Zeit der Kolonialisierung von Belzagor, welche einen tieferen Einblick in die Historie des Planeten geben und sich mit dem Haupt-Erzählstrang allmählich zu einem großen Gesamtbild verbinden. Dabei werden sehr geschickt doppelsinnige Anspielungen eingebunden, welche die Neugier wecken und zum weiteren Lesen motivieren.
Ein Schwachpunkt des Werkes sind seine Charaktere, welche ihren Reiz lediglich durch Mysterien erhalten. Dies trifft zu einem Großteil jedoch nur auf Gundersen und seinen Gegenspieler Kurtz zu, die eine alte Rivalität verbindet. Im Falle des Wissenschaftlerpaares der Wingates ist dieser Hintergrund leider nicht gegeben, wodurch diese in den meisten Szenen zu irrelevanten Statisten verkommen.
Darüber hinaus entwickelt sich im Laufe des Bandes eine Dreiecksbeziehung, die leider zu erzwungen erscheint. Hier hat man den Eindruck, dass ein weiterer Krisenherd eröffnet wurde, nur um der Krise willen. Dabei verspricht die Prämisse von Rückkehr nach Belzagor genug Spannung, sodass dies eigentlich unnötig ist.
Zusätzlich trägt die visuelle Gestaltung von Laura Zuccheri (Zeichnungen) und Silvia Fabris (Farben) erheblich dazu bei, sich in der gezeigten Welt zu verlieren. Die wilde Schönheit von Belzagor und seinen Bewohnern wird eindrucksvoll dargestellt und vermittelt den Eindruck eines Planeten, auf dem Technologie ein Störfaktor ist. Denn auch futuristische Technologien kommen zum Einsatz, wobei diese eher dezent in den Hintergrund gerückt werden. Die Bildkomposition erlaubt aber eine glaubhafte Kombination beider Elemente zu einem harmonischen Ganzen.

Ein weiterer lobenswerter Faktor ist außerdem die Gestaltung der Bewohner des Planeten, welche zum einen seltsam vertraut und dennoch fremdartig wirken. So lässt sich beispielsweise die Ähnlichkeit der Nildoror zu unseren irdischen Elefanten nicht leugnen – was auch die Charaktere des Bandes mehrfach erwähnen!
Zusammengefasst ist Rückkehr nach Belzagor Episode 1/2 damit ein gelungener Auftakt zu einer Geschichte, welche besonders durch ihre Mysterien und fremdartige Welt überzeugen kann. Ein paar Schwächen hinsichtlich der Charaktergestaltung liegen vor, hemmen den Spaß an der Lektüre aber nicht wirklich. Zu groß ist die Neugier nach der Enthüllung des Geheimnisses der Wiedergeburt sowie das Interesse an den vergangenen Geschichten rund um Protagonist Gundersen. Gestützt von einem gleichzeitig vertraut und fremd wirkenden visuellen Stil ergibt sich damit eine unterhaltsamer Sci-Fi Graphic Novel.
Die harten Fakten

Verlag: Splitter Verlag
Autor(en): Robert Silverberg, Philippe Thirault
Zeichner(in): Laura Zuccheri, Silvia Fabris
Seitenanzahl: 56
Preis: 14,80 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Splitter Shop

 
Gilgamesch
Das Gilgamesch-Epos ist eines der ältesten bekannten Werke der Menschheit und wesentlicher Bestandteil der Kultur der Akkadier und Sumerer. Auf 12 Tafeln wird die Geschichte des despotischen Herrschers von Uruk – dem titelgebenden Gilgamesch – beschrieben und welche Aufgaben und Prüfungen er zu bestehen hat. Gemeinsam mit seinem einstigen Rivalen und nun zum Freund gewordenen Begleiter Enkidu macht sich Gilgamesch im Laufe des Epos auf eine Reise voller Abenteuer, Heldentaten und Rückschläge, welche ihn schlussendlich sogar auf die Suche nach dem Geheimnis der Unsterblichkeit führt.
Eben jenen Meilenstein der menschlichen Geschichte hat Autor und Zeichner Jens Harder nun als Graphic Novel verarbeitet. Dabei kann das Werk streng genommen nicht als zusammenhängende Geschichte gesehen werden, sondern vielmehr als Bildwerdung der Inhalte der ursprünglichen Tafeln des Epos. Harder vollzieht eine strikte Trennung innerhalb seines Werkes. Zu Beginn jeder neuen Tafel erfolgt zunächst eine kurze Zusammenfassung aller, auf dieser beschriebenen, Inhalte, wonach anschließend die Visualisierung derer erfolgt. Auch die Chronologie wird eingehalten – so ist die zuletzt beschriebene zwölfte Tafel (welche von der beschriebenen Handlung her zwischen die anderen Tafeln gehört und wahrscheinlich den ersten elf Tafeln angehängt wurde) auch die letzte Tafel im Graphic Novel, obwohl ihre Ereignisse wahrscheinlich eher in der Mitte der Geschichte gespielt haben.
Man merkt schnell, dass Harder in Gilgamesch einen großen Fokus auf den Erhalt des ursprünglichen Gefühls des Epos gelegt hat. Unter anderem, weil er dies am Ende der Graphic Novel in einer Dokumentation des Entstehungsprozesses so beschreibt. Doch auch, weil sich Gilgamesch tatsächlich sehr schwer liest. Die verwendete Sprache in den Panelen ist sehr altertümlich, was der Autor damit begründet, dass er hauptsächlich ältere Übersetzungen als Vorlage genommen hat. Zum genaueren Verständnis ein Vergleich, welcher sich auch im Anhang der Graphic Novel findet.
Während modernere Übersetzungen einen Abschnitt mit den Worten beschreiben „Dort bewachen zwei skorpionmenshen ihre pforte, ihr anblick versetzt in schrecken, ihr blick ist tödliches gift, ihr glanz fürchterlich, er überstrahlt das ganze gebirge (…)“ (Gilgamesch Seite 129, nach der Übersetzung von Raoul Schrott von 2001), orientiert sich Harder an der Übersetzung von Albert Schott von 1934. Und dort klingt der gleiche Absatz so: „Skorpionmenschen halten am Bergtor Wacht, Deren Furchtbarkeit ungeheuer ist, Deren Anblick Tod ist, Deren großer Schreckensglanz Berge überhüllt (…)„ (Gilgamesch Seite 129).
Dieser Stil ist zugegeben sehr gewöhnungsbedürftig und zu Beginn empfand ich ihn tatsächlich als störend, weil für mich der Lesefluss dadurch gestört wurde. Es war anstrengend, den Sinn einiger Passagen zu begreifen, selbst mit visueller Unterstützung. Doch nach einer Weile gewöhnt man sich an die hochgestochene Sprache und lernt sie irgendwie sogar zu schätzen. Denn gerade dadurch werden das Alter und auch die mythologische Wirkung des Epos nochmals hervorgehoben.
Zugegeben ist dies nichts für jedermann. Ich habe auch lange überlegt deswegen eine niedrigere Wertung zu vergeben, doch im Gesamtbild des Werkes erscheint dies nicht angemessen. Denn die Intention von Harder lag eindeutig auf der Bewahrung des „ursprünglichen“ Gefühls dieses Mythos.

