Archiv der Kategorie: Gewandung

Landsknechtskleid – so habe ich mein Schnittmuster gemacht

Sorce byLarp Bastel Blog at http://www.larp-basteln.de

Heute stelle ich Dir eines meiner liebsten Kleider vor: mein blaues Landsknechtskleid. Wenn Du dich damit auskennst, wirst du natürlich gleich sehen, dass es alles andere als authentisch ist. Für ein „Probekleid“, um ein passendes Schnittmuster zu konstruieren und herauszufinden, wie das mit den Ärmeln funktioniert, muss es ja kein Wollstoff sein, oder?

Das Kleid ist aus Baumwolle, zum größten Teil mit der Maschine genäht und relativ schmucklos. Es ist sehr bequem, ich kann es ohne Hilfe anziehen und mich frei bewegen.

Leider sind nach langer Zeit jetzt doch ein paar Nähte aufgegangen. Und da es ohnehin (ungebügelt) in meiner Schneiderei zur Reparatur hängt, hab ich die Chance genutzt und ein paar Detailfotos von der Konstruktion geschossen.

Schnittmuster und Konstruktion

Der Schnitt ist an und für sich relativ einfach:

Das Oberteil habe ich nach meinem Grundschnitt von Thursfield – Mittelalterliches Schneidern: Historische Alltagskleidung zwischen 1200 -1500 selbst gemacht (*Affiliate Link) – konstruiert. Es besteht aus vier Teilen und hat keine Abnäher. Wenn man sich einmal den Grundschnitt erstellt hat (den man ja nicht nur für dieses Kleid verwenden kann) ist es wirklich sehr simpel.

Für das nächste Kleid muss ich aber unbedingt die beiden vorderen Kanten verstärken, damit sie glatter liegen. Vielleicht ergibt sich aber das Problem ja auch, wenn ich ein entsprechendes Unterkleid darunter trage?

Die Ärmel sind schon etwas komplizierter in der Konstruktion:

Ich habe hier erst einmal die beiden engen Armteile gemacht, ohne aber die Kanten zu versäubern (also jeweils nur zum Schlauch geschlossen). Dann habe ich meterweise Stoffstreifen hergestellt und sie sehr großzügig zurecht geschnitten.

Während ich das Oberteil und die Arm-Schläuche getragen habe, hat mein Helferlein (in dem Fall meine Mama) Streifen für Streifen festgesteckt, bis wir mit dem Look zufrieden waren.

Dabei ist es wichtig, auch die Beweglichkeit zu testen! Die Streifen gehen am Ellenbogen einmal herum. An der Schulter sind die Streifen nur an 3/4 der Strecke angebracht.

Wahrscheinlich gibt es eine deutlich einfachere Methode, aber die hier funktioniert, das Ergebnis sieht toll aus und ich kann mich uneingeschränkt bewegen. Allerdings glaube ich nicht, dass diese Konstruktion authentisch ist!

Beim Oberteil habe ich übrigens alle Nähte komplett geschlossen und versäubert, bevor ich den Rock angenäht habe.

Der Rock ist das Einfachste an dem ganzen Kleid! Er besteht nämlich nur aus geraden Rockbahnen. Ich habe dreimal die komplette Stoffbreite verwendet und als „Einstieg“ die vordere Naht einfach ein Stück offen gelassen.

Wie schon gesagt, wird auch der Rock komplett versäubert, bevor die „Hochzeit“ zwischen Oberteil und Rock geschehen kann.

Dazu musst Du die obere Kante gleichmäßig reihen. Da kann man sich jetzt einfach Punkte aufmalen oder man bringt ein Stück Hansl an.

Sobald Du alles gleichmäßig gereiht hast (am besten zwei Reihfäden im Abstand von ca. 1 cm), bringst Du den Rock auf die passende Weite…. und nähst alles per Hand an.

Dabei aber immer nur die äußere Falte greifen. Die innen liegenden Falten geben dem ganzen Rock dann etwas mehr Volumen, fast wie ein kleiner Weiberspeck.

Anfangs hatte ich Angst, dass man durch den Rockschlitz unanständige Einblicke auf das Unterkleid erhaschen kann, bei der Fülle an Stoff ist das bis jetzt aber noch nicht vorgekommen. Weder beim Sitzen, Flanieren, Tanzen oder dem sehr undamenhaften Rennen.

Dafür habe ich allerdings auf Mittelaltermärkten mir meine Rokoko-Taschen unter dem Kleid umgebunden und kann durch den Schlitz bequem an den ganzen OT-Kram (Geldbeutel, Handy, Autoschlüssel, Schnuller…) kommen. Und nein, auch bei dieser Aktion gibt es keine unanständigen Einblicke! Sehr praktisch also, so ein Schlitz.

Hemd, Unterrock und doofer Hut

Mittlerweile ist auch noch eine Bundhaube aus handgewebtem feinen Leinen samt Schleier dazu gekommen (wovon ich leider aktuell kein Foto habe) und ich trage zusätzlich einen Unterrock, da man beim Tanzen schließlich kein Bein sehen soll! Der Unterrock wird aber bald durch ein anständiges Unterkleid ersetzt!

Von der Chemise habe ich kein Foto und werde auch keines machen. Sie ist einfach ein lieblos zusammengenähtes Provisorium mit überlangen weiten Ärmeln, die man dann am Ellenbogen und der Schulter hübsch herauszupft.

