Archiv der Kategorie: Cosplay

Smart-Gun (Aliens) selbst gebaut – Dartblaster im Cosplay

Smart-Gun (Aliens) selbst gebaut – Dartblaster im Cosplay
Auf einigen Veranstaltungen dürfen Cosplayer ihre Waffenimitationen Marke Eigenbau nicht mitführen, da sie den vorgegebenen Richtlinien nicht entsprechen. Oft darf man keine Vollholz-Bauten mitbringen, Metallteile sind bei einigen Events ganz verboten. Hier bieten Dartblaster eine valide Alternative. Dieses Mal widmen wir uns der legendären Smart-Gun aus dem Film Aliens – Die Rückkehr.
Der Film Aliens – Die Rückkehr gilt als Klassiker und wird von vielen Fans als der beste Film der Reihe gehandelt. Besonders vielen sind dabei die Colonial Marines im Gedächtnis geblieben, vor allem die taffe Latina Jenette Vasquez mit ihrer Smart-Gun. In der Science-Fiction gelten wenige Waffen als so ikonisch wie das Pulse Rifle der Marines und eben auch die Smart-Gun von Vasquez. Viele Fans und Marine-Cosplayer wollen die Smart-Gunner Drake und Vasquez cosplayen, doch wie baut man eine gute Smart-Gun selbst, wenn es keine Airsoft sein darf und der 3D-Druck zu teuer ist? Hier hilft wie so oft ein Dartblaster weiter: Die Nerf Rampage oder auch die Raider, das ältere Modell im selben Gehäuse.
Die Vorlage aus dem Film
James Cameron gestaltete die meisten Waffen selbst und legte auch bei der M56 Smart-Gun mit Hand an. Grundlage ist das deutsche Maschinengewehr MG42 der Wehrmacht aus dem zweiten Weltkrieg. Die Seitenverkleidung stammt von einer Kawasaki AR125. Es sind die Pedalraster, auf welche die Pedale geschraubt wurden. Der Haltegriff ist ebenfalls von einem Motorrad, und zwar von der Kawasaki KZ750. Es ist die linke Armatur mitsamt Knöpfen und Schaltern. Zu guter Letzt kommt noch der Abzug selbst. Dafür nahm man einen Bremshebel einer 1976 Husqvarna. Als Batterie der Waffe diente die der Edison Secret Agent-Spielzeugpistole aus den 80er Jahren. Die Gesamtlänge der Smart-Gun aus dem Film beträgt 122cm.  All diese Originalteile sind nur noch sehr schwer oder gar nicht mehr zu bekommen, und natürlich sieht die Rampage zwar ähnlich aus, trifft aber längst nicht jedes Detail.  Doch man erkennt definitiv, was es sein soll. Vor allem ist das finale Produkt nicht nur Cosplay-, sondern auch völlig LARP-tauglich.

Die Einzelteile für den Eigenbau im Überblick
Auf der Einkaufsliste stehen zunächst der Blaster selbst, die Nerf Rampage. Dann noch ein PVC-Rohr aus dem Baumarkt, ein paar rechteckige Holzbalken, schwarzer Mattlack (am besten Autolack), Silikonentferner und Elektrorohr bzw. Holzrundstäbe. Dann kommen die Kleinteile: Einen Metallwinkel (90 Grad) und diverse Schrauben werden benötigt, im Grunde lohnt sich eine ganze Schachtel. Länger als 16 mm müssen sie nicht sein. Falls man es nicht zu Hause hat, braucht man noch circa 50cm Hanfseil. Im Bau dieser Smart-Gun wurden ausschließlich 3x16mm-Schrauben benutzt. Der Durchmesser des Holzrundstabes bzw. des Elektrorohres richtet sich nach den Griffen und den Griffgummis, die man als nächstes braucht. Wer einen Sportdiscounter in der Nähe hat, geht am besten da hin, doch auch im Netz finden sich Fahrradgriffe. Man braucht drei Stück und einen Bremshebel. Für die Abzugsummantelung kann man auch das Elektrorohr benutzen oder auch Marderschutzschlauch und diesen später mit Isolierband umwickeln. Ob man für die Griffverlängerung Elektrorohr oder Holz benutzt, bleibt jedem selbst überlassen. Beides ist möglich. Zum Schluss benötigt man noch ein geringeltes schwarzes Kabel. Im Netz oder beim Elektrogeschäft in der Nachbarschaft sollte das zu finden sein. Nun sind alle Bauteile beisammen und es kann losgehen.
Das Werkzeug
Man braucht eine Handsäge (für Holz), eine Art Dremel, Schraubenzieher passend zu den Schrauben, Heißkleber und Heißklebepistole. Eine Schneidematte im A3-Format ist ebenfalls sehr hilfreich. Dazu sollte man unbedingt auch mehrere Cutter und Ersatzklingen in verschiedener Größe bereithalten. Tipp: Im Baumarkt gibt es Diamantmesserschleifer, oft an derselben Stelle wie auch Ersatzklingen für Cutter. Damit lassen sich die Einmalklingen wieder scharf schleifen und man kann die Einsatzkraft der Klingen um ein Vielfaches erhöhen. Pro Klingen schleifen statt wegwerfen – der Umwelt zuliebe. Die Ergebnisse sind natürlich die gleichen wie mit einer frischen Klinge. Schleifpapier in verschiedenen Stärken braucht man für einige Versäuberungsarbeiten und an Kanten. Am besten ist es, für den Grobschliff (zum Material abtragen) 80er-Papier zu verwenden und dann auf 120er-, 180er oder 240er-Papier zu wechseln. Den Feinschliff bekommt man dann ab 400er-Papier. Feineres Papier ist für die Zwecke und das Material hier unnötig. Als letztes braucht man noch einen Akkuschrauber und einen Bohrer, passend zu den Schrauben (hier ein 3mm-Bohraufsatz).

