Archiv der Kategorie: Con

Eine Orga stellt sich vor – Interview mit der Dark-World-Orga

Eine Orga stellt sich vor – Interview mit der Dark-World-Orga
Immer mehr Cons werden immer größer. 200-300 Teilnehmer sind keine Seltenheit mehr. Die Dark-World-Orga ist eine davon. Wir haben sie uns geschnappt und sie zu Themen wie Zielsetzung, Ausstattungsniveau und ihr Konzept befragt. Wächst den Großcons Konkurrenz heran? Findet es hier heraus.
Deutschland hat die größten LARP-Veranstaltungen der Welt. Mit dem Drachenfest und dem ConQuest aber auch mit dem Epic Empires gibt es Conreihen, die weit jenseits der 1000 Spieler-Marke liegen. Doch zwischen den Großveranstaltungen und den Kleinst-LARPs mit 12-20 Teilnehmern gibt es jede Menge Platz für Konzepte jeglicher Couleur. Sowohl die Endzeit-Cons der Lost-Ideas–Orga als auch die Broken-Crown-Kampagne spielen in diesem mittelgroßen Umfeld mit. Mehrere hundert Teilnehmer sind auch für sie nichts Außergewöhnliches. Eine der noch nicht ganz so bekannten Conreihen, die allerdings in den letzten Jahren stetig gewachsen ist, ist die Dark-Worlds-Reihe. Düstere Fantasy, mehr Konsequenz, Vielfalt in der Möglichkeit sich einzubringen. Das verspricht die nun schon  fünf Jahre alte Kampagne, deren Hintergrund auf Geschichten von E. Wehrheim beruht. Doch wie sieht die Orga sich selbst und ihre Arbeit? Was tun sie und warum tun sie es? Dies sind die Fragen, die wir versucht haben, in unserem Interview mit ihnen herauszufinden.
Erfahrungen und Grundlegendes
Teilzeithelden: Hallo und danke, dass ihr euch Zeit nehmt für unsere Fragen. Stellt euch doch am besten einfach einmal kurz als Orga vor. Wer seid ihr?
Dark-World-Orga: Sehr gerne doch. Unsere Orga besteht aus knapp einem Dutzend engagierter Menschen, die zum Teil auch Mitglieder des Vereins Grüne Welten e. V. sind, welcher als Veranstalter der Con auftritt. Dabei hat ein jeder seine festen Aufgaben. Bettina kümmert sich zum Beispiel um die Kasse, Karten und Verpflegung, Moritz ist für die NSC-Betreuung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig und Eric als unser Orga-Head gibt Zuckerbrot und Peitsche damit alles wie geplant läuft. Das klappt natürlich nicht immer, wie jeder weiß, der einmal eine Con organisiert hat, aber wir arbeiten gut als Team zusammen, um dennoch das Beste rauszuholen. Bisher haben wir noch immer eine Lösung gefunden.
Teilzeithelden: Das glaube ich gern. Bringt ihr denn bereits Orga-Erfahrungen mit oder sind die Dark-Worlds-LARPs eure „Erstlingswerke“?
Dark-World-Orga: Wir kommen aus allen möglichen Genres und Sparten. Seien es nun Fantasy, Endzeit bis hin zum Vampire-Live. Wir haben dabei in der IT- und OT-Planung von Cons, als Orga, NSC und SL – und natürlich auch als Spieler selbst Erfahrungen gesammelt. Du siehst, wir machen das Ganze nicht erst seit gestern. Zusätzlich helfen Erfahrungen aus unserem Berufsleben im Veranstaltungs- und Projektmanagment bei der Planung und Struktur der Cons sehr.
Teilzeithelden: Nicht seit gestern ist ein gutes Stichwort, wie lange gibt es euch denn schon?
Dark-World-Orga: Angefangen haben wir die Dark World-Conreihe 2012. Bereits in den Jahren zuvor gab es aber schon kleine Einzel-Cons die später zum Hintergrund der DW beitrugen.
Teilzeithelden: Worum geht es denn eigentlich genau bei eurer Con-Reihe? Sie heißt ja, die „Siegelkriege“. Ich nehme also an, dass dort viel gekämpft wird?
Dark-World-Orga: Bei der Dark World geht es um den Krieg der Götter, um den Glauben an sie und damit ihr Überleben. Neben den Fraktionen von Licht und Dunkelheit – mit den Göttern Ulthor und Voltan – haben sich im Spiel eigene Lager um die Götter gesammelt, die eine dritte Position vertreten, zum Beispiel um Frostmaris, die Göttin des Eisfeuers, und Vrakaz, der Gott des Todes.
Aufgebaut ist die DW also in verschiedene Lager, die ihrem jeweiligen Gott und seinem Credo folgen, und auch in solche, die keinen Gott haben, wie das Blutheerlager der Orks, die neutrale Stadt Ehrengard und das Lager der Nemephin, einem unserer NSC-Völker.
Der Kriegszyklus wird entschieden über das Sammeln von Siegelscheiben, die in versteckten und eingeleiteten Plots, sowie in weiteren Aufgaben und Herausforderungen erspielt werden können.
Und das Ganze in einer detailreichen Hintergrundwelt, im Freispiel und einer großen Kampagne.
Teilzeithelden: Das klingt ja schon ganz ordentlich ausgearbeitet und vielfältig. Kann man Dark World dann eigentlich schon bereits als Groß-Conreihe bezeichnen?
Dark-World-Orga: Als Groß-Con sicher noch nicht, wenn man zu anderen Veranstaltung in der Teilnehmerzahl blickt. Wir sind eher in dem Bereich der „Mittleren Cons“ unterwegs, wenn man so will. Vorerst haben wir uns ein Maximum von 660 Teilnehmern gesetzt. Allerdings möchten wir in Zukunft mit unserem Team aus SL und NSCs auch darüber hinaus planen. Aber alles zu seiner Zeit.
Immerhin, da die Con so gut über die Jahre angenommen wurde, haben wir uns einen Geländewechsel leisten können, von 2016 auf 2017, und hatten sogar noch das Glück dabei einen Teilnehmerzuwachs verzeichnen zu können.

Spielphilosophie und Regelwerk
Teilzeithelden: Das freut doch. Auf was muss ich mich denn als potentieller Teilnehmer bei euch einstellen? Gibt es Regelwerk oder spielt ihr nach DKWDDK?
Dark-World-Orga: Was wir auf der DW spielen, nennen wir „Freispiel“. Das sind im Grunde Elemente aus dem DKWDDK zusammen mit einem Leitfaden, um das Grundsätzliche zu klären. Einzige Ausnahme auf der Con sind ein paar NSC-Rollen, die ein limitiertes Fähigkeiten-Set haben, das auf den Charakter zugeschnitten ist und bei dem darauf geachtet wird, dass diese gut darstellbar sind und ohne OT-Telling auskommen.
Wie gesagt sprechen wir vom „Freispiel“ auf unserer Con, was wir uns groß auf die Fahne schreiben. Es geht uns dabei darum, ohne Zwang durch Punkte und Wertesysteme, einfach, schön und möglichst realistisch spielen zu können.
Natürlich sind wir dabei auf die Fairness der Teilnehmer angewiesen. Das klappt bisher aber ganz gut. Wenn es einmal Unstimmigkeiten geben sollte, haben wir unser zweiköpfiges Moderatoren-Team, das mit den Spielern offene Fragen klärt.
Teilzeithelden: Das heißt, ihr seid von der Spielphilosophie eher offen angelegt? Wie genau würdet ihr diese denn beschreiben?
Dark-World-Orga: Freispiel unter möglichst realen Bedingungen, ohne die Zwänge durch Regelwerk-Balancing oder Punktewertesysteme. Der Kreativität und der Fantasie der Teilnehmer wird hier Respekt gezollt und freien Lauf gelassen, wenn alle sich ihrer Verantwortung und ihrer Pflicht gegenüber ihren Mitspielern im Klaren sind und sie beachten.
