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Gametest: Marvel vs. Capcom Infinite – voll auf die Fresse?

Gametest: Marvel vs. Capcom Infinite – voll auf die Fresse?
Marvel vs. Capcom Infinite ist bereits der vierte Teil der Beat’em’Up-Serie, allerdings der erste, der für die aktuelle Konsolengeneration entwickelt wurde. Neben neuer Grafik findet auch erstmals ein Story-Modus Einzug. Kann das Spiel überzeugen oder gar den Hit Injustice 2 übertrumpfen?
Fast sechs Jahre ist es inzwischen her, dass Capcom ein Aufgebot seiner Charaktere gegen jene von Marvel ins Feld schickte. Marvel vs Capcom 3 erschien im Februar 2011 auf Playstation 3 und Xbox 360, im November 2011 folgte die Ultimate Edition, welche nahezu alle DLC-Charaktere enthielt. Im Dezember 2016 (Playstation 4) beziehungsweise März 2017 (PC, Xbox One) erschien diese Version auch für die aktuelle Konsolengeneration, erstmals mit allen DLCs im Bundle – was einer Kämpferriege von satten 50 Charakteren entsprach.
Im September 2017 folgte dann endlich der echte Nachfolger: Marvel vs Capcom Infinite. Entwickelt für die aktuelle Konsolengeneration und mit echtem Story-Modus, jedoch auch mit nur noch 30 Charakteren und Kämpfen mit jeweils nur noch zwei Figuren je Seite anstelle von dreien. Nachdem Injustice 2 im Mai 2017 auf Seiten von DC Comics neue Maßstäbe im Beat’em’Up-Bereich setzte, muss sich der aktuelle Prügler von Capcom natürlich mit diesem vergleichen lassen – kann er bestehen oder gar selbst die Messlatte erhöhen? Wir haben uns das auf der Playstation 4 mal angesehen.
Technik
Genau wie Injustice 2 setzt Marvel vs. Capcom Infinite auf die Unreal Engine und ein 2D-Spielerlebnis – hinkt dem Konkurrenten jedoch etwas hinterher. Zwar ist die Grafik solide und nicht wirklich schlecht – aber auch kein Meilenstein. Die Kulissen sind hübsch, aber könnten etwas lebendiger sein. Interaktionen mit den Kulissen gibt es leider nicht. Die Charaktere sind ebenfalls überwiegend ansehnlich, im Detail fallen jedoch einzelne Schwächen auf. So hat man zuweilen (gerade in den Videosequenzen) das Gefühl, die Texturen wären nicht so scharf, wie sie sein könnten, und gerade Umhänge wie bei Doktor Strange stehen merkwürdig ab, statt auf den Schultern aufzuliegen. Auch Haaranimationen haben wir teilweise vermisst.
Hinzu kommt ein zuweilen merkwürdiges Artdesign: Während einige Charaktere gut getroffen sind, sehen andere ziemlich überzeichnet und zu muskulös aus. Zusammen mit der teils sehr schlichten Gestaltung der Gesichter wirken Charaktere wie Captain America fast mehr wie ihre Pendants aus dem überzeichneten Disney Infinity-Universum oder eine Plastik-Actionfigur statt wie aus den Comics oder Filmen. Dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, die Dialoge zu synchronisieren, ist zudem enttäuschend.
Daneben stehen aber auch positive Aspekte. Die Action ist schnell, die Framerate stabil, alles ist ziemlich bunt und es wird ein ziemliches Effekt-Gewitter aufgefahren. Insgesamt gibt das Spiel technisch ein recht gelungenes Bild ab – wenn man keine zu hohen Maßstäbe anlegt oder es mit dem direkten Konkurrenten vergleicht. Sieht man über die erwähnten Mankos hinweg, erwartet einen ein buntes Actionfest, mit solider Technik, die der aktuellen Konsolengeneration angemessen ist, ohne sich an die Spitze zu gesellen.

