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Spieltest: Call of Cthulhu – Die Großen Alten greifen nach der PS4 (Cyanide/focus home interactive/ Chaosium Inc.)

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Der Name Howard Phillips Lovecraft steht für kosmisches Grauen, Schrecken jenseits des menschlichen Verstandes und vom Untergang gezeichnete Szenerien. Call of Cthulhu von Chaosium bringt den Lovecraft-Horror seit Jahrzehnten an den heimischen Spieltisch. Gelingt es Cyanide studio und focus home interactive, diesen Horror auch auf der PS4 greifbar zu machen?

Dieser Beitrag wurde von Leander Linnhoff geschrieben

Newsfeed Quelle: leander linnhoff bereitgestellt von https://www.teilzeithelden.de https://www.teilzeithelden.de/2018/11/17/spieltest-call-of-cthulhu-die-grossen-alten-greifen-nach-der-ps4-cyanide-focus-home-interactive-chaosium-inc/

Review: Okami HD – immer noch das beste Zelda, das kein Zelda ist

Review: Okami HD – immer noch das beste Zelda, das kein Zelda ist
Bereits 2007 schwang die japanische Gottheit Amaterasu als weiße Wölfin Shiranui im Spiel Okami den göttlichen Pinsel. Mit Okami HD kam im Dezember letzten Jahres nun ein Remaster auf die PS4, die Xbox One und den PC. Lohnt es sich, erneut aufzubrechen, um Nippon vor finsteren Mächten zu retten? Wir haben den Test gemacht.
Okami HD ist ein von Capcom veröffentlichtes Action-Adventure-Spiel, das in seiner ursprünglichen Form nur für die PS2 erscheinen sollte. Doch schnell sammelte sich eine große Fangemeinde um das Stück Videospielkunst, und so dauerte es nicht allzu lange (dreieinhalb Jahre), bis eine Portierung des Spiels ihren Weg auf Nintendos Wii-Konsole fand. Später, abermals über drei Jahre, bekam dann die PS3 eine Remaster-Fassung, und nun auch die PS4. Außerdem wurden die Abenteuer von Shiranui, Issun und Co nun auch den Microsoft-Anhängern via Xbox One sowie PC erlebbar gemacht. Doch hält die Nostalgie der Realität stand? Kann Amaterasu mich auch heute noch verzaubern? Ist der Remaster gelungen? Und braucht man als Besitzer des Originals die HD-Variante? Das wollte ich mir einmal genauer anschauen.
Die Story und Welt
100 Jahre vor Spielbeginn rettete die weiße Wölfin Shiranui (eine Inkarnation der japanischen Sonnengöttin Amaterasu) zusammen mit dem Helden Nagi das Dorf Kamiki vor dem bösen, achtköpfigen Dämon Orochi. Zu Ehren Shiranuis bauten die Dorfbewohner ihr eine Statue und verehrten sie. Doch nun, nach 100 Jahren, ist Orochi durch eine unbedachte Tat befreit worden und versprüht Bösartigkeit und Dämonen über das Land. Mit ihrer letzten Kraft bittet der Baumgeist Sakuya die Göttin Amaterasu zu Hilfe, und tatsächlich wird die Wolfsstatue von Shiranui zum Leben erweckt. Der Spieler übernimmt nun die Kontrolle von Amaterasu, um das Land von den Dämonen zu säubern. Begleitet wird sie hierbei von dem insektengroßen Möchtegern-Künstler Issun. Dieser macht sowohl seine Größe als auch Ammys (wie er Amaterasu nennt) Stummheit mit einer mehr als großen Klappe wieder wett. Außerdem erhält sie nach und nach durch das Finden von ihr abgespaltener Gottheiten göttliche Pinseltechniken, die ihr nicht nur im Kampf, sondern auch bei anderen Aufgaben auf ihren Reisen behilflich sein werden. Die Geschichte um Orochi und die Dämonen hört beim Sieg über ihn allerdings nicht auf, sie fängt damit gerade erst an. Eine Geschichte, die Ammy und Issun ganz Nippon erkunden und retten und den Spieler sich in ihr verlieren lassen wird. Gute 25-30 Stunden kann man alleine mit der Story verbringen, wer allerdings alles in dieser Welt erkunden will, der wird gut und gerne noch einmal so viel Zeit aufbringen.
So weit, so klassisch. Und tatsächlich ist das Wort „klassisch“ eines der Wörter, die Okami HD’s Welt am besten beschreiben. Klassisch, aber ausgesprochen gut umgesetzt. Angesiedelt in einer phantastischen Version des alten Japans (hier noch Nippon – Land der aufgehenden Sonne – genannt), trifft man auf jede Menge wunderbar skurrile, aber liebenswerte Charaktere. Hierbei wird dem japanophilen vieles bekannt vorkommen, sind doch die Mythologie und die Geschichte Japans sehr offensichtliche Quellen für die Geschichte und Charaktere von Okami HD gewesen. Seien es jetzt die Dämonen, die eins zu eins aus der japanischen Mythologie übernommen wurden, sei es der Nachfahre des Helden Nagi, der nicht zufällig Susanoo heißt, gerne ein Held sein möchte, aber tatsächlich eher ein fauler Trinker ist. Oder der mysteriöse Wakka, bei dem man sich eine lange Zeit nicht sicher sein kann, ob er Freund oder Feind ist. Oder der vorlaute, kleine Issun, der ein gutes Herz hat, aber immer nach schönen Frauen lüstet. Oder … ach, es gibt so viele. Und egal, ob sie große oder kleine Rollen haben, möchte man sich mit den meisten von ihnen einfach anfreunden. So liebevoll sind sie ausgearbeitet.
Gameplay
Bevor ich über das eigentliche Gameplay von Okami HD rede, muss ich das Spielelement des göttlichen Pinsels kurz erläutern. Im Laufe des Spiels kann man bis zu 13 Pinseltechniken finden, indem man Sternenkonstellationen entdeckt, die zu den jeweiligen Pinselgottheiten gehören. Diese gewähren dann die jeweilige Technik, mit der man göttliches Wirken in der Spielwelt geschehen lassen kann. Hierbei geht es von dem Herbeirufen der Sonne oder des Mondes und starken Angriffstechniken, über das Beschwören von Wasser und die Reparatur von kaputten Gegenständen bis zum Wiederauflebenlassen von Bäumen. Der Einsatz des Pinsels geht dabei leicht von der Hand. Mittels eines Tastendruckes stoppt die Zeit und ein großer Pinsel erscheint auf dem Bildschirm. Mittels des linken Sticks wird dieser über den Bildschirm bewegt und, je nach Technik, ein bestimmtes Symbol gemalt. Bereits bei der Wii-Version konnte man dieses Zeichnen mittels der Bewegungssteuerung vollführen.
Ein guter Gedanke, der jedoch an der Hakeligkeit der Positionsabfrage besonders bei Sonnenlicht scheiterte. Ab der PS3-Version steht ebenfalls Playstation-Move hierfür zur Verfügung, dies konnte ich jedoch leider nicht testen. Auf dem PS4-Controller hat man zusätzlich noch die Möglichkeit, dies mittels des integrierten Touchpads zu tun, und ich muss sagen, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit möchte ich es gar nicht mehr anders machen, so immersiv ist es. Es fühlt sich einfach natürlich an, mit der Fingerspitze wie mit einem Pinsel zu malen. Sobald man das Muster gemalt hat, lässt man die eingangs gedrückte Taste wieder los, die Zeit läuft weiter und der gewünschte Effekt wird, wenn das Symbol richtig gemalt wurde, ausgeführt, die Brücke repariert, die Bombe gelegt, das Tor zerschnitten etc. Hierfür hat man nur eine begrenzte Menge an Tinte zur Verfügung, wobei sich der Vorrat von selbst wieder auffüllt und die maximale Höhe des Vorrats im Laufe des Spiels noch erhöht werden kann.
Nun aber zum restlichen Gameplay. Okami HD’s Gameplay gliedert sich in zwei Hauptbereiche; die Oberwelt und den Kampf. In der Oberwelt läuft man als Ammy entweder über Land oder durch Städte und Dörfer, entdeckt Geheimnisse, befreit Gebiete von dämonischem Einfluss und löst Aufgaben für die Bewohner Nippons. Diese Aufgaben sind meist nicht sonderlich komplex, beinhalten aber meist als Aufhänger schöne kleine Geschichten, die die Welt vertiefen, in der wir uns befinden. So soll man direkt am Anfang beispielsweise einem Jungen beweisen, dass man besser darin ist, die Rüben seiner Mutter zu klauen ohne entdeckt zu werden, als sein Hund. Immer wieder muss man aber auch hierfür die verschiedenen Pinseltechniken einsetzen. Hierbei ist der Einsatz dieser Fähigkeiten nicht immer gleich offensichtlich, und man muss schon um die Ecke denken können.