Teilzeithelden: Was haltet ihr von den aktuellen Entwicklungen im LARP? Das immer internationaler werden/die Integration von Nordic-LARP-Elementen etc. Werde ich sowas bei euch auch finden?
Dark-World-Orga: Für den Trend zum Nordic-LARP und zur tieferen Auseinandersetzung mit dem Rollenspiel können wir uns total begeistern.
Als Beispiel unser Anliegen, das OT-Telling und Punktegeschreie auf unserer Con ganz rauszunehmen, um den Spielfluss nach Möglichkeit nicht zu stören.
Wir persönlich halten die Entwicklung für sehr gut und freuen uns immer, wenn wir, wie in den vergangenen Jahren schon, Larper aus anderen Ländern bei uns begrüßen dürfen. Das kann nur eine kulturelle Bereicherung sein und zur Weiterentwicklung im Allgemeinen beitragen. Außerdem gehört die Förderung der Völkerverständigung auch OT zu unseren Vereinsgrundsätzen.
Mitwirkung: Erwünscht
Teilzeithelden: Ich möchte gern noch einmal darauf zurückkommen, was mich als potentieller Teilnehmer auf euren Cons erwartet. Könnt ihr kurz und knackig zusammenfassen, was für eine Welt und Möglichkeiten ich habe, bei euch mitzuwirken?
Dark-World-Orga: Es wartet eine detaillierte Spielwelt, die noch viel zu entdecken bereit hält, eine bewegte Geschichte im Kampagnenmodus und für dich als Teilnehmer die Möglichkeit durch deine eigenen Handlungen den Spielverlauf aktiv mitzugestalten und die Geschichte der Dark World zu schreiben.
Hierbei spielt für uns die ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeit aller eine wichtige Rolle. Nur dank dem Feedback und der Unterstützung durch Spieler wie durch unser Team hinter den Kulissen der Con konnten wir es bis hier hin gemeinsam schaffen. An dieser Stelle möchten wir auch die Gelegenheit nutzen, diesem ein dickes Danke dafür zu senden.
Teilzeithelden: Das heißt, ich habe als Spieler die Möglichkeit, die Spielwelt mitzuformen? Wie funktioniert das?
Dark-World-Orga: Du kannst uns gerne Geschichten deines Charakters von der Con schicken. Manche laden wir dann auch auf unserer Homepage hoch. Auf Basis der Geschichten arbeiten wir Plots aus, die wir auch mal auf eine Gruppe oder Person als kleinen Mini-Plot zuschneiden.
Wichtig ist uns auch dein Feedback zur Con im Forum. Wir gehen im Forum darauf ein und nehmen die Infos mit in unsere Besprechungen, um Con und Konzept weiter zu verbessern. Grundsätzlich versuchen wir, allen Input, den wir bekommen, irgendwie mit einfließen zu lassen. Das funktioniert natürlich nicht immer, denn nicht alles passt zueinander, aber wer sich einbringen möchte, kann das bei uns gerne tun.
Zusammen mit den NSC und Spielern entwickeln wir also die Geschichte des Folgejahres weiter. Von beiden Seiten gibt man uns Feedback und schickt IT-Geschichten des Charakters auf der Con zu uns. Zusammen mit den Ergebnissen der verschiedenen Plots spinnen wir dann die Geschichte weiter.
Wo es hingeht, finden wir also zusammen mit den Teilnehmern der Con raus. Wir als Team sind jedenfalls sehr motiviert, die Con-Reihe noch einige Jahre fortzusetzen und planen entsprechend weiter. Das Gelände haben wir uns für die nächsten Jahre bereits gesichert.
Do you want to know more?
Teilzeithelden: Okay, aber vielleicht möchte ich ja lieber NSC sein. Ich selbst bin beispielsweise weitaus öfter als NSC unterwegs als als SC. Was kann ich da bei euch finden? Bin ich nur Prügel-NSC? Immerhin bespielt ihr ein Kriegs-Setting.
Dark-World-Orga: Auf keinen Fall! Wir legen bei unseren NSC großen Wert auf Rollenspiel und Darstellung. Daher arbeiten wir die NSC-Rollen möglichst intensiv mit dem Darsteller aus, um interessante Charaktere zu schaffen, die ebenfalls eine Geschichte zu erzählen haben, mit Gründen und Motiven für ihr Handeln. Wir sprechen hier vom „NSC-Freispiel“. Eine möglichst freie und charakterkonsequente Darstellung der Rolle unter dem Aspekt der Förderung des Spiels und der Schaffung von Spielangeboten durch NSC.
Wer bei uns nicht kämpfen möchte, muss das natürlich auch nicht. Wir halten aber auch keinen davon ab. NSC erweitern das Bild der Con – von der untoten Kriegerin bis hin zu Ambiente-Charakteren – und sind Teil der gemeinsam bespielten Hintergrundwelt.
Teilzeithelden: Das klingt vielversprechend. Finde ich bei euch, jetzt mal unabhängig davon, ob ich SC oder NSC machen würde, auch irgendwelche Informationen im Vorfeld zur Con? Guides oder sonstiges die mich auf das Spiel und die Hintergrundwelt vorbereiten?
Dark-World-Orga: Natürlich gibt es Informationen für Spieler und NSC von unserer Seite.
Wir haben auf der Homepage und im Forum unsere Leitfäden online gestellt, die beschreiben wie wir bestimmte Situationen auf Con handeln. Im Handlungsleitfaden findest du die allgemeine Handlung auf der Con und die Basics des Freispiels sowie alle notwendigen OT-Infos.
Der Kampfleitfaden beschreibt, wie wir uns ein faires Kampfspiel vorstellen und wie Belagerungen ablaufen sowie die Auflagen, die wir für den Kulissenbau haben. Im Erweiterungsleitfaden findest du die Darstellung und Ideen der Con für Alchemie, Magie, Dieben und so weiter.
Unsere NSC und SL bekommen neben einem Rollenbriefing auch eines zur Darstellung und dem Freispiel auf der Con und entsprechende Schulungen für ihren Aufgabenbereich.
Teilzeithelden: Gibt es ein Ausstattungsniveau, an das ich mich als Teilnehmer richten muss und falls ja, wie sieht dieses aus?
Dark-World-Orga: Basis ist eigentlich, dass der Charakter und damit auch seine Gewandung dem mittelalterlichen Fantasybereich zuzuordnen ist. Die Unterkunft sollte in einem IT-gerechten Zelt sein und eine larptaugliche Waffe hilft beim Überleben. Die Spielerlager haben sehr unterschiedliche Konzepte, daher ist hier eine allgemeine Antwort schwierig. Neuen Teilnehmern wird aber innerhalb der Lager geholfen, sich möglichst gut zu Recht zu finden. Hier können wir dir immer die internen Lagerforen empfehlen.
Für die einfache NSC-Rolle reichen auch passende Schuhe, Hemd und Hose. Den Rest für die jeweiligen Rollen stellen wir dann vor Ort. Dafür haben wir den Fundus und unsere Schneiderin Atra von Art-Dracura, die fast alle unsere NSC ausstattet und die Gewandungen entwirft.
Mit unseren NSC-Gewandungen bieten wir Vorbildmöglichkeiten – vom Low-Level-Standard bis zur maßgeschneiderten Gewandung.

Hard Facts
Teilzeithelden: Wenn ich mich jetzt anmelden wollte? Wann ist denn eigentlich die nächste Veranstaltung von euch? Was sind die harten Fakten?
Dark-World-Orga: Die Con findet vom 30.05.2018 bis 03.06.2018, also von Mittwoch bis Sonntag, statt. Frühanreise ist ab Dienstag, den 29. Mai ab 10 Uhr, möglich. Ab 2018 ist diese damit einen Contag länger als in den Jahren zuvor – zum gleichen Preis! Es wird eine Verpflegung für SC und NSC angeboten, zwei InTime-Tavernen und weitere Händlerangebote vor Ort. 24 h warme Duschen und Sanitär-Anlagen in ausreichender Menge, die täglich gereinigt werden. Außerdem zwei Wasserstellen zum Wasserholen und Geschirrspülen. Ausreichende Parkplätze für Fahrzeuge bis 10 Tonnen sind auch direkt am Rand des Spielgeländes außer Sicht vorhanden.