Gameplay
Spielerisch liefert Capcom ebenfalls solides ab. Die Charaktere fühlen sich zuweilen sehr unterschiedlich an, auch ohne Nutzung ihrer Spezialattacken. So ist der Hulk auffällig langsam, schlägt dafür aber umso kräftiger zu. Dass man immer zwei Charaktere zum Kampf mitnimmt, ergibt ein angenehmes Gameplay und ermöglicht es, für sich selbst passende Kombinationen zu finden. Selbstredend ist der regelmäßige Charakterwechsel elementar – der sich gerade nicht im Kampf befindliche Charakter kann verschnaufen und so einen Teil seiner Lebenspunkteleiste wieder auffüllen.
Ergänzend wählt man in der Zusammenstellung seines Teams einen der sechs Infinity-Steine aus, um die sich nicht nur die Story dreht, sondern die auch Auswirkungen im Kampf haben. Jeder der Steine gibt uns eine neue Aktion sowie eine besonders mächtige Superkraft, die wir nach einer gewissen Zeit auslösen können. Der Seelenstein beispielsweise lässt uns über eine mittlere Distanz Gesundheit des Gegners zu unseren Gunsten absaugen und als Superkraft sogar einen gefallenen Partner wiederbeleben – dies ist schon grenzwertig zum Übermächtigen. Aber auch die anderen Steine bieten nette Effekte und verändern dadurch das ganze Spiel – sofern man sie klug einsetzt.
Bei der Steuerung verlässt man sich grundsätzlich auf Bewährtes: Je ein Button für schwache und starke Tritte und Schläge, von denen einer zudem in Verbindung mit dem Stick Griffe ausführt. Mit den Schultertasten können wir die Infinity-Steine benutzen und unseren Partner einwechseln, die Kombi aus starkem Schlag und Tritt löst einen charakterspezifischen Superangriff aus, zum Blocken drücken wir einfach in die entgegengesetzte Richtung. Verfeinert wird das Ganze natürlich um diverse, vor allem charakterspezifische Kombos, die wir mitunter auch verketten können oder der Möglichkeit, Angriffe nicht nur zu blocken, sondern sogar zurück zu schleudern – ergo kontern, in gewisser Weise. Kombos kann man dagegen nur auf eine bestimmte Weise unterbrechen – indem man seinen Partner reinruft. Hierzu verbraucht man zwei Energiebalken (die natürlich erstmal aufgeladen sein müssen), und der Partner kann dann versuchen, durch Attacken die Kombokette zu durchbrechen.
Im Allgemeinen lässt sich aber bereits mit simplen Button-Smashing einiges an hübschen Effekten erzielen – hierdurch dürften sich auch Anfänger angesprochen fühlen. Alleine mit dem leichtem Schlag lässt sich eine Kombo aufbauen, die uns sogar in die Luft befördert – dies gelingt mit jedem Charakter. Durch hinzu kommende Kombos aus Zufall, den Superangriffen, Infinity-Steinen und den Unterschieden der Charaktere kommen auch ohne weitere Beschäftigung mit den spezifischen Attacken gute Laune als auch ein Effekt-Gewitter auf, während gerade für Einsteiger nervige Stunts nicht vorkommen. Eine tiefere Beschäftigung ist natürlich dennoch möglich, und bis man die Komboeingaben in der korrekten Reihenfolge und Geschwindigkeit drauf hat, kann etwas Zeit vergehen. Da man die Schwierigkeit der CPU in mehreren Stufen anpassen kann, dürfte das Spiel nahezu allen Spielern die passende Herausforderung bieten.
Insgesamt macht das Spiel hinsichtlich des Gameplays eigentlich nichts falsch: Es ist zugänglich für Einsteiger, bietet aber auch mehr Details und Tiefe für Profis. Die Charaktere überzeugen durch die individuellen Ausprägungen ihrer Attacken ebenso wie durch ihre spezifischen Special Moves und nicht zuletzt bieten die Infinity-Steine ein interessantes Element. Abseits dieser bieten aber auch andere Beat’em’Ups all dies – Marvel vs. Capcom Infinite ist spielerisch keineswegs schlecht, aber insgesamt auch nicht unbedingt besser als die Konkurrenz.