Trotzdem: so sehr ich das Kleid auch liebe, ich finde, ihm fehlt der Charakter. (Im wahrsten Sinne des Wortes, ich habe nämlich keinen Charakter, dem das Kleid „gehört“, und trage es nur aus Verlegenheit ab und zu mit meiner Zofe.) Es wirkt irgenwie leer… es fehlt das „Gebamsel“!

Hast Du vielleicht eine Idee, wie das Gesamtbild stimmig werden kann?
Oder bist Du eher der Meinung, das ist und bleibt ein Probekleid, Gebamsel kann man dann an das echte dran machen?
Schreib es mir in den Kommentaren!

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Tutorial: Nestellöcher

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Vor Jahren habe ich bereits für meinen Traumzwirn-Blog ein Nestelloch-Tutorial geschrieben. Aber sind wir einmal ehrlich: diese Anleitung gehört eigentlich ins Bastel-Blog!

Was sind Nestellöcher?

Ein Nestloch ist die historische Form einer Öse für Schnürungen aller Art. Das kann der Verschluss eines Kleides sein, es können aber auch ganze Ärmel an ein Kleid „genestelt“ und bei Bedarf abgenommen/ausgetauscht werden (sehr praktisch!).

Natürlich kann man sich die Arbeit sehr viel einfacher machen und einfach Metallösen in das Kleid stanzen, da diese Ösen aber immer wie ein Fremdkörper aussehen und ganz oft auch noch den Stoff ruinieren (merkt man erst nach ein paar Mal tragen und waschen), tendiere ich zu handgemachten Nestellöchern!

Damit diese Löcher sowohl stabil als auch hübsch werden, gibt es eine bestimmte Methode, sie zu machen. Da der Stoff bei dieser Methode so gut wie gar nicht verletzt wird, sind Nestellöcher um einiges langlebiger als die moderne Variante mit den Metallösen.

Materialien

  • (fast) fertiges Kleidungsstück
  • farblich passendes Garn – am besten gleich Knopfloch- oder Leinengarn. Du kannst zwar in der Not auch dünnes Häkelgarn verwenden oder Dein Nähgarn mehrfach nehmen, es sieht halt dann nicht so schön aus.
  • Ahle (Werbung/Affiliatelink*)
  • Schere
  • Fingerhut – geht zwar auch ohne, aber ich finde es immer angenehmer mit Fingerhut!

Anleitung

Als erstes markiest Du dir die Positionen, an denen Du die Nestellöcher haben willst. Ich finde es immer am einfachsten, gleich komplett alles zu markieren, damit meine Nestellöcher auch schön gleichmäßig werden.

Je nach Stoffdicke kommt jetzt der anstrengende Teil: mit einer Ahle (meine ist hier ist eine aus Knochen von Nehelenia) stichst du durch alle Lagen Stoff.

Dabei solltest Du versuchen, die einzellnen Fäden zur Seite zu schieben und nicht zu zerreißen. Dadurch wird das Nestelloch sehr viel stabiler, also Finger weg von der Lochzange!

Dieses kleine Loch muss größer werden! Am besten sogar ein ganzes Stück größer als das fertige Nestelloch sein soll!

Sobald Du mit deinem Loch zufrieden bist, kannst Du anfangen, es zu umnähen.

Für mein Projekt habe ich das Nähgarn vierfach verwendet – ich rate aber davon ab! Die Arbeit damit macht keinen Spaß und es sieht am Ende auch nicht so schön aus, wie wenn Du gleich ein dickeres (Leinen-)Garn verwendet hättest.

In jedem Fall kommt aber ein Knoten in das Garn, damit alles gut hält. Bei mehreren Lagen kannst du den Knoten super zwischen den Lagen verstecken.

Du stichst mit der Nadel auf der Linie eines gedachten (oder mit Vorstichen markierten) Kreises um das Loch durch den Stoff nach außen, führst die Nadel durch das Loch nach innen…

…und stichst neben dem ersten Stich wieder durch den Stoff nach außen. Dabei ist es wichtig, dass die Schlaufe offen bleibt.

Durch diese Schlaufe ziehst Du nämlich jetzt deinen Faden…

…und ziehst alles fest.

Diesen Stich wiederholst Du jetzt einmal rund um das Loch und bekommst auf diese Weise einen sauberen Kreis.

Beim letzten Stich gehst du von oben durch die Schlaufe des ersten Stiches bevor du den Faden durch das Loch auf die Rückseite ziehst und dort vernähst.

Und fertig ist das Nestelloch! Auf der Vorderseite hast du mit dieser Methode einen sauberen Abschluss (und wenn du ordentlich arbeitest auch innen)

Mittlerweile markiere ich mir den Kreis immer zuerst mit Vorstichen, so wird das Ergebnis noch ordentlicher! Außerdem habe ich noch eine weiter Version ausprobiert, bei der der Knopflochstich innen liegt und somit das Nestelloch zusätzlich verstärkt. Beim nächsten Projekt denke ich daran, auch davon Fotos für ein weiteres Tutorial zu machen.

Viel Spaß beim Nachmachen!

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Tutorial: historische Stoffknöpfe selber machen

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Eine mittelalterliche Cottehardie wird erst durch die passenden Knöpfe so richtig perfekt. Nur, wo bekommt man die her? Sicher, es gibt auch Händler für Repliken aus Metall, aber viel billiger – und genauso authentisch – ist es, die Knöpfe selber aus Stoff zu machen.