Insgesamt haben wir 10 Lager mit unterschiedlichen Lagerkonzepten und 24Stunden-IT-Spielangebot. Über die einzelnen Lager kann man sich auf unserer Homepage schlau machen. Viel mehr möchten wir eigentlich nicht verraten, da wir die Teilnehmer natürlich auch etwas überraschen wollen.
Teilzeithelden: Wo ihr es schon erwähnt, ich weiß, über Geld spricht man nicht, aber… wie hoch ist eigentlich der Preis für eure Veranstaltung und was kann ich dafür erwarten?
Dark-World-Orga: Im Vorverkauf liegen unsere Spielerkarten bei 49,00 € und sind gestaffelt bis zum Conzahlerpreis von 130,00 € vor Ort am Check-In. Bei den NSC starten wir im Vorverkauf bei 29,00 € und landen bei 80,00 € an der Con-Kasse. Natürlich bieten wir auch Gruppenrabatte an. Die aktuelle Staffel findest du in unserem Shop bei den jeweiligen Karten.
Darüber hinaus kannst du neben unseren extra für uns geprägten Münzsets auch einen Platz zum Übernachten im Gruppenzelt buchen oder eine Vollverpflegung durch unsere Küche, vor Ort betreut durch den Methändler und Tavernenwirt Markus Mailänder.
Auf der Con hast du die Möglichkeit in der neutralen Stadt Ehrengard bei unseren Händlern und Handwerkern deine Ausrüstung aufzustocken. Sonst stehen dir noch die Taverne „Metmönch“ in Ehrengard und „Bertas Inn“ in Schattenhain mit Mailänder-Met und anderem offen.
Teilzeithelden: Vielen Dank für eure klaren Antworten. Zum Abschluss hätte ich noch gerne von euch in einem Satz zusammengefasst, warum ich auf eine Dark-World-Con gehen sollte anstatt auf eine andere Con.
Dark-World-Orga: Freispiel, diesen klaren Fokus auf mehr Rollenspiel im Rollenspiel findest du nur bei uns!
Artikelbilder: Childsmind, Mirrora Photography

Immer mehr Cons werden immer größer. 200-300 Teilnehmer sind keine Seltenheit mehr. Die Dark-World-Orga ist eine davon. Wir haben sie uns geschnappt und sie zu Themen wie Zielsetzung, Ausstattungsniveau und ihr Konzept befragt. Wächst den Großcons Konkurrenz heran? Findet es hier heraus.
Deutschland hat die größten LARP-Veranstaltungen der Welt. Mit dem Drachenfest und dem ConQuest aber auch mit dem Epic Empires gibt es Conreihen, die weit jenseits der 1000 Spieler-Marke liegen. Doch zwischen den Großveranstaltungen und den Kleinst-LARPs mit 12-20 Teilnehmern gibt es jede Menge Platz für Konzepte jeglicher Couleur. Sowohl die Endzeit-Cons der Lost-Ideas–Orga als auch die Broken-Crown-Kampagne spielen in diesem mittelgroßen Umfeld mit. Mehrere hundert Teilnehmer sind auch für sie nichts Außergewöhnliches. Eine der noch nicht ganz so bekannten Conreihen, die allerdings in den letzten Jahren stetig gewachsen ist, ist die Dark-Worlds-Reihe. Düstere Fantasy, mehr Konsequenz, Vielfalt in der Möglichkeit sich einzubringen. Das verspricht die nun schon  fünf Jahre alte Kampagne, deren Hintergrund auf Geschichten von E. Wehrheim beruht. Doch wie sieht die Orga sich selbst und ihre Arbeit? Was tun sie und warum tun sie es? Dies sind die Fragen, die wir versucht haben, in unserem Interview mit ihnen herauszufinden.
Erfahrungen und Grundlegendes
Teilzeithelden: Hallo und danke, dass ihr euch Zeit nehmt für unsere Fragen. Stellt euch doch am besten einfach einmal kurz als Orga vor. Wer seid ihr?
Dark-World-Orga: Sehr gerne doch. Unsere Orga besteht aus knapp einem Dutzend engagierter Menschen, die zum Teil auch Mitglieder des Vereins Grüne Welten e. V. sind, welcher als Veranstalter der Con auftritt. Dabei hat ein jeder seine festen Aufgaben. Bettina kümmert sich zum Beispiel um die Kasse, Karten und Verpflegung, Moritz ist für die NSC-Betreuung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig und Eric als unser Orga-Head gibt Zuckerbrot und Peitsche damit alles wie geplant läuft. Das klappt natürlich nicht immer, wie jeder weiß, der einmal eine Con organisiert hat, aber wir arbeiten gut als Team zusammen, um dennoch das Beste rauszuholen. Bisher haben wir noch immer eine Lösung gefunden.
Teilzeithelden: Das glaube ich gern. Bringt ihr denn bereits Orga-Erfahrungen mit oder sind die Dark-Worlds-LARPs eure „Erstlingswerke“?
Dark-World-Orga: Wir kommen aus allen möglichen Genres und Sparten. Seien es nun Fantasy, Endzeit bis hin zum Vampire-Live. Wir haben dabei in der IT- und OT-Planung von Cons, als Orga, NSC und SL – und natürlich auch als Spieler selbst Erfahrungen gesammelt. Du siehst, wir machen das Ganze nicht erst seit gestern. Zusätzlich helfen Erfahrungen aus unserem Berufsleben im Veranstaltungs- und Projektmanagment bei der Planung und Struktur der Cons sehr.
Teilzeithelden: Nicht seit gestern ist ein gutes Stichwort, wie lange gibt es euch denn schon?
Dark-World-Orga: Angefangen haben wir die Dark World-Conreihe 2012. Bereits in den Jahren zuvor gab es aber schon kleine Einzel-Cons die später zum Hintergrund der DW beitrugen.
Teilzeithelden: Worum geht es denn eigentlich genau bei eurer Con-Reihe? Sie heißt ja, die „Siegelkriege“. Ich nehme also an, dass dort viel gekämpft wird?
Dark-World-Orga: Bei der Dark World geht es um den Krieg der Götter, um den Glauben an sie und damit ihr Überleben. Neben den Fraktionen von Licht und Dunkelheit – mit den Göttern Ulthor und Voltan – haben sich im Spiel eigene Lager um die Götter gesammelt, die eine dritte Position vertreten, zum Beispiel um Frostmaris, die Göttin des Eisfeuers, und Vrakaz, der Gott des Todes.
Aufgebaut ist die DW also in verschiedene Lager, die ihrem jeweiligen Gott und seinem Credo folgen, und auch in solche, die keinen Gott haben, wie das Blutheerlager der Orks, die neutrale Stadt Ehrengard und das Lager der Nemephin, einem unserer NSC-Völker.
Der Kriegszyklus wird entschieden über das Sammeln von Siegelscheiben, die in versteckten und eingeleiteten Plots, sowie in weiteren Aufgaben und Herausforderungen erspielt werden können.
Und das Ganze in einer detailreichen Hintergrundwelt, im Freispiel und einer großen Kampagne.
Teilzeithelden: Das klingt ja schon ganz ordentlich ausgearbeitet und vielfältig. Kann man Dark World dann eigentlich schon bereits als Groß-Conreihe bezeichnen?
Dark-World-Orga: Als Groß-Con sicher noch nicht, wenn man zu anderen Veranstaltung in der Teilnehmerzahl blickt. Wir sind eher in dem Bereich der „Mittleren Cons“ unterwegs, wenn man so will. Vorerst haben wir uns ein Maximum von 660 Teilnehmern gesetzt. Allerdings möchten wir in Zukunft mit unserem Team aus SL und NSCs auch darüber hinaus planen. Aber alles zu seiner Zeit.
Immerhin, da die Con so gut über die Jahre angenommen wurde, haben wir uns einen Geländewechsel leisten können, von 2016 auf 2017, und hatten sogar noch das Glück dabei einen Teilnehmerzuwachs verzeichnen zu können.