Story
Erstmals erhält ein Spiel der Reihe eine Story. Ohne zu viel zu verraten: Die Welten von Marvel und Capcom sind miteinander verschmolzen, so dass es nun beispielsweise Orte gibt wie Valkanda, eine Fusion aus Wakanda (Marvel) und Val Habar (Capcom/Monster Hunter), oder Institutionen wie die A.I.M.brella Corporation, fusioniert aus A.I.M. (Marvel) und der Umbrella Corporation (Capcom/Resident Evil). Hier ist es eine Geschmacksache, ob man eine solche Fusion gut oder schlecht findet.
Wie es zu dieser Fusion überhaupt gekommen ist, erfahren wir im neuen Story-Modus – allerdings erst nach einiger Zeit. Beginnen tut dieser mittendrin, 88 Tage nach der Konvergenz, ohne weiter etwas zu erklären. Wir kämpfen mit diversen Recken in Xgard (einer Fusion aus Marvels Asgard und Mega Mans Abel City), wissen nicht wieso, woher sich die Welten kennen oder was überhaupt los ist. Nach den ersten Kämpfen, zwischen denen kurze Videosequenzen die Story weiterspannen, verlassen wir Xgard zunächst, und ab hier erhält die Story zumindest etwas roten Faden – bis zur Erklärung, was eigentlich passiert ist, vergeht dennoch noch etwas Zeit.
Wenn auch nicht sonderlich viel Zeit: Der gesamte Story-Modus ist nach rund 5 Stunden Spielzeit vorüber. Einen Wiederspielwert gibt es nicht, da es keinerlei Entscheidungen zu treffen oder alternative Charaktere zu spielen gibt – schade! Zwar kommt man weder in Atmosphäre, noch in Storyaufbau oder Inszenierung an Injustice 2 heran, dennoch konnten die Stunden solide unterhalten – mehr allerdings auch nicht, obwohl gerade die Kampfbedingungen hier zuweilen etwas verändert wurden, was der Abwechslung zu Gute kommt und trotz schwankendem Schwierigkeitsgrad positiv auffällt. Dennoch: Etwas mehr erzählerische Tiefe, etwas mehr Details, einfach etwas mehr Story hätten hier gut getan. So bleiben die Charaktere leider sehr blass, die Story reißt nicht mit, und alles wirkt etwas abstrus. Was generell bedauerlich ist, denn die vielfältigen Charaktere und die Fusion der Welten hätte durchaus Potenzial für eine längere, unterhaltsame Geschichte – ein Potenzial, was leider nicht ausgenutzt wird. So bleibt der Story-Modus ein Synonym für das Spiel: ganz nett, aber da wäre einfach mehr drin gewesen.

Umfang
Ein überzeugender, länger unterhaltender Story-Modus wäre dabei umso wichtiger gewesen, wenn man sich ansieht, womit man sich danach noch beschäftigen kann. Hinter den Missionen befinden sich lediglich kurze Aufgaben der Art, bestimmte Angriffe oder Kombos zu erfüllen, was nicht sonderlich unterhaltsam ist und eher Trainingszwecken dient. Der Arcade-Modus enttäuscht sogar auf ganzer Linie, da er nach Abschluss lediglich  ein „Congratulations“ einblendet und die Credits abspielt – ein kurzes, charakterspezifisches Outro hätte hier meiner Meinung nach unbedingt hingehört. Wieso sollte man ihn also spielen? Die einzige Belohnung sind je ein Titel und eine alternative Farbkombination für die beiden ausgewählten Kämpfer.
Von diesen Farbkombinationen gibt es pro Kämpfer insgesamt vier, von denen zwei freigespielt werden müssen. Alternative Outfits oder auch nur Outfit-Details gibt es gar nicht im Spiel – auch dies ist eine schwache Leistung. Demgegenüber stehen immerhin 16 Kampfschauplätze – was gar nicht übel ist. Auch die Kämpferriege ist mit 30 Figuren zwar schmaler als im Vorgänger, aber dennoch im soliden Bereich, auch wenn man fast zwangsläufig nicht alle seiner Lieblinge wiederfindet – hier fällt insbesondere das Fehlen von X-Men auf.