Meinen ersten Versuch habe ich mit einer Anleitung gemacht, die vorschlägt, den Stoffknopf mit Füllwatte (eigentlich Schafswolle) oder Stoffresten zu füllen. Ich war außer Stande, zwei gleiche Knöpfe zu produzieren, und habe das Projekt „Stoffknopf“ ad acta gelegt.

Im Buch Mittelalterliches Schneidern: Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht (Affiliate Link*) wird eine andere Methode beschrieben, bei der der Knopf nicht mit zusätzlichem Material ausgestopft wird. Und nach ein bisschen Recherche bin ich zu einer Methode gekommen, die sich ein bisschen vom Buch unterscheidet, aber verlässlich und mit minimalem Aufwand zu gleich großen Knöpfen führt!

Materialien

  • Stoff – entweder die Reste, die Du vom Nähen ohnehin noch übrig hast, oder ein Kontraststoff. Was immer Dir gefällt. Ich habe das braune Leinen verwendet, aus dem auch die Ärmel sind.
  • Garn – nimm unbedingt festes Garn, einfaches Nähgarn ist nicht stark genug! Am besten Leinengarn oder Knopflochgarn. Ich habe auch recht gute Erfahrungen mit Häckelgarn gemacht.
  • Maßband oder Lineal – für solche Arbeiten finde ich die Patchwork-Lineale einfach unschlagbar. Vor allem in Kombination mit einem Rollscheider, dann musst Du Dir nichts anzeichnen!
  • Schere
  • Nadel – genauso wie das Garn sollte auch die Nadel eher robust sein!
  • Fingerhut – bei dieser Arbeit nicht zu unterschätzen, da Du durch viele, fest zusammengedrückte Stofflagen nähen musst

Anleitung

Zuerst schneidest Du Dir Quadrate aus dem gewünschten Stoff zurecht.

Meine Quadrate haben eine Kantenlänge von 5 cm und meine Knöpfe sind etwa 1 cm im Durchmesser. Je nachdem wie groß Dein Knopf werden soll und auch wie dick das Material ist, musst Du diese Maße vielleicht etwas anpassen.

Es ist übrigens nicht wichtig, die Quadrate im Fadenverlauf zu schneiden!

Im zweiten Schritt schneidest Du die Ecken ab, um ungefähr einen Kreis zu bekommen. Du musst Dir da nichts anzeichnen, eine ungefähre Kreisform reicht vollkommen!

Jetzt wird genäht! Dein Garn sollte dabei auf jeden Fall nicht zu kurz sein. Ich habe eine Länge von ca. 50-60 cm genommen. Am Ende kommt ein stabiler Knoten rein.

Als erstes nähst Du mit einem Vorstich einen Kreis. Wie breit Du die Nahtzugabe wählst, hängt wieder von Deinem Stoff ab. Ich habe hier ca. 0,5 cm genommen.

Wenn Du jetzt vorsichtig am Garn ziehst, bekommst du einen „Beutel“. Bitte noch nicht zu fest zusammen ziehen, Du brauchst noch ein bisschen Spielraum.

Den Beutel drückst Du jetzt platt, so dass Du wieder einen Kreis in Händen hältst.

Anschließend nähst du wieder mit dem Vorstich einmal im Kreis.

Dieses Mal solltest Du aber relativ knapp am Rand bleiben. Die Gefahr, dass Dein Stoff ausfranst, besteht ja jetzt nicht mehr.

Wenn Du Deinen Kreis jetzt – vorsichtig! – zusammen ziehst, musst Du gleichzeitig den Daumen in die Mitte pressen und nach und nach eine Kugel ausformen.

Für das Tutorial habe ich zuerst den Kreis auf die Scheibe genäht und dann erst den Faden zusammen gezogen. Es ist allerdings leichter, wenn Du schon während dem Nähen anfängst, den Kreis zusammen zu ziehen.

Zum Schluss sicherst Du Dein Werk noch mit einigen Stichen, und perfektionierst gleichzeitig noch die Kugelform. Das überbleibende Garn kannst Du dann gleich zum Knopfannähen verwenden.

Zeitaufwand

Ich brauche pro Knopf etwa 5 bis maximal 10 Minuten. Gerade die Zeit, dass ich mir nach jedem Knopf sage „noch ein Knopf, dann ist aber wirklich Schluss für heute!“ – es macht halt einfach auch noch sehr viel Spaß!

Diese Methode funktioniert wunderbar bei Wolle und Leinen. Was ist aber mit Seide? Hast du da eine Idee?

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Nähanleitung für eine Robe (Ringgeist-Ähnlich)

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Diese Seite wird in diesem Moment gerade überarbeitet und wird bald wieder verfügbar sein. Werbung * Hier geht’s zur Anleitung: https://natronundsoda.net/klamotten/cns/klamottenpage.html?id=113   Ergebnis: die fertige Robe in Aktion    

Der Beitrag Nähanleitung für eine Robe (Ringgeist-Ähnlich) erschien zuerst auf LarpBote.