Bei Bedarf (weitaus weniger nervig als Navi aus The Legend of Zelda – Ocarina of Time) hält aber auch Issun Tipps für uns bereit, was es als nächstes zu tun gibt. Ein Marker zeigt uns außerdem jederzeit an, wo wir uns für das nächste Missionsziel hinbegeben müssen. Für die Erfüllung dieser Aufgaben gibt es neben Geld (Yen) und Items außerdem Glauben. Diesen benötigt man, um Ammy und ihre Werte aufzuleveln. Das Ganze ist nicht sonderlich komplex, aber ausreichend, liegt der Fokus des Spiels doch nicht auf der Charakterentwicklung.
Niedlicher Bonus: Man bekommt auch Glauben, wenn man Tieren Futter gibt. Hierbei muss man jedoch aufpassen, für die jeweiligen Tiere jeweils das passende Futter dabei zu haben.
Auch muss man in der Oberwelt außerhalb der Städte die Pflanzen wieder zum Blühen bringen, um die dämonische Korruption hinfortzufegen. Hat man alle Bäume in einem Bereich wieder mittels Pinseltechnik zum Leben erweckt, so darf man auch den dort befindlichen Keimling eines Kirschbaumes (ein Sprössling von Sakuya aus dem Dorf Kamiki) wieder zum Leben erwecken. Ist dies geschehen, darf man sich in einer wunderschönen Zwischensequenz ansehen, wie in diesem Gebiet die Korruption vom neuen Leben hinfortgefegt wird. Immer wieder schön und kraftvoll, diese Szene zu sehen.

Allein hierfür lohnt sich das Spiel schon. Aber auch sonst hat die Welt von Okami HD viel zu bieten. Versteckte Gebiete, Sammelgegenstände, Tiere füttern, Nebenquests und und und. Allein mit der Story ist man gute 25-30 Stunden beschäftigt, doch die Nebenquests sind kurzweilige Aufgaben, die nicht so überladen wirken wie in manchen Assassins-Creed-Teilen oder die 900 Korok-Samen im neuen Legend of Zelda: Breath of the Wild.
Sollte es zum Kampf kommen (entweder durch in der Story vorgeschriebene Kämpfe oder durch Begegnungen auf der Oberwelt, die man teilweise auch umgehen kann), wird ein Areal abgegrenzt, in dem der Kampf stattfindet. Man hat normale Attacken und später, je nach ausgewählter Waffe, noch andere Attackenarten. Außerdem kann man auch im Kampfmodus den göttlichen Pinsel zum Einsatz kommen lassen, um seinen Gegnern damit ordentlich einzuheizen. Die Dämonen selbst sind dabei teilweise ganz schön knackig und vielfältig, was dazu führt, dass man sich für jeden Typ von Dämon eine eigene Strategie zurechtlegen muss. Simples Button-mashen hilft nur gegen die ersten Gegner, danach ist man sehr schnell aufgeschmissen. Dabei bleibt das Spiel allerdings immer fair, und einen Schwierigkeitsgrad wie Dark Souls muss auch niemand befürchten.

Am Ende eines Kampfes wird dieser mit einer kurzen Statistik ausgewertet. Hier wird gezeigt, wie lange man gebraucht hat und wie viel Schaden man ausgeteilt hat. Dies hat Auswirkungen auf die Belohnungen, die man in Form von Items, Geld und, wer hätte das gedacht, Glauben erhält. So wird man immer angespornt, sich zu verbessern und gegen die nächsten Gegner zu kämpfen. Wenn man nach zwei bis drei Stunden Spiel dann irgendwann einmal einen eigenen Stil beim Kampf gefunden hat, wird das Ganze damit vom Kampf ums Überleben fast zu einem wunderbaren Tanz der Vernichtung mit eigenem Takt.
Allerdings kommen wir damit auch zu meinem Hauptkritikpunkt. Das Spieldesign ist mittlerweile über 10 Jahre alt, und das merkt man dem Spiel teilweise an. Alleine eine 20minütige Intro-Sequenz ohne Sprachausgabe und viel Text zum Lesen ohne die Möglichkeit, dies zu überspringen, ist aus heutiger Sicht ein Unding. Dazu noch nicht allzu komplexe einzelne Gameplay-Elemente und eine Welt, die zwar wunderschön und stimmig ist, aber auch nicht riesengroß und komplex – das alles können heutige Spitzentitel in dieser Kategorie weitaus besser und umfangreicher. Und dennoch, wer sich durch die 20 Minuten Intro quält und keine allzu vielschichtige Charakterindividualisierung braucht, bekommt mit Okami HD eines der besten Action-Adventures aller Zeiten.
Grafik
Und hier komme ich endlich, neben dem göttlichen Pinsel, zum Highlight des Spiels. Okami HD ist in einer Cel-Shading-Grafik gehalten, die an japanische Wassertusche-Malereien im Stil Sumi-e erinnern. Hierdurch (sowie durch den zuschaltbaren Schriftrollen-Filter) hat man tatsächlich oftmals den Eindruck, sich mitten in einem japanischen Kunstwerk zu befinden. Das Ganze wird natürlich noch dadurch verstärkt, dass man mittels des göttlichen Pinsels selbst in dieser Landschaft herummalen kann. Der Sprung von SD-Grafik zur HD-Grafik der PS4 hat dabei dem Grafikstil sehr gutgetan. Ursprünglich wollte man Okami in fotorealistischer Grafik gestalten, doch das hätte weder dem Spielgefühl entsprochen, noch hätte es das Potenzial gehabt, durch ein Remaster so viel besser aussehen zu können. So sehen nun aber die Linien gestochen scharf aus, die Kanten sind glatt wie nie und das Spiel ist eine Augenweide.
Die vielen kleinen Details, die das Spiel auch auf grafischer Ebene ausmachen, wie dem Gras und den Blumen, die aus Ammys Pfotenspuren sprießen (und die größer werden, je schneller sie rennt), oder den gezeichneten Wassertropfen, wenn man einmal ins Wasser fallen sollte, sowie der perfekten Abstimmung selbst der Menüs und des HUDs auf den Grafikstil, machen Okami HD zu einem sehr gelungenen Remaster. Natürlich sieht man auch hier das Jahrzehnt, den das Spiel mittlerweile auf dem Buckel hat, und auch die Tatsache, dass es ursprünglich für die PS2 entwickelt wurde. Charaktermodelle sind nicht besonders ausgefeilt und ziemlich eckig, Details wie einzelne Grashalme sucht man vergebens. Aber das braucht es auch gar nicht, denn durch den Cell-Shading-Stil fügt sich alles zu einem wunderbar künstlerisch-comicartigen Gesamtwerk zusammen.
Die harten Fakten:

Publisher: Capcom
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Deutsch/Englisch
Format: Disc (PC/PS4/Xbox One) und Digital (PSN/Steam)
Preis: 19,99 EUR –24,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon

 
Fazit
Okami HD ist ein sehr gutes Spiel und ein gutes Remaster. Im Action-Adventure-Genre immer noch mit Recht einer der Top-Titel, ist es mit einer wunderschönen Cel-Shading-Grafik ausgestattet, die von dem HD-Upgrade nur profitiert. Eine liebevoll ausgearbeitete Story und ebensolche Charaktere laden den Spieler ein, mehr Zeit in die Abenteuer von Amaterasu zu investieren, als es die Story verlangt. Das Spieledesign hat sich in dem Jahrzehnt seit dem Original-Okami zwar durchaus weiterentwickelt, was man an einigen Stellen ganz klar bemerkt.
Wer über diese kleinen Schwächen allerdings hinwegsehen kann, bekommt ein atemberaubend schönes Spiel mit einem ausgeklügelten und fordernden Kampfsystem und mit dem göttlichen Pinsel ein Spielelement, das es so nirgendwo anders zu finden gibt. Ein Pflichtkauf für Fans der Zelda-Reihe, die neues Futter brauchen und für die BotW vielleicht nicht ganz das Richtige ist, für Nintendo-Hasser, die dennoch immer mal ein Action-Adventure im Stil von Zelda spielen wollen, und generell für jeden, der ein gutes Action-Adventure der alten Schule sucht und dabei keine Komplexität wie bei Witcher 3 oder Horizon: Zero Dawn erwartet.
Eine Kaufempfehlung spreche ich bei diesem Preis an jeden aus, der das Spiel bisher noch nicht gespielt hat. Fans haben „nur“ durch das HD-Upgrade leider nicht genügend neue Argumente, um das Spiel noch einmal zu kaufen (aber wer sich Skyrim dreimal kaufen kann, kann sich auch Okami zweimal kaufen) – es sei denn, um die Sammlung zu vervollständigen oder um mit neuem, frischen (HD-)Gefühl in die Welt von Nippon einzutauchen.