Der Umbau
Als erstes sägt man den Griff direkt unterhalb des Abzugs ab. Danach macht man dasselbe mit dem Pumpgriff. Die Kanten werden entgratet und glattgeschliffen, erst etwas mit 180er-Papier, dann mit 240er- und eventuell noch mit 400er-Schleifpapier.
Man nimmt ein Stück PVC-Rohr, das genau über den Aufnahmepunkt für Schaftverlängerungen passt und stülpt es darüber. Jetzt setzt man das dünnere Elektrorohr oder den Rundstab aus Holz in die Mitte ein. Das Ganze wird mit Heißkleber vorläufig fixiert und wer möchte, kann wegen des Gewichts noch Bleiband hinzufügen. Nachdem das alles sitzt, fixiert man es mit Schrauben. In diesem Beispiel wurden drei Stück genommen: Eine oben und je eine pro Seite. Damit sitzt die Verkleidung fest. Der Stab wird zusätzlich ähnlich abgesichert.
Nun steckt man den Bremshebel auf den Stab/das Elektrorohr und schneidet gegebenenfalls etwas am dicken PVC-Rohr aus. Anschließend kommt einer der Gummigriffe über das überstehende Rohr/Holz hinter dem Bremshebel. Jetzt spannt man ein Hanfseil um den Abzug und knotet es in einer Länge zusammen, dass es noch hinter den Bremshebelkopf passt. Bevor man weitermacht, sollte geprüft werden, ob man jetzt den Abzug betätigen kann, wenn man den Bremshebel zieht. Wenn das funktioniert, kommt die Abdeckung darüber. In dieser Version wurde ein Marderschutzschlauch verwendet und anschließend mit Isolierband umwickelt.
Nun kommt die Laufverlängerung. Die originale Smart-Gun misst 122 cm, also muss man das PVC-Rohr so zurechtsägen, dass die Gesamtlänge nachher passt. Ganz vorne kann man mit etwas dickerem Rohr ein etwa 8 cm langes Stück als Mündung nehmen. Dazu sollte man noch vier jeweils 1cm lange Ringe schneiden oder sägen. Die Ringe klebt man mit Sekundenkleber fest und das Stück für die Mündung kann man an verschiedenen Stellen durchbohren und auch durch halbe Löcher eine Art Krone schaffen.
Die beiden Seitenabdeckungen kann man aus Holz machen. Wer fachlich nicht versiert genug ist, um die Rundungen am Gitter hin zu bekommen, kann auch 3D-Druckteile, dünngeschnittene Elektrorohrteile oder ähnliches verwenden.
Da auf dem Original ein Infrarotgerät über dem Lauf installiert ist, kann man auch von Nerf ein taktisches Licht verwenden, welches auch auf die Schiene der Rampage passt.
Zuletzt muss man noch den Seitengriff anbringen. Dazu bohrt man ein Loch auf die linke Seite des abgesägten Pumpgriffes (am besten ganz durchbohren, bis auf die andere Seite). Nun steckt man von der rechten Seite eine lange Schraube durch und auf der anderen Seite schraubt man einen Holzstab auf. Darüber muss dann der zweite Gummigriff. Fast fertig, es fehlt noch ein Detail: Der dritte Gummigriff muss an die rechte Seite. Hier kommt der Winkel ins Spiel. Man dreht ihn um 90 Grad und schraubt ihn von unten an die Rampage. Anschließend schraubt man wieder mal einen Holzstab oder ähnliches an die vertikale Seite. Darüber zieht man dann den dritten Gummigriff. Fertig zum Lackieren! Entweder zieht man die Gummigriffe ab, montiert sie alle erst nach dem Lackieren oder umwickelt sie mit Malerkrepp.
Vorbereiten für die Lackierung
Am einfachsten ist natürlich, den Blaster ohne weitere Vorbereitungen mit Lack anzusprühen. Doch dann platzt die Farbe gerne ab, und man deckt auch nicht alle Stellen gleich gut ab. Darum sollte der Blaster zuerst auseinandergenommen und alle Teile einzeln lackiert werden. Es empfiehlt sich, Einmalhandschuhe zu tragen, um nicht das Fingerfett auf die Blasteroberfläche zu übertragen. Es gibt auch die Möglichkeit, den Blaster mühevoll abzuschleifen, doch das ist nicht nur zeitintensiv, sondern einfach nicht nötig, es sei denn, man will die Logos entfernen.
Alle Oberflächen müssen fettfrei sein. Dazu kann man sie entweder mit Spülmittel abreiben oder darin baden (nur das Gehäuse des Blasters, nicht den gesamten Blaster), oder auch mit Silikonentferner aus dem Baumarkt abwischen. Auch eine Grundierung zum besseren Halt des eigentlichen Lacks empfiehlt sich. Autolack hat bereits eine Haftgrundierung inbegriffen und hat somit eine bessere Haftung als andere Lacke. Darum benötigt man bei Autolack an sich keine Grundierung. Nutzt man andere Lacke, empfiehlt sich eine Kunststoffgrundierung. Generell sollte man mehrere dünne Schichten auftragen. Die ersten beiden Schichten decken dabei den Blaster noch nicht vollständig ab, keine Panik. Das kommt mit weiteren Schichten. Mehr als fünf Schichten sollten es jedoch nicht sein. Bereits ab drei Schichten lassen sich bewegliche Teile wie ein Schlitten oder Pumpgriff nicht mehr so leicht führen. An diesen Stellen ist weniger besser. Zusätzlich sollten diese Stellen gefettet werden, um besseres Gleiten zu ermöglichen. Dies verringert auch den Lackabrieb.
Anschließend kann man Metallakzente setzen, indem man einen breitborstigen Pinsel mit Metallfarbe benutzt. Den Pinsel streicht man nun so lange an einem Tuch ab, bis sich keine Farbe mehr löst. Jetzt ist der Pinsel „trocken“ und man kann über einige Stellen gehen. Am besten quer darüberfahren, so, als wolle man Schmutz von der Kante bürsten. Das ist die Trockenbürsttechnik (Drybrush), für Einsteiger und Fortgeschrittene gut geeignet. Andere Akzente lassen sich mit Farben aus dem Tabletopbereich gut umsetzen. Die Firma Vallejo bietet hier gute und preislich attraktive Varianten.

Die Lackierung
Man sollte sich darüber im Klaren sein, was man will. Wenn der Blaster realistisch aussehen soll, dann recherchiert man am besten im Vorfeld nach einer Vorlage. Oft ist der übermäßige Einsatz von Akzentuierungen, Trockenbürsten und ähnlichen Techniken dafür verantwortlich, dass eine Waffe nicht realistisch, sondern übertrieben komisch wirkt. Eine echte Waffe ist in den allermeisten Fällen einfach nur schwarz und die Brünierung geht auch so schnell nicht ab.
Das ist jedoch scheinbar vielen Larpern nicht realistisch genug. Natürlich gibt es mittlerweile auch Waffen, die in beispielsweise Khaki (Tarn) und Schwarz gehalten sind. Auch diese Lackierung ist somit realistisch. Steampunk und andere Settings abseits der Jetztzeit bedienen jedoch andere Maßstäbe. Dort wäre ein schwarzer Blaster eher deplatziert. Gerade im Steampunk- und Western-Genre lässt sich die Rapid Fire Tek gut integrieren. Der Ladehebel ist einfach so prägnant mit der Zeit des Wilden Westens verbunden, dass es schon fast obligatorisch ist, den Blaster entsprechend aufzubereiten.
Fotografie: Marc Baecker
Realistisches Cosplay vs. Anscheinswaffe
Natürlich ist es besonders schön, wenn man kein orangefarbenes Teil direkt vorne am Lauf hat, welches die Waffe sofort als Spielzeug erkennbar macht. Denn genau das wollen wir vermeiden: es soll möglichst realistisch aussehen und eben nicht wie ein Spielzeug. Hier gilt es, in der aktuellen Zeit von Unsicherheiten und Anschlägen ein gesundes Mittelmaß zu halten. So erspart man sich selbst, Sicherheitskräften sowie der Polizei Unannehmlichkeiten. Generell gilt: Alles, was nach einer Waffe aussieht, wird auch erst mal so behandelt. Darum sollte man alles Erdenkliche tun, um schon optisch darauf aufmerksam zu machen, dass es sich nicht um eine echte Waffe handelt.
Für die Inspektion durch Sicherheitskräfte am Einlass oder auf dem Gelände einer Convention ist es gut, wenn man die Sicherheitshinweise und auch das CE-Logo nicht abgeschliffen hat. Hier hat man nämlich den einfachsten Beweis dafür, dass es ein Spielzeug ist. Bei allem anderen ist dies schwer nachzuweisen. Auch von Vorteil ist es, wenn man ein paar Darts dabei hat, um die etwaige Funktion zu demonstrieren. Einige Veranstalter erlauben zwar nur Dartblaster, wenn keine Darts dabei sind. Doch das lässt sich alles auf der Internetseite des jeweiligen Veranstalters nachlesen.
Fazit
Mit wenig Geld im Vergleich zu anderen Alternativen kann man sich eine funktionstüchtige M56 Smart-Gun nachbauen, die der benutzten im Film sehr ähnlich sieht und die auch deren Originalmaße hat. Es muss also nicht immer Styrodur oder Worbla sein. Der Zeitaufwand liegt bei etwa 4 Stunden, wenn man so etwas noch nicht gebastelt hat.
Artikelbild (Skizze): 20th Century Fox, Paul Elder
Fotografien:  Marc Baecker
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Auf einigen Veranstaltungen dürfen Cosplayer ihre Waffenimitationen Marke Eigenbau nicht mitführen, da sie den vorgegebenen Richtlinien nicht entsprechen. Oft darf man keine Vollholz-Bauten mitbringen, Metallteile sind bei einigen Events ganz verboten. Hier bieten Dartblaster eine valide Alternative. Dieses Mal widmen wir uns der legendären Smart-Gun aus dem Film Aliens – Die Rückkehr.
Der Film Aliens – Die Rückkehr gilt als Klassiker und wird von vielen Fans als der beste Film der Reihe gehandelt. Besonders vielen sind dabei die Colonial Marines im Gedächtnis geblieben, vor allem die taffe Latina Jenette Vasquez mit ihrer Smart-Gun. In der Science-Fiction gelten wenige Waffen als so ikonisch wie das Pulse Rifle der Marines und eben auch die Smart-Gun von Vasquez. Viele Fans und Marine-Cosplayer wollen die Smart-Gunner Drake und Vasquez cosplayen, doch wie baut man eine gute Smart-Gun selbst, wenn es keine Airsoft sein darf und der 3D-Druck zu teuer ist? Hier hilft wie so oft ein Dartblaster weiter: Die Nerf Rampage oder auch die Raider, das ältere Modell im selben Gehäuse.
Die Vorlage aus dem Film
James Cameron gestaltete die meisten Waffen selbst und legte auch bei der M56 Smart-Gun mit Hand an. Grundlage ist das deutsche Maschinengewehr MG42 der Wehrmacht aus dem zweiten Weltkrieg. Die Seitenverkleidung stammt von einer Kawasaki AR125. Es sind die Pedalraster, auf welche die Pedale geschraubt wurden. Der Haltegriff ist ebenfalls von einem Motorrad, und zwar von der Kawasaki KZ750. Es ist die linke Armatur mitsamt Knöpfen und Schaltern. Zu guter Letzt kommt noch der Abzug selbst. Dafür nahm man einen Bremshebel einer 1976 Husqvarna. Als Batterie der Waffe diente die der Edison Secret Agent-Spielzeugpistole aus den 80er Jahren. Die Gesamtlänge der Smart-Gun aus dem Film beträgt 122cm.  All diese Originalteile sind nur noch sehr schwer oder gar nicht mehr zu bekommen, und natürlich sieht die Rampage zwar ähnlich aus, trifft aber längst nicht jedes Detail.  Doch man erkennt definitiv, was es sein soll. Vor allem ist das finale Produkt nicht nur Cosplay-, sondern auch völlig LARP-tauglich.