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DIY im LARP – Eine Anleitung

DIY im LARP – Eine Anleitung
LARP ist für viele längst ein ganzheitliches Hobby, dessen Zeitaufwand sich nicht nur auf die Cons allein beschränkt. Da laden gerade die längeren Con-Pausen im Winter zum Basteln ein, allerdings fällt der Einstieg nicht immer leicht. Die folgenden Tipps sollen Anreize für jene geben, die sich bisher zurückgehalten haben.
Selbermachen liegt voll im Trend, in allen möglichen Bereichen des Lebens. Längst ist es nicht mehr das Prinzip aus Not eine Tugend zu machen, das die Bastler antreibt, weil das Geld für professionell gefertigte Produkte fehlt. „Aus eigener Herstellung“ hat den positiven Nimbus der Selbstständigkeit gewonnen, die Selbermacher werden für ihren Einsatz und ihre Geschicklichkeit gelobt, sie selbst treibt die Freude an einer vielseitigen Beschäftigung an, die über ihr oft stark spezialisiertes Berufsleben hinausgeht. Es verwundert daher kaum, dass gerade in einem Hobby wie LARP, das von Kreativität lebt, ein ähnlicher Effekt zu beobachten ist. Auch wenn es ein wachsendes Angebot an Onlineshops für Gewandung und Ausrüstung gibt – DIY hat große Konjunktur.
Für den Einstieg ins LARP reicht eine Basisgewandung von der Stange oder der allernötigste Lagerbedarf aus, aber in vielen keimt bald der Wunsch nach mehr Individualität. Die Ausrüstung soll schließlich genau zum Charakterkonzept passen und dieses auch nach außen vertreten. Doch individuell Angefertigtes ist meist um ein vielfaches teurer, was gerechtfertigt ist, aber abschreckend wirken kann. Und der Schritt von kaufen zu selbst machen ist oft nicht einfach. Die Ansprüche an eine stimmige LARP Gewandung und Ausrüstung sind ebenfalls gestiegen. Filme und Serien bieten viel Inspiration, setzen aber auch eine sehr hohe Messlatte, die es erst einmal zu erreichen gilt. Die Zeiten, in denen man Omas Dachboden plündern oder Gardinenstoff umnähen konnte und sich adäquat ausgerüstet fühlte, sind vorbei.
Für all jene, die sich diesen Winter vorgenommen haben, endlich einmal selbst Hand anzulegen oder sich noch unsicher sind, was sie sich überhaupt zutrauen, hier ein paar Tipps von einer ebenfalls Quereinsteigerin.
1. Klein anfangen
Es mag banal klingen, aber die hohen Hürden, die man beim Gedanken an ‚Selbermachen‘ vor sich sieht, werden ganz schnell kleiner, wenn man sich bewusst macht, dass die Allerwenigsten gleich mit selbst geschnitzten Löffeln, getöpferten Schalen oder einer Vollgewandung losgelegt haben. Wer noch nie an einer Nähmaschine gesessen hat oder beim Anblick eines Schnitzmessers schnell die Finger bepflastert, kann nicht erwarten, sofort ein Meister zu sein. Auch eine eigenhändig verzierte und damit aufgewertete Gewandung ist etwas, worauf man durchaus stolz sein kann. Der verzierte Gegenstand wird allein durch das Einbringen eigener Ideen individuell und etwas Besonderes. Und nie vergessen: Keine Hand arbeitet so exakt wie eine programmierte Maschine, daher sind leicht schiefe Nähte, Macken oder Unregelmäßigkeiten keine Schande. Unsere Augen sind im industriellen Zeitalter viel zu sehr an Perfektion und exakte Reproduzierbarkeit gewöhnt.
2. Ausprobieren
Übung macht bekanntlich den Meister und auch ein Meister muss erst einmal herausfinden, welche Art von Arbeit ihm besonders Spaß macht. Vielleicht sollte man von Messern lieber die Finger lassen, aber dafür fällt einem das Nähen oder Sticken leicht? Vielleicht entdeckt man eine gute Hand-Augen-Koordination an sich und wird begeisterter Glasgraveur? Das Schöne an einer LARP Ausrüstung ist ihre Vielfältigkeit und das Verwenden von Materialien, die auch ohne industrielle Maschinen geformt werden können. Sein eigenes Lieblingsbetätigungsfeld zu finden, erfordert etwas Zeitaufwand und Nerven, aber es wird sich in jedem Fall lohnen, neue Seiten an sich zu entdecken.
3. Inspirieren lassen