Artikelbild: Capcom
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
Der Test erfolgte mit der Playstation-4-Version
 

Bereits 2007 schwang die japanische Gottheit Amaterasu als weiße Wölfin Shiranui im Spiel Okami den göttlichen Pinsel. Mit Okami HD kam im Dezember letzten Jahres nun ein Remaster auf die PS4, die Xbox One und den PC. Lohnt es sich, erneut aufzubrechen, um Nippon vor finsteren Mächten zu retten? Wir haben den Test gemacht.
Okami HD ist ein von Capcom veröffentlichtes Action-Adventure-Spiel, das in seiner ursprünglichen Form nur für die PS2 erscheinen sollte. Doch schnell sammelte sich eine große Fangemeinde um das Stück Videospielkunst, und so dauerte es nicht allzu lange (dreieinhalb Jahre), bis eine Portierung des Spiels ihren Weg auf Nintendos Wii-Konsole fand. Später, abermals über drei Jahre, bekam dann die PS3 eine Remaster-Fassung, und nun auch die PS4. Außerdem wurden die Abenteuer von Shiranui, Issun und Co nun auch den Microsoft-Anhängern via Xbox One sowie PC erlebbar gemacht. Doch hält die Nostalgie der Realität stand? Kann Amaterasu mich auch heute noch verzaubern? Ist der Remaster gelungen? Und braucht man als Besitzer des Originals die HD-Variante? Das wollte ich mir einmal genauer anschauen.
Die Story und Welt
100 Jahre vor Spielbeginn rettete die weiße Wölfin Shiranui (eine Inkarnation der japanischen Sonnengöttin Amaterasu) zusammen mit dem Helden Nagi das Dorf Kamiki vor dem bösen, achtköpfigen Dämon Orochi. Zu Ehren Shiranuis bauten die Dorfbewohner ihr eine Statue und verehrten sie. Doch nun, nach 100 Jahren, ist Orochi durch eine unbedachte Tat befreit worden und versprüht Bösartigkeit und Dämonen über das Land. Mit ihrer letzten Kraft bittet der Baumgeist Sakuya die Göttin Amaterasu zu Hilfe, und tatsächlich wird die Wolfsstatue von Shiranui zum Leben erweckt. Der Spieler übernimmt nun die Kontrolle von Amaterasu, um das Land von den Dämonen zu säubern. Begleitet wird sie hierbei von dem insektengroßen Möchtegern-Künstler Issun. Dieser macht sowohl seine Größe als auch Ammys (wie er Amaterasu nennt) Stummheit mit einer mehr als großen Klappe wieder wett. Außerdem erhält sie nach und nach durch das Finden von ihr abgespaltener Gottheiten göttliche Pinseltechniken, die ihr nicht nur im Kampf, sondern auch bei anderen Aufgaben auf ihren Reisen behilflich sein werden. Die Geschichte um Orochi und die Dämonen hört beim Sieg über ihn allerdings nicht auf, sie fängt damit gerade erst an. Eine Geschichte, die Ammy und Issun ganz Nippon erkunden und retten und den Spieler sich in ihr verlieren lassen wird. Gute 25-30 Stunden kann man alleine mit der Story verbringen, wer allerdings alles in dieser Welt erkunden will, der wird gut und gerne noch einmal so viel Zeit aufbringen.
So weit, so klassisch. Und tatsächlich ist das Wort „klassisch“ eines der Wörter, die Okami HD’s Welt am besten beschreiben. Klassisch, aber ausgesprochen gut umgesetzt. Angesiedelt in einer phantastischen Version des alten Japans (hier noch Nippon – Land der aufgehenden Sonne – genannt), trifft man auf jede Menge wunderbar skurrile, aber liebenswerte Charaktere. Hierbei wird dem japanophilen vieles bekannt vorkommen, sind doch die Mythologie und die Geschichte Japans sehr offensichtliche Quellen für die Geschichte und Charaktere von Okami HD gewesen. Seien es jetzt die Dämonen, die eins zu eins aus der japanischen Mythologie übernommen wurden, sei es der Nachfahre des Helden Nagi, der nicht zufällig Susanoo heißt, gerne ein Held sein möchte, aber tatsächlich eher ein fauler Trinker ist. Oder der mysteriöse Wakka, bei dem man sich eine lange Zeit nicht sicher sein kann, ob er Freund oder Feind ist. Oder der vorlaute, kleine Issun, der ein gutes Herz hat, aber immer nach schönen Frauen lüstet. Oder … ach, es gibt so viele. Und egal, ob sie große oder kleine Rollen haben, möchte man sich mit den meisten von ihnen einfach anfreunden. So liebevoll sind sie ausgearbeitet.
Gameplay
Bevor ich über das eigentliche Gameplay von Okami HD rede, muss ich das Spielelement des göttlichen Pinsels kurz erläutern. Im Laufe des Spiels kann man bis zu 13 Pinseltechniken finden, indem man Sternenkonstellationen entdeckt, die zu den jeweiligen Pinselgottheiten gehören. Diese gewähren dann die jeweilige Technik, mit der man göttliches Wirken in der Spielwelt geschehen lassen kann. Hierbei geht es von dem Herbeirufen der Sonne oder des Mondes und starken Angriffstechniken, über das Beschwören von Wasser und die Reparatur von kaputten Gegenständen bis zum Wiederauflebenlassen von Bäumen. Der Einsatz des Pinsels geht dabei leicht von der Hand. Mittels eines Tastendruckes stoppt die Zeit und ein großer Pinsel erscheint auf dem Bildschirm. Mittels des linken Sticks wird dieser über den Bildschirm bewegt und, je nach Technik, ein bestimmtes Symbol gemalt. Bereits bei der Wii-Version konnte man dieses Zeichnen mittels der Bewegungssteuerung vollführen.
Ein guter Gedanke, der jedoch an der Hakeligkeit der Positionsabfrage besonders bei Sonnenlicht scheiterte. Ab der PS3-Version steht ebenfalls Playstation-Move hierfür zur Verfügung, dies konnte ich jedoch leider nicht testen. Auf dem PS4-Controller hat man zusätzlich noch die Möglichkeit, dies mittels des integrierten Touchpads zu tun, und ich muss sagen, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit möchte ich es gar nicht mehr anders machen, so immersiv ist es. Es fühlt sich einfach natürlich an, mit der Fingerspitze wie mit einem Pinsel zu malen. Sobald man das Muster gemalt hat, lässt man die eingangs gedrückte Taste wieder los, die Zeit läuft weiter und der gewünschte Effekt wird, wenn das Symbol richtig gemalt wurde, ausgeführt, die Brücke repariert, die Bombe gelegt, das Tor zerschnitten etc. Hierfür hat man nur eine begrenzte Menge an Tinte zur Verfügung, wobei sich der Vorrat von selbst wieder auffüllt und die maximale Höhe des Vorrats im Laufe des Spiels noch erhöht werden kann.
Nun aber zum restlichen Gameplay. Okami HD’s Gameplay gliedert sich in zwei Hauptbereiche; die Oberwelt und den Kampf. In der Oberwelt läuft man als Ammy entweder über Land oder durch Städte und Dörfer, entdeckt Geheimnisse, befreit Gebiete von dämonischem Einfluss und löst Aufgaben für die Bewohner Nippons. Diese Aufgaben sind meist nicht sonderlich komplex, beinhalten aber meist als Aufhänger schöne kleine Geschichten, die die Welt vertiefen, in der wir uns befinden. So soll man direkt am Anfang beispielsweise einem Jungen beweisen, dass man besser darin ist, die Rüben seiner Mutter zu klauen ohne entdeckt zu werden, als sein Hund. Immer wieder muss man aber auch hierfür die verschiedenen Pinseltechniken einsetzen. Hierbei ist der Einsatz dieser Fähigkeiten nicht immer gleich offensichtlich, und man muss schon um die Ecke denken können.