Spielphilosophie und Regelwerk
Teilzeithelden: Das freut doch. Auf was muss ich mich denn als potentieller Teilnehmer bei euch einstellen? Gibt es Regelwerk oder spielt ihr nach DKWDDK?
Dark-World-Orga: Was wir auf der DW spielen, nennen wir „Freispiel“. Das sind im Grunde Elemente aus dem DKWDDK zusammen mit einem Leitfaden, um das Grundsätzliche zu klären. Einzige Ausnahme auf der Con sind ein paar NSC-Rollen, die ein limitiertes Fähigkeiten-Set haben, das auf den Charakter zugeschnitten ist und bei dem darauf geachtet wird, dass diese gut darstellbar sind und ohne OT-Telling auskommen.
Wie gesagt sprechen wir vom „Freispiel“ auf unserer Con, was wir uns groß auf die Fahne schreiben. Es geht uns dabei darum, ohne Zwang durch Punkte und Wertesysteme, einfach, schön und möglichst realistisch spielen zu können.
Natürlich sind wir dabei auf die Fairness der Teilnehmer angewiesen. Das klappt bisher aber ganz gut. Wenn es einmal Unstimmigkeiten geben sollte, haben wir unser zweiköpfiges Moderatoren-Team, das mit den Spielern offene Fragen klärt.
Teilzeithelden: Das heißt, ihr seid von der Spielphilosophie eher offen angelegt? Wie genau würdet ihr diese denn beschreiben?
Dark-World-Orga: Freispiel unter möglichst realen Bedingungen, ohne die Zwänge durch Regelwerk-Balancing oder Punktewertesysteme. Der Kreativität und der Fantasie der Teilnehmer wird hier Respekt gezollt und freien Lauf gelassen, wenn alle sich ihrer Verantwortung und ihrer Pflicht gegenüber ihren Mitspielern im Klaren sind und sie beachten.
Teilzeithelden: Was haltet ihr von den aktuellen Entwicklungen im LARP? Das immer internationaler werden/die Integration von Nordic-LARP-Elementen etc. Werde ich sowas bei euch auch finden?
Dark-World-Orga: Für den Trend zum Nordic-LARP und zur tieferen Auseinandersetzung mit dem Rollenspiel können wir uns total begeistern.
Als Beispiel unser Anliegen, das OT-Telling und Punktegeschreie auf unserer Con ganz rauszunehmen, um den Spielfluss nach Möglichkeit nicht zu stören.
Wir persönlich halten die Entwicklung für sehr gut und freuen uns immer, wenn wir, wie in den vergangenen Jahren schon, Larper aus anderen Ländern bei uns begrüßen dürfen. Das kann nur eine kulturelle Bereicherung sein und zur Weiterentwicklung im Allgemeinen beitragen. Außerdem gehört die Förderung der Völkerverständigung auch OT zu unseren Vereinsgrundsätzen.
Mitwirkung: Erwünscht
Teilzeithelden: Ich möchte gern noch einmal darauf zurückkommen, was mich als potentieller Teilnehmer auf euren Cons erwartet. Könnt ihr kurz und knackig zusammenfassen, was für eine Welt und Möglichkeiten ich habe, bei euch mitzuwirken?
Dark-World-Orga: Es wartet eine detaillierte Spielwelt, die noch viel zu entdecken bereit hält, eine bewegte Geschichte im Kampagnenmodus und für dich als Teilnehmer die Möglichkeit durch deine eigenen Handlungen den Spielverlauf aktiv mitzugestalten und die Geschichte der Dark World zu schreiben.
Hierbei spielt für uns die ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeit aller eine wichtige Rolle. Nur dank dem Feedback und der Unterstützung durch Spieler wie durch unser Team hinter den Kulissen der Con konnten wir es bis hier hin gemeinsam schaffen. An dieser Stelle möchten wir auch die Gelegenheit nutzen, diesem ein dickes Danke dafür zu senden.
Teilzeithelden: Das heißt, ich habe als Spieler die Möglichkeit, die Spielwelt mitzuformen? Wie funktioniert das?
Dark-World-Orga: Du kannst uns gerne Geschichten deines Charakters von der Con schicken. Manche laden wir dann auch auf unserer Homepage hoch. Auf Basis der Geschichten arbeiten wir Plots aus, die wir auch mal auf eine Gruppe oder Person als kleinen Mini-Plot zuschneiden.
Wichtig ist uns auch dein Feedback zur Con im Forum. Wir gehen im Forum darauf ein und nehmen die Infos mit in unsere Besprechungen, um Con und Konzept weiter zu verbessern. Grundsätzlich versuchen wir, allen Input, den wir bekommen, irgendwie mit einfließen zu lassen. Das funktioniert natürlich nicht immer, denn nicht alles passt zueinander, aber wer sich einbringen möchte, kann das bei uns gerne tun.
Zusammen mit den NSC und Spielern entwickeln wir also die Geschichte des Folgejahres weiter. Von beiden Seiten gibt man uns Feedback und schickt IT-Geschichten des Charakters auf der Con zu uns. Zusammen mit den Ergebnissen der verschiedenen Plots spinnen wir dann die Geschichte weiter.
Wo es hingeht, finden wir also zusammen mit den Teilnehmern der Con raus. Wir als Team sind jedenfalls sehr motiviert, die Con-Reihe noch einige Jahre fortzusetzen und planen entsprechend weiter. Das Gelände haben wir uns für die nächsten Jahre bereits gesichert.
Do you want to know more?
Teilzeithelden: Okay, aber vielleicht möchte ich ja lieber NSC sein. Ich selbst bin beispielsweise weitaus öfter als NSC unterwegs als als SC. Was kann ich da bei euch finden? Bin ich nur Prügel-NSC? Immerhin bespielt ihr ein Kriegs-Setting.
Dark-World-Orga: Auf keinen Fall! Wir legen bei unseren NSC großen Wert auf Rollenspiel und Darstellung. Daher arbeiten wir die NSC-Rollen möglichst intensiv mit dem Darsteller aus, um interessante Charaktere zu schaffen, die ebenfalls eine Geschichte zu erzählen haben, mit Gründen und Motiven für ihr Handeln. Wir sprechen hier vom „NSC-Freispiel“. Eine möglichst freie und charakterkonsequente Darstellung der Rolle unter dem Aspekt der Förderung des Spiels und der Schaffung von Spielangeboten durch NSC.
Wer bei uns nicht kämpfen möchte, muss das natürlich auch nicht. Wir halten aber auch keinen davon ab. NSC erweitern das Bild der Con – von der untoten Kriegerin bis hin zu Ambiente-Charakteren – und sind Teil der gemeinsam bespielten Hintergrundwelt.
Teilzeithelden: Das klingt vielversprechend. Finde ich bei euch, jetzt mal unabhängig davon, ob ich SC oder NSC machen würde, auch irgendwelche Informationen im Vorfeld zur Con? Guides oder sonstiges die mich auf das Spiel und die Hintergrundwelt vorbereiten?
Dark-World-Orga: Natürlich gibt es Informationen für Spieler und NSC von unserer Seite.
Wir haben auf der Homepage und im Forum unsere Leitfäden online gestellt, die beschreiben wie wir bestimmte Situationen auf Con handeln. Im Handlungsleitfaden findest du die allgemeine Handlung auf der Con und die Basics des Freispiels sowie alle notwendigen OT-Infos.
Der Kampfleitfaden beschreibt, wie wir uns ein faires Kampfspiel vorstellen und wie Belagerungen ablaufen sowie die Auflagen, die wir für den Kulissenbau haben. Im Erweiterungsleitfaden findest du die Darstellung und Ideen der Con für Alchemie, Magie, Dieben und so weiter.
Unsere NSC und SL bekommen neben einem Rollenbriefing auch eines zur Darstellung und dem Freispiel auf der Con und entsprechende Schulungen für ihren Aufgabenbereich.