Das Internet ist voll mit Do it yourself-Anleitungen und Ideen für den neugierigen Selbermacher. Sharing-Plattformen bieten ganze Galerien voller Bilder, die zu einem bestimmten Thema zusammengetragen werden, seien es Schnitzkunst, historische Schnittmuster oder Waffenbau. Wer nicht gerne stundenlang Suchwörter eintippt, der kann sich auf Märkten oder im Handel mit Büchern versorgen, die Anleitungen aller Art bieten. In vielen Buchläden wächst die Do it yourself Ecke seit einigen Jahren stark an. Oft entwickeln sich erst beim Stöbern nach Möglichkeiten konkretere Ideen, die über den Gedanken „Ich möchte etwas Selbstgemachtes haben, aber wie?“ hinausgehen.
Auch Fragen kostet nichts! Wenn ihr mitbekommt, dass jemand in eurem Umfeld Dinge selbst anfertigt, und wenn ihr etwas Ähnliches auch haben wollt, dann fragt um Rat. Die meisten LARPer sind gerne bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit euch zu teilen und diejenigen, die schon länger dabei sind, haben wertvolle Tipps, wo man sich seine Inspiration herholen kann.
4. Den Grad an Selbstgemacht für sich finden
Wer legt eigentlich fest, ab wann etwas als ’selbstgemacht‘ gilt? Muss, überspitzt formuliert, der Stoff eigenhändig gewebt, die Wolle oder das Leinen selbst gesponnen oder im besten Fall sogar das Schaf eigenhändig gehalten und geschoren werden? Muss der Baum aus dessen Holz man schnitzt, eigenhändig mit der Axt gefällt worden sein? Ganz sicher nicht! Für jeden bedeutet ’selbstgemacht‘ etwas anderes, also ist es auch legitim, etwas eigenhändig Verziertes und nicht unbedingt Selbstgewirktes, als individuell gemachten Gegenstand zu bezeichnen. Nur weil etwas mit der Maschine genäht wurde, beispielsweise, und nicht von Hand, ist es nicht automatisch weniger wert. Es mag Menschen geben, die die Zeit und Energie besitzen, Gewandung und Ausrüstung von der Pike auf selbst zu fertigen, aber die sind im Hobby LARP eindeutig in der Minderheit. Vielen fehlt schlicht diese Zeit, um einen solchen Aufwand betreiben zu können. Deshalb sollte man die Ansprüche nicht von Anfang an hochschrauben, sondern für sich selbst ausloten, womit man arbeiten kann, ohne dass die Lust am Selbermachen in Frust umschlägt. Wer kein Talent dafür hat, aus genommenen Maßen ein Schnittmuster zu abstrahieren, sodass am Ende genau das Kleidungsstück dabei herauskommt, das man haben möchte, kann und darf auf fertige Schnittmuster zurückgreifen. Wer nicht grade einen Hochofen im Keller stehen hat, kann und darf in einem Dekoladen günstige Gläser kaufen, die er dann verzieren kann.
traditioneller Brettchenwebrahmen
5. Realitätscheck
Gerade bei Gewandungen liegt die Messlatte häufig hoch, durch das, was man aus Film und Fernsehen an Anblicken gewohnt ist. Edle Stoffe, kunstvoll mit Borten und Stickereien geschmückt, feinste Punzierungen auf Lederrüstungen, all das beflügelt die Fantasie und weckt den Wunsch, selbst in solch prachtvoller Aufmachung auf einer Con gesehen zu werden. Dabei dürfen jedoch zwei wichtige Aspekte nicht außer Acht gelassen werden.
Erstens: Eine Gewandung sollte immer zum Charakterkonzept passen. Ein Söldner wird schwerlich in einem Samtwams herumlaufen oder eine Waffe mit vielen Edelsteinen in Griff und Knauf schwingen. Auch der Kostenfaktor sollte im Auge behalten werden. Edle Materialien sind teuer in der Anschaffung und aufwändig in der Pflege. Wer nicht bereit ist, Zeit und Geld zu investieren, sollte vielleicht ein aufwändiges Charakterkonzept überdenken.