Bei Bedarf (weitaus weniger nervig als Navi aus The Legend of Zelda – Ocarina of Time) hält aber auch Issun Tipps für uns bereit, was es als nächstes zu tun gibt. Ein Marker zeigt uns außerdem jederzeit an, wo wir uns für das nächste Missionsziel hinbegeben müssen. Für die Erfüllung dieser Aufgaben gibt es neben Geld (Yen) und Items außerdem Glauben. Diesen benötigt man, um Ammy und ihre Werte aufzuleveln. Das Ganze ist nicht sonderlich komplex, aber ausreichend, liegt der Fokus des Spiels doch nicht auf der Charakterentwicklung.
Niedlicher Bonus: Man bekommt auch Glauben, wenn man Tieren Futter gibt. Hierbei muss man jedoch aufpassen, für die jeweiligen Tiere jeweils das passende Futter dabei zu haben.
Auch muss man in der Oberwelt außerhalb der Städte die Pflanzen wieder zum Blühen bringen, um die dämonische Korruption hinfortzufegen. Hat man alle Bäume in einem Bereich wieder mittels Pinseltechnik zum Leben erweckt, so darf man auch den dort befindlichen Keimling eines Kirschbaumes (ein Sprössling von Sakuya aus dem Dorf Kamiki) wieder zum Leben erwecken. Ist dies geschehen, darf man sich in einer wunderschönen Zwischensequenz ansehen, wie in diesem Gebiet die Korruption vom neuen Leben hinfortgefegt wird. Immer wieder schön und kraftvoll, diese Szene zu sehen.

Allein hierfür lohnt sich das Spiel schon. Aber auch sonst hat die Welt von Okami HD viel zu bieten. Versteckte Gebiete, Sammelgegenstände, Tiere füttern, Nebenquests und und und. Allein mit der Story ist man gute 25-30 Stunden beschäftigt, doch die Nebenquests sind kurzweilige Aufgaben, die nicht so überladen wirken wie in manchen Assassins-Creed-Teilen oder die 900 Korok-Samen im neuen Legend of Zelda: Breath of the Wild.
Sollte es zum Kampf kommen (entweder durch in der Story vorgeschriebene Kämpfe oder durch Begegnungen auf der Oberwelt, die man teilweise auch umgehen kann), wird ein Areal abgegrenzt, in dem der Kampf stattfindet. Man hat normale Attacken und später, je nach ausgewählter Waffe, noch andere Attackenarten. Außerdem kann man auch im Kampfmodus den göttlichen Pinsel zum Einsatz kommen lassen, um seinen Gegnern damit ordentlich einzuheizen. Die Dämonen selbst sind dabei teilweise ganz schön knackig und vielfältig, was dazu führt, dass man sich für jeden Typ von Dämon eine eigene Strategie zurechtlegen muss. Simples Button-mashen hilft nur gegen die ersten Gegner, danach ist man sehr schnell aufgeschmissen. Dabei bleibt das Spiel allerdings immer fair, und einen Schwierigkeitsgrad wie Dark Souls muss auch niemand befürchten.

Am Ende eines Kampfes wird dieser mit einer kurzen Statistik ausgewertet. Hier wird gezeigt, wie lange man gebraucht hat und wie viel Schaden man ausgeteilt hat. Dies hat Auswirkungen auf die Belohnungen, die man in Form von Items, Geld und, wer hätte das gedacht, Glauben erhält. So wird man immer angespornt, sich zu verbessern und gegen die nächsten Gegner zu kämpfen. Wenn man nach zwei bis drei Stunden Spiel dann irgendwann einmal einen eigenen Stil beim Kampf gefunden hat, wird das Ganze damit vom Kampf ums Überleben fast zu einem wunderbaren Tanz der Vernichtung mit eigenem Takt.
Allerdings kommen wir damit auch zu meinem Hauptkritikpunkt. Das Spieldesign ist mittlerweile über 10 Jahre alt, und das merkt man dem Spiel teilweise an. Alleine eine 20minütige Intro-Sequenz ohne Sprachausgabe und viel Text zum Lesen ohne die Möglichkeit, dies zu überspringen, ist aus heutiger Sicht ein Unding. Dazu noch nicht allzu komplexe einzelne Gameplay-Elemente und eine Welt, die zwar wunderschön und stimmig ist, aber auch nicht riesengroß und komplex – das alles können heutige Spitzentitel in dieser Kategorie weitaus besser und umfangreicher. Und dennoch, wer sich durch die 20 Minuten Intro quält und keine allzu vielschichtige Charakterindividualisierung braucht, bekommt mit Okami HD eines der besten Action-Adventures aller Zeiten.
Grafik
Und hier komme ich endlich, neben dem göttlichen Pinsel, zum Highlight des Spiels. Okami HD ist in einer Cel-Shading-Grafik gehalten, die an japanische Wassertusche-Malereien im Stil Sumi-e erinnern. Hierdurch (sowie durch den zuschaltbaren Schriftrollen-Filter) hat man tatsächlich oftmals den Eindruck, sich mitten in einem japanischen Kunstwerk zu befinden. Das Ganze wird natürlich noch dadurch verstärkt, dass man mittels des göttlichen Pinsels selbst in dieser Landschaft herummalen kann. Der Sprung von SD-Grafik zur HD-Grafik der PS4 hat dabei dem Grafikstil sehr gutgetan. Ursprünglich wollte man Okami in fotorealistischer Grafik gestalten, doch das hätte weder dem Spielgefühl entsprochen, noch hätte es das Potenzial gehabt, durch ein Remaster so viel besser aussehen zu können. So sehen nun aber die Linien gestochen scharf aus, die Kanten sind glatt wie nie und das Spiel ist eine Augenweide.
Die vielen kleinen Details, die das Spiel auch auf grafischer Ebene ausmachen, wie dem Gras und den Blumen, die aus Ammys Pfotenspuren sprießen (und die größer werden, je schneller sie rennt), oder den gezeichneten Wassertropfen, wenn man einmal ins Wasser fallen sollte, sowie der perfekten Abstimmung selbst der Menüs und des HUDs auf den Grafikstil, machen Okami HD zu einem sehr gelungenen Remaster. Natürlich sieht man auch hier das Jahrzehnt, den das Spiel mittlerweile auf dem Buckel hat, und auch die Tatsache, dass es ursprünglich für die PS2 entwickelt wurde. Charaktermodelle sind nicht besonders ausgefeilt und ziemlich eckig, Details wie einzelne Grashalme sucht man vergebens. Aber das braucht es auch gar nicht, denn durch den Cell-Shading-Stil fügt sich alles zu einem wunderbar künstlerisch-comicartigen Gesamtwerk zusammen.
Die harten Fakten:

Publisher: Capcom
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Deutsch/Englisch
Format: Disc (PC/PS4/Xbox One) und Digital (PSN/Steam)
Preis: 19,99 EUR –24,99 EUR
Bezugsquelle: Amazon

 
Fazit
Okami HD ist ein sehr gutes Spiel und ein gutes Remaster. Im Action-Adventure-Genre immer noch mit Recht einer der Top-Titel, ist es mit einer wunderschönen Cel-Shading-Grafik ausgestattet, die von dem HD-Upgrade nur profitiert. Eine liebevoll ausgearbeitete Story und ebensolche Charaktere laden den Spieler ein, mehr Zeit in die Abenteuer von Amaterasu zu investieren, als es die Story verlangt. Das Spieledesign hat sich in dem Jahrzehnt seit dem Original-Okami zwar durchaus weiterentwickelt, was man an einigen Stellen ganz klar bemerkt.
Wer über diese kleinen Schwächen allerdings hinwegsehen kann, bekommt ein atemberaubend schönes Spiel mit einem ausgeklügelten und fordernden Kampfsystem und mit dem göttlichen Pinsel ein Spielelement, das es so nirgendwo anders zu finden gibt. Ein Pflichtkauf für Fans der Zelda-Reihe, die neues Futter brauchen und für die BotW vielleicht nicht ganz das Richtige ist, für Nintendo-Hasser, die dennoch immer mal ein Action-Adventure im Stil von Zelda spielen wollen, und generell für jeden, der ein gutes Action-Adventure der alten Schule sucht und dabei keine Komplexität wie bei Witcher 3 oder Horizon: Zero Dawn erwartet.
Eine Kaufempfehlung spreche ich bei diesem Preis an jeden aus, der das Spiel bisher noch nicht gespielt hat. Fans haben „nur“ durch das HD-Upgrade leider nicht genügend neue Argumente, um das Spiel noch einmal zu kaufen (aber wer sich Skyrim dreimal kaufen kann, kann sich auch Okami zweimal kaufen) – es sei denn, um die Sammlung zu vervollständigen oder um mit neuem, frischen (HD-)Gefühl in die Welt von Nippon einzutauchen.