Teilzeithelden: Gibt es ein Ausstattungsniveau, an das ich mich als Teilnehmer richten muss und falls ja, wie sieht dieses aus?
Dark-World-Orga: Basis ist eigentlich, dass der Charakter und damit auch seine Gewandung dem mittelalterlichen Fantasybereich zuzuordnen ist. Die Unterkunft sollte in einem IT-gerechten Zelt sein und eine larptaugliche Waffe hilft beim Überleben. Die Spielerlager haben sehr unterschiedliche Konzepte, daher ist hier eine allgemeine Antwort schwierig. Neuen Teilnehmern wird aber innerhalb der Lager geholfen, sich möglichst gut zu Recht zu finden. Hier können wir dir immer die internen Lagerforen empfehlen.
Für die einfache NSC-Rolle reichen auch passende Schuhe, Hemd und Hose. Den Rest für die jeweiligen Rollen stellen wir dann vor Ort. Dafür haben wir den Fundus und unsere Schneiderin Atra von Art-Dracura, die fast alle unsere NSC ausstattet und die Gewandungen entwirft.
Mit unseren NSC-Gewandungen bieten wir Vorbildmöglichkeiten – vom Low-Level-Standard bis zur maßgeschneiderten Gewandung.

Hard Facts
Teilzeithelden: Wenn ich mich jetzt anmelden wollte? Wann ist denn eigentlich die nächste Veranstaltung von euch? Was sind die harten Fakten?
Dark-World-Orga: Die Con findet vom 30.05.2018 bis 03.06.2018, also von Mittwoch bis Sonntag, statt. Frühanreise ist ab Dienstag, den 29. Mai ab 10 Uhr, möglich. Ab 2018 ist diese damit einen Contag länger als in den Jahren zuvor – zum gleichen Preis! Es wird eine Verpflegung für SC und NSC angeboten, zwei InTime-Tavernen und weitere Händlerangebote vor Ort. 24 h warme Duschen und Sanitär-Anlagen in ausreichender Menge, die täglich gereinigt werden. Außerdem zwei Wasserstellen zum Wasserholen und Geschirrspülen. Ausreichende Parkplätze für Fahrzeuge bis 10 Tonnen sind auch direkt am Rand des Spielgeländes außer Sicht vorhanden.
Insgesamt haben wir 10 Lager mit unterschiedlichen Lagerkonzepten und 24Stunden-IT-Spielangebot. Über die einzelnen Lager kann man sich auf unserer Homepage schlau machen. Viel mehr möchten wir eigentlich nicht verraten, da wir die Teilnehmer natürlich auch etwas überraschen wollen.
Teilzeithelden: Wo ihr es schon erwähnt, ich weiß, über Geld spricht man nicht, aber… wie hoch ist eigentlich der Preis für eure Veranstaltung und was kann ich dafür erwarten?
Dark-World-Orga: Im Vorverkauf liegen unsere Spielerkarten bei 49,00 € und sind gestaffelt bis zum Conzahlerpreis von 130,00 € vor Ort am Check-In. Bei den NSC starten wir im Vorverkauf bei 29,00 € und landen bei 80,00 € an der Con-Kasse. Natürlich bieten wir auch Gruppenrabatte an. Die aktuelle Staffel findest du in unserem Shop bei den jeweiligen Karten.
Darüber hinaus kannst du neben unseren extra für uns geprägten Münzsets auch einen Platz zum Übernachten im Gruppenzelt buchen oder eine Vollverpflegung durch unsere Küche, vor Ort betreut durch den Methändler und Tavernenwirt Markus Mailänder.
Auf der Con hast du die Möglichkeit in der neutralen Stadt Ehrengard bei unseren Händlern und Handwerkern deine Ausrüstung aufzustocken. Sonst stehen dir noch die Taverne „Metmönch“ in Ehrengard und „Bertas Inn“ in Schattenhain mit Mailänder-Met und anderem offen.
Teilzeithelden: Vielen Dank für eure klaren Antworten. Zum Abschluss hätte ich noch gerne von euch in einem Satz zusammengefasst, warum ich auf eine Dark-World-Con gehen sollte anstatt auf eine andere Con.
Dark-World-Orga: Freispiel, diesen klaren Fokus auf mehr Rollenspiel im Rollenspiel findest du nur bei uns!
Artikelbilder: Childsmind, Mirrora Photography

Quelle: www.teilzeithelden.de Eine Orga stellt sich vor – Interview mit der Dark-World-Orga

DIY im LARP – Eine Anleitung

DIY im LARP – Eine Anleitung
LARP ist für viele längst ein ganzheitliches Hobby, dessen Zeitaufwand sich nicht nur auf die Cons allein beschränkt. Da laden gerade die längeren Con-Pausen im Winter zum Basteln ein, allerdings fällt der Einstieg nicht immer leicht. Die folgenden Tipps sollen Anreize für jene geben, die sich bisher zurückgehalten haben.
Selbermachen liegt voll im Trend, in allen möglichen Bereichen des Lebens. Längst ist es nicht mehr das Prinzip aus Not eine Tugend zu machen, das die Bastler antreibt, weil das Geld für professionell gefertigte Produkte fehlt. „Aus eigener Herstellung“ hat den positiven Nimbus der Selbstständigkeit gewonnen, die Selbermacher werden für ihren Einsatz und ihre Geschicklichkeit gelobt, sie selbst treibt die Freude an einer vielseitigen Beschäftigung an, die über ihr oft stark spezialisiertes Berufsleben hinausgeht. Es verwundert daher kaum, dass gerade in einem Hobby wie LARP, das von Kreativität lebt, ein ähnlicher Effekt zu beobachten ist. Auch wenn es ein wachsendes Angebot an Onlineshops für Gewandung und Ausrüstung gibt – DIY hat große Konjunktur.
Für den Einstieg ins LARP reicht eine Basisgewandung von der Stange oder der allernötigste Lagerbedarf aus, aber in vielen keimt bald der Wunsch nach mehr Individualität. Die Ausrüstung soll schließlich genau zum Charakterkonzept passen und dieses auch nach außen vertreten. Doch individuell Angefertigtes ist meist um ein vielfaches teurer, was gerechtfertigt ist, aber abschreckend wirken kann. Und der Schritt von kaufen zu selbst machen ist oft nicht einfach. Die Ansprüche an eine stimmige LARP Gewandung und Ausrüstung sind ebenfalls gestiegen. Filme und Serien bieten viel Inspiration, setzen aber auch eine sehr hohe Messlatte, die es erst einmal zu erreichen gilt. Die Zeiten, in denen man Omas Dachboden plündern oder Gardinenstoff umnähen konnte und sich adäquat ausgerüstet fühlte, sind vorbei.
Für all jene, die sich diesen Winter vorgenommen haben, endlich einmal selbst Hand anzulegen oder sich noch unsicher sind, was sie sich überhaupt zutrauen, hier ein paar Tipps von einer ebenfalls Quereinsteigerin.
1. Klein anfangen
Es mag banal klingen, aber die hohen Hürden, die man beim Gedanken an ‚Selbermachen‘ vor sich sieht, werden ganz schnell kleiner, wenn man sich bewusst macht, dass die Allerwenigsten gleich mit selbst geschnitzten Löffeln, getöpferten Schalen oder einer Vollgewandung losgelegt haben. Wer noch nie an einer Nähmaschine gesessen hat oder beim Anblick eines Schnitzmessers schnell die Finger bepflastert, kann nicht erwarten, sofort ein Meister zu sein. Auch eine eigenhändig verzierte und damit aufgewertete Gewandung ist etwas, worauf man durchaus stolz sein kann. Der verzierte Gegenstand wird allein durch das Einbringen eigener Ideen individuell und etwas Besonderes. Und nie vergessen: Keine Hand arbeitet so exakt wie eine programmierte Maschine, daher sind leicht schiefe Nähte, Macken oder Unregelmäßigkeiten keine Schande. Unsere Augen sind im industriellen Zeitalter viel zu sehr an Perfektion und exakte Reproduzierbarkeit gewöhnt.