Dies zeigt sich auch in dem gewählten visuellen Stil, denn dieser ist ungewöhnlich. Die gesamte Geschichte um den Herrscher von Uruk ist via Reliefs dargestellt, das heißt als wäre das Epos in tönerne Tafeln gemeißelt. Eine interessante Idee, welche auch aufgeht, da dadurch eine Einzigartigkeit gewährleistet ist. Dennoch gelingt auch die Darstellung von Details oder Emotionen unerwartet gut in diesem Stil.
Zusammengefasst ist Gilgamesch eine imposante Adaption des titelgebenden Epos, welche aber gewisse Herausforderungen für den Leser bereithält. Der gewählte Sprachstil ist sehr altertümlich, weshalb der Lesefluss und das Verständnis erschwert sein können. Zwar gewöhnt man sich daran mit der Zeit und lernt es sogar zu schätzen, doch zu Beginn kann dies abschreckend wirken. Auch der Zeichenstil in Reliefform ist zunächst sehr ungewöhnlich, erzeugt aber eine einzigartige Atmosphäre für diesen mythologischen Graphic Novel.
Die harten Fakten

Verlag: Carlsen
Autor(en): Jens Harder
Zeichner(in): Jens Harder
Seitenanzahl: 144
Preis: 24,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Carlsen Shop

 
Die Ausgestoßenen von Orion – Erstes Buch
Ähnlich wie Rückkehr nach Belzagor basiert das erste Buch über Die Ausgestoßenen von Orion auf einem Roman aus den Siebzigern. La Croix des décastés (zu Deutsch etwa „Das Kreuz der Ausgestoßenen“) von Julia Verlanger erschien im Jahre 1977 und bildet die Grundlage dieser Mischung aus Science- und Pulp-Fiction im Stile von Conan.
Auch hier haben die Menschen das Weltall besiedelt, doch teilweise ihre eigene Abstammung vergessen. Während einige Zivilisationen eine stetige technische Entwicklung aufweisen konnten, entwickelten sich andere in eine gegensätzliche Richtung.
So ist es auch auf dem Planeten geschehen, auf dem die Handlung von Die Ausgestoßenen von Orion stattfindet. Die dort herrschende Zivilisation wird durch ein strenges Kastensystem geprägt, in welchem Machtkämpfe an der Tagesordnung sind. In einen solchen gerät der Krieger Kolhen, der von den Priestern in eine Falle gelockt wird. Als Resultat wird er gebrandmarkt und mit dem Exil bestraft, in welchem er die ebenfalls verstoßene Tryana kennenlernt. Im Laufe der Geschichte müssen beide um ihr Überleben kämpfen und gleichzeitig den Machenschaften von Wesen entkommen, die scheinbar aus den Weiten des Himmels stammen…
Auch wenn der Einstieg eher ein Science-Fiction Werk vermuten lässt, wird man als Leser schnell eines Besseren belehrt und in die archaische Kultur von Kolhens und Tryanas Volk geworfen. Futuristische Elemente spielen nach wie vor eine Bedeutung, treten jedoch im weiteren Verlauf der Handlung etwas in den Hintergrund. Vielmehr begleitet man die beiden Exilanten auf ihrem Weg durch immer neue Gefahren und lernt von einer Verschwörung im Hintergrund, welche die Balance des Planeten zu gefährden droht.
Die Prämisse ist somit durchaus spannend – dennoch hat Die Ausgestoßenen von Orion mit einigen Problemen zu kämpfen. So hat man das Gefühl, dass die Handlung etwas gehetzt wirkt. Es erfolgen an einigen Stellen plötzliche Sprünge in der Geschichte, wo man sich mehr Hintergrund oder einfach Zeit für die Entwicklung einer Situation gewünscht hätte. Darüber hinaus werden immer wieder Charaktere eingeführt, die ein oder zwei Seiten später wieder irrelevant werden. Möglicherweise wird man hier in der Fortsetzung eines besseren belehrt, doch aktuell macht das vehement den Eindruck von vergebenem Potential.
Denn auch wenn die Geschichte bekannte Motive nutzt, regt sie zum Weiterlesen an. Nicht weil man viel mit den Charakteren verbindet, denn diese bleiben allesamt leider sehr blass. Doch das vermittelte große Ganze erzeugt eine Spannungssituation, deren Auflösung man durchaus gerne erfahren möchte. Meine Hoffnungen liegen deswegen sehr stark auf dem zweiten Teil.
Die grafische Aufarbeitung fällt besonders durch die limitierte Farbpalette auf, welche nochmals den Eindruck von klassischen Pulp-Werken vermittelt. Öde Landschaften und Umgebungen werden von Brauntönen dominiert, während für nächtliche Szenen besonders Dunkelblau häufig zum Einsatz kommt. Die dargestellten Welten und Charaktere sind schön gezeichnet, jedoch nicht ganz so markant und einzigartig wie beispielsweise bei Rückkehr nach Belzagor.
Das erste Buch von Die Ausgestoßenen von Orion hinterlässt einen gemischten Eindruck. Während grafischer Stil und der Metaplot das Interesse aufrechterhalten, steht sich das Storytelling selbst im Weg. An zu vielen Stellen hat man den Eindruck, dass relevante Details ausgelassen wurden. Darüber hinaus werden zu viele Charaktere direkt nach ihrer Einführung irrelevant. Dies hinterlässt den Anschein eines Einstiegsbandes, dessen Nachfolger einer Menge Aufarbeitung bedarf. Dennoch schimmert das Potential der Geschichte durch, weswegen man auch wissen möchte, wie es final weitergeht.
Die harten Fakten