Zweitens: Nicht alle, aber viele Cons sind Outdoor-Veranstaltungen. Auf einer Hofhaltung, die hauptsächlich in einem gut beheizten Saal stattfindet, mag ein kostbares, aber sehr dünnes Kleid oder Wams, vielleicht auch aufwändig verziertes Geschirr, viele Blicke auf sich ziehen und gut geeignet sein. Sobald man es jedoch mit einer Zeltcon zu tun hat, gelten andere Regeln. Das LARP-Jahr 2017 hatte selbst für die Hartgesottenen einige böse Überraschungen parat: Dauerregen, Schlammageddon, verfrühte Herbststürme – die Liste ließe sich lange fortführen. Doch selbst wenn das Wetter halbwegs mitspielt, sollte man im Auge behalten, dass man sich auf nicht ganz trockenem Boden liegend wiederfinden, der NSC einen unabsichtlich mit Kunstblut (oder anderen Flecken hinterlassenen Substanzen) in Berührung bringen oder ein Missgeschick den Tisch umwerfen könnte. Es hat seinen Grund, weshalb Adelige sich in teure Gewänder hüllen und kostbare Gegenstände ihr Eigen nennen konnten: Von ihnen wurde höchst selten verlangt, querfeldein durch den Wald zu hasten oder auf schlammigem Boden zu knien – Dinge, die auf einer Outdoor-Con gang und gäbe sind. Und selbst wenn etwas Schaden nahm, dann waren es nicht sie selbst, die das Reinigen übernahmen oder sie besaßen Geld genug, um den Ausfall leichter zu verschmerzen.
Daher ist ein Realitätscheck bei der Planung der eigenen Ausrüstung unabdingbar: Je mehr Zeit, Geld und Aufwand in etwas fließt, desto vorsichtiger muss es auf einer Con behandelt werden und desto ärger schmerzt es, wenn etwas zerbricht oder fiese Flecken bekommt. Wer gerne mittendrin im Geschehen ist und ganzen Körpereinsatz bringen möchte, der sollte trotz seines Wunsches nach edler Ausstattung vielleicht eher strapazierfähige Materialien verwenden, die einen Moment der Unachtsamkeit besser verzeihen – oder seiner Ausrüstung zuliebe sich etwas zurückhalten. Was Priorität hat, muss jeder selbst entscheiden.
Auch mit einem raffinierten Lagen-Look aus Leinen oder Baumwolle können sehr schöne Effekte kreiert werden, die ein geringeres Maß an Borten und Stickereien wettmachen. Statt Glas oder bemaltem Ton tut es oft auch schön gemasertes und dezent verziertes Holzgeschirr.
6. Zeitaufwand bedenken
Wer sich einmal hat anstecken lassen, verfolgt bald hochfliegende Ziele. Jedoch müssen diese Ziele mit dem eigenen Zeitfenster synchronisiert werden, da sich sonst schnell Frust und Ernüchterung einstellen. Gerade am Anfang, wenn selbst die grundlegenden Handgriffe erst geübt werden müssen, erfordert ein Projekt sehr großen Aufwand. Wer nach der Arbeit nach Hause kommt und immer noch vor Energie platzt, kann sich die Abendstunden zum Basteln vornehmen, doch wer am nächsten Tag wieder früh aufsteht, scheut oft den Aufwand, da er weiß, dass es nur wenige Stunden sind, die ihm zur Verfügung stehen. Nicht selten verfliegen dann die Tage, bis die Con, für die das Projekt geplant war, unmittelbar vor der Tür steht. „Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe“ ist nicht umsonst ein bekannter Spruch unter Selbermachern.
Alles was von Hand entsteht, erfordert Zeit und Sorgfalt. Gerade beim Nähen ist es häufig mit der ersten Fertigung nicht getan. Nähte reißen durch starke Belastung wieder auf, angenähte Knöpfe und Schnallen lösen sich – Zeit, die eigentlich in die Fertigung von Neuem gesteckt werden könnte, muss für die Nacharbeit und die Pflege des bereits Gefertigten verwendet werden. Auch dies gilt es im Hinterkopf zu behalten.
7. Nicht verkrampfen!
Beim Basteln sollte eines nicht vergessen werden: Es soll Spaß machen! Wer verkrampft, wer auf Biegen und Brechen etwas durchsetzen möchte, weil er an sich selbst zu hohe Ansprüche stellt und am Ende viel Zeit opfert, steuert schnell auf ein LARP-Out zu. Daher sind die Tipps 1 und 4 für den Anfang vielleicht am Wichtigsten. Lasst euch Zeit mit dem Einstieg in die Welt der Selbermacher, steigert euer Niveau langsam genug, dass ihr nicht in Panik verfallt und findet den Grad an Selbstgemacht für euch. Dieser Grad muss nicht auf alle Ewigkeit so bestehen, man steigert mit wachsender Erfahrung immer seine Ziele. Doch wenn das Selbermachen eher in Kampf, Krampf und Frust, als in einer positiven Erfahrung mündet, dann ist es vielleicht nötig, trotz allem Wunsch nach toller handgefertigter Ausrüstung, einen Gang zurückzuschalten.
In medias res
Wem es jetzt spontan in den Fingern juckt, der darf sich gerne einmal auf der Seite LARPbote, dem LARP-Bastel-Blog oder auch im LARP-Wiki umsehen.
Artikelbilder: depositphotos | dlpn, haveseen
 