Artikelbild: Capcom
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
Der Test erfolgte mit der Playstation-4-Version
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Review: Okami HD – immer noch das beste Zelda, das kein Zelda ist

Gametest: Marvel vs. Capcom Infinite – voll auf die Fresse?

Gametest: Marvel vs. Capcom Infinite – voll auf die Fresse?
Marvel vs. Capcom Infinite ist bereits der vierte Teil der Beat’em’Up-Serie, allerdings der erste, der für die aktuelle Konsolengeneration entwickelt wurde. Neben neuer Grafik findet auch erstmals ein Story-Modus Einzug. Kann das Spiel überzeugen oder gar den Hit Injustice 2 übertrumpfen?
Fast sechs Jahre ist es inzwischen her, dass Capcom ein Aufgebot seiner Charaktere gegen jene von Marvel ins Feld schickte. Marvel vs Capcom 3 erschien im Februar 2011 auf Playstation 3 und Xbox 360, im November 2011 folgte die Ultimate Edition, welche nahezu alle DLC-Charaktere enthielt. Im Dezember 2016 (Playstation 4) beziehungsweise März 2017 (PC, Xbox One) erschien diese Version auch für die aktuelle Konsolengeneration, erstmals mit allen DLCs im Bundle – was einer Kämpferriege von satten 50 Charakteren entsprach.
Im September 2017 folgte dann endlich der echte Nachfolger: Marvel vs Capcom Infinite. Entwickelt für die aktuelle Konsolengeneration und mit echtem Story-Modus, jedoch auch mit nur noch 30 Charakteren und Kämpfen mit jeweils nur noch zwei Figuren je Seite anstelle von dreien. Nachdem Injustice 2 im Mai 2017 auf Seiten von DC Comics neue Maßstäbe im Beat’em’Up-Bereich setzte, muss sich der aktuelle Prügler von Capcom natürlich mit diesem vergleichen lassen – kann er bestehen oder gar selbst die Messlatte erhöhen? Wir haben uns das auf der Playstation 4 mal angesehen.
Technik
Genau wie Injustice 2 setzt Marvel vs. Capcom Infinite auf die Unreal Engine und ein 2D-Spielerlebnis – hinkt dem Konkurrenten jedoch etwas hinterher. Zwar ist die Grafik solide und nicht wirklich schlecht – aber auch kein Meilenstein. Die Kulissen sind hübsch, aber könnten etwas lebendiger sein. Interaktionen mit den Kulissen gibt es leider nicht. Die Charaktere sind ebenfalls überwiegend ansehnlich, im Detail fallen jedoch einzelne Schwächen auf. So hat man zuweilen (gerade in den Videosequenzen) das Gefühl, die Texturen wären nicht so scharf, wie sie sein könnten, und gerade Umhänge wie bei Doktor Strange stehen merkwürdig ab, statt auf den Schultern aufzuliegen. Auch Haaranimationen haben wir teilweise vermisst.
Hinzu kommt ein zuweilen merkwürdiges Artdesign: Während einige Charaktere gut getroffen sind, sehen andere ziemlich überzeichnet und zu muskulös aus. Zusammen mit der teils sehr schlichten Gestaltung der Gesichter wirken Charaktere wie Captain America fast mehr wie ihre Pendants aus dem überzeichneten Disney Infinity-Universum oder eine Plastik-Actionfigur statt wie aus den Comics oder Filmen. Dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, die Dialoge zu synchronisieren, ist zudem enttäuschend.
Daneben stehen aber auch positive Aspekte. Die Action ist schnell, die Framerate stabil, alles ist ziemlich bunt und es wird ein ziemliches Effekt-Gewitter aufgefahren. Insgesamt gibt das Spiel technisch ein recht gelungenes Bild ab – wenn man keine zu hohen Maßstäbe anlegt oder es mit dem direkten Konkurrenten vergleicht. Sieht man über die erwähnten Mankos hinweg, erwartet einen ein buntes Actionfest, mit solider Technik, die der aktuellen Konsolengeneration angemessen ist, ohne sich an die Spitze zu gesellen.

Gameplay
Spielerisch liefert Capcom ebenfalls solides ab. Die Charaktere fühlen sich zuweilen sehr unterschiedlich an, auch ohne Nutzung ihrer Spezialattacken. So ist der Hulk auffällig langsam, schlägt dafür aber umso kräftiger zu. Dass man immer zwei Charaktere zum Kampf mitnimmt, ergibt ein angenehmes Gameplay und ermöglicht es, für sich selbst passende Kombinationen zu finden. Selbstredend ist der regelmäßige Charakterwechsel elementar – der sich gerade nicht im Kampf befindliche Charakter kann verschnaufen und so einen Teil seiner Lebenspunkteleiste wieder auffüllen.
Ergänzend wählt man in der Zusammenstellung seines Teams einen der sechs Infinity-Steine aus, um die sich nicht nur die Story dreht, sondern die auch Auswirkungen im Kampf haben. Jeder der Steine gibt uns eine neue Aktion sowie eine besonders mächtige Superkraft, die wir nach einer gewissen Zeit auslösen können. Der Seelenstein beispielsweise lässt uns über eine mittlere Distanz Gesundheit des Gegners zu unseren Gunsten absaugen und als Superkraft sogar einen gefallenen Partner wiederbeleben – dies ist schon grenzwertig zum Übermächtigen. Aber auch die anderen Steine bieten nette Effekte und verändern dadurch das ganze Spiel – sofern man sie klug einsetzt.
Bei der Steuerung verlässt man sich grundsätzlich auf Bewährtes: Je ein Button für schwache und starke Tritte und Schläge, von denen einer zudem in Verbindung mit dem Stick Griffe ausführt. Mit den Schultertasten können wir die Infinity-Steine benutzen und unseren Partner einwechseln, die Kombi aus starkem Schlag und Tritt löst einen charakterspezifischen Superangriff aus, zum Blocken drücken wir einfach in die entgegengesetzte Richtung. Verfeinert wird das Ganze natürlich um diverse, vor allem charakterspezifische Kombos, die wir mitunter auch verketten können oder der Möglichkeit, Angriffe nicht nur zu blocken, sondern sogar zurück zu schleudern – ergo kontern, in gewisser Weise. Kombos kann man dagegen nur auf eine bestimmte Weise unterbrechen – indem man seinen Partner reinruft. Hierzu verbraucht man zwei Energiebalken (die natürlich erstmal aufgeladen sein müssen), und der Partner kann dann versuchen, durch Attacken die Kombokette zu durchbrechen.
Im Allgemeinen lässt sich aber bereits mit simplen Button-Smashing einiges an hübschen Effekten erzielen – hierdurch dürften sich auch Anfänger angesprochen fühlen. Alleine mit dem leichtem Schlag lässt sich eine Kombo aufbauen, die uns sogar in die Luft befördert – dies gelingt mit jedem Charakter. Durch hinzu kommende Kombos aus Zufall, den Superangriffen, Infinity-Steinen und den Unterschieden der Charaktere kommen auch ohne weitere Beschäftigung mit den spezifischen Attacken gute Laune als auch ein Effekt-Gewitter auf, während gerade für Einsteiger nervige Stunts nicht vorkommen. Eine tiefere Beschäftigung ist natürlich dennoch möglich, und bis man die Komboeingaben in der korrekten Reihenfolge und Geschwindigkeit drauf hat, kann etwas Zeit vergehen. Da man die Schwierigkeit der CPU in mehreren Stufen anpassen kann, dürfte das Spiel nahezu allen Spielern die passende Herausforderung bieten.
Insgesamt macht das Spiel hinsichtlich des Gameplays eigentlich nichts falsch: Es ist zugänglich für Einsteiger, bietet aber auch mehr Details und Tiefe für Profis. Die Charaktere überzeugen durch die individuellen Ausprägungen ihrer Attacken ebenso wie durch ihre spezifischen Special Moves und nicht zuletzt bieten die Infinity-Steine ein interessantes Element. Abseits dieser bieten aber auch andere Beat’em’Ups all dies – Marvel vs. Capcom Infinite ist spielerisch keineswegs schlecht, aber insgesamt auch nicht unbedingt besser als die Konkurrenz.