Verlag: Splitter Verlag
Autor(en): Julia Verlanger, Éric Corbeyran
Zeichner(in): Jorge Miguel
Seitenanzahl: 48
Preis: 14,80 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Splitter Shop

 
Fazit des Monats
Von alten Mythen bis hin zu Reisen zu den Sternen: Auch diesen Monat bedanken wir uns wieder bei den unterstützenden Verlagen zur Verfügungstellung der rezensierten Graphic Novels. Gerade im Hinblick auf die beiden Werke von Splitter ist es erfreulich zu sehen, wie literarische Werke aus den letzten Jahrzehnten immer wieder ihren Weg in das Medium der Graphic Novels finden. Angesichts der Vielzahl an kreativen Geschichten aus dieser Zeit kann man gespannt sein, was uns hier noch erwarten wird.
Doch dass sogar noch viel ältere Geschichten (wenn man die paar Jahrtausende des zugrunde liegenden Epos betrachtet) ihren Reiz ausüben können, zeigt eindrucksvoll Gilgamesch aus dem Hause Carlsen. Was sagt uns das? Im Endeffekt kommt es gar nicht so sehr auf das Alter der Geschichte an, Hauptsache sie vermag es unsere Gier nach guten Erzählungen zu befriedigen.
 
Artikelbilder: Splitter, Carlsen
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

In Durchgeblättert werfen wir regelmäßig einen kritischen Blick auf Neuerscheinungen, Geheimtipps oder Klassiker aus der vielfältigen Welt der Graphic Novels. Diesen Monat schmökern wir in einer Adaption des ältesten Mythos und Buchs der Welt – Gilgamesch – und bereisen außerdem in zwei Werken des Splitter Verlags die Welten von Orion und Belzagor. 
Ein neues Jahr hat begonnen und vielleicht bei dem einen oder anderen auch eine Menge guter Vorsätze gebracht. Sollte einer davon lauten, in Zukunft mehr Graphic Novels zu lesen, so können wir euch mit dieser Ausgabe von Durchgeblättert hoffentlich dabei behilflich sein. Zum einen werfen wir einen Blick auf zwei im Dezember erschienene Bände aus dem Hause Splitter, welche uns auf fremde Planeten und zu ungewöhnlichen Zivilisationen führen. Zum anderen nehmen wir das neueste Werk des deutschen Comicautors Jens Harder unter die Lupe, der mit der grafischen Aufarbeitung des Gilgamesch-Epos ein wahres Mammut-Projekt gestemmt hat.
Wir hoffen, ihr habt beim Lesen dieser Kritiken ebenso viel Spaß wie wir beim Lesen der rezensierten Werke. Über Fragen oder Diskussionen in den Kommentaren freuen wir uns ebenso wie über generelles Feedback zu unserem Format Durchgeblättert!
Rückkehr nach Belzagor Episode 1/2
In einer nicht näher definierten Zeit hat es die Menschheit geschafft zu den Sternen aufzubrechen und fremde Welten zu kolonialisieren. Eine von diesen wird als Terra Holman bezeichnet, wobei ihr ursprünglicher Name anders lautet – Belzagor. Und diesen sollte der Planet auch wieder annehmen, als die Kolonialisierung scheitert und die zwei eingeborenen Rassen der Nildoror und Sulidoror wieder die alleinige Kontrolle erhalten.
Dennoch weckt Belzagor nach wie vor Begierde bei den Menschen, unter anderem dem Wissenschaftlerpaar Wingate. Sie sind auf der Suche nach dem Ritual der Wiedergeburt der Eingeborenen, um das sich unzählige Gerüchte ranken. Mit Edmund Gundersen haben sie hierbei einen Begleiter engagiert, der eine lange Geschichte mit dem Planeten aufweist, auf dem er seine Karriere als Soldat begann. Doch Geheimnisse von allen Seiten begleiten die Expedition, als Gundersen auf alte Bekannte trifft und die Vergangenheit ihn einzuholen scheint…
In Anlehnung an die 1973 in Deutschland veröffentlichten Mysterien von Belzagor von Robert Silverberg erzählt dieser erste Band eine Geschichte voller Andeutungen von Verrat und Unrecht. Der Leser erlebt immer wieder Rückblenden zur Zeit der Kolonialisierung von Belzagor, welche einen tieferen Einblick in die Historie des Planeten geben und sich mit dem Haupt-Erzählstrang allmählich zu einem großen Gesamtbild verbinden. Dabei werden sehr geschickt doppelsinnige Anspielungen eingebunden, welche die Neugier wecken und zum weiteren Lesen motivieren.
Ein Schwachpunkt des Werkes sind seine Charaktere, welche ihren Reiz lediglich durch Mysterien erhalten. Dies trifft zu einem Großteil jedoch nur auf Gundersen und seinen Gegenspieler Kurtz zu, die eine alte Rivalität verbindet. Im Falle des Wissenschaftlerpaares der Wingates ist dieser Hintergrund leider nicht gegeben, wodurch diese in den meisten Szenen zu irrelevanten Statisten verkommen.
Darüber hinaus entwickelt sich im Laufe des Bandes eine Dreiecksbeziehung, die leider zu erzwungen erscheint. Hier hat man den Eindruck, dass ein weiterer Krisenherd eröffnet wurde, nur um der Krise willen. Dabei verspricht die Prämisse von Rückkehr nach Belzagor genug Spannung, sodass dies eigentlich unnötig ist.
Zusätzlich trägt die visuelle Gestaltung von Laura Zuccheri (Zeichnungen) und Silvia Fabris (Farben) erheblich dazu bei, sich in der gezeigten Welt zu verlieren. Die wilde Schönheit von Belzagor und seinen Bewohnern wird eindrucksvoll dargestellt und vermittelt den Eindruck eines Planeten, auf dem Technologie ein Störfaktor ist. Denn auch futuristische Technologien kommen zum Einsatz, wobei diese eher dezent in den Hintergrund gerückt werden. Die Bildkomposition erlaubt aber eine glaubhafte Kombination beider Elemente zu einem harmonischen Ganzen.