2. Ausprobieren
Übung macht bekanntlich den Meister und auch ein Meister muss erst einmal herausfinden, welche Art von Arbeit ihm besonders Spaß macht. Vielleicht sollte man von Messern lieber die Finger lassen, aber dafür fällt einem das Nähen oder Sticken leicht? Vielleicht entdeckt man eine gute Hand-Augen-Koordination an sich und wird begeisterter Glasgraveur? Das Schöne an einer LARP Ausrüstung ist ihre Vielfältigkeit und das Verwenden von Materialien, die auch ohne industrielle Maschinen geformt werden können. Sein eigenes Lieblingsbetätigungsfeld zu finden, erfordert etwas Zeitaufwand und Nerven, aber es wird sich in jedem Fall lohnen, neue Seiten an sich zu entdecken.
3. Inspirieren lassen
Das Internet ist voll mit Do it yourself-Anleitungen und Ideen für den neugierigen Selbermacher. Sharing-Plattformen bieten ganze Galerien voller Bilder, die zu einem bestimmten Thema zusammengetragen werden, seien es Schnitzkunst, historische Schnittmuster oder Waffenbau. Wer nicht gerne stundenlang Suchwörter eintippt, der kann sich auf Märkten oder im Handel mit Büchern versorgen, die Anleitungen aller Art bieten. In vielen Buchläden wächst die Do it yourself Ecke seit einigen Jahren stark an. Oft entwickeln sich erst beim Stöbern nach Möglichkeiten konkretere Ideen, die über den Gedanken „Ich möchte etwas Selbstgemachtes haben, aber wie?“ hinausgehen.
Auch Fragen kostet nichts! Wenn ihr mitbekommt, dass jemand in eurem Umfeld Dinge selbst anfertigt, und wenn ihr etwas Ähnliches auch haben wollt, dann fragt um Rat. Die meisten LARPer sind gerne bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit euch zu teilen und diejenigen, die schon länger dabei sind, haben wertvolle Tipps, wo man sich seine Inspiration herholen kann.
4. Den Grad an Selbstgemacht für sich finden
Wer legt eigentlich fest, ab wann etwas als ’selbstgemacht‘ gilt? Muss, überspitzt formuliert, der Stoff eigenhändig gewebt, die Wolle oder das Leinen selbst gesponnen oder im besten Fall sogar das Schaf eigenhändig gehalten und geschoren werden? Muss der Baum aus dessen Holz man schnitzt, eigenhändig mit der Axt gefällt worden sein? Ganz sicher nicht! Für jeden bedeutet ’selbstgemacht‘ etwas anderes, also ist es auch legitim, etwas eigenhändig Verziertes und nicht unbedingt Selbstgewirktes, als individuell gemachten Gegenstand zu bezeichnen. Nur weil etwas mit der Maschine genäht wurde, beispielsweise, und nicht von Hand, ist es nicht automatisch weniger wert. Es mag Menschen geben, die die Zeit und Energie besitzen, Gewandung und Ausrüstung von der Pike auf selbst zu fertigen, aber die sind im Hobby LARP eindeutig in der Minderheit. Vielen fehlt schlicht diese Zeit, um einen solchen Aufwand betreiben zu können. Deshalb sollte man die Ansprüche nicht von Anfang an hochschrauben, sondern für sich selbst ausloten, womit man arbeiten kann, ohne dass die Lust am Selbermachen in Frust umschlägt. Wer kein Talent dafür hat, aus genommenen Maßen ein Schnittmuster zu abstrahieren, sodass am Ende genau das Kleidungsstück dabei herauskommt, das man haben möchte, kann und darf auf fertige Schnittmuster zurückgreifen. Wer nicht grade einen Hochofen im Keller stehen hat, kann und darf in einem Dekoladen günstige Gläser kaufen, die er dann verzieren kann.
traditioneller Brettchenwebrahmen
5. Realitätscheck
Gerade bei Gewandungen liegt die Messlatte häufig hoch, durch das, was man aus Film und Fernsehen an Anblicken gewohnt ist. Edle Stoffe, kunstvoll mit Borten und Stickereien geschmückt, feinste Punzierungen auf Lederrüstungen, all das beflügelt die Fantasie und weckt den Wunsch, selbst in solch prachtvoller Aufmachung auf einer Con gesehen zu werden. Dabei dürfen jedoch zwei wichtige Aspekte nicht außer Acht gelassen werden.
Erstens: Eine Gewandung sollte immer zum Charakterkonzept passen. Ein Söldner wird schwerlich in einem Samtwams herumlaufen oder eine Waffe mit vielen Edelsteinen in Griff und Knauf schwingen. Auch der Kostenfaktor sollte im Auge behalten werden. Edle Materialien sind teuer in der Anschaffung und aufwändig in der Pflege. Wer nicht bereit ist, Zeit und Geld zu investieren, sollte vielleicht ein aufwändiges Charakterkonzept überdenken.
Zweitens: Nicht alle, aber viele Cons sind Outdoor-Veranstaltungen. Auf einer Hofhaltung, die hauptsächlich in einem gut beheizten Saal stattfindet, mag ein kostbares, aber sehr dünnes Kleid oder Wams, vielleicht auch aufwändig verziertes Geschirr, viele Blicke auf sich ziehen und gut geeignet sein. Sobald man es jedoch mit einer Zeltcon zu tun hat, gelten andere Regeln. Das LARP-Jahr 2017 hatte selbst für die Hartgesottenen einige böse Überraschungen parat: Dauerregen, Schlammageddon, verfrühte Herbststürme – die Liste ließe sich lange fortführen. Doch selbst wenn das Wetter halbwegs mitspielt, sollte man im Auge behalten, dass man sich auf nicht ganz trockenem Boden liegend wiederfinden, der NSC einen unabsichtlich mit Kunstblut (oder anderen Flecken hinterlassenen Substanzen) in Berührung bringen oder ein Missgeschick den Tisch umwerfen könnte. Es hat seinen Grund, weshalb Adelige sich in teure Gewänder hüllen und kostbare Gegenstände ihr Eigen nennen konnten: Von ihnen wurde höchst selten verlangt, querfeldein durch den Wald zu hasten oder auf schlammigem Boden zu knien – Dinge, die auf einer Outdoor-Con gang und gäbe sind. Und selbst wenn etwas Schaden nahm, dann waren es nicht sie selbst, die das Reinigen übernahmen oder sie besaßen Geld genug, um den Ausfall leichter zu verschmerzen.
Daher ist ein Realitätscheck bei der Planung der eigenen Ausrüstung unabdingbar: Je mehr Zeit, Geld und Aufwand in etwas fließt, desto vorsichtiger muss es auf einer Con behandelt werden und desto ärger schmerzt es, wenn etwas zerbricht oder fiese Flecken bekommt. Wer gerne mittendrin im Geschehen ist und ganzen Körpereinsatz bringen möchte, der sollte trotz seines Wunsches nach edler Ausstattung vielleicht eher strapazierfähige Materialien verwenden, die einen Moment der Unachtsamkeit besser verzeihen – oder seiner Ausrüstung zuliebe sich etwas zurückhalten. Was Priorität hat, muss jeder selbst entscheiden.
Auch mit einem raffinierten Lagen-Look aus Leinen oder Baumwolle können sehr schöne Effekte kreiert werden, die ein geringeres Maß an Borten und Stickereien wettmachen. Statt Glas oder bemaltem Ton tut es oft auch schön gemasertes und dezent verziertes Holzgeschirr.
6. Zeitaufwand bedenken
Wer sich einmal hat anstecken lassen, verfolgt bald hochfliegende Ziele. Jedoch müssen diese Ziele mit dem eigenen Zeitfenster synchronisiert werden, da sich sonst schnell Frust und Ernüchterung einstellen. Gerade am Anfang, wenn selbst die grundlegenden Handgriffe erst geübt werden müssen, erfordert ein Projekt sehr großen Aufwand. Wer nach der Arbeit nach Hause kommt und immer noch vor Energie platzt, kann sich die Abendstunden zum Basteln vornehmen, doch wer am nächsten Tag wieder früh aufsteht, scheut oft den Aufwand, da er weiß, dass es nur wenige Stunden sind, die ihm zur Verfügung stehen. Nicht selten verfliegen dann die Tage, bis die Con, für die das Projekt geplant war, unmittelbar vor der Tür steht. „Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe“ ist nicht umsonst ein bekannter Spruch unter Selbermachern.