Die Einzelteile für den Eigenbau im Überblick
Auf der Einkaufsliste stehen zunächst der Blaster selbst, die Nerf Rampage. Dann noch ein PVC-Rohr aus dem Baumarkt, ein paar rechteckige Holzbalken, schwarzer Mattlack (am besten Autolack), Silikonentferner und Elektrorohr bzw. Holzrundstäbe. Dann kommen die Kleinteile: Einen Metallwinkel (90 Grad) und diverse Schrauben werden benötigt, im Grunde lohnt sich eine ganze Schachtel. Länger als 16 mm müssen sie nicht sein. Falls man es nicht zu Hause hat, braucht man noch circa 50cm Hanfseil. Im Bau dieser Smart-Gun wurden ausschließlich 3x16mm-Schrauben benutzt. Der Durchmesser des Holzrundstabes bzw. des Elektrorohres richtet sich nach den Griffen und den Griffgummis, die man als nächstes braucht. Wer einen Sportdiscounter in der Nähe hat, geht am besten da hin, doch auch im Netz finden sich Fahrradgriffe. Man braucht drei Stück und einen Bremshebel. Für die Abzugsummantelung kann man auch das Elektrorohr benutzen oder auch Marderschutzschlauch und diesen später mit Isolierband umwickeln. Ob man für die Griffverlängerung Elektrorohr oder Holz benutzt, bleibt jedem selbst überlassen. Beides ist möglich. Zum Schluss benötigt man noch ein geringeltes schwarzes Kabel. Im Netz oder beim Elektrogeschäft in der Nachbarschaft sollte das zu finden sein. Nun sind alle Bauteile beisammen und es kann losgehen.
Das Werkzeug
Man braucht eine Handsäge (für Holz), eine Art Dremel, Schraubenzieher passend zu den Schrauben, Heißkleber und Heißklebepistole. Eine Schneidematte im A3-Format ist ebenfalls sehr hilfreich. Dazu sollte man unbedingt auch mehrere Cutter und Ersatzklingen in verschiedener Größe bereithalten. Tipp: Im Baumarkt gibt es Diamantmesserschleifer, oft an derselben Stelle wie auch Ersatzklingen für Cutter. Damit lassen sich die Einmalklingen wieder scharf schleifen und man kann die Einsatzkraft der Klingen um ein Vielfaches erhöhen. Pro Klingen schleifen statt wegwerfen – der Umwelt zuliebe. Die Ergebnisse sind natürlich die gleichen wie mit einer frischen Klinge. Schleifpapier in verschiedenen Stärken braucht man für einige Versäuberungsarbeiten und an Kanten. Am besten ist es, für den Grobschliff (zum Material abtragen) 80er-Papier zu verwenden und dann auf 120er-, 180er oder 240er-Papier zu wechseln. Den Feinschliff bekommt man dann ab 400er-Papier. Feineres Papier ist für die Zwecke und das Material hier unnötig. Als letztes braucht man noch einen Akkuschrauber und einen Bohrer, passend zu den Schrauben (hier ein 3mm-Bohraufsatz).

Der Umbau
Als erstes sägt man den Griff direkt unterhalb des Abzugs ab. Danach macht man dasselbe mit dem Pumpgriff. Die Kanten werden entgratet und glattgeschliffen, erst etwas mit 180er-Papier, dann mit 240er- und eventuell noch mit 400er-Schleifpapier.
Man nimmt ein Stück PVC-Rohr, das genau über den Aufnahmepunkt für Schaftverlängerungen passt und stülpt es darüber. Jetzt setzt man das dünnere Elektrorohr oder den Rundstab aus Holz in die Mitte ein. Das Ganze wird mit Heißkleber vorläufig fixiert und wer möchte, kann wegen des Gewichts noch Bleiband hinzufügen. Nachdem das alles sitzt, fixiert man es mit Schrauben. In diesem Beispiel wurden drei Stück genommen: Eine oben und je eine pro Seite. Damit sitzt die Verkleidung fest. Der Stab wird zusätzlich ähnlich abgesichert.
Nun steckt man den Bremshebel auf den Stab/das Elektrorohr und schneidet gegebenenfalls etwas am dicken PVC-Rohr aus. Anschließend kommt einer der Gummigriffe über das überstehende Rohr/Holz hinter dem Bremshebel. Jetzt spannt man ein Hanfseil um den Abzug und knotet es in einer Länge zusammen, dass es noch hinter den Bremshebelkopf passt. Bevor man weitermacht, sollte geprüft werden, ob man jetzt den Abzug betätigen kann, wenn man den Bremshebel zieht. Wenn das funktioniert, kommt die Abdeckung darüber. In dieser Version wurde ein Marderschutzschlauch verwendet und anschließend mit Isolierband umwickelt.
Nun kommt die Laufverlängerung. Die originale Smart-Gun misst 122 cm, also muss man das PVC-Rohr so zurechtsägen, dass die Gesamtlänge nachher passt. Ganz vorne kann man mit etwas dickerem Rohr ein etwa 8 cm langes Stück als Mündung nehmen. Dazu sollte man noch vier jeweils 1cm lange Ringe schneiden oder sägen. Die Ringe klebt man mit Sekundenkleber fest und das Stück für die Mündung kann man an verschiedenen Stellen durchbohren und auch durch halbe Löcher eine Art Krone schaffen.
Die beiden Seitenabdeckungen kann man aus Holz machen. Wer fachlich nicht versiert genug ist, um die Rundungen am Gitter hin zu bekommen, kann auch 3D-Druckteile, dünngeschnittene Elektrorohrteile oder ähnliches verwenden.
Da auf dem Original ein Infrarotgerät über dem Lauf installiert ist, kann man auch von Nerf ein taktisches Licht verwenden, welches auch auf die Schiene der Rampage passt.
Zuletzt muss man noch den Seitengriff anbringen. Dazu bohrt man ein Loch auf die linke Seite des abgesägten Pumpgriffes (am besten ganz durchbohren, bis auf die andere Seite). Nun steckt man von der rechten Seite eine lange Schraube durch und auf der anderen Seite schraubt man einen Holzstab auf. Darüber muss dann der zweite Gummigriff. Fast fertig, es fehlt noch ein Detail: Der dritte Gummigriff muss an die rechte Seite. Hier kommt der Winkel ins Spiel. Man dreht ihn um 90 Grad und schraubt ihn von unten an die Rampage. Anschließend schraubt man wieder mal einen Holzstab oder ähnliches an die vertikale Seite. Darüber zieht man dann den dritten Gummigriff. Fertig zum Lackieren! Entweder zieht man die Gummigriffe ab, montiert sie alle erst nach dem Lackieren oder umwickelt sie mit Malerkrepp.
Vorbereiten für die Lackierung
Am einfachsten ist natürlich, den Blaster ohne weitere Vorbereitungen mit Lack anzusprühen. Doch dann platzt die Farbe gerne ab, und man deckt auch nicht alle Stellen gleich gut ab. Darum sollte der Blaster zuerst auseinandergenommen und alle Teile einzeln lackiert werden. Es empfiehlt sich, Einmalhandschuhe zu tragen, um nicht das Fingerfett auf die Blasteroberfläche zu übertragen. Es gibt auch die Möglichkeit, den Blaster mühevoll abzuschleifen, doch das ist nicht nur zeitintensiv, sondern einfach nicht nötig, es sei denn, man will die Logos entfernen.
Alle Oberflächen müssen fettfrei sein. Dazu kann man sie entweder mit Spülmittel abreiben oder darin baden (nur das Gehäuse des Blasters, nicht den gesamten Blaster), oder auch mit Silikonentferner aus dem Baumarkt abwischen. Auch eine Grundierung zum besseren Halt des eigentlichen Lacks empfiehlt sich. Autolack hat bereits eine Haftgrundierung inbegriffen und hat somit eine bessere Haftung als andere Lacke. Darum benötigt man bei Autolack an sich keine Grundierung. Nutzt man andere Lacke, empfiehlt sich eine Kunststoffgrundierung. Generell sollte man mehrere dünne Schichten auftragen. Die ersten beiden Schichten decken dabei den Blaster noch nicht vollständig ab, keine Panik. Das kommt mit weiteren Schichten. Mehr als fünf Schichten sollten es jedoch nicht sein. Bereits ab drei Schichten lassen sich bewegliche Teile wie ein Schlitten oder Pumpgriff nicht mehr so leicht führen. An diesen Stellen ist weniger besser. Zusätzlich sollten diese Stellen gefettet werden, um besseres Gleiten zu ermöglichen. Dies verringert auch den Lackabrieb.
Anschließend kann man Metallakzente setzen, indem man einen breitborstigen Pinsel mit Metallfarbe benutzt. Den Pinsel streicht man nun so lange an einem Tuch ab, bis sich keine Farbe mehr löst. Jetzt ist der Pinsel „trocken“ und man kann über einige Stellen gehen. Am besten quer darüberfahren, so, als wolle man Schmutz von der Kante bürsten. Das ist die Trockenbürsttechnik (Drybrush), für Einsteiger und Fortgeschrittene gut geeignet. Andere Akzente lassen sich mit Farben aus dem Tabletopbereich gut umsetzen. Die Firma Vallejo bietet hier gute und preislich attraktive Varianten.