Ein weiterer lobenswerter Faktor ist außerdem die Gestaltung der Bewohner des Planeten, welche zum einen seltsam vertraut und dennoch fremdartig wirken. So lässt sich beispielsweise die Ähnlichkeit der Nildoror zu unseren irdischen Elefanten nicht leugnen – was auch die Charaktere des Bandes mehrfach erwähnen!
Zusammengefasst ist Rückkehr nach Belzagor Episode 1/2 damit ein gelungener Auftakt zu einer Geschichte, welche besonders durch ihre Mysterien und fremdartige Welt überzeugen kann. Ein paar Schwächen hinsichtlich der Charaktergestaltung liegen vor, hemmen den Spaß an der Lektüre aber nicht wirklich. Zu groß ist die Neugier nach der Enthüllung des Geheimnisses der Wiedergeburt sowie das Interesse an den vergangenen Geschichten rund um Protagonist Gundersen. Gestützt von einem gleichzeitig vertraut und fremd wirkenden visuellen Stil ergibt sich damit eine unterhaltsamer Sci-Fi Graphic Novel.
Die harten Fakten

Verlag: Splitter Verlag
Autor(en): Robert Silverberg, Philippe Thirault
Zeichner(in): Laura Zuccheri, Silvia Fabris
Seitenanzahl: 56
Preis: 14,80 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Splitter Shop

 
Gilgamesch
Das Gilgamesch-Epos ist eines der ältesten bekannten Werke der Menschheit und wesentlicher Bestandteil der Kultur der Akkadier und Sumerer. Auf 12 Tafeln wird die Geschichte des despotischen Herrschers von Uruk – dem titelgebenden Gilgamesch – beschrieben und welche Aufgaben und Prüfungen er zu bestehen hat. Gemeinsam mit seinem einstigen Rivalen und nun zum Freund gewordenen Begleiter Enkidu macht sich Gilgamesch im Laufe des Epos auf eine Reise voller Abenteuer, Heldentaten und Rückschläge, welche ihn schlussendlich sogar auf die Suche nach dem Geheimnis der Unsterblichkeit führt.
Eben jenen Meilenstein der menschlichen Geschichte hat Autor und Zeichner Jens Harder nun als Graphic Novel verarbeitet. Dabei kann das Werk streng genommen nicht als zusammenhängende Geschichte gesehen werden, sondern vielmehr als Bildwerdung der Inhalte der ursprünglichen Tafeln des Epos. Harder vollzieht eine strikte Trennung innerhalb seines Werkes. Zu Beginn jeder neuen Tafel erfolgt zunächst eine kurze Zusammenfassung aller, auf dieser beschriebenen, Inhalte, wonach anschließend die Visualisierung derer erfolgt. Auch die Chronologie wird eingehalten – so ist die zuletzt beschriebene zwölfte Tafel (welche von der beschriebenen Handlung her zwischen die anderen Tafeln gehört und wahrscheinlich den ersten elf Tafeln angehängt wurde) auch die letzte Tafel im Graphic Novel, obwohl ihre Ereignisse wahrscheinlich eher in der Mitte der Geschichte gespielt haben.
Man merkt schnell, dass Harder in Gilgamesch einen großen Fokus auf den Erhalt des ursprünglichen Gefühls des Epos gelegt hat. Unter anderem, weil er dies am Ende der Graphic Novel in einer Dokumentation des Entstehungsprozesses so beschreibt. Doch auch, weil sich Gilgamesch tatsächlich sehr schwer liest. Die verwendete Sprache in den Panelen ist sehr altertümlich, was der Autor damit begründet, dass er hauptsächlich ältere Übersetzungen als Vorlage genommen hat. Zum genaueren Verständnis ein Vergleich, welcher sich auch im Anhang der Graphic Novel findet.
Während modernere Übersetzungen einen Abschnitt mit den Worten beschreiben „Dort bewachen zwei skorpionmenshen ihre pforte, ihr anblick versetzt in schrecken, ihr blick ist tödliches gift, ihr glanz fürchterlich, er überstrahlt das ganze gebirge (…)“ (Gilgamesch Seite 129, nach der Übersetzung von Raoul Schrott von 2001), orientiert sich Harder an der Übersetzung von Albert Schott von 1934. Und dort klingt der gleiche Absatz so: „Skorpionmenschen halten am Bergtor Wacht, Deren Furchtbarkeit ungeheuer ist, Deren Anblick Tod ist, Deren großer Schreckensglanz Berge überhüllt (…)„ (Gilgamesch Seite 129).
Dieser Stil ist zugegeben sehr gewöhnungsbedürftig und zu Beginn empfand ich ihn tatsächlich als störend, weil für mich der Lesefluss dadurch gestört wurde. Es war anstrengend, den Sinn einiger Passagen zu begreifen, selbst mit visueller Unterstützung. Doch nach einer Weile gewöhnt man sich an die hochgestochene Sprache und lernt sie irgendwie sogar zu schätzen. Denn gerade dadurch werden das Alter und auch die mythologische Wirkung des Epos nochmals hervorgehoben.
Zugegeben ist dies nichts für jedermann. Ich habe auch lange überlegt deswegen eine niedrigere Wertung zu vergeben, doch im Gesamtbild des Werkes erscheint dies nicht angemessen. Denn die Intention von Harder lag eindeutig auf der Bewahrung des „ursprünglichen“ Gefühls dieses Mythos.