Online ist es inzwischen so, dass ich bei mehreren Versuchen, trotz Ausweitung auf alle Regionen und Verbindungsstärken, weder Ranglisten-, noch Freundschafts- oder Anfängerkämpfe fand. So bleiben lediglich spaßige Kämpfe gegen die CPU oder Freunde – was mal ganz nett ist, aber mehr auch nicht, zumal Konkurrenzspiele generell mehr Anreiz bieten, weiterzuspielen und Abwechslung bieten nach Abschluss der Story.
Die harten Fakten:

Entwickler: Capcom Co., Ltd.:
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Menüs/Untertitel diverse (u.a. Deutsch, Englisch), Sprachausgabe Englisch
Plattformen: Playstation 4, Xbox One, PC/Steam
PC-Systemanforderungen: Windows 7 64 Bit, Intel Core i3-4160 @ 3.60GHz, 6 GB Ram, NVIDIA® GeForce® GTX 480/570/670 oder besser, DirectX 11, Steam-Account, 59 GB freier Speicherplatz
EAN: 5055060900826 (PS4), 5055060966587 (XONE), 5055060972731 (PC)
Preis: ab 24,99 EUR (PC), ab 29,99 EUR (PS4/XONE)
Bezugsquelle: Amazon sowie die jeweiligen digitalen Shops der Systeme

 
Versionen, Extras und DLCs
Neben der Standard-Edition gibt es exklusiv bei ausgewählten Händlern eine Deluxe- und eine Collector’s Edition. Erstere beinhaltet ein Steelbook und den Character Pass 2017, zweiteres enthält zusätzlich die sechs Infinity-Steine als Replik in einer Box und Figuren von Chun-Li, Mega Man, Iron Man und Captain Marvel.
Der genannte Character Pass ist einzeln als DLC zu erwerben (Listenpreis 29,99 EUR) und enthält sechs zusätzliche Charaktere inklusive eines Premiumkostüms: Sigma, Black Panther, Monster Hunter, Winter Soldier, Black Widow und Venom. Im Einzelkauf schlagen die Charaktere mit jeweils 7,99 EUR zu Buche. Zudem gibt es für alle Charaktere des Grundspiels ebenfalls ein Premiumkostüm zu erwerben, zum Preis von jeweils 3,99 EUR. Für Ryu, Mega Man, Hulk und Thor gibt es zudem ein weiteres Kostüm, welche mit je 2,99 EUR etwas günstiger sind. Die Premiumkostüme gibt es günstiger als Bundle, mit je 6 Kostümen im Set für knapp 12 EUR und mit allen 30 für knapp 30 EUR.
In Anbetracht der Tatsache, dass der Character Pass die Jahreszahl 2017 bereits im Namen trägt und der Vorgänger mit allen DLCs beziehungsweise in der Ultimate Edition satte 50 Charaktere aufzubieten hatte, ist es gut möglich, dass weitere Charaktere per DLC folgen werden.
Auf allen Plattformen gibt es übrigens eine Demo, so dass Interessierte problemlos „reinschnuppern“ können.
Fazit
Marvel vs. Capcom Infinite hat viel Potenzial im Gepäck, nutzt dies jedoch nicht aus. Die Kämpfe laufen flüssig, die Charaktere sind abwechslungsreich, dank Vereinfachungen und tiefergehenden Kombos können sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Spieler Spaß haben, und dank den Kräften der Infinity-Steine hat man eine eigene Besonderheit. Doch weder die Technik kann mit der Oberklasse mithalten, noch kann der Story-Modus es mit der Konkurrenz aufnehmen. Nach rund fünf Stunden Story-Spielzeit bleibt kaum Wiederspielwert, von netten Kämpfen gegen Freunden oder einer kurzen Partie gegen die KI abgesehen.
Für Fans der Lizenzen ein nettes Spiel, dass farbenfroh und gut spielbar ist, allerdings kaum zum Weiterspielen motiviert.