Die Lackierung
Man sollte sich darüber im Klaren sein, was man will. Wenn der Blaster realistisch aussehen soll, dann recherchiert man am besten im Vorfeld nach einer Vorlage. Oft ist der übermäßige Einsatz von Akzentuierungen, Trockenbürsten und ähnlichen Techniken dafür verantwortlich, dass eine Waffe nicht realistisch, sondern übertrieben komisch wirkt. Eine echte Waffe ist in den allermeisten Fällen einfach nur schwarz und die Brünierung geht auch so schnell nicht ab.
Das ist jedoch scheinbar vielen Larpern nicht realistisch genug. Natürlich gibt es mittlerweile auch Waffen, die in beispielsweise Khaki (Tarn) und Schwarz gehalten sind. Auch diese Lackierung ist somit realistisch. Steampunk und andere Settings abseits der Jetztzeit bedienen jedoch andere Maßstäbe. Dort wäre ein schwarzer Blaster eher deplatziert. Gerade im Steampunk- und Western-Genre lässt sich die Rapid Fire Tek gut integrieren. Der Ladehebel ist einfach so prägnant mit der Zeit des Wilden Westens verbunden, dass es schon fast obligatorisch ist, den Blaster entsprechend aufzubereiten.
Fotografie: Marc Baecker
Realistisches Cosplay vs. Anscheinswaffe
Natürlich ist es besonders schön, wenn man kein orangefarbenes Teil direkt vorne am Lauf hat, welches die Waffe sofort als Spielzeug erkennbar macht. Denn genau das wollen wir vermeiden: es soll möglichst realistisch aussehen und eben nicht wie ein Spielzeug. Hier gilt es, in der aktuellen Zeit von Unsicherheiten und Anschlägen ein gesundes Mittelmaß zu halten. So erspart man sich selbst, Sicherheitskräften sowie der Polizei Unannehmlichkeiten. Generell gilt: Alles, was nach einer Waffe aussieht, wird auch erst mal so behandelt. Darum sollte man alles Erdenkliche tun, um schon optisch darauf aufmerksam zu machen, dass es sich nicht um eine echte Waffe handelt.
Für die Inspektion durch Sicherheitskräfte am Einlass oder auf dem Gelände einer Convention ist es gut, wenn man die Sicherheitshinweise und auch das CE-Logo nicht abgeschliffen hat. Hier hat man nämlich den einfachsten Beweis dafür, dass es ein Spielzeug ist. Bei allem anderen ist dies schwer nachzuweisen. Auch von Vorteil ist es, wenn man ein paar Darts dabei hat, um die etwaige Funktion zu demonstrieren. Einige Veranstalter erlauben zwar nur Dartblaster, wenn keine Darts dabei sind. Doch das lässt sich alles auf der Internetseite des jeweiligen Veranstalters nachlesen.
Fazit
Mit wenig Geld im Vergleich zu anderen Alternativen kann man sich eine funktionstüchtige M56 Smart-Gun nachbauen, die der benutzten im Film sehr ähnlich sieht und die auch deren Originalmaße hat. Es muss also nicht immer Styrodur oder Worbla sein. Der Zeitaufwand liegt bei etwa 4 Stunden, wenn man so etwas noch nicht gebastelt hat.
Artikelbild (Skizze): 20th Century Fox, Paul Elder
Fotografien:  Marc Baecker
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Smart-Gun (Aliens) selbst gebaut – Dartblaster im Cosplay

Ist das noch Cosplay? Von Eigenkreationen und Kleiderschrank-Cosplays

Ist das noch Cosplay? Von Eigenkreationen und Kleiderschrank-Cosplays
Bunte Perücke, Jeans und T-Shirt – fertig ist das Cosplay! Kann und darf es so einfach sein? Oder bedarf es etwas mehr, um wirklich von „Cosplay“ zu sprechen? Wer entscheidet das? Und warum? Geht es nicht eigentlich darum, Spaß mit Kostümen zu haben?
Was ist Cosplay?
Das Verständnis davon, was “Cosplay” ist, wie und in welchem Rahmen es ausgeübt wird und wer darüber entscheidet, was Cosplay sein kann, hat sich im Verlauf der Jahre verändert. Als um das Jahr 2000 herum die ersten Verkleideten auf den ersten Conventions in Deutschland unterwegs waren, die sich selbst als Cosplayer bezeichneten, war diese Form des Kostümierens „aus Japan“ etwas, was sich auf Vorlagen aus Anime, Manga und japanischen Videospielen beschränkte. Inzwischen ist die Cosplay-Szene lange nicht mehr auf diese paar Vorlagen beschränkt. Comics aus aller Herren Länder, Fernsehserien, Bücher, selbst Politiker und Kunstwerke sind als Cosplays umgesetzt worden. Was also macht ein Cosplay zum Cosplay? Nach welchen Kriterien kann man das definieren?
Abgrenzung gegen andere Kostümformen – Fasching, LARP und Mittelalter
Mit die älteste, aber immer noch weitgehend akzeptierte, Abgrenzung ist die gegenüber Karnevals- oder Faschingskostümen. Während manche Cosplayer ihre Kostüme durchaus auch zu einer Faschingsparty anziehen würden, so würde umgekehrt kaum jemand auf die Idee kommen, ein typisches Faschingskostüm als Cosplay zu bezeichnen.
Ein Argument zur Abgrenzung ist dabei immer wieder die Qualität der Kostüme. Das „typische (billige) Faschingskostüm“ aus dem Supermarkt oder Kaufhaus ist vom Material und der Machart her nicht unbedingt etwas, was Cosplayer mit ihrem Hobby assoziiert sehen wollen. Ganz überzeugend ist das allerdings ob der doch immer größeren Anzahl von China-Cosplays nicht, die in der Machart letztlich nicht viel anders sind, als die meisten gekauften Faschingskostüme.
Cosplay ist zudem nicht an eine kurze Zeit im Jahr gebunden, inzwischen wird es im Rahmen von Fotoshootings an allen Tagen des Jahres ausgeübt.
Der meist entscheidende Faktor: Cosplays haben eine konkrete Vorlage, nach der sie angefertigt werden. Ein Faschingskostüm greift regelmäßig ein paar Klischees auf, um eine halbwegs erkennbare Darstellung eines Stereotyps zu ermöglichen. Das ist einer der zentralen Unterschiede, der bei manchen Faschingskostümen aber auch durchbrochen wird – historische Personen und manche Comicfigur existieren als etabliertes Faschingskostüm und sind in dieser Form nicht wirklich anders als Cosplay. In dem Moment, in dem eine konkrete einzelne Person, sei sie historisch oder fiktiv, in Kostümform nachgeahmt wird, kann man von Cosplay sprechen.
Theater, Reenactment und andere historische oder historisierende Kostümtrends sind der andere vielgenannte Abgrenzungspunkt zum Cosplay. Hier ist oftmals ein detailliertes Studium der (historischen) Kostümvorlagen erfolgt, das der Recherche eines Cosplayers in nichts nachsteht. Besonders der Zweck der Kostümierung ist aber ein anderer, denn das Kostüm ist Teil der Theaterkulisse und stützt die Atmosphäre für das Reenactment oder die Mittelaltermärkte. Kostümierung ist aber regelmäßig nicht der zentrale Fokus für den Tragenden, der stärker daran interessiert ist, die mit dem Kostüm verbundene Rolle darzustellen.
 