Dies zeigt sich auch in dem gewählten visuellen Stil, denn dieser ist ungewöhnlich. Die gesamte Geschichte um den Herrscher von Uruk ist via Reliefs dargestellt, das heißt als wäre das Epos in tönerne Tafeln gemeißelt. Eine interessante Idee, welche auch aufgeht, da dadurch eine Einzigartigkeit gewährleistet ist. Dennoch gelingt auch die Darstellung von Details oder Emotionen unerwartet gut in diesem Stil.
Zusammengefasst ist Gilgamesch eine imposante Adaption des titelgebenden Epos, welche aber gewisse Herausforderungen für den Leser bereithält. Der gewählte Sprachstil ist sehr altertümlich, weshalb der Lesefluss und das Verständnis erschwert sein können. Zwar gewöhnt man sich daran mit der Zeit und lernt es sogar zu schätzen, doch zu Beginn kann dies abschreckend wirken. Auch der Zeichenstil in Reliefform ist zunächst sehr ungewöhnlich, erzeugt aber eine einzigartige Atmosphäre für diesen mythologischen Graphic Novel.
Die harten Fakten

Verlag: Carlsen
Autor(en): Jens Harder
Zeichner(in): Jens Harder
Seitenanzahl: 144
Preis: 24,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Carlsen Shop

 
Die Ausgestoßenen von Orion – Erstes Buch
Ähnlich wie Rückkehr nach Belzagor basiert das erste Buch über Die Ausgestoßenen von Orion auf einem Roman aus den Siebzigern. La Croix des décastés (zu Deutsch etwa „Das Kreuz der Ausgestoßenen“) von Julia Verlanger erschien im Jahre 1977 und bildet die Grundlage dieser Mischung aus Science- und Pulp-Fiction im Stile von Conan.
Auch hier haben die Menschen das Weltall besiedelt, doch teilweise ihre eigene Abstammung vergessen. Während einige Zivilisationen eine stetige technische Entwicklung aufweisen konnten, entwickelten sich andere in eine gegensätzliche Richtung.
So ist es auch auf dem Planeten geschehen, auf dem die Handlung von Die Ausgestoßenen von Orion stattfindet. Die dort herrschende Zivilisation wird durch ein strenges Kastensystem geprägt, in welchem Machtkämpfe an der Tagesordnung sind. In einen solchen gerät der Krieger Kolhen, der von den Priestern in eine Falle gelockt wird. Als Resultat wird er gebrandmarkt und mit dem Exil bestraft, in welchem er die ebenfalls verstoßene Tryana kennenlernt. Im Laufe der Geschichte müssen beide um ihr Überleben kämpfen und gleichzeitig den Machenschaften von Wesen entkommen, die scheinbar aus den Weiten des Himmels stammen…
Auch wenn der Einstieg eher ein Science-Fiction Werk vermuten lässt, wird man als Leser schnell eines Besseren belehrt und in die archaische Kultur von Kolhens und Tryanas Volk geworfen. Futuristische Elemente spielen nach wie vor eine Bedeutung, treten jedoch im weiteren Verlauf der Handlung etwas in den Hintergrund. Vielmehr begleitet man die beiden Exilanten auf ihrem Weg durch immer neue Gefahren und lernt von einer Verschwörung im Hintergrund, welche die Balance des Planeten zu gefährden droht.
Die Prämisse ist somit durchaus spannend – dennoch hat Die Ausgestoßenen von Orion mit einigen Problemen zu kämpfen. So hat man das Gefühl, dass die Handlung etwas gehetzt wirkt. Es erfolgen an einigen Stellen plötzliche Sprünge in der Geschichte, wo man sich mehr Hintergrund oder einfach Zeit für die Entwicklung einer Situation gewünscht hätte. Darüber hinaus werden immer wieder Charaktere eingeführt, die ein oder zwei Seiten später wieder irrelevant werden. Möglicherweise wird man hier in der Fortsetzung eines besseren belehrt, doch aktuell macht das vehement den Eindruck von vergebenem Potential.
Denn auch wenn die Geschichte bekannte Motive nutzt, regt sie zum Weiterlesen an. Nicht weil man viel mit den Charakteren verbindet, denn diese bleiben allesamt leider sehr blass. Doch das vermittelte große Ganze erzeugt eine Spannungssituation, deren Auflösung man durchaus gerne erfahren möchte. Meine Hoffnungen liegen deswegen sehr stark auf dem zweiten Teil.
Die grafische Aufarbeitung fällt besonders durch die limitierte Farbpalette auf, welche nochmals den Eindruck von klassischen Pulp-Werken vermittelt. Öde Landschaften und Umgebungen werden von Brauntönen dominiert, während für nächtliche Szenen besonders Dunkelblau häufig zum Einsatz kommt. Die dargestellten Welten und Charaktere sind schön gezeichnet, jedoch nicht ganz so markant und einzigartig wie beispielsweise bei Rückkehr nach Belzagor.
Das erste Buch von Die Ausgestoßenen von Orion hinterlässt einen gemischten Eindruck. Während grafischer Stil und der Metaplot das Interesse aufrechterhalten, steht sich das Storytelling selbst im Weg. An zu vielen Stellen hat man den Eindruck, dass relevante Details ausgelassen wurden. Darüber hinaus werden zu viele Charaktere direkt nach ihrer Einführung irrelevant. Dies hinterlässt den Anschein eines Einstiegsbandes, dessen Nachfolger einer Menge Aufarbeitung bedarf. Dennoch schimmert das Potential der Geschichte durch, weswegen man auch wissen möchte, wie es final weitergeht.
Die harten Fakten

Verlag: Splitter Verlag
Autor(en): Julia Verlanger, Éric Corbeyran
Zeichner(in): Jorge Miguel
Seitenanzahl: 48
Preis: 14,80 EUR
Bezugsquelle: Amazon, Splitter Shop

 
Fazit des Monats
Von alten Mythen bis hin zu Reisen zu den Sternen: Auch diesen Monat bedanken wir uns wieder bei den unterstützenden Verlagen zur Verfügungstellung der rezensierten Graphic Novels. Gerade im Hinblick auf die beiden Werke von Splitter ist es erfreulich zu sehen, wie literarische Werke aus den letzten Jahrzehnten immer wieder ihren Weg in das Medium der Graphic Novels finden. Angesichts der Vielzahl an kreativen Geschichten aus dieser Zeit kann man gespannt sein, was uns hier noch erwarten wird.
Doch dass sogar noch viel ältere Geschichten (wenn man die paar Jahrtausende des zugrunde liegenden Epos betrachtet) ihren Reiz ausüben können, zeigt eindrucksvoll Gilgamesch aus dem Hause Carlsen. Was sagt uns das? Im Endeffekt kommt es gar nicht so sehr auf das Alter der Geschichte an, Hauptsache sie vermag es unsere Gier nach guten Erzählungen zu befriedigen.
 