Alles was von Hand entsteht, erfordert Zeit und Sorgfalt. Gerade beim Nähen ist es häufig mit der ersten Fertigung nicht getan. Nähte reißen durch starke Belastung wieder auf, angenähte Knöpfe und Schnallen lösen sich – Zeit, die eigentlich in die Fertigung von Neuem gesteckt werden könnte, muss für die Nacharbeit und die Pflege des bereits Gefertigten verwendet werden. Auch dies gilt es im Hinterkopf zu behalten.
7. Nicht verkrampfen!
Beim Basteln sollte eines nicht vergessen werden: Es soll Spaß machen! Wer verkrampft, wer auf Biegen und Brechen etwas durchsetzen möchte, weil er an sich selbst zu hohe Ansprüche stellt und am Ende viel Zeit opfert, steuert schnell auf ein LARP-Out zu. Daher sind die Tipps 1 und 4 für den Anfang vielleicht am Wichtigsten. Lasst euch Zeit mit dem Einstieg in die Welt der Selbermacher, steigert euer Niveau langsam genug, dass ihr nicht in Panik verfallt und findet den Grad an Selbstgemacht für euch. Dieser Grad muss nicht auf alle Ewigkeit so bestehen, man steigert mit wachsender Erfahrung immer seine Ziele. Doch wenn das Selbermachen eher in Kampf, Krampf und Frust, als in einer positiven Erfahrung mündet, dann ist es vielleicht nötig, trotz allem Wunsch nach toller handgefertigter Ausrüstung, einen Gang zurückzuschalten.
In medias res
Wem es jetzt spontan in den Fingern juckt, der darf sich gerne einmal auf der Seite LARPbote, dem LARP-Bastel-Blog oder auch im LARP-Wiki umsehen.
Artikelbilder: depositphotos | dlpn, haveseen
 

LARP ist für viele längst ein ganzheitliches Hobby, dessen Zeitaufwand sich nicht nur auf die Cons allein beschränkt. Da laden gerade die längeren Con-Pausen im Winter zum Basteln ein, allerdings fällt der Einstieg nicht immer leicht. Die folgenden Tipps sollen Anreize für jene geben, die sich bisher zurückgehalten haben.
Selbermachen liegt voll im Trend, in allen möglichen Bereichen des Lebens. Längst ist es nicht mehr das Prinzip aus Not eine Tugend zu machen, das die Bastler antreibt, weil das Geld für professionell gefertigte Produkte fehlt. „Aus eigener Herstellung“ hat den positiven Nimbus der Selbstständigkeit gewonnen, die Selbermacher werden für ihren Einsatz und ihre Geschicklichkeit gelobt, sie selbst treibt die Freude an einer vielseitigen Beschäftigung an, die über ihr oft stark spezialisiertes Berufsleben hinausgeht. Es verwundert daher kaum, dass gerade in einem Hobby wie LARP, das von Kreativität lebt, ein ähnlicher Effekt zu beobachten ist. Auch wenn es ein wachsendes Angebot an Onlineshops für Gewandung und Ausrüstung gibt – DIY hat große Konjunktur.
Für den Einstieg ins LARP reicht eine Basisgewandung von der Stange oder der allernötigste Lagerbedarf aus, aber in vielen keimt bald der Wunsch nach mehr Individualität. Die Ausrüstung soll schließlich genau zum Charakterkonzept passen und dieses auch nach außen vertreten. Doch individuell Angefertigtes ist meist um ein vielfaches teurer, was gerechtfertigt ist, aber abschreckend wirken kann. Und der Schritt von kaufen zu selbst machen ist oft nicht einfach. Die Ansprüche an eine stimmige LARP Gewandung und Ausrüstung sind ebenfalls gestiegen. Filme und Serien bieten viel Inspiration, setzen aber auch eine sehr hohe Messlatte, die es erst einmal zu erreichen gilt. Die Zeiten, in denen man Omas Dachboden plündern oder Gardinenstoff umnähen konnte und sich adäquat ausgerüstet fühlte, sind vorbei.
Für all jene, die sich diesen Winter vorgenommen haben, endlich einmal selbst Hand anzulegen oder sich noch unsicher sind, was sie sich überhaupt zutrauen, hier ein paar Tipps von einer ebenfalls Quereinsteigerin.
1. Klein anfangen
Es mag banal klingen, aber die hohen Hürden, die man beim Gedanken an ‚Selbermachen‘ vor sich sieht, werden ganz schnell kleiner, wenn man sich bewusst macht, dass die Allerwenigsten gleich mit selbst geschnitzten Löffeln, getöpferten Schalen oder einer Vollgewandung losgelegt haben. Wer noch nie an einer Nähmaschine gesessen hat oder beim Anblick eines Schnitzmessers schnell die Finger bepflastert, kann nicht erwarten, sofort ein Meister zu sein. Auch eine eigenhändig verzierte und damit aufgewertete Gewandung ist etwas, worauf man durchaus stolz sein kann. Der verzierte Gegenstand wird allein durch das Einbringen eigener Ideen individuell und etwas Besonderes. Und nie vergessen: Keine Hand arbeitet so exakt wie eine programmierte Maschine, daher sind leicht schiefe Nähte, Macken oder Unregelmäßigkeiten keine Schande. Unsere Augen sind im industriellen Zeitalter viel zu sehr an Perfektion und exakte Reproduzierbarkeit gewöhnt.
2. Ausprobieren
Übung macht bekanntlich den Meister und auch ein Meister muss erst einmal herausfinden, welche Art von Arbeit ihm besonders Spaß macht. Vielleicht sollte man von Messern lieber die Finger lassen, aber dafür fällt einem das Nähen oder Sticken leicht? Vielleicht entdeckt man eine gute Hand-Augen-Koordination an sich und wird begeisterter Glasgraveur? Das Schöne an einer LARP Ausrüstung ist ihre Vielfältigkeit und das Verwenden von Materialien, die auch ohne industrielle Maschinen geformt werden können. Sein eigenes Lieblingsbetätigungsfeld zu finden, erfordert etwas Zeitaufwand und Nerven, aber es wird sich in jedem Fall lohnen, neue Seiten an sich zu entdecken.
3. Inspirieren lassen
Das Internet ist voll mit Do it yourself-Anleitungen und Ideen für den neugierigen Selbermacher. Sharing-Plattformen bieten ganze Galerien voller Bilder, die zu einem bestimmten Thema zusammengetragen werden, seien es Schnitzkunst, historische Schnittmuster oder Waffenbau. Wer nicht gerne stundenlang Suchwörter eintippt, der kann sich auf Märkten oder im Handel mit Büchern versorgen, die Anleitungen aller Art bieten. In vielen Buchläden wächst die Do it yourself Ecke seit einigen Jahren stark an. Oft entwickeln sich erst beim Stöbern nach Möglichkeiten konkretere Ideen, die über den Gedanken „Ich möchte etwas Selbstgemachtes haben, aber wie?“ hinausgehen.
Auch Fragen kostet nichts! Wenn ihr mitbekommt, dass jemand in eurem Umfeld Dinge selbst anfertigt, und wenn ihr etwas Ähnliches auch haben wollt, dann fragt um Rat. Die meisten LARPer sind gerne bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit euch zu teilen und diejenigen, die schon länger dabei sind, haben wertvolle Tipps, wo man sich seine Inspiration herholen kann.