LARP ist für viele längst ein ganzheitliches Hobby, dessen Zeitaufwand sich nicht nur auf die Cons allein beschränkt. Da laden gerade die längeren Con-Pausen im Winter zum Basteln ein, allerdings fällt der Einstieg nicht immer leicht. Die folgenden Tipps sollen Anreize für jene geben, die sich bisher zurückgehalten haben.
Selbermachen liegt voll im Trend, in allen möglichen Bereichen des Lebens. Längst ist es nicht mehr das Prinzip aus Not eine Tugend zu machen, das die Bastler antreibt, weil das Geld für professionell gefertigte Produkte fehlt. „Aus eigener Herstellung“ hat den positiven Nimbus der Selbstständigkeit gewonnen, die Selbermacher werden für ihren Einsatz und ihre Geschicklichkeit gelobt, sie selbst treibt die Freude an einer vielseitigen Beschäftigung an, die über ihr oft stark spezialisiertes Berufsleben hinausgeht. Es verwundert daher kaum, dass gerade in einem Hobby wie LARP, das von Kreativität lebt, ein ähnlicher Effekt zu beobachten ist. Auch wenn es ein wachsendes Angebot an Onlineshops für Gewandung und Ausrüstung gibt – DIY hat große Konjunktur.
Für den Einstieg ins LARP reicht eine Basisgewandung von der Stange oder der allernötigste Lagerbedarf aus, aber in vielen keimt bald der Wunsch nach mehr Individualität. Die Ausrüstung soll schließlich genau zum Charakterkonzept passen und dieses auch nach außen vertreten. Doch individuell Angefertigtes ist meist um ein vielfaches teurer, was gerechtfertigt ist, aber abschreckend wirken kann. Und der Schritt von kaufen zu selbst machen ist oft nicht einfach. Die Ansprüche an eine stimmige LARP Gewandung und Ausrüstung sind ebenfalls gestiegen. Filme und Serien bieten viel Inspiration, setzen aber auch eine sehr hohe Messlatte, die es erst einmal zu erreichen gilt. Die Zeiten, in denen man Omas Dachboden plündern oder Gardinenstoff umnähen konnte und sich adäquat ausgerüstet fühlte, sind vorbei.
Für all jene, die sich diesen Winter vorgenommen haben, endlich einmal selbst Hand anzulegen oder sich noch unsicher sind, was sie sich überhaupt zutrauen, hier ein paar Tipps von einer ebenfalls Quereinsteigerin.
1. Klein anfangen
Es mag banal klingen, aber die hohen Hürden, die man beim Gedanken an ‚Selbermachen‘ vor sich sieht, werden ganz schnell kleiner, wenn man sich bewusst macht, dass die Allerwenigsten gleich mit selbst geschnitzten Löffeln, getöpferten Schalen oder einer Vollgewandung losgelegt haben. Wer noch nie an einer Nähmaschine gesessen hat oder beim Anblick eines Schnitzmessers schnell die Finger bepflastert, kann nicht erwarten, sofort ein Meister zu sein. Auch eine eigenhändig verzierte und damit aufgewertete Gewandung ist etwas, worauf man durchaus stolz sein kann. Der verzierte Gegenstand wird allein durch das Einbringen eigener Ideen individuell und etwas Besonderes. Und nie vergessen: Keine Hand arbeitet so exakt wie eine programmierte Maschine, daher sind leicht schiefe Nähte, Macken oder Unregelmäßigkeiten keine Schande. Unsere Augen sind im industriellen Zeitalter viel zu sehr an Perfektion und exakte Reproduzierbarkeit gewöhnt.
2. Ausprobieren
Übung macht bekanntlich den Meister und auch ein Meister muss erst einmal herausfinden, welche Art von Arbeit ihm besonders Spaß macht. Vielleicht sollte man von Messern lieber die Finger lassen, aber dafür fällt einem das Nähen oder Sticken leicht? Vielleicht entdeckt man eine gute Hand-Augen-Koordination an sich und wird begeisterter Glasgraveur? Das Schöne an einer LARP Ausrüstung ist ihre Vielfältigkeit und das Verwenden von Materialien, die auch ohne industrielle Maschinen geformt werden können. Sein eigenes Lieblingsbetätigungsfeld zu finden, erfordert etwas Zeitaufwand und Nerven, aber es wird sich in jedem Fall lohnen, neue Seiten an sich zu entdecken.
3. Inspirieren lassen
Das Internet ist voll mit Do it yourself-Anleitungen und Ideen für den neugierigen Selbermacher. Sharing-Plattformen bieten ganze Galerien voller Bilder, die zu einem bestimmten Thema zusammengetragen werden, seien es Schnitzkunst, historische Schnittmuster oder Waffenbau. Wer nicht gerne stundenlang Suchwörter eintippt, der kann sich auf Märkten oder im Handel mit Büchern versorgen, die Anleitungen aller Art bieten. In vielen Buchläden wächst die Do it yourself Ecke seit einigen Jahren stark an. Oft entwickeln sich erst beim Stöbern nach Möglichkeiten konkretere Ideen, die über den Gedanken „Ich möchte etwas Selbstgemachtes haben, aber wie?“ hinausgehen.
Auch Fragen kostet nichts! Wenn ihr mitbekommt, dass jemand in eurem Umfeld Dinge selbst anfertigt, und wenn ihr etwas Ähnliches auch haben wollt, dann fragt um Rat. Die meisten LARPer sind gerne bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit euch zu teilen und diejenigen, die schon länger dabei sind, haben wertvolle Tipps, wo man sich seine Inspiration herholen kann.
4. Den Grad an Selbstgemacht für sich finden
Wer legt eigentlich fest, ab wann etwas als ’selbstgemacht‘ gilt? Muss, überspitzt formuliert, der Stoff eigenhändig gewebt, die Wolle oder das Leinen selbst gesponnen oder im besten Fall sogar das Schaf eigenhändig gehalten und geschoren werden? Muss der Baum aus dessen Holz man schnitzt, eigenhändig mit der Axt gefällt worden sein? Ganz sicher nicht! Für jeden bedeutet ’selbstgemacht‘ etwas anderes, also ist es auch legitim, etwas eigenhändig Verziertes und nicht unbedingt Selbstgewirktes, als individuell gemachten Gegenstand zu bezeichnen. Nur weil etwas mit der Maschine genäht wurde, beispielsweise, und nicht von Hand, ist es nicht automatisch weniger wert. Es mag Menschen geben, die die Zeit und Energie besitzen, Gewandung und Ausrüstung von der Pike auf selbst zu fertigen, aber die sind im Hobby LARP eindeutig in der Minderheit. Vielen fehlt schlicht diese Zeit, um einen solchen Aufwand betreiben zu können. Deshalb sollte man die Ansprüche nicht von Anfang an hochschrauben, sondern für sich selbst ausloten, womit man arbeiten kann, ohne dass die Lust am Selbermachen in Frust umschlägt. Wer kein Talent dafür hat, aus genommenen Maßen ein Schnittmuster zu abstrahieren, sodass am Ende genau das Kleidungsstück dabei herauskommt, das man haben möchte, kann und darf auf fertige Schnittmuster zurückgreifen. Wer nicht grade einen Hochofen im Keller stehen hat, kann und darf in einem Dekoladen günstige Gläser kaufen, die er dann verzieren kann.