Artikelbilder: Splitter, Carlsen
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Durchgeblättert 01/2018 – Unser Graphic Novel Check | Belzagor, Gilgamesch und Orion

Rezension: Long John Silver – Düstere Schatzsuche auf den Spuren der Maya

Rezension: Long John Silver – Düstere Schatzsuche auf den Spuren der Maya
Mit der Schatzinsel schuf Robert Louis Stevenson den vielleicht wichtigsten Piratenroman aller Zeiten, und sein verschrobener, aber charismatischer Smutje Long John Silver wurde eine prototypische Piratenfigur. Jetzt ist der Mann mit dem Holzbein zurück, als Protagonist seiner ganz eigenen Graphic Novel. Long John Silver ist ein atmosphärisch dichtes Meisterwerk geworden.
Bereits im Jahr 1881 veröffentlichte der aus Edinburgh stammende Romancier Robert Louis Stevenson seinen Klassiker der Jugendliteratur Die Schatzinsel. Die Geschichte des Jungen Jim Hawkins, der im Admiral Benbow Inn an eine Schatzkarte gelangt und mit der Hispaniola hinaussegelt, um Abenteuer auf den sieben Weltmeeren zu erleben, gehört zu jener Art Literatur, die man im Laufe seines Lebens mindestens einmal gelesen haben sollte. Ursprünglich erschien die Geschichte als Mehrteiler in einer Jugendzeitschrift und gehörte damit zur Populärkultur ihrer Zeit. Heute ist sie längst ein Klassiker geworden. Inspiriert wurde die Erzählung von einer Schatzkarte, die er und ein Schriftstellerkollege in die Hände bekamen.
Ihre wichtigste Figur neben dem jungen Jim ist sicherlich der Schiffskoch Long John Silver. All dies bildet den Saatboden, auf dem die Graphic Novel Long John Silver von Xavier Dorison und Mathieu Lauffray gediehen ist. Die Geschichte ist in einem der wichtigsten populärkulturellen Medien, dem Comic, erschienen. Es geht darin ebenfalls um eine Schatzkarte, und die zentrale Titelfigur ist niemand anderer als Long John Silver, der einbeinige Smutje der Hispaniola.
Handlung
Long John Silver erzählt eine atmosphärisch absolut stimmige Piratengeschichte. Eine junge und skrupellose Adelswitwe steht vor der Armut, denn ihr Mann ist auf See verschollen und ihr Land bringt keine Einnahmen mehr. Gerade, als sie in einer finanziell motivierten Ehe die Rettung aus ihren Nöten sucht, taucht der Bruder ihres Mannes auf dem Landgut auf und verkündet, der Gemahl könnte noch leben. Die neue Ehe kann nicht geschlossen werden, und die Lady steht vor dem Aus. Ihre einzige Hoffnung liegt in der Schatzkarte, die der Bruder gemeinsam mit einem seltsamen Indio aus der Neuen Welt mitgebracht hat.
Denn diese soll zur berüchtigten Stadt des Goldes führen, einem Relikt der Maya-Zeit. Eine Reise ins Ungewisse beginnt, und die Hoffnungen der jungen Frau liegen auf den seemännischen Künsten des gealterten Dr. Livsey, der den Lesern der Schatzinsel bestens als das allzeit aufrichtige gute Gewissen von Jim Hawkins bekannt ist, und dem skrupellosen, gerissenen aber auch charismatischen Piraten John Silver, der sich mit einer Gaststätte selbstständig gemacht hat. Natürlich kann Silver der Verlockung von Gold und Abenteuer nicht widerstehen, und so entbrennt ein Abenteuer, das alle Elemente einer gelungenen Piratengeschichte enthält. Es gibt Meutereien, Stürme, düstere Prophezeiungen und blutige Machtspiele auf See und an Land.
Der Leser wird gefesselt vom Geist des Abenteuers, aber auch von der drückenden Düsternis, die sich durch die Geschichte zieht. Stevenson wäre stolz darauf, hat er doch selbst angegeben, dass seine Figuren von keinem Geringeren als dem Altmeister des Grauens, Edgar Allen Poe, inspiriert seien. Am Ende bleibt dem Leser die Gewissheit, an mehr als nur einer großen Geschichte beteiligt gewesen zu sein. Er wurde Zeuge der Geburt einer Legende.
Charaktere
Die Charaktere des Comics sind in sich absolut stimmig und passen hervorragend zu Stevensons ursprünglichen Charakterisierungen. Lauffray und Dorison gelingt es hervorragend, den Figuren Leben einzuhauchen und sie mit Seele zu füllen.
Die starke, aber vom Schicksal getriebene Lady Hastings macht sich als weibliche Hauptrolle der Erzählung ausgesprochen gut. Man weiß nie recht, ob man sie mögen, bewundern oder bemitleiden soll. Ihre moralischen Zwiespalte und ihr knallharter Wille zu überleben machen sie zu einer faszinierenden Frauengestalt, die sich nur schwer in das Rollenkorsett der damaligen Zeit einpassen lässt.
Auch Dr. Livsey wird in seiner zaudernden Art und mit seinem stets erhobenen moralischen Zeigefinger hervorragend charakterisiert. Der einstige Held der Hispaniola ist in die Jahre gekommen, und das Alter war nicht gerade gnädig mit dem guten Doktor. Der Mann, der immer an das Gute und Aufrechte im Menschen glaubt, tritt erneut eine Reise voller harter Lehren und bitterer Entscheidungen an. Und diese Reise wird ihren Tribut fordern.
Doch die zentrale Figur dieser Graphic Novel ist John Silver selbst. Der alte Schiffskoch sprüht geradezu vor düsterem, zwielichtigen Charme. Selbst ein Relikt vergangener Tage, träumt er noch immer den Traum der Freiheit und des Goldes, der jeden Piraten antreibt und einst Freistaaten wie Nassau oder Tortuga hervorbrachte. Doch wie bereits in der Originalerzählung ist Silver auch ein Mann mit Herz. Seine Schale mag rau wie das Meer sein, doch sein Herz ist an manchen Stellen weich wie der Sand der Karibik. Die Charakterisierung, die wir hier von Silver erhalten, ist in sich noch stimmiger als die berühmte Neuinterpretation in der sehr gelungenen Fernsehserie Black Sails. Das ist ein sehr hohes Qualitätsmerkmal.
Zeichenstil
Die Zeichnungen von Matthieu Lauffray bestechen durch ihre Eindringlichkeit und die Dynamik und Stärke des Tuschestriches. Die Emotionalität der Bilder, ihr Sinn für Bewegung, Gefühl und Komposition, machen sie so eindrucksvoll, dass sie den Betrachter nicht nur lange begleiten, sondern mit jedem Betrachten mitten hineinziehen in den Mahlstrom aus Wellen und Gischt, den die Piraten zu überwinden haben. Die Mimik der Charaktere ist so lebendig, dass man sie manchmal nahezu vor sich stehen sieht. Dem Leser wird es schwerfallen, dieses Werk wieder aus der Hand zu legen.
Erscheinungsbild
Der großformatige Hardcoverband ist qualitativ hochwertig und auf festem Papier gedruckt. Die 224 Seiten starke Geschichte wird durch eine Art Artbook ergänzt, die weitere wunderschöne Zeichnungen der Charaktere und Schauplätze sowie einige Konzeptzeichnungen enthält. Die Geschichte selbst ist sehr geschickt in kleinere Kapitel eingeteilt, sodass ein echtes Romangefühl aufkommt.
Die harten Fakten:

Verlag: Carlsen Comics
Autor(en): Xavier Dorison, Mathieu Lauffray
Zeichner(in): Mathieu Lauffray
Erscheinungsjahr:2017
Sprache: Deutsch
Format: gebunden
Seitenanzahl: 272
Preis: 39,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon

 
Fazit
Long John Silver gehört zu den besten Comics, die ich im Jahr 2017 in Händen halten durfte. Der Leser begibt sich mit dem berüchtigten einbeinigen Schiffskoch der Hispaniola auf eine Fahrt, die er so bald nicht vergessen wird. Lady Hastings wird durch das Verschwinden ihres Mannes auf See von der Armut bedroht. Um nicht im Elend zu enden, macht sie sich zusammen mit Dr. Livsey, einem seltsamen Indio und Long John Silver auf, einen alten Maya-Schatz zu finden. Eine Reise voller Abenteuer beginnt.
Die Graphic Novel zeichnet sich nicht nur durch ihre berauschenden und gewaltigen Illustrationen aus. Hinzu kommt eine absolut stimmige Charakterisierung von Figuren, die der Leser vielleicht bereits aus Jugendtagen von der Schatzinsel kennt. Doch Vorsicht, denn diese Geschichte strotzt zwar vor Abenteuern, ist aber in sich sehr reif, erwachsen und düster. Dies ist kein Errol Flynn, sondern eher ein Black Sails, nur einen Hauch besser.
Die kleine Sammlung von Kunstwerken und Konzeptzeichnungen am Ende des sehr schönen Hardcovers runden ein Kleinod unter den Graphic Novels zusätzlich ab.