Abgrenzung innerhalb der Szene
Im Gegensatz zu anderen Hobbies, die ganz unabhängig vom Cosplay entstanden sind und auch eine eigenständige Art entwickelt haben, wann und wie Kostüme zu welchen Anlässen getragen werden, sind auch Abgrenzungsprobleme innerhalb der Cosplay-Szene bekannt. Wer kann hier nach welchen Kriterien entscheiden, was „noch“ Cosplay ist?
Mein Kleiderschrank reicht mir! Das sogenannte Kleiderschrank-Cosplay
Es muss nicht immer die Nähmaschine herausgeholt und zig Stunden an einem Kostüm gearbeitet werden. Einmal in den Schrank gegriffen, hat man gerade bei Serien, die in der Gegenwart spielen, schnell passende Kleidung für den Lieblingscharakter zusammen.
Aber ist das noch Cosplay?
Manche Serien zeigen die Charaktere in Alltagskleidung, und nicht wenige Cosplayer machen sich die Mühe, gerade diese Outfits originalgetreu nachzuahmen. Da man Cosplay gerade nicht daran festmachen kann, ob die Kleidung selbstgemacht ist oder „für den Charakter“ angefertigt wurde, ist diese Spielart ganz eindeutig Cosplay. Hier wird ein Charakter aus einer Vorlage originalgetreu umgesetzt, mehr kann man dem zentralen Grundgedanken nicht entsprechen.
Umstrittener sind „Casual Version“ Eigenkreationen: Man hat eine zum Charakter passende Perücke und sucht sich Alltagskleidung zusammen, ohne eine konkrete Vorlage zu haben.
Dabei gibt es immer schon eine große Bandbreite davon, wie viel Mühe und Aufwand Cosplayer bei diesen Versionen betreiben. Als Perücken erstmals besser und günstiger verfügbar waren, gab es eine erste Welle sehr durchwachsener Kostüme dieser Art. Damals entstanden auch die ersten Debatten rund um das Thema – gerade auf den Webseiten (allen voran in Deutschland seinerzeit Animexx) waren viele Leute eher genervt davon, schlecht zusammengewürfelte Alltagskleidung kombiniert mit irgendwelchen Perücken in der Cosplay-Sektion zu finden.
Allerdings ist Aufwand und Qualität als alleiniges Kriterium, ob ein Cosplay jetzt als Cosplay angesehen wird, kaum zielführend, wie bereits in der Abgrenzung zu Faschingskostümen erwähnt. Hilfreich ist die Außenperspektive: Wenn ein Betrachter das Kostüm als spezifisches Gesamtkonzept wahrnimmt, das nicht nur als „irgendwas mit bunten Haaren“ ankommt, ist schon einiges gewonnen. Wo die Kleidung dem Hintergrund und den Vorlieben des Charakters entspricht, also wirklich ein Konzept dahinter steht, werden sich auch andere Fans über die Umsetzung freuen. Aber auch selbst als Fan wird man oft zugeben müssen: Einfache Kombinationen aus T-Shirt und Jeans begeistern eher wenig. Detailreiche Fanart-Versionen hingegen sind bei Cosplayern wie Betrachtern höchst beliebt.
Der Wiedererkennungswert des Charakters ist für so ziemlich jeden Betrachter die Messlatte. Das schließt nicht aus, dass man auch mit stark entfremdeten Versionen eines Charakters Spaß haben kann. Nur kann man nie erwarten, dass ein zufälliger Betrachter den Charakter dann in jedem Fall erkennt und im Internet große Begeisterung ausbricht, wenn man gerade Bilder von diesem Charakter in den serientypischen Outfits gesucht hat. Wer aber für sich und die eigene Clique cosplayt, dem können diese Außenbetrachtungen letztlich egal sein. Für den eigenen Spaß ist nie entscheidend, ob jemand anderes das eigene Tun so oder so kategorisiert oder gutheißt.
 
Eigenkreationen – Ist das noch Cosplay?
Ein anderer, immer wieder aufkommender Zankapfel unter Betrachtern ebenso wie aktiven Cosplayern sind Eigenkreationen. Weit über die bereits genannten Casual Versionen bekannter Charaktere hinausgehend, sind damit vollständig eigene Charaktere gemeint.
Das Entwerfen eines eigenen Charakters ist für andere Verkleidungshobbies die Grundlage, insbesondere im LARP ist das Entwerfen des zu spielenden Charakters die zentrale Vorbereitungshandlung des Spielers. Das betrifft dabei auch immer ein Konzept des Aussehens und der Kleidung, denn Kleider machen Leute: ein Bettler trägt andere Kleidung als ein Fürst, die Anforderungen an ein Science Fiction-Setting sind andere als an ein LARP, das in der römischen Antike spielt.
In der Cosplay-Szene waren mit die ersten, die eigene Charaktere „als Cosplays“ trugen, auch Rollenspieler – allerdings ging das meist aus der Text-RPG-Szene hervor.
Viele Szenezugehörige spielen schon lange textbasierte Rollenspiele über Chatrooms, Foren und eigene Text-RPG-Systeme wie auf Animexx.de. Die hierfür konzipierten und ausgespielten Charaktere werden auch gecosplayt.
Auch aus dem Computer RPG-Bereich ist das Cosplayen der „eigenen“ Charaktere bekannt. In Videospielen, die die Erstellung eines eigenen Charakters ermöglichen (also insbesondere MMORPGs), wird als Vorlage der eigene Spielercharakter genommen und umgesetzt.
Ob und inwieweit all das als „Cosplay“ angesehen wird, daran scheiden sich die Geister. Während die Umsetzung der Computerspiele-Designs, die der Charakter-Generator ja sehr weitreichend vorgibt, wohl mehrheitlich als Cosplay angesehen wird, herrscht gerade bei RPG-Charakteren aus privaten RPGs große Uneinigkeit. Dabei kommt oft der Vorwurf, hier würde halt irgendeine Verkleidung erdacht, die mit Cosplay nichts zu tun habe. Denn regelmäßig verlangt Cosplay die Umsetzung einer Vorlage. Wenn ich die Vorlage aber selber erstelle, um dieses Kostüm dann auch zu tragen, wo ist da noch der Cosplay-spezifische Charakter, gerade weil man jederzeit die „Vorlage“ an die Umsetzung anpassen kann?
Für Cosplay-Fans, die Galerien nach dem Gesichtspunkt „Cosplay“ durchsuchen oder filtern, kommt zudem noch das frustrierende Erlebnis hinzu, dass sie ggf. eine Vielzahl vollkommen unbekannter Eigencharaktere finden und nicht die Umsetzungen von Charakteren, die sie eigentlich sehen wollen.
 