Artikelbilder: Capcom Co., Ltd.
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Marvel vs. Capcom Infinite ist bereits der vierte Teil der Beat’em’Up-Serie, allerdings der erste, der für die aktuelle Konsolengeneration entwickelt wurde. Neben neuer Grafik findet auch erstmals ein Story-Modus Einzug. Kann das Spiel überzeugen oder gar den Hit Injustice 2 übertrumpfen?
Fast sechs Jahre ist es inzwischen her, dass Capcom ein Aufgebot seiner Charaktere gegen jene von Marvel ins Feld schickte. Marvel vs Capcom 3 erschien im Februar 2011 auf Playstation 3 und Xbox 360, im November 2011 folgte die Ultimate Edition, welche nahezu alle DLC-Charaktere enthielt. Im Dezember 2016 (Playstation 4) beziehungsweise März 2017 (PC, Xbox One) erschien diese Version auch für die aktuelle Konsolengeneration, erstmals mit allen DLCs im Bundle – was einer Kämpferriege von satten 50 Charakteren entsprach.
Im September 2017 folgte dann endlich der echte Nachfolger: Marvel vs Capcom Infinite. Entwickelt für die aktuelle Konsolengeneration und mit echtem Story-Modus, jedoch auch mit nur noch 30 Charakteren und Kämpfen mit jeweils nur noch zwei Figuren je Seite anstelle von dreien. Nachdem Injustice 2 im Mai 2017 auf Seiten von DC Comics neue Maßstäbe im Beat’em’Up-Bereich setzte, muss sich der aktuelle Prügler von Capcom natürlich mit diesem vergleichen lassen – kann er bestehen oder gar selbst die Messlatte erhöhen? Wir haben uns das auf der Playstation 4 mal angesehen.
Technik
Genau wie Injustice 2 setzt Marvel vs. Capcom Infinite auf die Unreal Engine und ein 2D-Spielerlebnis – hinkt dem Konkurrenten jedoch etwas hinterher. Zwar ist die Grafik solide und nicht wirklich schlecht – aber auch kein Meilenstein. Die Kulissen sind hübsch, aber könnten etwas lebendiger sein. Interaktionen mit den Kulissen gibt es leider nicht. Die Charaktere sind ebenfalls überwiegend ansehnlich, im Detail fallen jedoch einzelne Schwächen auf. So hat man zuweilen (gerade in den Videosequenzen) das Gefühl, die Texturen wären nicht so scharf, wie sie sein könnten, und gerade Umhänge wie bei Doktor Strange stehen merkwürdig ab, statt auf den Schultern aufzuliegen. Auch Haaranimationen haben wir teilweise vermisst.
Hinzu kommt ein zuweilen merkwürdiges Artdesign: Während einige Charaktere gut getroffen sind, sehen andere ziemlich überzeichnet und zu muskulös aus. Zusammen mit der teils sehr schlichten Gestaltung der Gesichter wirken Charaktere wie Captain America fast mehr wie ihre Pendants aus dem überzeichneten Disney Infinity-Universum oder eine Plastik-Actionfigur statt wie aus den Comics oder Filmen. Dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, die Dialoge zu synchronisieren, ist zudem enttäuschend.
Daneben stehen aber auch positive Aspekte. Die Action ist schnell, die Framerate stabil, alles ist ziemlich bunt und es wird ein ziemliches Effekt-Gewitter aufgefahren. Insgesamt gibt das Spiel technisch ein recht gelungenes Bild ab – wenn man keine zu hohen Maßstäbe anlegt oder es mit dem direkten Konkurrenten vergleicht. Sieht man über die erwähnten Mankos hinweg, erwartet einen ein buntes Actionfest, mit solider Technik, die der aktuellen Konsolengeneration angemessen ist, ohne sich an die Spitze zu gesellen.