Artikelbild: Carlsen Comics
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Mit der Schatzinsel schuf Robert Louis Stevenson den vielleicht wichtigsten Piratenroman aller Zeiten, und sein verschrobener, aber charismatischer Smutje Long John Silver wurde eine prototypische Piratenfigur. Jetzt ist der Mann mit dem Holzbein zurück, als Protagonist seiner ganz eigenen Graphic Novel. Long John Silver ist ein atmosphärisch dichtes Meisterwerk geworden.
Bereits im Jahr 1881 veröffentlichte der aus Edinburgh stammende Romancier Robert Louis Stevenson seinen Klassiker der Jugendliteratur Die Schatzinsel. Die Geschichte des Jungen Jim Hawkins, der im Admiral Benbow Inn an eine Schatzkarte gelangt und mit der Hispaniola hinaussegelt, um Abenteuer auf den sieben Weltmeeren zu erleben, gehört zu jener Art Literatur, die man im Laufe seines Lebens mindestens einmal gelesen haben sollte. Ursprünglich erschien die Geschichte als Mehrteiler in einer Jugendzeitschrift und gehörte damit zur Populärkultur ihrer Zeit. Heute ist sie längst ein Klassiker geworden. Inspiriert wurde die Erzählung von einer Schatzkarte, die er und ein Schriftstellerkollege in die Hände bekamen.
Ihre wichtigste Figur neben dem jungen Jim ist sicherlich der Schiffskoch Long John Silver. All dies bildet den Saatboden, auf dem die Graphic Novel Long John Silver von Xavier Dorison und Mathieu Lauffray gediehen ist. Die Geschichte ist in einem der wichtigsten populärkulturellen Medien, dem Comic, erschienen. Es geht darin ebenfalls um eine Schatzkarte, und die zentrale Titelfigur ist niemand anderer als Long John Silver, der einbeinige Smutje der Hispaniola.
Handlung
Long John Silver erzählt eine atmosphärisch absolut stimmige Piratengeschichte. Eine junge und skrupellose Adelswitwe steht vor der Armut, denn ihr Mann ist auf See verschollen und ihr Land bringt keine Einnahmen mehr. Gerade, als sie in einer finanziell motivierten Ehe die Rettung aus ihren Nöten sucht, taucht der Bruder ihres Mannes auf dem Landgut auf und verkündet, der Gemahl könnte noch leben. Die neue Ehe kann nicht geschlossen werden, und die Lady steht vor dem Aus. Ihre einzige Hoffnung liegt in der Schatzkarte, die der Bruder gemeinsam mit einem seltsamen Indio aus der Neuen Welt mitgebracht hat.
Denn diese soll zur berüchtigten Stadt des Goldes führen, einem Relikt der Maya-Zeit. Eine Reise ins Ungewisse beginnt, und die Hoffnungen der jungen Frau liegen auf den seemännischen Künsten des gealterten Dr. Livsey, der den Lesern der Schatzinsel bestens als das allzeit aufrichtige gute Gewissen von Jim Hawkins bekannt ist, und dem skrupellosen, gerissenen aber auch charismatischen Piraten John Silver, der sich mit einer Gaststätte selbstständig gemacht hat. Natürlich kann Silver der Verlockung von Gold und Abenteuer nicht widerstehen, und so entbrennt ein Abenteuer, das alle Elemente einer gelungenen Piratengeschichte enthält. Es gibt Meutereien, Stürme, düstere Prophezeiungen und blutige Machtspiele auf See und an Land.
Der Leser wird gefesselt vom Geist des Abenteuers, aber auch von der drückenden Düsternis, die sich durch die Geschichte zieht. Stevenson wäre stolz darauf, hat er doch selbst angegeben, dass seine Figuren von keinem Geringeren als dem Altmeister des Grauens, Edgar Allen Poe, inspiriert seien. Am Ende bleibt dem Leser die Gewissheit, an mehr als nur einer großen Geschichte beteiligt gewesen zu sein. Er wurde Zeuge der Geburt einer Legende.
Charaktere
Die Charaktere des Comics sind in sich absolut stimmig und passen hervorragend zu Stevensons ursprünglichen Charakterisierungen. Lauffray und Dorison gelingt es hervorragend, den Figuren Leben einzuhauchen und sie mit Seele zu füllen.
Die starke, aber vom Schicksal getriebene Lady Hastings macht sich als weibliche Hauptrolle der Erzählung ausgesprochen gut. Man weiß nie recht, ob man sie mögen, bewundern oder bemitleiden soll. Ihre moralischen Zwiespalte und ihr knallharter Wille zu überleben machen sie zu einer faszinierenden Frauengestalt, die sich nur schwer in das Rollenkorsett der damaligen Zeit einpassen lässt.
Auch Dr. Livsey wird in seiner zaudernden Art und mit seinem stets erhobenen moralischen Zeigefinger hervorragend charakterisiert. Der einstige Held der Hispaniola ist in die Jahre gekommen, und das Alter war nicht gerade gnädig mit dem guten Doktor. Der Mann, der immer an das Gute und Aufrechte im Menschen glaubt, tritt erneut eine Reise voller harter Lehren und bitterer Entscheidungen an. Und diese Reise wird ihren Tribut fordern.
Doch die zentrale Figur dieser Graphic Novel ist John Silver selbst. Der alte Schiffskoch sprüht geradezu vor düsterem, zwielichtigen Charme. Selbst ein Relikt vergangener Tage, träumt er noch immer den Traum der Freiheit und des Goldes, der jeden Piraten antreibt und einst Freistaaten wie Nassau oder Tortuga hervorbrachte. Doch wie bereits in der Originalerzählung ist Silver auch ein Mann mit Herz. Seine Schale mag rau wie das Meer sein, doch sein Herz ist an manchen Stellen weich wie der Sand der Karibik. Die Charakterisierung, die wir hier von Silver erhalten, ist in sich noch stimmiger als die berühmte Neuinterpretation in der sehr gelungenen Fernsehserie Black Sails. Das ist ein sehr hohes Qualitätsmerkmal.
Zeichenstil
Die Zeichnungen von Matthieu Lauffray bestechen durch ihre Eindringlichkeit und die Dynamik und Stärke des Tuschestriches. Die Emotionalität der Bilder, ihr Sinn für Bewegung, Gefühl und Komposition, machen sie so eindrucksvoll, dass sie den Betrachter nicht nur lange begleiten, sondern mit jedem Betrachten mitten hineinziehen in den Mahlstrom aus Wellen und Gischt, den die Piraten zu überwinden haben. Die Mimik der Charaktere ist so lebendig, dass man sie manchmal nahezu vor sich stehen sieht. Dem Leser wird es schwerfallen, dieses Werk wieder aus der Hand zu legen.
Erscheinungsbild
Der großformatige Hardcoverband ist qualitativ hochwertig und auf festem Papier gedruckt. Die 224 Seiten starke Geschichte wird durch eine Art Artbook ergänzt, die weitere wunderschöne Zeichnungen der Charaktere und Schauplätze sowie einige Konzeptzeichnungen enthält. Die Geschichte selbst ist sehr geschickt in kleinere Kapitel eingeteilt, sodass ein echtes Romangefühl aufkommt.
Die harten Fakten:

Verlag: Carlsen Comics
Autor(en): Xavier Dorison, Mathieu Lauffray
Zeichner(in): Mathieu Lauffray
Erscheinungsjahr:2017
Sprache: Deutsch
Format: gebunden
Seitenanzahl: 272
Preis: 39,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon

 
Fazit
Long John Silver gehört zu den besten Comics, die ich im Jahr 2017 in Händen halten durfte. Der Leser begibt sich mit dem berüchtigten einbeinigen Schiffskoch der Hispaniola auf eine Fahrt, die er so bald nicht vergessen wird. Lady Hastings wird durch das Verschwinden ihres Mannes auf See von der Armut bedroht. Um nicht im Elend zu enden, macht sie sich zusammen mit Dr. Livsey, einem seltsamen Indio und Long John Silver auf, einen alten Maya-Schatz zu finden. Eine Reise voller Abenteuer beginnt.
Die Graphic Novel zeichnet sich nicht nur durch ihre berauschenden und gewaltigen Illustrationen aus. Hinzu kommt eine absolut stimmige Charakterisierung von Figuren, die der Leser vielleicht bereits aus Jugendtagen von der Schatzinsel kennt. Doch Vorsicht, denn diese Geschichte strotzt zwar vor Abenteuern, ist aber in sich sehr reif, erwachsen und düster. Dies ist kein Errol Flynn, sondern eher ein Black Sails, nur einen Hauch besser.
Die kleine Sammlung von Kunstwerken und Konzeptzeichnungen am Ende des sehr schönen Hardcovers runden ein Kleinod unter den Graphic Novels zusätzlich ab.

Artikelbild: Carlsen Comics
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Rezension: Long John Silver – Düstere Schatzsuche auf den Spuren der Maya