Regeln von Webseiten und Communities
Genau an diesem Punkt setzt dann auch oft die Regulierung seitens der Webseitenbetreiber ein. Oftmals fordert gerade der Betrachter einer Cosplay-Sektion, dass er dort die Bilder finden kann, die er sucht. Um eine entsprechende Zufriedenheit der Betrachter zu gewährleisten, wird daher von Seiten der Betreiber in ihren Regeln erläutert, „was Cosplay ist“ – oder was „als Cosplay freigeschaltet wird“, „als Cosplay zugeordnet“ werden darf oder „in der Cosplay-Sektion angezeigt werden darf“.
Um solche Regeln entstehen meist hitzige Debatten, denn sie schließen immer einige Inhalte aus. Gerade auf Animexx wurde mehrfach an diesen Regeln herumgeschraubt und diese Debatte dabei sehr öffentlich geführt. In der aktuellen Regelversion sind alle Arten von Kostümen als Cosplays zugelassen, wenn eine Vorlagenzeichnung oder Vorlagenbeschreibung mit eingereicht wird, und die Vorlage und das Kostüm übereinstimmen. Gleichzeitig hat Animexx aber auch schon vor Jahren Bereiche geschaffen, in denen LARP-Kostüme und japanische Streetfashion-Styles wie z.B. Lolita und Decora ohne diese Vorlagenpflicht hochgeladen und ausgestellt werden dürfen. Dennoch fühlen sich fortwährend Leute dadurch benachteiligt, dass ihre Bilder nicht im Cosplay-Bereich angezeigt werden.
Als Argument dafür, dass alle Arten von Kostümen einen Platz in der Cosplay-Sektion verdient hätten, wird oft eine sehr moderne „ich kann selber entscheiden, was für mich die Definition ist“-Argumentation herangezogen. Das hat natürlich einen reizvollen Klang. Ich darf in Zeiten, in denen auch Geschlechter geändert werden können, ja hoffentlich noch entscheiden, was für mich Cosplay ist!
Und das kann man natürlich tun. Das Problem an der ganzen Sache ist aber, dass man für sich selbst auch definieren kann, dass ein Huhn jetzt Hund heißt. Verstehen tut einen dann aber keiner, wenn man davon spricht, dass der Hund letzte Woche drei Eier gelegt hat, die sehr gut zum Frühstück geschmeckt haben.
Wer für sich selbst entscheidet, dass jedes der eigenen Kostüme ein Cosplay ist, kann nicht andere dazu zwingen, diese Definition zu übernehmen, denn die anderen Leute haben das exakt selbe Recht, für sich zu definieren, dass „Cosplay“ nur die Kostüme von Anime-, Manga- und Videospielcharakteren sind.
Der Webseitenbetreiber steht genau in der Mitte dieses Deutungskonflikts – er hat zunächst meist keine eigene Meinung zu dem Thema, beziehungsweise stellt sie zurück. Aber die Wünsche der Benutzer einer Plattform formen deren Regeln. Spricht sich eine Mehrheit der Benutzer dafür aus, dass sie bestimmte Inhalte nicht in einer bestimmten Sektion verortet sehen wollen, wird der Betreiber diesen Wünschen oft entsprechen – denn eine Plattform, die aus solchen Gründen ungern genutzt wird, verliert Benutzer, und das ist für den Betreiber selten ein wünschenswertes Ergebnis.
Wer selber im Reichweiten-Spiel der größtmöglichen Sichtbarkeit in den sozialen Medien mitspielen will, muss sich regelmäßig diesen Betrachterwünschen unterordnen. Oftmals wird es in Gruppen und Communities noch viel strenger geahndet, wenn gegen die Gruppenregeln bezüglich erlaubter Inhalte und Formate verstoßen wird. Und Gruppen, die sich durch wenig Regeln auszeichnen, fallen oft wegen der damit schnell einhergehenden Beliebigkeit der Inhalte in Ungnade.
 
Wettbewerbsregeln
Von der anderen Seite auf die Szene und ihr Selbstverständnis einwirkend, sind die Regeln von Cosplay-Wettbewerben. Viele Cosplayer dürften den Satz schon gehört oder selbst gesagt haben: „Das Cosplay muss jetzt nicht DCM-tauglich sein!“ Gemeint ist damit regelmäßig: Kleine Schlampereien bei der Genauigkeit der Umsetzung und der Nähtechnik werden hingenommen, weil die Ambition damit an der deutschen Cosplay-Meisterschaft teilzunehmen nicht vorhanden ist.
Die Regelwerke der Wettbewerbe prägen schon lange das Verständnis davon, was Cosplay ist. Auf vielen Anime-/Manga-Conventions galten jahrelang für die Wettbewerbe Begrenzungen für die Herkunft der Kostümvorlage. Nur Anime, Manga und japanische Videospiele waren zugelassen. Das wirkt bis heute nach – mancher Zuschauer, der sich schon länger nicht mehr intensiv mit der Szene beschäftigt hat, fragt dann beim DCM-Finale, warum denn plötzlich Tanz der Vampire-Kostüme zulässig sind. Mancher Besucher beschwert sich auch mal darüber, was Deadpool auf einer Anime-/Manga-Con verloren hat.
Gerade Großwettbewerbe, die mit Vorentscheiden im ganzen Land oder sogar international agieren, brauchen ein faires Regelwerk, um bei all der Vielfalt, die Cosplay bietet, trotzdem eine faire Beurteilung der Wettbewerbsteilnehmer zu ermöglichen. Dabei gibt es immer auch Regeln dazu, welche Cosplays überhaupt zugelassen sind. Oftmals werden Fanarts als Vorlagen ausgeschlossen, beim World Cosplay Summit sind im Finale sogar nur Franchises zugelassen, für die die Veranstalter Lizenzen in Japan bekommen – was nicht für alle Verlage und Produktionsstudios der Fall ist!
Die Regelwerke sind aber immer nur mit Blick auf den Wettbewerb geschrieben. Auch wenn manchen Wettbewerbs-Organisatoren die Ausstrahlungswirkung ihrer Regelwerke durchaus willkommen ist, so will niemand dort eine Aussage darüber treffen, wie „richtiges“ Cosplay funktioniert oder auszusehen hat. Es geht darum nach den gegebenen Kriterien eine Vergleichbarkeit herzustellen. Und gerade in der heutigen Cosplaylandschaft gibt es eine variantenreiche Fülle von Wettbewerben, sodass man sich durchaus einen suchen kann, der dem eigenen Verständnis nahe kommt, sofern man sich überhaupt mit Cosplay im Wettbewerb befassen möchte.
Außerhalb davon können Maßstäbe aus Wettbewerben natürlich auch für andere Cosplayer zu einer erstrebenswerten Messlatte werden. Doch auch hier gilt: Niemand muss sich diesen Maßstäben unterwerfen. Die Cosplay-Polizei, die alle, die nicht ordentlich genäht haben, von der Con schmeißt, hat noch nie irgendjemand gefordert.
So bleibt es letztlich dabei, dass es für einen selber sehr offen ist, was man als Cosplay ansehen möchte. Nur inwieweit andere den eigenen Maßstäben zustimmen, ist und bleibt eine freie Entscheidung des Einzelnen. Daher werden auch weiterhin sehr unterschiedliche Verständnisse von „Cosplay“ nebeneinander existieren und ab und zu aufeinanderprallen. Um sich und andere nicht wahnsinnig zu machen, hilft da nur das Motto: Leben und leben lassen.
Artikelbild: Teilzeithelden