Gameplay
Spielerisch liefert Capcom ebenfalls solides ab. Die Charaktere fühlen sich zuweilen sehr unterschiedlich an, auch ohne Nutzung ihrer Spezialattacken. So ist der Hulk auffällig langsam, schlägt dafür aber umso kräftiger zu. Dass man immer zwei Charaktere zum Kampf mitnimmt, ergibt ein angenehmes Gameplay und ermöglicht es, für sich selbst passende Kombinationen zu finden. Selbstredend ist der regelmäßige Charakterwechsel elementar – der sich gerade nicht im Kampf befindliche Charakter kann verschnaufen und so einen Teil seiner Lebenspunkteleiste wieder auffüllen.
Ergänzend wählt man in der Zusammenstellung seines Teams einen der sechs Infinity-Steine aus, um die sich nicht nur die Story dreht, sondern die auch Auswirkungen im Kampf haben. Jeder der Steine gibt uns eine neue Aktion sowie eine besonders mächtige Superkraft, die wir nach einer gewissen Zeit auslösen können. Der Seelenstein beispielsweise lässt uns über eine mittlere Distanz Gesundheit des Gegners zu unseren Gunsten absaugen und als Superkraft sogar einen gefallenen Partner wiederbeleben – dies ist schon grenzwertig zum Übermächtigen. Aber auch die anderen Steine bieten nette Effekte und verändern dadurch das ganze Spiel – sofern man sie klug einsetzt.
Bei der Steuerung verlässt man sich grundsätzlich auf Bewährtes: Je ein Button für schwache und starke Tritte und Schläge, von denen einer zudem in Verbindung mit dem Stick Griffe ausführt. Mit den Schultertasten können wir die Infinity-Steine benutzen und unseren Partner einwechseln, die Kombi aus starkem Schlag und Tritt löst einen charakterspezifischen Superangriff aus, zum Blocken drücken wir einfach in die entgegengesetzte Richtung. Verfeinert wird das Ganze natürlich um diverse, vor allem charakterspezifische Kombos, die wir mitunter auch verketten können oder der Möglichkeit, Angriffe nicht nur zu blocken, sondern sogar zurück zu schleudern – ergo kontern, in gewisser Weise. Kombos kann man dagegen nur auf eine bestimmte Weise unterbrechen – indem man seinen Partner reinruft. Hierzu verbraucht man zwei Energiebalken (die natürlich erstmal aufgeladen sein müssen), und der Partner kann dann versuchen, durch Attacken die Kombokette zu durchbrechen.
Im Allgemeinen lässt sich aber bereits mit simplen Button-Smashing einiges an hübschen Effekten erzielen – hierdurch dürften sich auch Anfänger angesprochen fühlen. Alleine mit dem leichtem Schlag lässt sich eine Kombo aufbauen, die uns sogar in die Luft befördert – dies gelingt mit jedem Charakter. Durch hinzu kommende Kombos aus Zufall, den Superangriffen, Infinity-Steinen und den Unterschieden der Charaktere kommen auch ohne weitere Beschäftigung mit den spezifischen Attacken gute Laune als auch ein Effekt-Gewitter auf, während gerade für Einsteiger nervige Stunts nicht vorkommen. Eine tiefere Beschäftigung ist natürlich dennoch möglich, und bis man die Komboeingaben in der korrekten Reihenfolge und Geschwindigkeit drauf hat, kann etwas Zeit vergehen. Da man die Schwierigkeit der CPU in mehreren Stufen anpassen kann, dürfte das Spiel nahezu allen Spielern die passende Herausforderung bieten.
Insgesamt macht das Spiel hinsichtlich des Gameplays eigentlich nichts falsch: Es ist zugänglich für Einsteiger, bietet aber auch mehr Details und Tiefe für Profis. Die Charaktere überzeugen durch die individuellen Ausprägungen ihrer Attacken ebenso wie durch ihre spezifischen Special Moves und nicht zuletzt bieten die Infinity-Steine ein interessantes Element. Abseits dieser bieten aber auch andere Beat’em’Ups all dies – Marvel vs. Capcom Infinite ist spielerisch keineswegs schlecht, aber insgesamt auch nicht unbedingt besser als die Konkurrenz.