4. Den Grad an Selbstgemacht für sich finden
Wer legt eigentlich fest, ab wann etwas als ’selbstgemacht‘ gilt? Muss, überspitzt formuliert, der Stoff eigenhändig gewebt, die Wolle oder das Leinen selbst gesponnen oder im besten Fall sogar das Schaf eigenhändig gehalten und geschoren werden? Muss der Baum aus dessen Holz man schnitzt, eigenhändig mit der Axt gefällt worden sein? Ganz sicher nicht! Für jeden bedeutet ’selbstgemacht‘ etwas anderes, also ist es auch legitim, etwas eigenhändig Verziertes und nicht unbedingt Selbstgewirktes, als individuell gemachten Gegenstand zu bezeichnen. Nur weil etwas mit der Maschine genäht wurde, beispielsweise, und nicht von Hand, ist es nicht automatisch weniger wert. Es mag Menschen geben, die die Zeit und Energie besitzen, Gewandung und Ausrüstung von der Pike auf selbst zu fertigen, aber die sind im Hobby LARP eindeutig in der Minderheit. Vielen fehlt schlicht diese Zeit, um einen solchen Aufwand betreiben zu können. Deshalb sollte man die Ansprüche nicht von Anfang an hochschrauben, sondern für sich selbst ausloten, womit man arbeiten kann, ohne dass die Lust am Selbermachen in Frust umschlägt. Wer kein Talent dafür hat, aus genommenen Maßen ein Schnittmuster zu abstrahieren, sodass am Ende genau das Kleidungsstück dabei herauskommt, das man haben möchte, kann und darf auf fertige Schnittmuster zurückgreifen. Wer nicht grade einen Hochofen im Keller stehen hat, kann und darf in einem Dekoladen günstige Gläser kaufen, die er dann verzieren kann.
traditioneller Brettchenwebrahmen
5. Realitätscheck
Gerade bei Gewandungen liegt die Messlatte häufig hoch, durch das, was man aus Film und Fernsehen an Anblicken gewohnt ist. Edle Stoffe, kunstvoll mit Borten und Stickereien geschmückt, feinste Punzierungen auf Lederrüstungen, all das beflügelt die Fantasie und weckt den Wunsch, selbst in solch prachtvoller Aufmachung auf einer Con gesehen zu werden. Dabei dürfen jedoch zwei wichtige Aspekte nicht außer Acht gelassen werden.
Erstens: Eine Gewandung sollte immer zum Charakterkonzept passen. Ein Söldner wird schwerlich in einem Samtwams herumlaufen oder eine Waffe mit vielen Edelsteinen in Griff und Knauf schwingen. Auch der Kostenfaktor sollte im Auge behalten werden. Edle Materialien sind teuer in der Anschaffung und aufwändig in der Pflege. Wer nicht bereit ist, Zeit und Geld zu investieren, sollte vielleicht ein aufwändiges Charakterkonzept überdenken.
Zweitens: Nicht alle, aber viele Cons sind Outdoor-Veranstaltungen. Auf einer Hofhaltung, die hauptsächlich in einem gut beheizten Saal stattfindet, mag ein kostbares, aber sehr dünnes Kleid oder Wams, vielleicht auch aufwändig verziertes Geschirr, viele Blicke auf sich ziehen und gut geeignet sein. Sobald man es jedoch mit einer Zeltcon zu tun hat, gelten andere Regeln. Das LARP-Jahr 2017 hatte selbst für die Hartgesottenen einige böse Überraschungen parat: Dauerregen, Schlammageddon, verfrühte Herbststürme – die Liste ließe sich lange fortführen. Doch selbst wenn das Wetter halbwegs mitspielt, sollte man im Auge behalten, dass man sich auf nicht ganz trockenem Boden liegend wiederfinden, der NSC einen unabsichtlich mit Kunstblut (oder anderen Flecken hinterlassenen Substanzen) in Berührung bringen oder ein Missgeschick den Tisch umwerfen könnte. Es hat seinen Grund, weshalb Adelige sich in teure Gewänder hüllen und kostbare Gegenstände ihr Eigen nennen konnten: Von ihnen wurde höchst selten verlangt, querfeldein durch den Wald zu hasten oder auf schlammigem Boden zu knien – Dinge, die auf einer Outdoor-Con gang und gäbe sind. Und selbst wenn etwas Schaden nahm, dann waren es nicht sie selbst, die das Reinigen übernahmen oder sie besaßen Geld genug, um den Ausfall leichter zu verschmerzen.
Daher ist ein Realitätscheck bei der Planung der eigenen Ausrüstung unabdingbar: Je mehr Zeit, Geld und Aufwand in etwas fließt, desto vorsichtiger muss es auf einer Con behandelt werden und desto ärger schmerzt es, wenn etwas zerbricht oder fiese Flecken bekommt. Wer gerne mittendrin im Geschehen ist und ganzen Körpereinsatz bringen möchte, der sollte trotz seines Wunsches nach edler Ausstattung vielleicht eher strapazierfähige Materialien verwenden, die einen Moment der Unachtsamkeit besser verzeihen – oder seiner Ausrüstung zuliebe sich etwas zurückhalten. Was Priorität hat, muss jeder selbst entscheiden.
Auch mit einem raffinierten Lagen-Look aus Leinen oder Baumwolle können sehr schöne Effekte kreiert werden, die ein geringeres Maß an Borten und Stickereien wettmachen. Statt Glas oder bemaltem Ton tut es oft auch schön gemasertes und dezent verziertes Holzgeschirr.
6. Zeitaufwand bedenken
Wer sich einmal hat anstecken lassen, verfolgt bald hochfliegende Ziele. Jedoch müssen diese Ziele mit dem eigenen Zeitfenster synchronisiert werden, da sich sonst schnell Frust und Ernüchterung einstellen. Gerade am Anfang, wenn selbst die grundlegenden Handgriffe erst geübt werden müssen, erfordert ein Projekt sehr großen Aufwand. Wer nach der Arbeit nach Hause kommt und immer noch vor Energie platzt, kann sich die Abendstunden zum Basteln vornehmen, doch wer am nächsten Tag wieder früh aufsteht, scheut oft den Aufwand, da er weiß, dass es nur wenige Stunden sind, die ihm zur Verfügung stehen. Nicht selten verfliegen dann die Tage, bis die Con, für die das Projekt geplant war, unmittelbar vor der Tür steht. „Ich habe ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe“ ist nicht umsonst ein bekannter Spruch unter Selbermachern.
Alles was von Hand entsteht, erfordert Zeit und Sorgfalt. Gerade beim Nähen ist es häufig mit der ersten Fertigung nicht getan. Nähte reißen durch starke Belastung wieder auf, angenähte Knöpfe und Schnallen lösen sich – Zeit, die eigentlich in die Fertigung von Neuem gesteckt werden könnte, muss für die Nacharbeit und die Pflege des bereits Gefertigten verwendet werden. Auch dies gilt es im Hinterkopf zu behalten.
7. Nicht verkrampfen!
Beim Basteln sollte eines nicht vergessen werden: Es soll Spaß machen! Wer verkrampft, wer auf Biegen und Brechen etwas durchsetzen möchte, weil er an sich selbst zu hohe Ansprüche stellt und am Ende viel Zeit opfert, steuert schnell auf ein LARP-Out zu. Daher sind die Tipps 1 und 4 für den Anfang vielleicht am Wichtigsten. Lasst euch Zeit mit dem Einstieg in die Welt der Selbermacher, steigert euer Niveau langsam genug, dass ihr nicht in Panik verfallt und findet den Grad an Selbstgemacht für euch. Dieser Grad muss nicht auf alle Ewigkeit so bestehen, man steigert mit wachsender Erfahrung immer seine Ziele. Doch wenn das Selbermachen eher in Kampf, Krampf und Frust, als in einer positiven Erfahrung mündet, dann ist es vielleicht nötig, trotz allem Wunsch nach toller handgefertigter Ausrüstung, einen Gang zurückzuschalten.
In medias res
Wem es jetzt spontan in den Fingern juckt, der darf sich gerne einmal auf der Seite LARPbote, dem LARP-Bastel-Blog oder auch im LARP-Wiki umsehen.
Artikelbilder: depositphotos | dlpn, haveseen
 

Quelle: www.teilzeithelden.de DIY im LARP – Eine Anleitung