Bunte Perücke, Jeans und T-Shirt – fertig ist das Cosplay! Kann und darf es so einfach sein? Oder bedarf es etwas mehr, um wirklich von „Cosplay“ zu sprechen? Wer entscheidet das? Und warum? Geht es nicht eigentlich darum, Spaß mit Kostümen zu haben?
Was ist Cosplay?
Das Verständnis davon, was “Cosplay” ist, wie und in welchem Rahmen es ausgeübt wird und wer darüber entscheidet, was Cosplay sein kann, hat sich im Verlauf der Jahre verändert. Als um das Jahr 2000 herum die ersten Verkleideten auf den ersten Conventions in Deutschland unterwegs waren, die sich selbst als Cosplayer bezeichneten, war diese Form des Kostümierens „aus Japan“ etwas, was sich auf Vorlagen aus Anime, Manga und japanischen Videospielen beschränkte. Inzwischen ist die Cosplay-Szene lange nicht mehr auf diese paar Vorlagen beschränkt. Comics aus aller Herren Länder, Fernsehserien, Bücher, selbst Politiker und Kunstwerke sind als Cosplays umgesetzt worden. Was also macht ein Cosplay zum Cosplay? Nach welchen Kriterien kann man das definieren?
Abgrenzung gegen andere Kostümformen – Fasching, LARP und Mittelalter
Mit die älteste, aber immer noch weitgehend akzeptierte, Abgrenzung ist die gegenüber Karnevals- oder Faschingskostümen. Während manche Cosplayer ihre Kostüme durchaus auch zu einer Faschingsparty anziehen würden, so würde umgekehrt kaum jemand auf die Idee kommen, ein typisches Faschingskostüm als Cosplay zu bezeichnen.
Ein Argument zur Abgrenzung ist dabei immer wieder die Qualität der Kostüme. Das „typische (billige) Faschingskostüm“ aus dem Supermarkt oder Kaufhaus ist vom Material und der Machart her nicht unbedingt etwas, was Cosplayer mit ihrem Hobby assoziiert sehen wollen. Ganz überzeugend ist das allerdings ob der doch immer größeren Anzahl von China-Cosplays nicht, die in der Machart letztlich nicht viel anders sind, als die meisten gekauften Faschingskostüme.
Cosplay ist zudem nicht an eine kurze Zeit im Jahr gebunden, inzwischen wird es im Rahmen von Fotoshootings an allen Tagen des Jahres ausgeübt.
Der meist entscheidende Faktor: Cosplays haben eine konkrete Vorlage, nach der sie angefertigt werden. Ein Faschingskostüm greift regelmäßig ein paar Klischees auf, um eine halbwegs erkennbare Darstellung eines Stereotyps zu ermöglichen. Das ist einer der zentralen Unterschiede, der bei manchen Faschingskostümen aber auch durchbrochen wird – historische Personen und manche Comicfigur existieren als etabliertes Faschingskostüm und sind in dieser Form nicht wirklich anders als Cosplay. In dem Moment, in dem eine konkrete einzelne Person, sei sie historisch oder fiktiv, in Kostümform nachgeahmt wird, kann man von Cosplay sprechen.
Theater, Reenactment und andere historische oder historisierende Kostümtrends sind der andere vielgenannte Abgrenzungspunkt zum Cosplay. Hier ist oftmals ein detailliertes Studium der (historischen) Kostümvorlagen erfolgt, das der Recherche eines Cosplayers in nichts nachsteht. Besonders der Zweck der Kostümierung ist aber ein anderer, denn das Kostüm ist Teil der Theaterkulisse und stützt die Atmosphäre für das Reenactment oder die Mittelaltermärkte. Kostümierung ist aber regelmäßig nicht der zentrale Fokus für den Tragenden, der stärker daran interessiert ist, die mit dem Kostüm verbundene Rolle darzustellen.
 
Abgrenzung innerhalb der Szene
Im Gegensatz zu anderen Hobbies, die ganz unabhängig vom Cosplay entstanden sind und auch eine eigenständige Art entwickelt haben, wann und wie Kostüme zu welchen Anlässen getragen werden, sind auch Abgrenzungsprobleme innerhalb der Cosplay-Szene bekannt. Wer kann hier nach welchen Kriterien entscheiden, was „noch“ Cosplay ist?
Mein Kleiderschrank reicht mir! Das sogenannte Kleiderschrank-Cosplay
Es muss nicht immer die Nähmaschine herausgeholt und zig Stunden an einem Kostüm gearbeitet werden. Einmal in den Schrank gegriffen, hat man gerade bei Serien, die in der Gegenwart spielen, schnell passende Kleidung für den Lieblingscharakter zusammen.
Aber ist das noch Cosplay?
Manche Serien zeigen die Charaktere in Alltagskleidung, und nicht wenige Cosplayer machen sich die Mühe, gerade diese Outfits originalgetreu nachzuahmen. Da man Cosplay gerade nicht daran festmachen kann, ob die Kleidung selbstgemacht ist oder „für den Charakter“ angefertigt wurde, ist diese Spielart ganz eindeutig Cosplay. Hier wird ein Charakter aus einer Vorlage originalgetreu umgesetzt, mehr kann man dem zentralen Grundgedanken nicht entsprechen.
Umstrittener sind „Casual Version“ Eigenkreationen: Man hat eine zum Charakter passende Perücke und sucht sich Alltagskleidung zusammen, ohne eine konkrete Vorlage zu haben.
Dabei gibt es immer schon eine große Bandbreite davon, wie viel Mühe und Aufwand Cosplayer bei diesen Versionen betreiben. Als Perücken erstmals besser und günstiger verfügbar waren, gab es eine erste Welle sehr durchwachsener Kostüme dieser Art. Damals entstanden auch die ersten Debatten rund um das Thema – gerade auf den Webseiten (allen voran in Deutschland seinerzeit Animexx) waren viele Leute eher genervt davon, schlecht zusammengewürfelte Alltagskleidung kombiniert mit irgendwelchen Perücken in der Cosplay-Sektion zu finden.
Allerdings ist Aufwand und Qualität als alleiniges Kriterium, ob ein Cosplay jetzt als Cosplay angesehen wird, kaum zielführend, wie bereits in der Abgrenzung zu Faschingskostümen erwähnt. Hilfreich ist die Außenperspektive: Wenn ein Betrachter das Kostüm als spezifisches Gesamtkonzept wahrnimmt, das nicht nur als „irgendwas mit bunten Haaren“ ankommt, ist schon einiges gewonnen. Wo die Kleidung dem Hintergrund und den Vorlieben des Charakters entspricht, also wirklich ein Konzept dahinter steht, werden sich auch andere Fans über die Umsetzung freuen. Aber auch selbst als Fan wird man oft zugeben müssen: Einfache Kombinationen aus T-Shirt und Jeans begeistern eher wenig. Detailreiche Fanart-Versionen hingegen sind bei Cosplayern wie Betrachtern höchst beliebt.
Der Wiedererkennungswert des Charakters ist für so ziemlich jeden Betrachter die Messlatte. Das schließt nicht aus, dass man auch mit stark entfremdeten Versionen eines Charakters Spaß haben kann. Nur kann man nie erwarten, dass ein zufälliger Betrachter den Charakter dann in jedem Fall erkennt und im Internet große Begeisterung ausbricht, wenn man gerade Bilder von diesem Charakter in den serientypischen Outfits gesucht hat. Wer aber für sich und die eigene Clique cosplayt, dem können diese Außenbetrachtungen letztlich egal sein. Für den eigenen Spaß ist nie entscheidend, ob jemand anderes das eigene Tun so oder so kategorisiert oder gutheißt.
 
Eigenkreationen – Ist das noch Cosplay?
Ein anderer, immer wieder aufkommender Zankapfel unter Betrachtern ebenso wie aktiven Cosplayern sind Eigenkreationen. Weit über die bereits genannten Casual Versionen bekannter Charaktere hinausgehend, sind damit vollständig eigene Charaktere gemeint.
Das Entwerfen eines eigenen Charakters ist für andere Verkleidungshobbies die Grundlage, insbesondere im LARP ist das Entwerfen des zu spielenden Charakters die zentrale Vorbereitungshandlung des Spielers. Das betrifft dabei auch immer ein Konzept des Aussehens und der Kleidung, denn Kleider machen Leute: ein Bettler trägt andere Kleidung als ein Fürst, die Anforderungen an ein Science Fiction-Setting sind andere als an ein LARP, das in der römischen Antike spielt.
In der Cosplay-Szene waren mit die ersten, die eigene Charaktere „als Cosplays“ trugen, auch Rollenspieler – allerdings ging das meist aus der Text-RPG-Szene hervor.
Viele Szenezugehörige spielen schon lange textbasierte Rollenspiele über Chatrooms, Foren und eigene Text-RPG-Systeme wie auf Animexx.de. Die hierfür konzipierten und ausgespielten Charaktere werden auch gecosplayt.
Auch aus dem Computer RPG-Bereich ist das Cosplayen der „eigenen“ Charaktere bekannt. In Videospielen, die die Erstellung eines eigenen Charakters ermöglichen (also insbesondere MMORPGs), wird als Vorlage der eigene Spielercharakter genommen und umgesetzt.
Ob und inwieweit all das als „Cosplay“ angesehen wird, daran scheiden sich die Geister. Während die Umsetzung der Computerspiele-Designs, die der Charakter-Generator ja sehr weitreichend vorgibt, wohl mehrheitlich als Cosplay angesehen wird, herrscht gerade bei RPG-Charakteren aus privaten RPGs große Uneinigkeit. Dabei kommt oft der Vorwurf, hier würde halt irgendeine Verkleidung erdacht, die mit Cosplay nichts zu tun habe. Denn regelmäßig verlangt Cosplay die Umsetzung einer Vorlage. Wenn ich die Vorlage aber selber erstelle, um dieses Kostüm dann auch zu tragen, wo ist da noch der Cosplay-spezifische Charakter, gerade weil man jederzeit die „Vorlage“ an die Umsetzung anpassen kann?
Für Cosplay-Fans, die Galerien nach dem Gesichtspunkt „Cosplay“ durchsuchen oder filtern, kommt zudem noch das frustrierende Erlebnis hinzu, dass sie ggf. eine Vielzahl vollkommen unbekannter Eigencharaktere finden und nicht die Umsetzungen von Charakteren, die sie eigentlich sehen wollen.
 