Story
Erstmals erhält ein Spiel der Reihe eine Story. Ohne zu viel zu verraten: Die Welten von Marvel und Capcom sind miteinander verschmolzen, so dass es nun beispielsweise Orte gibt wie Valkanda, eine Fusion aus Wakanda (Marvel) und Val Habar (Capcom/Monster Hunter), oder Institutionen wie die A.I.M.brella Corporation, fusioniert aus A.I.M. (Marvel) und der Umbrella Corporation (Capcom/Resident Evil). Hier ist es eine Geschmacksache, ob man eine solche Fusion gut oder schlecht findet.
Wie es zu dieser Fusion überhaupt gekommen ist, erfahren wir im neuen Story-Modus – allerdings erst nach einiger Zeit. Beginnen tut dieser mittendrin, 88 Tage nach der Konvergenz, ohne weiter etwas zu erklären. Wir kämpfen mit diversen Recken in Xgard (einer Fusion aus Marvels Asgard und Mega Mans Abel City), wissen nicht wieso, woher sich die Welten kennen oder was überhaupt los ist. Nach den ersten Kämpfen, zwischen denen kurze Videosequenzen die Story weiterspannen, verlassen wir Xgard zunächst, und ab hier erhält die Story zumindest etwas roten Faden – bis zur Erklärung, was eigentlich passiert ist, vergeht dennoch noch etwas Zeit.
Wenn auch nicht sonderlich viel Zeit: Der gesamte Story-Modus ist nach rund 5 Stunden Spielzeit vorüber. Einen Wiederspielwert gibt es nicht, da es keinerlei Entscheidungen zu treffen oder alternative Charaktere zu spielen gibt – schade! Zwar kommt man weder in Atmosphäre, noch in Storyaufbau oder Inszenierung an Injustice 2 heran, dennoch konnten die Stunden solide unterhalten – mehr allerdings auch nicht, obwohl gerade die Kampfbedingungen hier zuweilen etwas verändert wurden, was der Abwechslung zu Gute kommt und trotz schwankendem Schwierigkeitsgrad positiv auffällt. Dennoch: Etwas mehr erzählerische Tiefe, etwas mehr Details, einfach etwas mehr Story hätten hier gut getan. So bleiben die Charaktere leider sehr blass, die Story reißt nicht mit, und alles wirkt etwas abstrus. Was generell bedauerlich ist, denn die vielfältigen Charaktere und die Fusion der Welten hätte durchaus Potenzial für eine längere, unterhaltsame Geschichte – ein Potenzial, was leider nicht ausgenutzt wird. So bleibt der Story-Modus ein Synonym für das Spiel: ganz nett, aber da wäre einfach mehr drin gewesen.

Umfang
Ein überzeugender, länger unterhaltender Story-Modus wäre dabei umso wichtiger gewesen, wenn man sich ansieht, womit man sich danach noch beschäftigen kann. Hinter den Missionen befinden sich lediglich kurze Aufgaben der Art, bestimmte Angriffe oder Kombos zu erfüllen, was nicht sonderlich unterhaltsam ist und eher Trainingszwecken dient. Der Arcade-Modus enttäuscht sogar auf ganzer Linie, da er nach Abschluss lediglich  ein „Congratulations“ einblendet und die Credits abspielt – ein kurzes, charakterspezifisches Outro hätte hier meiner Meinung nach unbedingt hingehört. Wieso sollte man ihn also spielen? Die einzige Belohnung sind je ein Titel und eine alternative Farbkombination für die beiden ausgewählten Kämpfer.
Von diesen Farbkombinationen gibt es pro Kämpfer insgesamt vier, von denen zwei freigespielt werden müssen. Alternative Outfits oder auch nur Outfit-Details gibt es gar nicht im Spiel – auch dies ist eine schwache Leistung. Demgegenüber stehen immerhin 16 Kampfschauplätze – was gar nicht übel ist. Auch die Kämpferriege ist mit 30 Figuren zwar schmaler als im Vorgänger, aber dennoch im soliden Bereich, auch wenn man fast zwangsläufig nicht alle seiner Lieblinge wiederfindet – hier fällt insbesondere das Fehlen von X-Men auf.
Online ist es inzwischen so, dass ich bei mehreren Versuchen, trotz Ausweitung auf alle Regionen und Verbindungsstärken, weder Ranglisten-, noch Freundschafts- oder Anfängerkämpfe fand. So bleiben lediglich spaßige Kämpfe gegen die CPU oder Freunde – was mal ganz nett ist, aber mehr auch nicht, zumal Konkurrenzspiele generell mehr Anreiz bieten, weiterzuspielen und Abwechslung bieten nach Abschluss der Story.
Die harten Fakten:

Entwickler: Capcom Co., Ltd.:
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Menüs/Untertitel diverse (u.a. Deutsch, Englisch), Sprachausgabe Englisch
Plattformen: Playstation 4, Xbox One, PC/Steam
PC-Systemanforderungen: Windows 7 64 Bit, Intel Core i3-4160 @ 3.60GHz, 6 GB Ram, NVIDIA® GeForce® GTX 480/570/670 oder besser, DirectX 11, Steam-Account, 59 GB freier Speicherplatz
EAN: 5055060900826 (PS4), 5055060966587 (XONE), 5055060972731 (PC)
Preis: ab 24,99 EUR (PC), ab 29,99 EUR (PS4/XONE)
Bezugsquelle: Amazon sowie die jeweiligen digitalen Shops der Systeme

 
Versionen, Extras und DLCs
Neben der Standard-Edition gibt es exklusiv bei ausgewählten Händlern eine Deluxe- und eine Collector’s Edition. Erstere beinhaltet ein Steelbook und den Character Pass 2017, zweiteres enthält zusätzlich die sechs Infinity-Steine als Replik in einer Box und Figuren von Chun-Li, Mega Man, Iron Man und Captain Marvel.
Der genannte Character Pass ist einzeln als DLC zu erwerben (Listenpreis 29,99 EUR) und enthält sechs zusätzliche Charaktere inklusive eines Premiumkostüms: Sigma, Black Panther, Monster Hunter, Winter Soldier, Black Widow und Venom. Im Einzelkauf schlagen die Charaktere mit jeweils 7,99 EUR zu Buche. Zudem gibt es für alle Charaktere des Grundspiels ebenfalls ein Premiumkostüm zu erwerben, zum Preis von jeweils 3,99 EUR. Für Ryu, Mega Man, Hulk und Thor gibt es zudem ein weiteres Kostüm, welche mit je 2,99 EUR etwas günstiger sind. Die Premiumkostüme gibt es günstiger als Bundle, mit je 6 Kostümen im Set für knapp 12 EUR und mit allen 30 für knapp 30 EUR.
In Anbetracht der Tatsache, dass der Character Pass die Jahreszahl 2017 bereits im Namen trägt und der Vorgänger mit allen DLCs beziehungsweise in der Ultimate Edition satte 50 Charaktere aufzubieten hatte, ist es gut möglich, dass weitere Charaktere per DLC folgen werden.
Auf allen Plattformen gibt es übrigens eine Demo, so dass Interessierte problemlos „reinschnuppern“ können.
Fazit
Marvel vs. Capcom Infinite hat viel Potenzial im Gepäck, nutzt dies jedoch nicht aus. Die Kämpfe laufen flüssig, die Charaktere sind abwechslungsreich, dank Vereinfachungen und tiefergehenden Kombos können sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Spieler Spaß haben, und dank den Kräften der Infinity-Steine hat man eine eigene Besonderheit. Doch weder die Technik kann mit der Oberklasse mithalten, noch kann der Story-Modus es mit der Konkurrenz aufnehmen. Nach rund fünf Stunden Story-Spielzeit bleibt kaum Wiederspielwert, von netten Kämpfen gegen Freunden oder einer kurzen Partie gegen die KI abgesehen.
Für Fans der Lizenzen ein nettes Spiel, dass farbenfroh und gut spielbar ist, allerdings kaum zum Weiterspielen motiviert.