Story
Erstmals erhält ein Spiel der Reihe eine Story. Ohne zu viel zu verraten: Die Welten von Marvel und Capcom sind miteinander verschmolzen, so dass es nun beispielsweise Orte gibt wie Valkanda, eine Fusion aus Wakanda (Marvel) und Val Habar (Capcom/Monster Hunter), oder Institutionen wie die A.I.M.brella Corporation, fusioniert aus A.I.M. (Marvel) und der Umbrella Corporation (Capcom/Resident Evil). Hier ist es eine Geschmacksache, ob man eine solche Fusion gut oder schlecht findet.
Wie es zu dieser Fusion überhaupt gekommen ist, erfahren wir im neuen Story-Modus – allerdings erst nach einiger Zeit. Beginnen tut dieser mittendrin, 88 Tage nach der Konvergenz, ohne weiter etwas zu erklären. Wir kämpfen mit diversen Recken in Xgard (einer Fusion aus Marvels Asgard und Mega Mans Abel City), wissen nicht wieso, woher sich die Welten kennen oder was überhaupt los ist. Nach den ersten Kämpfen, zwischen denen kurze Videosequenzen die Story weiterspannen, verlassen wir Xgard zunächst, und ab hier erhält die Story zumindest etwas roten Faden – bis zur Erklärung, was eigentlich passiert ist, vergeht dennoch noch etwas Zeit.
Wenn auch nicht sonderlich viel Zeit: Der gesamte Story-Modus ist nach rund 5 Stunden Spielzeit vorüber. Einen Wiederspielwert gibt es nicht, da es keinerlei Entscheidungen zu treffen oder alternative Charaktere zu spielen gibt – schade! Zwar kommt man weder in Atmosphäre, noch in Storyaufbau oder Inszenierung an Injustice 2 heran, dennoch konnten die Stunden solide unterhalten – mehr allerdings auch nicht, obwohl gerade die Kampfbedingungen hier zuweilen etwas verändert wurden, was der Abwechslung zu Gute kommt und trotz schwankendem Schwierigkeitsgrad positiv auffällt. Dennoch: Etwas mehr erzählerische Tiefe, etwas mehr Details, einfach etwas mehr Story hätten hier gut getan. So bleiben die Charaktere leider sehr blass, die Story reißt nicht mit, und alles wirkt etwas abstrus. Was generell bedauerlich ist, denn die vielfältigen Charaktere und die Fusion der Welten hätte durchaus Potenzial für eine längere, unterhaltsame Geschichte – ein Potenzial, was leider nicht ausgenutzt wird. So bleibt der Story-Modus ein Synonym für das Spiel: ganz nett, aber da wäre einfach mehr drin gewesen.

Umfang
Ein überzeugender, länger unterhaltender Story-Modus wäre dabei umso wichtiger gewesen, wenn man sich ansieht, womit man sich danach noch beschäftigen kann. Hinter den Missionen befinden sich lediglich kurze Aufgaben der Art, bestimmte Angriffe oder Kombos zu erfüllen, was nicht sonderlich unterhaltsam ist und eher Trainingszwecken dient. Der Arcade-Modus enttäuscht sogar auf ganzer Linie, da er nach Abschluss lediglich  ein „Congratulations“ einblendet und die Credits abspielt – ein kurzes, charakterspezifisches Outro hätte hier meiner Meinung nach unbedingt hingehört. Wieso sollte man ihn also spielen? Die einzige Belohnung sind je ein Titel und eine alternative Farbkombination für die beiden ausgewählten Kämpfer.
Von diesen Farbkombinationen gibt es pro Kämpfer insgesamt vier, von denen zwei freigespielt werden müssen. Alternative Outfits oder auch nur Outfit-Details gibt es gar nicht im Spiel – auch dies ist eine schwache Leistung. Demgegenüber stehen immerhin 16 Kampfschauplätze – was gar nicht übel ist. Auch die Kämpferriege ist mit 30 Figuren zwar schmaler als im Vorgänger, aber dennoch im soliden Bereich, auch wenn man fast zwangsläufig nicht alle seiner Lieblinge wiederfindet – hier fällt insbesondere das Fehlen von X-Men auf.