Regeln von Webseiten und Communities
Genau an diesem Punkt setzt dann auch oft die Regulierung seitens der Webseitenbetreiber ein. Oftmals fordert gerade der Betrachter einer Cosplay-Sektion, dass er dort die Bilder finden kann, die er sucht. Um eine entsprechende Zufriedenheit der Betrachter zu gewährleisten, wird daher von Seiten der Betreiber in ihren Regeln erläutert, „was Cosplay ist“ – oder was „als Cosplay freigeschaltet wird“, „als Cosplay zugeordnet“ werden darf oder „in der Cosplay-Sektion angezeigt werden darf“.
Um solche Regeln entstehen meist hitzige Debatten, denn sie schließen immer einige Inhalte aus. Gerade auf Animexx wurde mehrfach an diesen Regeln herumgeschraubt und diese Debatte dabei sehr öffentlich geführt. In der aktuellen Regelversion sind alle Arten von Kostümen als Cosplays zugelassen, wenn eine Vorlagenzeichnung oder Vorlagenbeschreibung mit eingereicht wird, und die Vorlage und das Kostüm übereinstimmen. Gleichzeitig hat Animexx aber auch schon vor Jahren Bereiche geschaffen, in denen LARP-Kostüme und japanische Streetfashion-Styles wie z.B. Lolita und Decora ohne diese Vorlagenpflicht hochgeladen und ausgestellt werden dürfen. Dennoch fühlen sich fortwährend Leute dadurch benachteiligt, dass ihre Bilder nicht im Cosplay-Bereich angezeigt werden.
Als Argument dafür, dass alle Arten von Kostümen einen Platz in der Cosplay-Sektion verdient hätten, wird oft eine sehr moderne „ich kann selber entscheiden, was für mich die Definition ist“-Argumentation herangezogen. Das hat natürlich einen reizvollen Klang. Ich darf in Zeiten, in denen auch Geschlechter geändert werden können, ja hoffentlich noch entscheiden, was für mich Cosplay ist!
Und das kann man natürlich tun. Das Problem an der ganzen Sache ist aber, dass man für sich selbst auch definieren kann, dass ein Huhn jetzt Hund heißt. Verstehen tut einen dann aber keiner, wenn man davon spricht, dass der Hund letzte Woche drei Eier gelegt hat, die sehr gut zum Frühstück geschmeckt haben.
Wer für sich selbst entscheidet, dass jedes der eigenen Kostüme ein Cosplay ist, kann nicht andere dazu zwingen, diese Definition zu übernehmen, denn die anderen Leute haben das exakt selbe Recht, für sich zu definieren, dass „Cosplay“ nur die Kostüme von Anime-, Manga- und Videospielcharakteren sind.
Der Webseitenbetreiber steht genau in der Mitte dieses Deutungskonflikts – er hat zunächst meist keine eigene Meinung zu dem Thema, beziehungsweise stellt sie zurück. Aber die Wünsche der Benutzer einer Plattform formen deren Regeln. Spricht sich eine Mehrheit der Benutzer dafür aus, dass sie bestimmte Inhalte nicht in einer bestimmten Sektion verortet sehen wollen, wird der Betreiber diesen Wünschen oft entsprechen – denn eine Plattform, die aus solchen Gründen ungern genutzt wird, verliert Benutzer, und das ist für den Betreiber selten ein wünschenswertes Ergebnis.
Wer selber im Reichweiten-Spiel der größtmöglichen Sichtbarkeit in den sozialen Medien mitspielen will, muss sich regelmäßig diesen Betrachterwünschen unterordnen. Oftmals wird es in Gruppen und Communities noch viel strenger geahndet, wenn gegen die Gruppenregeln bezüglich erlaubter Inhalte und Formate verstoßen wird. Und Gruppen, die sich durch wenig Regeln auszeichnen, fallen oft wegen der damit schnell einhergehenden Beliebigkeit der Inhalte in Ungnade.
 
Wettbewerbsregeln
Von der anderen Seite auf die Szene und ihr Selbstverständnis einwirkend, sind die Regeln von Cosplay-Wettbewerben. Viele Cosplayer dürften den Satz schon gehört oder selbst gesagt haben: „Das Cosplay muss jetzt nicht DCM-tauglich sein!“ Gemeint ist damit regelmäßig: Kleine Schlampereien bei der Genauigkeit der Umsetzung und der Nähtechnik werden hingenommen, weil die Ambition damit an der deutschen Cosplay-Meisterschaft teilzunehmen nicht vorhanden ist.
Die Regelwerke der Wettbewerbe prägen schon lange das Verständnis davon, was Cosplay ist. Auf vielen Anime-/Manga-Conventions galten jahrelang für die Wettbewerbe Begrenzungen für die Herkunft der Kostümvorlage. Nur Anime, Manga und japanische Videospiele waren zugelassen. Das wirkt bis heute nach – mancher Zuschauer, der sich schon länger nicht mehr intensiv mit der Szene beschäftigt hat, fragt dann beim DCM-Finale, warum denn plötzlich Tanz der Vampire-Kostüme zulässig sind. Mancher Besucher beschwert sich auch mal darüber, was Deadpool auf einer Anime-/Manga-Con verloren hat.
Gerade Großwettbewerbe, die mit Vorentscheiden im ganzen Land oder sogar international agieren, brauchen ein faires Regelwerk, um bei all der Vielfalt, die Cosplay bietet, trotzdem eine faire Beurteilung der Wettbewerbsteilnehmer zu ermöglichen. Dabei gibt es immer auch Regeln dazu, welche Cosplays überhaupt zugelassen sind. Oftmals werden Fanarts als Vorlagen ausgeschlossen, beim World Cosplay Summit sind im Finale sogar nur Franchises zugelassen, für die die Veranstalter Lizenzen in Japan bekommen – was nicht für alle Verlage und Produktionsstudios der Fall ist!
Die Regelwerke sind aber immer nur mit Blick auf den Wettbewerb geschrieben. Auch wenn manchen Wettbewerbs-Organisatoren die Ausstrahlungswirkung ihrer Regelwerke durchaus willkommen ist, so will niemand dort eine Aussage darüber treffen, wie „richtiges“ Cosplay funktioniert oder auszusehen hat. Es geht darum nach den gegebenen Kriterien eine Vergleichbarkeit herzustellen. Und gerade in der heutigen Cosplaylandschaft gibt es eine variantenreiche Fülle von Wettbewerben, sodass man sich durchaus einen suchen kann, der dem eigenen Verständnis nahe kommt, sofern man sich überhaupt mit Cosplay im Wettbewerb befassen möchte.
Außerhalb davon können Maßstäbe aus Wettbewerben natürlich auch für andere Cosplayer zu einer erstrebenswerten Messlatte werden. Doch auch hier gilt: Niemand muss sich diesen Maßstäben unterwerfen. Die Cosplay-Polizei, die alle, die nicht ordentlich genäht haben, von der Con schmeißt, hat noch nie irgendjemand gefordert.
So bleibt es letztlich dabei, dass es für einen selber sehr offen ist, was man als Cosplay ansehen möchte. Nur inwieweit andere den eigenen Maßstäben zustimmen, ist und bleibt eine freie Entscheidung des Einzelnen. Daher werden auch weiterhin sehr unterschiedliche Verständnisse von „Cosplay“ nebeneinander existieren und ab und zu aufeinanderprallen. Um sich und andere nicht wahnsinnig zu machen, hilft da nur das Motto: Leben und leben lassen.
Artikelbild: Teilzeithelden

Quelle: www.teilzeithelden.de Ist das noch Cosplay? Von Eigenkreationen und Kleiderschrank-Cosplays

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Quelle: www.teilzeithelden.de Kurzcheck: 111 Gründe, Rollenspiel zu lieben (Andreas Michels) – Eine Hommage an Würfel, Schwert und Raumanzug.