Artikelbilder: Capcom Co., Ltd.
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Marvel vs. Capcom Infinite ist bereits der vierte Teil der Beat’em’Up-Serie, allerdings der erste, der für die aktuelle Konsolengeneration entwickelt wurde. Neben neuer Grafik findet auch erstmals ein Story-Modus Einzug. Kann das Spiel überzeugen oder gar den Hit Injustice 2 übertrumpfen?
Fast sechs Jahre ist es inzwischen her, dass Capcom ein Aufgebot seiner Charaktere gegen jene von Marvel ins Feld schickte. Marvel vs Capcom 3 erschien im Februar 2011 auf Playstation 3 und Xbox 360, im November 2011 folgte die Ultimate Edition, welche nahezu alle DLC-Charaktere enthielt. Im Dezember 2016 (Playstation 4) beziehungsweise März 2017 (PC, Xbox One) erschien diese Version auch für die aktuelle Konsolengeneration, erstmals mit allen DLCs im Bundle – was einer Kämpferriege von satten 50 Charakteren entsprach.
Im September 2017 folgte dann endlich der echte Nachfolger: Marvel vs Capcom Infinite. Entwickelt für die aktuelle Konsolengeneration und mit echtem Story-Modus, jedoch auch mit nur noch 30 Charakteren und Kämpfen mit jeweils nur noch zwei Figuren je Seite anstelle von dreien. Nachdem Injustice 2 im Mai 2017 auf Seiten von DC Comics neue Maßstäbe im Beat’em’Up-Bereich setzte, muss sich der aktuelle Prügler von Capcom natürlich mit diesem vergleichen lassen – kann er bestehen oder gar selbst die Messlatte erhöhen? Wir haben uns das auf der Playstation 4 mal angesehen.
Technik
Genau wie Injustice 2 setzt Marvel vs. Capcom Infinite auf die Unreal Engine und ein 2D-Spielerlebnis – hinkt dem Konkurrenten jedoch etwas hinterher. Zwar ist die Grafik solide und nicht wirklich schlecht – aber auch kein Meilenstein. Die Kulissen sind hübsch, aber könnten etwas lebendiger sein. Interaktionen mit den Kulissen gibt es leider nicht. Die Charaktere sind ebenfalls überwiegend ansehnlich, im Detail fallen jedoch einzelne Schwächen auf. So hat man zuweilen (gerade in den Videosequenzen) das Gefühl, die Texturen wären nicht so scharf, wie sie sein könnten, und gerade Umhänge wie bei Doktor Strange stehen merkwürdig ab, statt auf den Schultern aufzuliegen. Auch Haaranimationen haben wir teilweise vermisst.
Hinzu kommt ein zuweilen merkwürdiges Artdesign: Während einige Charaktere gut getroffen sind, sehen andere ziemlich überzeichnet und zu muskulös aus. Zusammen mit der teils sehr schlichten Gestaltung der Gesichter wirken Charaktere wie Captain America fast mehr wie ihre Pendants aus dem überzeichneten Disney Infinity-Universum oder eine Plastik-Actionfigur statt wie aus den Comics oder Filmen. Dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, die Dialoge zu synchronisieren, ist zudem enttäuschend.
Daneben stehen aber auch positive Aspekte. Die Action ist schnell, die Framerate stabil, alles ist ziemlich bunt und es wird ein ziemliches Effekt-Gewitter aufgefahren. Insgesamt gibt das Spiel technisch ein recht gelungenes Bild ab – wenn man keine zu hohen Maßstäbe anlegt oder es mit dem direkten Konkurrenten vergleicht. Sieht man über die erwähnten Mankos hinweg, erwartet einen ein buntes Actionfest, mit solider Technik, die der aktuellen Konsolengeneration angemessen ist, ohne sich an die Spitze zu gesellen.

Gameplay
Spielerisch liefert Capcom ebenfalls solides ab. Die Charaktere fühlen sich zuweilen sehr unterschiedlich an, auch ohne Nutzung ihrer Spezialattacken. So ist der Hulk auffällig langsam, schlägt dafür aber umso kräftiger zu. Dass man immer zwei Charaktere zum Kampf mitnimmt, ergibt ein angenehmes Gameplay und ermöglicht es, für sich selbst passende Kombinationen zu finden. Selbstredend ist der regelmäßige Charakterwechsel elementar – der sich gerade nicht im Kampf befindliche Charakter kann verschnaufen und so einen Teil seiner Lebenspunkteleiste wieder auffüllen.
Ergänzend wählt man in der Zusammenstellung seines Teams einen der sechs Infinity-Steine aus, um die sich nicht nur die Story dreht, sondern die auch Auswirkungen im Kampf haben. Jeder der Steine gibt uns eine neue Aktion sowie eine besonders mächtige Superkraft, die wir nach einer gewissen Zeit auslösen können. Der Seelenstein beispielsweise lässt uns über eine mittlere Distanz Gesundheit des Gegners zu unseren Gunsten absaugen und als Superkraft sogar einen gefallenen Partner wiederbeleben – dies ist schon grenzwertig zum Übermächtigen. Aber auch die anderen Steine bieten nette Effekte und verändern dadurch das ganze Spiel – sofern man sie klug einsetzt.
Bei der Steuerung verlässt man sich grundsätzlich auf Bewährtes: Je ein Button für schwache und starke Tritte und Schläge, von denen einer zudem in Verbindung mit dem Stick Griffe ausführt. Mit den Schultertasten können wir die Infinity-Steine benutzen und unseren Partner einwechseln, die Kombi aus starkem Schlag und Tritt löst einen charakterspezifischen Superangriff aus, zum Blocken drücken wir einfach in die entgegengesetzte Richtung. Verfeinert wird das Ganze natürlich um diverse, vor allem charakterspezifische Kombos, die wir mitunter auch verketten können oder der Möglichkeit, Angriffe nicht nur zu blocken, sondern sogar zurück zu schleudern – ergo kontern, in gewisser Weise. Kombos kann man dagegen nur auf eine bestimmte Weise unterbrechen – indem man seinen Partner reinruft. Hierzu verbraucht man zwei Energiebalken (die natürlich erstmal aufgeladen sein müssen), und der Partner kann dann versuchen, durch Attacken die Kombokette zu durchbrechen.
Im Allgemeinen lässt sich aber bereits mit simplen Button-Smashing einiges an hübschen Effekten erzielen – hierdurch dürften sich auch Anfänger angesprochen fühlen. Alleine mit dem leichtem Schlag lässt sich eine Kombo aufbauen, die uns sogar in die Luft befördert – dies gelingt mit jedem Charakter. Durch hinzu kommende Kombos aus Zufall, den Superangriffen, Infinity-Steinen und den Unterschieden der Charaktere kommen auch ohne weitere Beschäftigung mit den spezifischen Attacken gute Laune als auch ein Effekt-Gewitter auf, während gerade für Einsteiger nervige Stunts nicht vorkommen. Eine tiefere Beschäftigung ist natürlich dennoch möglich, und bis man die Komboeingaben in der korrekten Reihenfolge und Geschwindigkeit drauf hat, kann etwas Zeit vergehen. Da man die Schwierigkeit der CPU in mehreren Stufen anpassen kann, dürfte das Spiel nahezu allen Spielern die passende Herausforderung bieten.
Insgesamt macht das Spiel hinsichtlich des Gameplays eigentlich nichts falsch: Es ist zugänglich für Einsteiger, bietet aber auch mehr Details und Tiefe für Profis. Die Charaktere überzeugen durch die individuellen Ausprägungen ihrer Attacken ebenso wie durch ihre spezifischen Special Moves und nicht zuletzt bieten die Infinity-Steine ein interessantes Element. Abseits dieser bieten aber auch andere Beat’em’Ups all dies – Marvel vs. Capcom Infinite ist spielerisch keineswegs schlecht, aber insgesamt auch nicht unbedingt besser als die Konkurrenz.