traditioneller Brettchenwebrahmen
5. Realitätscheck
Gerade bei Gewandungen liegt die Messlatte häufig hoch, durch das, was man aus Film und Fernsehen an Anblicken gewohnt ist. Edle Stoffe, kunstvoll mit Borten und Stickereien geschmückt, feinste Punzierungen auf Lederrüstungen, all das beflügelt die Fantasie und weckt den Wunsch, selbst in solch prachtvoller Aufmachung auf einer Con gesehen zu werden. Dabei dürfen jedoch zwei wichtige Aspekte nicht außer Acht gelassen werden.
Erstens: Eine Gewandung sollte immer zum Charakterkonzept passen. Ein Söldner wird schwerlich in einem Samtwams herumlaufen oder eine Waffe mit vielen Edelsteinen in Griff und Knauf schwingen. Auch der Kostenfaktor sollte im Auge behalten werden. Edle Materialien sind teuer in der Anschaffung und aufwändig in der Pflege. Wer nicht bereit ist, Zeit und Geld zu investieren, sollte vielleicht ein aufwändiges Charakterkonzept überdenken.
Zweitens: Nicht alle, aber viele Cons sind Outdoor-Veranstaltungen. Auf einer Hofhaltung, die hauptsächlich in einem gut beheizten Saal stattfindet, mag ein kostbares, aber sehr dünnes Kleid oder Wams, vielleicht auch aufwändig verziertes Geschirr, viele Blicke auf sich ziehen und gut geeignet sein. Sobald man es jedoch mit einer Zeltcon zu tun hat, gelten andere Regeln. Das LARP-Jahr 2017 hatte selbst für die Hartgesottenen einige böse Überraschungen parat: Dauerregen, Schlammageddon, verfrühte Herbststürme – die Liste ließe sich lange fortführen. Doch selbst wenn das Wetter halbwegs mitspielt, sollte man im Auge behalten, dass man sich auf nicht ganz trockenem Boden liegend wiederfinden, der NSC einen unabsichtlich mit Kunstblut (oder anderen Flecken hinterlassenen Substanzen) in Berührung bringen oder ein Missgeschick den Tisch umwerfen könnte. Es hat seinen Grund, weshalb Adelige sich in teure Gewänder hüllen und kostbare Gegenstände ihr Eigen nennen konnten: Von ihnen wurde höchst selten verlangt, querfeldein durch den Wald zu hasten oder auf schlammigem Boden zu knien – Dinge, die auf einer Outdoor-Con gang und gäbe sind. Und selbst wenn etwas Schaden nahm, dann waren es nicht sie selbst, die das Reinigen übernahmen oder sie besaßen Geld genug, um den Ausfall leichter zu verschmerzen.
Daher ist ein Realitätscheck bei der Planung der eigenen Ausrüstung unabdingbar: Je mehr Zeit, Geld und Aufwand in etwas fließt, desto vorsichtiger muss es auf einer Con behandelt werden und desto ärger schmerzt es, wenn etwas zerbricht oder fiese Flecken bekommt. Wer gerne mittendrin im Geschehen ist und ganzen Körpereinsatz bringen möchte, der sollte trotz seines Wunsches nach edler Ausstattung vielleicht eher strapazierfähige Materialien verwenden, die einen Moment der Unachtsamkeit besser verzeihen – oder seiner Ausrüstung zuliebe sich etwas zurückhalten. Was Priorität hat, muss jeder selbst entscheiden.
Auch mit einem raffinierten Lagen-Look aus Leinen oder Baumwolle können sehr schöne Effekte kreiert werden, die ein geringeres Maß an Borten und Stickereien wettmachen. Statt Glas oder bemaltem Ton tut es oft auch schön gemasertes und dezent verziertes Holzgeschirr.
6. Zeitaufwand bedenken
Wer sich einmal hat anstecken lassen, verfolgt bald hochfliegende Ziele. Jedoch müssen diese Ziele mit dem eigenen Zeitfenster synchronisiert werden, da sich sonst schnell Frust und Ernüchterung einstellen. Gerade am Anfang, wenn selbst die grundlegenden Handgriffe erst geübt werden müssen, erfordert ein Projekt sehr großen Aufwand. Wer nach der Arbeit nach Hause kommt und immer noch vor Energie platzt, kann sich die Abendstunden zum Basteln vornehmen, doch wer am nächsten Tag wieder früh aufsteht, scheut oft den Aufwand, da er weiß, dass es nur wenige Stunden sind, die ihm zur Verfügung stehen. Nicht selten verfliegen dann die Tage, bis die Con, für die das Projekt geplant war, unmittelbar vor der Tür steht. „Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe“ ist nicht umsonst ein bekannter Spruch unter Selbermachern.
Alles was von Hand entsteht, erfordert Zeit und Sorgfalt. Gerade beim Nähen ist es häufig mit der ersten Fertigung nicht getan. Nähte reißen durch starke Belastung wieder auf, angenähte Knöpfe und Schnallen lösen sich – Zeit, die eigentlich in die Fertigung von Neuem gesteckt werden könnte, muss für die Nacharbeit und die Pflege des bereits Gefertigten verwendet werden. Auch dies gilt es im Hinterkopf zu behalten.
7. Nicht verkrampfen!
Beim Basteln sollte eines nicht vergessen werden: Es soll Spaß machen! Wer verkrampft, wer auf Biegen und Brechen etwas durchsetzen möchte, weil er an sich selbst zu hohe Ansprüche stellt und am Ende viel Zeit opfert, steuert schnell auf ein LARP-Out zu. Daher sind die Tipps 1 und 4 für den Anfang vielleicht am Wichtigsten. Lasst euch Zeit mit dem Einstieg in die Welt der Selbermacher, steigert euer Niveau langsam genug, dass ihr nicht in Panik verfallt und findet den Grad an Selbstgemacht für euch. Dieser Grad muss nicht auf alle Ewigkeit so bestehen, man steigert mit wachsender Erfahrung immer seine Ziele. Doch wenn das Selbermachen eher in Kampf, Krampf und Frust, als in einer positiven Erfahrung mündet, dann ist es vielleicht nötig, trotz allem Wunsch nach toller handgefertigter Ausrüstung, einen Gang zurückzuschalten.
In medias res
Wem es jetzt spontan in den Fingern juckt, der darf sich gerne einmal auf der Seite LARPbote, dem LARP-Bastel-Blog oder auch im LARP-Wiki umsehen.
Artikelbilder: depositphotos | dlpn, haveseen
 

Quelle: www.teilzeithelden.de DIY im LARP – Eine Anleitung