Online ist es inzwischen so, dass ich bei mehreren Versuchen, trotz Ausweitung auf alle Regionen und Verbindungsstärken, weder Ranglisten-, noch Freundschafts- oder Anfängerkämpfe fand. So bleiben lediglich spaßige Kämpfe gegen die CPU oder Freunde – was mal ganz nett ist, aber mehr auch nicht, zumal Konkurrenzspiele generell mehr Anreiz bieten, weiterzuspielen und Abwechslung bieten nach Abschluss der Story.
Die harten Fakten:

Entwickler: Capcom Co., Ltd.:
Erscheinungsjahr: 2017
Sprache: Menüs/Untertitel diverse (u.a. Deutsch, Englisch), Sprachausgabe Englisch
Plattformen: Playstation 4, Xbox One, PC/Steam
PC-Systemanforderungen: Windows 7 64 Bit, Intel Core i3-4160 @ 3.60GHz, 6 GB Ram, NVIDIA® GeForce® GTX 480/570/670 oder besser, DirectX 11, Steam-Account, 59 GB freier Speicherplatz
EAN: 5055060900826 (PS4), 5055060966587 (XONE), 5055060972731 (PC)
Preis: ab 24,99 EUR (PC), ab 29,99 EUR (PS4/XONE)
Bezugsquelle: Amazon sowie die jeweiligen digitalen Shops der Systeme

 
Versionen, Extras und DLCs
Neben der Standard-Edition gibt es exklusiv bei ausgewählten Händlern eine Deluxe- und eine Collector’s Edition. Erstere beinhaltet ein Steelbook und den Character Pass 2017, zweiteres enthält zusätzlich die sechs Infinity-Steine als Replik in einer Box und Figuren von Chun-Li, Mega Man, Iron Man und Captain Marvel.
Der genannte Character Pass ist einzeln als DLC zu erwerben (Listenpreis 29,99 EUR) und enthält sechs zusätzliche Charaktere inklusive eines Premiumkostüms: Sigma, Black Panther, Monster Hunter, Winter Soldier, Black Widow und Venom. Im Einzelkauf schlagen die Charaktere mit jeweils 7,99 EUR zu Buche. Zudem gibt es für alle Charaktere des Grundspiels ebenfalls ein Premiumkostüm zu erwerben, zum Preis von jeweils 3,99 EUR. Für Ryu, Mega Man, Hulk und Thor gibt es zudem ein weiteres Kostüm, welche mit je 2,99 EUR etwas günstiger sind. Die Premiumkostüme gibt es günstiger als Bundle, mit je 6 Kostümen im Set für knapp 12 EUR und mit allen 30 für knapp 30 EUR.
In Anbetracht der Tatsache, dass der Character Pass die Jahreszahl 2017 bereits im Namen trägt und der Vorgänger mit allen DLCs beziehungsweise in der Ultimate Edition satte 50 Charaktere aufzubieten hatte, ist es gut möglich, dass weitere Charaktere per DLC folgen werden.
Auf allen Plattformen gibt es übrigens eine Demo, so dass Interessierte problemlos „reinschnuppern“ können.
Fazit
Marvel vs. Capcom Infinite hat viel Potenzial im Gepäck, nutzt dies jedoch nicht aus. Die Kämpfe laufen flüssig, die Charaktere sind abwechslungsreich, dank Vereinfachungen und tiefergehenden Kombos können sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Spieler Spaß haben, und dank den Kräften der Infinity-Steine hat man eine eigene Besonderheit. Doch weder die Technik kann mit der Oberklasse mithalten, noch kann der Story-Modus es mit der Konkurrenz aufnehmen. Nach rund fünf Stunden Story-Spielzeit bleibt kaum Wiederspielwert, von netten Kämpfen gegen Freunden oder einer kurzen Partie gegen die KI abgesehen.
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Artikelbilder: Capcom Co., Ltd.
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

Quelle: www.teilzeithelden.de Gametest: Marvel vs. Capcom Infinite – voll auf die Fresse?

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