Story
Erstmals erhält ein Spiel der Reihe eine Story. Ohne zu viel zu verraten: Die Welten von Marvel und Capcom sind miteinander verschmolzen, so dass es nun beispielsweise Orte gibt wie Valkanda, eine Fusion aus Wakanda (Marvel) und Val Habar (Capcom/Monster Hunter), oder Institutionen wie die A.I.M.brella Corporation, fusioniert aus A.I.M. (Marvel) und der Umbrella Corporation (Capcom/Resident Evil). Hier ist es eine Geschmacksache, ob man eine solche Fusion gut oder schlecht findet.
Wie es zu dieser Fusion überhaupt gekommen ist, erfahren wir im neuen Story-Modus – allerdings erst nach einiger Zeit. Beginnen tut dieser mittendrin, 88 Tage nach der Konvergenz, ohne weiter etwas zu erklären. Wir kämpfen mit diversen Recken in Xgard (einer Fusion aus Marvels Asgard und Mega Mans Abel City), wissen nicht wieso, woher sich die Welten kennen oder was überhaupt los ist. Nach den ersten Kämpfen, zwischen denen kurze Videosequenzen die Story weiterspannen, verlassen wir Xgard zunächst, und ab hier erhält die Story zumindest etwas roten Faden – bis zur Erklärung, was eigentlich passiert ist, vergeht dennoch noch etwas Zeit.
Wenn auch nicht sonderlich viel Zeit: Der gesamte Story-Modus ist nach rund 5 Stunden Spielzeit vorüber. Einen Wiederspielwert gibt es nicht, da es keinerlei Entscheidungen zu treffen oder alternative Charaktere zu spielen gibt – schade! Zwar kommt man weder in Atmosphäre, noch in Storyaufbau oder Inszenierung an Injustice 2 heran, dennoch konnten die Stunden solide unterhalten – mehr allerdings auch nicht, obwohl gerade die Kampfbedingungen hier zuweilen etwas verändert wurden, was der Abwechslung zu Gute kommt und trotz schwankendem Schwierigkeitsgrad positiv auffällt. Dennoch: Etwas mehr erzählerische Tiefe, etwas mehr Details, einfach etwas mehr Story hätten hier gut getan. So bleiben die Charaktere leider sehr blass, die Story reißt nicht mit, und alles wirkt etwas abstrus. Was generell bedauerlich ist, denn die vielfältigen Charaktere und die Fusion der Welten hätte durchaus Potenzial für eine längere, unterhaltsame Geschichte – ein Potenzial, was leider nicht ausgenutzt wird. So bleibt der Story-Modus ein Synonym für das Spiel: ganz nett, aber da wäre einfach mehr drin gewesen.

Umfang
Ein überzeugender, länger unterhaltender Story-Modus wäre dabei umso wichtiger gewesen, wenn man sich ansieht, womit man sich danach noch beschäftigen kann. Hinter den Missionen befinden sich lediglich kurze Aufgaben der Art, bestimmte Angriffe oder Kombos zu erfüllen, was nicht sonderlich unterhaltsam ist und eher Trainingszwecken dient. Der Arcade-Modus enttäuscht sogar auf ganzer Linie, da er nach Abschluss lediglich  ein „Congratulations“ einblendet und die Credits abspielt – ein kurzes, charakterspezifisches Outro hätte hier meiner Meinung nach unbedingt hingehört. Wieso sollte man ihn also spielen? Die einzige Belohnung sind je ein Titel und eine alternative Farbkombination für die beiden ausgewählten Kämpfer.
Von diesen Farbkombinationen gibt es pro Kämpfer insgesamt vier, von denen zwei freigespielt werden müssen. Alternative Outfits oder auch nur Outfit-Details gibt es gar nicht im Spiel – auch dies ist eine schwache Leistung. Demgegenüber stehen immerhin 16 Kampfschauplätze – was gar nicht übel ist. Auch die Kämpferriege ist mit 30 Figuren zwar schmaler als im Vorgänger, aber dennoch im soliden Bereich, auch wenn man fast zwangsläufig nicht alle seiner Lieblinge wiederfindet – hier fällt insbesondere das Fehlen von X-Men auf.
Online ist es inzwischen so, dass ich bei mehreren Versuchen, trotz Ausweitung auf alle Regionen und Verbindungsstärken, weder Ranglisten-, noch Freundschafts- oder Anfängerkämpfe fand. So bleiben lediglich spaßige Kämpfe gegen die CPU oder Freunde – was mal ganz nett ist, aber mehr auch nicht, zumal Konkurrenzspiele generell mehr Anreiz bieten, weiterzuspielen und Abwechslung bieten nach Abschluss der Story.
Die harten Fakten:

Entwickler: Capcom Co., Ltd.:
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Menüs/Untertitel diverse (u.a. Deutsch, Englisch), Sprachausgabe Englisch
Plattformen: Playstation 4, Xbox One, PC/Steam
PC-Systemanforderungen: Windows 7 64 Bit, Intel Core i3-4160 @ 3.60GHz, 6 GB Ram, NVIDIA® GeForce® GTX 480/570/670 oder besser, DirectX 11, Steam-Account, 59 GB freier Speicherplatz
EAN: 5055060900826 (PS4), 5055060966587 (XONE), 5055060972731 (PC)
Preis: ab 24,99 EUR (PC), ab 29,99 EUR (PS4/XONE)
Bezugsquelle: Amazon sowie die jeweiligen digitalen Shops der Systeme

 
Versionen, Extras und DLCs
Neben der Standard-Edition gibt es exklusiv bei ausgewählten Händlern eine Deluxe- und eine Collector’s Edition. Erstere beinhaltet ein Steelbook und den Character Pass 2017, zweiteres enthält zusätzlich die sechs Infinity-Steine als Replik in einer Box und Figuren von Chun-Li, Mega Man, Iron Man und Captain Marvel.
Der genannte Character Pass ist einzeln als DLC zu erwerben (Listenpreis 29,99 EUR) und enthält sechs zusätzliche Charaktere inklusive eines Premiumkostüms: Sigma, Black Panther, Monster Hunter, Winter Soldier, Black Widow und Venom. Im Einzelkauf schlagen die Charaktere mit jeweils 7,99 EUR zu Buche. Zudem gibt es für alle Charaktere des Grundspiels ebenfalls ein Premiumkostüm zu erwerben, zum Preis von jeweils 3,99 EUR. Für Ryu, Mega Man, Hulk und Thor gibt es zudem ein weiteres Kostüm, welche mit je 2,99 EUR etwas günstiger sind. Die Premiumkostüme gibt es günstiger als Bundle, mit je 6 Kostümen im Set für knapp 12 EUR und mit allen 30 für knapp 30 EUR.
In Anbetracht der Tatsache, dass der Character Pass die Jahreszahl 2017 bereits im Namen trägt und der Vorgänger mit allen DLCs beziehungsweise in der Ultimate Edition satte 50 Charaktere aufzubieten hatte, ist es gut möglich, dass weitere Charaktere per DLC folgen werden.
Auf allen Plattformen gibt es übrigens eine Demo, so dass Interessierte problemlos „reinschnuppern“ können.
Fazit
Marvel vs. Capcom Infinite hat viel Potenzial im Gepäck, nutzt dies jedoch nicht aus. Die Kämpfe laufen flüssig, die Charaktere sind abwechslungsreich, dank Vereinfachungen und tiefergehenden Kombos können sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Spieler Spaß haben, und dank den Kräften der Infinity-Steine hat man eine eigene Besonderheit. Doch weder die Technik kann mit der Oberklasse mithalten, noch kann der Story-Modus es mit der Konkurrenz aufnehmen. Nach rund fünf Stunden Story-Spielzeit bleibt kaum Wiederspielwert, von netten Kämpfen gegen Freunden oder einer kurzen Partie gegen die KI abgesehen.
Für Fans der Lizenzen ein nettes Spiel, dass farbenfroh und gut spielbar ist, allerdings kaum zum Weiterspielen motiviert.

Artikelbilder: Capcom Co., Ltd.
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Gametest: Marvel vs. Capcom Infinite – voll auf die Fresse?

Gametest: Injustice 2 – Wenn wahre DC-Kunst auf Mortal Kombat trifft (WB GAMES)

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